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fragen einer nicht-diabetikerin

  • Ursel

    Rang: Gast
    am 26.12.2007 16:27:12
    Guten Tag zusammen und frohe Weihnachten.
    Meine Mutter (64) ist seit noch nicht langer Zeit Diabetikerin.
    Zu meinem besseren Verständnis und aus Sorge heraus, weil sie es mir nicht erklären kann, hoffe ich auf eine Erklärung von Diabetikern.
    Meine Mutter spritzt morgens und abends vor den Mahlzeiten jeweils feste Einheiten Actraphane 30/70.
    Sie sagt mir selber : sie hätte einen Zielwert von 150, Broteinheiten zählt sie für drei Mahlzeiten mit je 8 Einheiten.
    Heute morgen 7 Uhr hat sie ganz normal Actraphane gespritzt, dann gegessen.
    Heute mittag hat sie gestixt und einen BZ Wert von 196 vor dem Mittagessen.
    Sie hat Actrapid noch als zusätzliches Insulin und zu meiner Verwunderung 8iE davon gespritzt ( ihr geht es auch gut und stixen möchte sie erst wieder heute abend ).
    Sie sagte mir, das sie das Essen ( 8 Broteinheiten) wegspritzt.
    Ich verstehe die Logik nicht so ganz : sie hatte mir mal erklärt, das 1iE gespritzt, 30 vom Zucker runtergehen?
    Leider kann sie mir das nicht erklären, wie alles zusammenhängt.
    Trotz allem scheint sie ja gut mit ihrem Diabetes klar zu kommen- nur ich, als ihre Tochter nicht.
    Hat jemand netterweise eine verständliche Antwort für mich ?
    LG
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 26.12.2007 20:54:11
    eine "richtige" antwort wäre - mach zusammen mit deiner mutter eine schulung mit.
    weshalb ich das schreibe:
    irgendwann kann es sein daß du spritzen mußt,
    und dann mußt du wissen was wann zu tun ist.
    ----
    die therapie nennt sich ct (konventionelle therapie)
    mit korrekturinsulin., und ist recht unflexibel.
    der zielwert ist mit 150 relativ hoch.
    das wird von docs (meist hausärzte) gerne gemachr weil die angst vor hypos umgeht, dabei haben t2 im allgeneinen nur hypos wenn sie irgendwas falsch machen..
    ob der korrekturfaltor mit 30/1ie stimmt muß deine mutter wissen. der ist ua. auch tageszeitabhängig.
    ob der faktor(bolus) - 1ie pro 1be stimmt muß deine mutter wissen.
    wenn alles so ist, hat sie korrekt gehandelt, nur daß sie die korrektur von 200 auf 150 beim mittagsbolus vergessen hat das wären dann bei 8 be - 8ie essensbolus und 2ie korrektur gewesen..
    und für den nächsten tag bei gleicher morgenmenge, eine reduzierung um 1 be.
    bei konstanter spritzmenge kann man den mittagswert nur durch das essen=kohlenhydrate beeinflussen.
    ---
    daß es heute modernere therapiemöglichkeiten gibt weißt du bestimmt, "aber" der dmler muß sie verstehen "und" den mehraufwand wollen.
    es ist mit mehr messen , und erheblich höherem "denkaufwand" verbunden.
    mfg. klaus
    eine komplette erklärung selbst der relativ einfachen ct, (faktorbestimmung, basalratenbestimmung, korrekturfaktorbestimmung) bestimmung "ob" das 30/70 actraphane überhaupt richtig ist, oder dreimal 50/50 besser wäre. würde hier den rahmen sprengen. von klausdn
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 26.12.2007 22:00:43
    Moin Tochter,

    bei Deiner Mutter ist die Blutzucker-Automatik defekt. So lange die gesund funktioniert, wacht der Mensch mit 60-80 auf, hat den ganzen Tag über leichte Schwankungen um 80, und nur etwa 30-90 Minuten nach vielen BEs macht der Blutzucker mal einen kleinen Ausflug bis an 120 oder kurz darüber. Der Langzeitzuckerwert HBA1c schwankt dann um 5(%).

