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Wer hat denn nun Recht? Ärztin vs Ernährungsberaterin

  • Rang: Anfänger
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    Mitglied seit: 07.05.2022
    am 07.05.2022 19:57:45 | IP (Hash): 1680963508
    Hallo ihr Lieben,

    ich bin noch neu hier und freue mich schon, mich mit euch austauschen zu können. Aber zu Beginn, habe ich gleich ein Problem:

    Bei mir wurde vor ca. 6 Wochen Diabetes Typ 2 diagnostiziert. Meine Hausärztin erzählte mir, dass dieser eine Wert ( ich kann mir die Bezeichnung noch nicht merken) bei 7,0 liegt und ich so definitiv als Diabetikerin einzustufen sei. Sie sagte mir, ich solle jetzt möglichst wenig Zuckerhaltiges und ebenso wenig Kohlenhydrate zu mir nehmen, möglichst Vollkorn und Ballaststoffe und so. Aber im Großen und Ganzen müsste ich mich nicht allzu sehr einschränken. Nur das Abendessen solle möglichst KH-frei sein. Außerdem verschrieb sie mir Metformin.

    Bis meine Diabetes-Schulung begann vergingen 3 Wochen und ich kam gut mit der Umstellung klar. Ich habe mir sogar so ein kleines Blutzuckermessgerät angeschafft. um zu sehen, was unterschiedliche Lebensmittel so mit meinem Blutzucker anstellen. Ich sollte ja Spitzen vermeiden.

    Aber dann ging die Diabetes-Schulung los und ich bin jetzt nach weiteren 3 Wochen in einer Situation, in der ich gefühlt kaum noch was essen darf und ich halte das nur sehr schlecht durch. Immer wieder bekomme ich Heißhungerattacken und bin darüber echt unglücklich.

    Bei einem weiteren Termin bei meiner Hausärztin, zeigte sich diese über die Anweisungen der Ernährungsberaterin entsetzt und meinte, dass die Vorgaben völlig überzogen seien.

    Nun sitze ich also hier und weiß nicht mehr, wer denn nun recht hat. Damit ihr die Lage besser einschätzen könnt, Hier ein paar Beispiele, was ich essen bzw. nicht essen soll:
    Erlaubt sind:
    - Gemüse (außer Möhren),
    - Fleisch, Eier(soviel ich will)
    - Quark (aber kein Joghurt)
    - Süßstoff
    - sowie sämtliche Fette (aber davon nicht zu viel),

    Ab und zu erlaubt:
    - Obst, (nur Beeren, auf keinen Fall Bananen, Ananas oder Birnen,)
    - Eis (aber nur das aus der Eisdiele und ohne Waffel)
    - Vollkornnudeln oder Vollkornreis

    Verboten:
    - alles, was Industriezucker enthält
    - alle Teigwaren, die nicht auf Vollkornmehl basieren
    - Kartoffeln
    - Alkohol
    - Sirup, Honig

    Das ist jetzt nur eine grobe Übersicht. Könnt ihr mir bei meiner Einschätzung ein wenig weiter helfen? Ich bin total verunsichert.

    Liebe Grüße
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    am 07.05.2022 20:15:13 | IP (Hash): 442065111
    Hallo Struwwellliese,

    nur keine Bange, das kommt Dir nur am Anfang so vor. Im Prinzip stimmt das fast, was Dir in der Schulung gesagt wurde. Ich versuche mal, dir das ausführlicher zu schreiben. Obst, 2 Teile, nur bis mittags, Gemüse so viel Du willst. Vollkornnudeln und Vollkornreis ist korrekt, aber nur 30 g roh. Du musst dir angewöhnen, Dich am Gemüse/Salat satt zu essen.

    Kartoffeln (kleine), 2 Stück zum Gemüse darfst Du essen, aber möglichst als Pellkartoffeln oder Salzkartoffeln kochen. Was auch geht, sind Bratkartoffeln (auch nur 2), die sind sogar gut verträglich, weil Du mit Fett/Öl anbraten tust.

    An Brot nur Vollkorn oder Knäckebrot Vollkorn.

    Zwischendurch kannst du z. B. eine Scheibe Käse, ein Geflügelwienerle, eine Karotte essen. ich mache mir als 2. Frühstück immer ein paar Scheiben Gurken, eine Tomate. Dann hartgekochtes Ei.

    Um Hungerattacken vorzubeugen, esse ich Erdnüsse. Die haben zwar auch Kohlehydrate, aber komischerweise machen die nichts.

