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Neu in der Gruppe und eine Frage

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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 25.10.2023 21:04:33 | IP (Hash): 812765853
    Super, ich finde mich in deiner Schreibe direkt wieder. Auch ich habe damals erst einmal gespritzt, was ich für mein Frühstück brauchte. Und dann habe ich mich vor das Frühstück gesetzt und in fünf Minuten Abständen getestet und angefangen zu essen, wenn mein Blutzucker auf 100-80 mg/dl gesunken war. Mit dem Humaninsulin, mit dem ich damals angefangen habe, dauerte das vom Spritzen bis unter 100 mg/dl um zwei Stunden. Anschließend mit dem neuen schnellen Analoginsulin Humalog nur noch knapp eine Stunde.

    Und auch ich hatte ein ausgeprägtes Dawn-Phänomen. Also von 80 bis 90 um 5 Uhr auf 160 bis 170 um 8 Uhr bis 9 Uhr. Nach jeder Routineuntersuchung beim Doc, zu der man ja nüchtern antreten muss, haben mich die Sprechstundenhilfen dann angerufen und zu einem dringenden Rücksprache-Termin mit dem Arzt aufgefordert, weil ich doch so einen hohen Nüchternwert hatte. Ich habe sie dann immer gebeten, in ihren Unterlagen / an ihrem Bildschirm ein Stückchen weiter zu schauen auf den HbA1c-Wert. Und da stand dann immer 5,2 oder 5,3 oder auch schon mal 5,0. Das stellte sie immer zufrieden, und dann brauchte ich nicht mehr zum Doc.
    Das Dawn Phänomen habe ich nicht mehr seit meiner Leberentfettung nach Taylor vor gut acht Jahren. Seitdem brauche ich auch nur noch 10 statt 40 IE Basal.

    So einen Verlaufsberg in der Nacht habe ich bei mir in meinem Jahr mit dem Libre 1 nicht gesehen. Und ich würde ihn wie einen Verlaufsberg nach dem Essen bewerten: Wenn der BZ nach dem Auslaufen des Bergs auf der Höhe ausläuft, in der er angefangen hat, hat das Insulin gepasst. Mehr würde den Auslauf doch runterziehen, und das müsste ich dann doch auffressen :(

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    Schon im völlig gesunden Bereich können höhere Blutzuckerspitzen diabetische Beschwerden und Schäden verursachen. Wenn man davon betroffen ist, ist das zuverlässige Vermeiden solcher Spitzen die erste Wahl - geht meistens völlig ohne Arzt und Medis :)
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    Mitglied seit: 16.10.2023
    am 25.10.2023 23:39:09 | IP (Hash): 1077626483
    Hallo Jürgen,
    es freud mich für dich, wenn du deine Leberentfettung nach Taylor wegbekommen hast. Ich habe keine Leberprobleme (Kein Alkohol und keine Zigaratten). Meine Leberwerte sind besten. Daher brauche ich auch keine "Wundermittel". Ich möchte hier auch keine Abhandlung über das Dawn-Phänomen schreiben. Dazu gibt es genügend sehr gute Publikationen.

    Trotzdem hier mal mein Sachverhalt, weshalb ich ca. eine Stunde vor dem Frühstücken spritze. Mein Messwert ist konstand über Nacht zwischen 100 und 120 mg/dl (immer Gewebezucker).

    1.
    Wenn ich aufwache messe ich ebenfalls zwischen 100 und 120 mg/dl. Wenn ich nun aufstehe, das Badezimmer besuche und Frühstücke und zum Zeitpunkt des Frühstücksbeginn messe, dann habe ich immer zwischen 160 und 180 mg/dl gemessen (das ist viel zu hoch gegenüber meinem Zielwert 100 vor dem Essen und mein Diabetologe hat mir bestätigt, dass es das Dawn-Phänomen ist und keine Leberverfettung!)

    Jetzt müsste ich KE x KE-Faktor + Korrektur Spritzen und das fehlende Insulin für die Erhöhung vom Ziel- zum Istwert hinzurechnen. Mit diesen Insulinmengen erreiche ich aber NICHT 2 Std. nach dem Frühstück meinen Zielwert und zu Mittag wiederholt sich das.

    Das selbe wiederholt sich zum Abendessen. D.h. wenn ich morgens zum Frühstück meinen Zielwert NICHT erreiche, dann erreiche ich den ganzen Tag vor den Mahlzeiten meinen Zielwert nicht, trotzdem ich jedes Mal vor den Mahlzeiten Korrekturinsulin spritze.

    2.
    Daher spritze Morgens nach dem Aufstehen sofort KE x Faktor + ggf. Korrektur für eventuellen differenz Ist- Zielwert (Korrektur entfällt meistens, weil mein Langzeitinsulin auf einen Zielwert zwischen 100 und 120 eingestellt ist. Mit dieser vorgezogener Frühstücksspritzung erreiche ich, dass bis zu mein Frühstücksbeginn mein Gewebezucker nicht ansteigt weil das Dawn-Phänomen durch das vorher gespritzte Insulin neutralisiert wird.