    Auf dem Weg zum Diabetes steigt der Blutzucker nach dem Essen immer höher an und braucht immer längere Zeit zum Absinken und sinkt schließlich immer weniger ab. Und wenn der Mensch regelmäßig mit 126 und mehr aufwacht oderund 2 Stunden nach dem Einverleiben von 75g Glukose noch 201 und mehr auf dem Tacho hat, wird er zum Diabetiker ernannt. Da gerät nichts in Unordnung, was nicht vorher schon lange in Unordnung gewesen wäre, sondern da wird nur eine vor über 30 Jahren völlig willkürlich definierte Größe überschritten.
    Der Weg vom gesunden Blutzucker-Verlauf zur Diabetes-Diagnose kann 10 und mehr Jahre dauern und bietet damit gut der Hälfte der Betroffenen ausreichend Gelegenheit, schon bis zur Diagnose wenigstens eine miese Folgekrankheit voll zu entwickeln. Das bedeutet, dass schon Blutzuckerhöhen unterhalb der Diagnose-Größe krank machen.

    Generell wird als medizinisch ausreichend angesehen, wenn der Langzeitblutzuckerwert um 7-8% erreicht wird. Ein Zielwert von 150 entspricht einem Langzeitwert von 8 und größer.
    Fortschrittlich medizinoffiziell gilt als wünschenswert zum Vermeiden von Folgeschäden, wenn der Blutzucker 2 Stunden nach dem Essen unter 140 bleibt. Aber VORSICHT: da muss man sich langsam und systematisch ran tasten, weil man sonst Gefahr läuft, dass der Blutzucker zu schnell zu weit sinkt!

    Konkret:
    BEs=Stärke=Zucker erhöhen den Blutzucker, und zwar bei jedem Diabetiker in verschieden vielen Minuten um verschieden viele mg/dl. Dafür gibt es keine Regel, sondern das kann man nur bei sich selbst systematisch austesten.
    Insulineinheiten verringern den Blutabnahme, und zwar bei jedem Diabetiker in verschieden vielen Minuten um verschieden viele mg/dl. Die verschiedenen Insulinsorten Dafür gibt es keine Regel, sondern das kann man nur bei sich selbst systematisch austesten.

    Ziel einer guten Behandlung ist zu lernen, sich so zu verhalten, dass die erhöhende und die verringernde Wirkung mengenmäßig und zeitlich so zusammen treffen, dass die sich möglichst gegenseitig ausgleichen. Und je besser man dabei als Betroffener die defekte Automatik ersetzt, desto größer die Chance, trotz und mit dem Diabetes gesund zu leben und alt zu werden.

    Ok, wahrscheinlich hab ich mit meiner Schreibe jetzt mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Eine umfassendere Darstellung findest Du z.B. auf diabetesinfo.de. Und wie Klaus schon schreibt, macht Info für Dich Sinn, denn Deine Chancen stehen gut, dass Du die Info auch mal für Dich selbst gebrauchen kannst ;-(

    Frohe Weihnachten! Jürgen
  • Erwin Weindl

    Rang: Gast
    am 27.12.2007 05:24:57
    Hallo ANONYM,
    ich finde es ganz toll dass du deiner Mutter helfen willst und dich informierst. Leider ist es so, dass auch ein Spezialst mit allem Wissen über Diabetes deine Mutter nur begleiten kann. Behandeln muss sie ihren Diabetes selbst. Was ich damit ausdrücken möchte ist, dich vor Frusterlebnissen zu schützen. Nur wenn du deine Mutter motivieren kannst interesse an ihrer Krankeit zu entwickeln kannst du sie unterstützen. Sie muss den Wissensdurst spüren und du kannst sie dann mit dem was du dir angeeignet hast versorgen.

    Das ist leider oft nicht sehr leicht - meine Mutter war auch 65 als sie t2 wurde und ich hatte damals schon 15 Jahre Wissensvorsprung. Ich habe es zumindest hingekriegt dass sie heute mit 82 noch immer alles alleine bewerkstelligt.

    LG erwin
    von Erwin Weindl
  • Ursel

    Rang: Gast
    am 27.12.2007 09:34:38
    Ich danke euch für die netten Antworten. Um alles zu verstehen, werde ich mich mal durch das Internet wühlen.
    Ich war nur ein bisschen in Sorge, weil sie mittags für mein Verständnis sooo viel Actrapid gespritzt hat,- ich habe es jetzt so verstanden, das meine Sorge unbegründet ist- das es sogar eigentlich 2iE zu wenig waren.
    Meine Mutter ist jetzt nur zu Besuch bei mir, ansonsten wohnt sie 150km weg von hier. Sie hat eine Schulung mitgemacht, aber kann ihre gelernten Informationen nicht weiter vermitteln.
    Ich werde mir mal Bücher zulegen !
    Vielen, lieben dank noch mal....

  • Kalo

    Rang: Gast
    am 27.12.2007 19:26:03
    Hallo Tochter,

    auf den Seiten http://www.einsteiger.diabetesinfo.de/
    findest Du nützliche Infos für Einsteiger und Angehörige.

    Gruß
    Kalo