    Bei Schokolade esse ich immer einen Riegel Zartbitten, 81 - 85 % Kakao. Und dann gibt es meinen über alles geliebten High Protein-Pudding (ist ohne Zucker), wobei ich da eigentlich jeden Abend spät einen esse.

    Eis habe ich, seit mein Diabetes bekannt ist, in den 1 1/2 Jahren nur ein mal gegessen. Kuchen auch nur ganz selten und wenn, dann Käsekuchen.

    Es ist eine totale Ernährungsumstellung, aber Du gewöhnst Dich daran. Und das wichtigste, ich fühle mich seit dieser Zeit sehr viel besser und habe auch mehr Energie.

    Also lass den Kopf nicht hängen, Du wirst sehen, es geht.

    Gruß,
    Biggi
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    Mitglied seit: 07.05.2022
    am 07.05.2022 20:21:24 | IP (Hash): 1680963508
    Danke für deine schnelle Antwort. Ich glaube auch, dass das noch eine ordentliche Umstellung wird, aber was du sagst, klingt ja schon ganz gut, wobei mir die Karotten ausdrücklich verboten wurden. Und ich spreche hier von 1 Karotte, die ich in eine chinesische Nudelpfanne geraspelt habe. Sie meinte, da wäre so viel Zucker drin. Bist du ganz sicher, dass man die darf?

    Liebe Grüße
    Struwwelliese :)
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    am 07.05.2022 20:26:01 | IP (Hash): 81480552
    Hallo Struwelliese,
    Ich bin zwar auch noch recht neu mit der Diagnose, aber ich möchte dir gerne meine Erfahrung teilen.
    Deine Liste mit do‘s und don‘t-s ist für mich zwar auch immer present im Kopf aber nicht so starr. Die Produkte aus der Liste „ab und zu erlaubt“ esse ich regelmäßig, da ich ansonsten nicht satt werde und ich auf Grund einer Rheuma-Erkrankung auch mich nicht hauptsächlich von Fleisch und Eier ernähren sollte (und mir das auch ideologisch völlig gegen den Strich gehen würde!)
    Vollkornbrot (backe selber Sauerteigbrot), und Vollkornprodukte im Allgemeinen wiege ich ab (zb nehme ich 60 Gramm Nudeln) Wichtig ist diese Produkte mit Lebensmittel aus der Liste „darf ich immer“ zu kombinieren. In meinem Fall Gemüse (Rohkost, Tapenades), Eier, oder Käse. So klappt es bei mir ganz gut.

    Ich gebe dir mal ein Beispiel: Ich esse morgens Skyr mit Haferflocken (diese sind aus der mittlere Liste) aber weil ich sie kombiniere mit Eiweiß spricht Skyr und noch zusätzlich Nüsse (eiweißreich) und Samen (Leinsamen, Chia und Hanf) und noch Heidelbeeren dazu gebe geht der Zucker nicht so schnell hoch als wenn ich die Haferflocken pur essen würde.

    So passe ich bei jede Mahlzeit auf dass ich die Kohlenhydrate kombiniere mit Eiweiß und Fette.

    Hoffe ich konnte dir ein wenig helfen!
    Viel Erfolg beim ausprobieren!
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    am 07.05.2022 20:42:15 | IP (Hash): 1680963508
    Auch dir ein herzliches Danke für deine Antwort.
    Ich habe tatsächlich angefangen Brot und Brötchen zu backen. Ich liebe Brötchen und da man reine Vollkornbrötchen in meiner Nähe nicht als Aufbackvariante bekommt, muss ich eben selber ran. Die Brötchen werden noch nicht perfekt, aber ich verbessere mich langsam.

    Mein Hauptproblem ist immer der Abend. Ich bin Spätesserin und bekomme es so gar nicht hin gegen 19 Uhr eine letzte Mahlzeit zu mir zu nehmen und dann auch noch ohne Kohlenhydrate. Heute habe ich es jetzt das erste Mal ernsthaft versucht und mir ein Ratatouille gemacht. Ein bisschen was fehlt mir ja schon
    :(

    Morgen werde ich mal deine Ratschläge beherzigen und versuchen die verschiedenen Lebensmittelgruppen zu vermischen. Vielleicht gelingt mir ja das besser.