    Somit benötige ich weniger Mahlzeiteninsulin weil diverse Korrekturspritzungen nicht erforderlich sind, denn ich bleibe bis zwei Stunden im Zielbereich 100 bis 160 mg/dl und erreiche zur nächsten Mahlzeit den Zielwert 100 mg/dl. Das Langzeitinsulin möchte ich nicht erhöhen, denn dann würde die Gefahr der Unterzuckerungen sich erhöhen.

    Somit habe ich mein selbst gestecktes Ziel, mit minimalsten Insulinbedarf bei minimalsten Gewebezucker Messwerten zu erreichen und damit einen HbA1c unter 7 zu erreichen, z.Zt. 6,8. Mit noch schärferen Einstellungen kännte ich einen noch besseren Wert erreichen, würde damit aber gefahr laufen, und zu nahe an meine Alarmmeldung kleiner 70 mg/dl Gewebezucker rankommen.

    Ich habe meine Erfahrungen hier mal etwas ausführlicher beschrieben weil ich weiss, dass viele Patienten nach dieser Methode spritzen und auf "Wundermittel verzichten".

    Viele Grüße an Dich und alle Mitleser, Zuckermann
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    Seit 2010 Insulinpflichtig TYP-2, ICT und rtCGM
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 26.10.2023 11:06:27 | IP (Hash): 268113995
    Da hab ich mich missverständlich ausgedrückt:
    Ich habe deine BZ-Steuerung nicht kritisieren und dir auch keine Fettleber andichten wollen. Aus meiner Sicht machst du alles deutlich gesünder, als mit der fachoffiziellen Standardeinstellung vermittelt wird. Und mit etwas Glück gehörst du auch zu denen von uns, deren Typ 2 bei deiner üblichen Verlaufshöhe keine Progredienz zeigt. Mit etwas Glück brauchst du also über die Jahre dafür nicht, wie meistens üblich, immer mehr Insulin.

    Zur missverständlichen Sache Fettleber - Leber entfetten:
    Die weitaus meisten Menschen mit ausgeprägter Fettleber haben und entwickeln keinen T2D. Denn deren Glukose-Ausgabe funktioniert auch mit dem vielen Fett völlig gesund. Auf der anderen Seite funktioniert bei denen mit T2D und ausgeprägter Fettleber die Glukoseausgabe schon nach 7-8 Tagen mit nur 600-800 kcal/Tag von einem auf den anderen Tag ohne Medis wieder völlig gesund. Und in der Zeit haben die ihre fette Leber aber noch lange nicht abgeschmolzen! Sondern da ist nur die Funktion für die passende Glukose-Ausgabe wieder ausreichend fettfrei.

    Die schlagartige BZ-Normalisierung nach 7-8 Tagen ist seit Jahrzehnten Standard-Erfahrung mit bariatrischen OPs. Und zu dieser Standard-Erfahrung gibt es jede Menge hochwissenschaftliche Abhandlungen. Dafür braucht es kein Wundermittel, wie du das nennst.
    Prof Taylor hat die wissenschaftlichen Narrative offenbar als erster mit MRT Technik nachgemessen und gefunden, dass nicht das Skalpell die Wendung zum Gesunden bringt, sondern einzig die damit bewirkte gewaltige Verringerung des täglichen Energiezufuhr das Wundermittel ist. Und entsprechend hat er nur mit dieser Verringerung mit einer Gruppe freiwilliger OP-Kandidaten eben ohne OP die selbe BZ-Normalisierung feiern können. Seitdem haben's einige Tausend Betroffene in der DiRECT Studie und darüber hinaus bestätigt.

    Etwa 30% der Teilnehmer:innen an der UKPDS, der ersten großen Studie zu T2D, hatten ihren T2D übrigens mit BMI 25 und weniger. Und Prof Taylor hat inzwischen auch schlanke Menschen mit T2D untersucht und mit völlig unauffälligen Lebern und mit ihnen mit den 600-800 kcal/Tag den gleichen Erfolg vermelden können, wie mit den dicken. Das bedeutet, die Fett-Schwelle, über der die Leber bei uns mit T2D zuviel Glukose auszugeben beginnt, ist sehr individuell und richtet sich offenbar weder nach irgendwelchen Leberwerten, noch nach dem BMI.

    Und sie richtet sich auch nicht nach irgendwelchen Wundermitteln. So habe ich meine Entfettung mit entsprechend wenig von dem Essen erlebt, was ich die Jahre bis dahin auch schon gegessen hatte.

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    Schon im völlig gesunden Bereich können höhere Blutzuckerspitzen diabetische Beschwerden und Schäden verursachen. Wenn man davon betroffen ist, ist das zuverlässige Vermeiden solcher Spitzen die erste Wahl - geht meistens völlig ohne Arzt und Medis :)