    Liebe Grüße
    Struwwelliese
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    am 07.05.2022 20:53:13 | IP (Hash): 81480552
    Oder die Menge anpassen. Die Meinungen gehen da wohl auseinander, auch hier im Forum über wie oft man essen soll am Tag.
    Ich fahre ganz gut damit kleinere Mahlzeiten zu mir zu nehmen und dafür dann aber häufiger zu essen. So geht mein Zucker nicht so spitzenmässig in die Höhe, nervig ist es dass ich nie so lange satt bin… Aber man kann ja nicht alles haben denke ich mir und so lange die Werte so im Rahmen bleiben habe ich halt immer meine Döschen mit den Zwischenmahlzeiten mit dabei (mit Nüssen, Rohkost, ein Stück Hartkäse, ne Avokado)
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    am 07.05.2022 21:09:22 | IP (Hash): 1680963508
    Das ist mal eine gute Idee. So eine Notfall-Box sollte ich mir auch zulegen. Aber wie hältst du die Avokado frisch? Zitrone?

    LG
    Struwwelliese
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    am 07.05.2022 21:15:13 | IP (Hash): 442065111
    Eine Karotte zum Knabbern ist durchaus täglich erlaubt. Ansonsten sind im Mischgemüse ja auch Karotten. Es stimmt schon, dass Karotten etwas Zucker haben, aber so ganz ohne Kohlehydrate geht es ja auch nicht. Als kleiner Anhaltspunkt: zu der Hauptmahlzeit esse ich abwechelnd 30 g Vollkornnudeln, 30 g Vollkornreis oder eben 1 1/2 kleinere Kartoffeln.

    Wenn Du morgens lieber Haferflocken mit Beeren und Joghurt isst: 2 - 3 Esslöffel Vollkornhaferflocken und dazu Beerenobst und Naturjoghurt, soviel du willst.

    Aber einiges musst du auch ausprobieren, die Verträglichkeit und die Reaktionen des Blutzuckers sind bei jedem unterschiedlich.

    Ich esse mittags z. B. nach meinen 2 Vollkornknäckebroten kleingeschnittene Erdbeeren, Naturhoghurt (1,5 % Fett), süsse mit Süßstoff und mache noch Zimt darüber.

    Gruß,
    Biggi
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    am 07.05.2022 21:15:50 | IP (Hash): 81480552
    Ich schneide die durch und „klappe“ sie wieder zusammen und esse sie dann mit dem Löffel (also löffle sie aus)
    ;-)
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    am 07.05.2022 21:31:03 | IP (Hash): 654423723
    Was für Dich persönlich passt, kannst nur Du nach diesem Rezept rausfinden https://www.bloodsugar101.com/_files/ugd/32a606_db20057cf9b5496ea94c7d7d2d6f0cde.pdf denn das geht nicht nach 1-size-fitts-all.
    Und dann kannst nur Du für Dich entscheiden, in welchem Rahmen Du Deinen BZ einstweilen halten willst.

    Am einfachsten ist der meistens ärztlich empfohlene mit dem Langzeitwert HbA1c zwischen 6,5 und 7,5 und nüchtern zwischen 100 und 140 mg/dl ohne Beachten der Spitzen. Für diesen Zustand zu halten braucht man auf die Dauer über 10 und mehr Jahre immer mehr an Hilfe durch Medikamente.

    Am gesündesten ist der im Link mit in den Spitzen max 140 mg/dl. Wer in den ersten Jahren nach der Diagnosereife damit anfängt und sich daran gewöhnt, ist zwar mit Diabetes aber praktisch völlig gesund: Keine Neigung zu (immer mehr) Medi-Bedarf und zu Folgekrankheiten. Allerdings ist man damit meistens praktisch auf sich allein gestellt, weil die meisten Ärzte das noch immer nicht als mögliches und wählbares Behandlungsziel sehen und unterstützen.

    Beim Austesten der Spitzen fallen Dir wahrscheinlich schon Verbotene Sachen auf, die Deinen BZ gar nicht so hoch ansteigen lassen, und ab und zu erlaubte, die Deinen BZ eher treiben. Und Du wirst mit etwas systematischem Testen sehr bald finden, dass die Einteilung nicht besonders hilfreich ist, weil Du aus allen Bereichen nehmen kannst und von der jeweiligen Portionsgröße abhängt, wie hoch Dein BZ steigt. Und auf der Grundlage dann passend für Dich die Mahlzeiten zusammenstellen, auch die am Abend.

    Vielleicht einfach mal machen? Daumendrück!

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.