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Typ 1 BZ Spitzen nach dem Essen
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Gesa
Rang: Gastam 08.10.2007 18:57:14
Hallo,
bei mir wurde vor 2 Monaten Typ 1 Diabetes festgestellt. Ich wurde ambulant eingestellt und habe eine Schulung in Form eines Workshops (3 Sitzungen à 1,5h) hinter mir - fühle mich aber oft noch unsicher.
Bin zur Zeit vermutlich noch in der Remissionsphase, brauche erheblich weniger Insulin als in den ersten Tagen nach der Diagnose. Im Moment spritze ich 9 Einheiten Lantus als Basalrate und den Mahlzeiten-Bolus mit Normalinsulin, Faktor 1.
Ich habe gehört, dass der BZ ca. 1h nach dem Essen nicht über 140 und 2h nach dem Essen nicht über 120 sein soll. Leider kommen solche postprandialen Spitzen bei mir noch sehr häufig vor. Oft passiert mir das natürlich bei Mahlzeiten, die ich außer Haus (Restaurant, Freunde) esse und vermutlich nicht ganz richtig eingeschätzt habe, aber auch bei selbstgekochten und -abgewogenen Mahlzeiten passiert es mir häufiger, dass ich nach 3h noch 140-170 habe, nach 4-5h dann aber wieder auf normalen Werten von 80-100 bin. Berechne ich die Mahlzeiten nicht richtig, oder was mache ich falsch? Kann es am Normalnsulin liegen, also würde mir das mit kurzwirkendem Analoginsulin nicht passieren?
Würde mich freuen, wenn mir jemand Tipps geben kann.
Viele Grüße
Gesa -
Jürgen
Rang: Gastam 08.10.2007 20:42:34
Moin Gesa,
willkommen im Club :-) Nach Deiner Darstellung kriegst Du's doch schon ganz gut hin :-)
Das mit der Remissionsphase wird bei Dir für die nächsten Wochen und Monate schon stimmen. Umso wichtiger wird sein, dass Du das, was wir da mit dem Insulin und dem Einschätzen des jeweiligen Bedarfs machen, nicht als Einstellung missverstehst, auch wenn's so bezeichnet wird und manche dafür wild und scheinbar gekonnt rumrechnen. Beeindrucken lassen darfst Du dich damit sowieso nicht von Dok oder Diabetesberatung, sondern nur von den wenigen Betroffenen, die dann auch wirklich die entsprechenden BZ-Ergebnisse produzieren. Da liegst Du übrigens selbst schon ganz gut im Rennen :-)
Im Grunde geht es darum, dass wir die BZ-erhöhende Wirkung vor allem von Stärke=Zucker mit der BZ-senkenden Wirkung des Insulins ausgleichen.
Weil bei Dir noch eine unbestimmte Menge Insulin aus Eigenproduktion wirksam wird, kannst Du halt nur ungefährer abschätzen, wie viel Du dann für den passenden Ausgleich (ideal wäre ja damit dann überhaupt keine BZ-Bewegung) noch zusätzlich spritzen musst. Das heißt, Du musst immer mit einem relativ großen Unsicherheitsfaktor rechnen, und der wird natürlich umso größer, je mehr BEs Du auszugleichen hast.
(In dem Maße, in dem Deine Eigenproduktion nachlässt, wirst Du mit ein paar Stunden Verzögerung auch noch Eiweiß berücksichtigen müssen.)
Einfacher Trick: frau/man nimmt weniger BEs und mehr Fett und Eiweiß. Ich weiß, dass das Spiel mit Vourteilen besetzt ist, aber in Stärke=Zucker ist nun mal nichts lebensnotwendiges, was sich nicht sogar besser mit solchem Gemüse aufnehmen ließe, das nicht oder nicht so viel BE-mäßig zählt.
Wenn das Schätzen dann zuverlässiger funktioniert, kann man ja ausprobieren, wie viel von welchen BEs man zuverlässig in einer Portion mit dem Insulin ausgleichen kann, das man nutzt. Denn auch wenn bei den Schulungen oft der Eindruck erweckt wird, als wenn man nur immer die passende Menge spritzen müsste, wirken BEs meistens sehr konzentriert innerhalb von 1 bis max 2 Stunden, während auch schnelles Analog-Insulin schon in kleinen Dosen eher 2 Stunden wirkt und bei größeren Mengen sogar auch 3-4. Deswegen ist gaaaaaaanz wichtig, möglichst jeden Tag so ausführlich mitzuschreiben, dass man daraus auch noch 2 Wochen oder 2 Monate später erkennen kann, was da mit welchem Input und welchem Ergebnis und in welcher Situation gelaufen ist. Und zu den situativen Besonderheiten zählt z.B. bei Frauen die Periode und bei allen jedes Bewegungspensum in der Wirkzeit eines Bolus, egal ob in der Natur oder durch den Supermarkt joggen, Fenster putzen oder in der ganzen Abteilung Akten verteilen.
So viel erstmal für den Anfang und für ausführliches Einlesen diabetesinfo.de :-)
Bisdann, Jürgen -
Matthias Widner
Rang: Gastam 09.10.2007 11:32:03
Neben dem was mein Vorredner schon gesagt hat, wäre das Normalinsulin, das erste was ich ändern würde. Hällst du immer schön brav den Spritz-Eß-Abstand ein? Da dieses Insulin ihn benötigt (spritzt du Actrapid?) kommt es bei eines Auslassens des SEA zu pp-Spitzen (nach dem Essen). Weiterhin hängt das auch mit der Ernährung zusammen. Maßgeblich ist hier der Glykämische Index beteiligt, der angibt, wie stark der BZ bei der Ernährung nach der Einnahme steigt.
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http://www.diabetesindex.de von Matthias Widner -
Gesa
Rang: Gastam 09.10.2007 17:15:12
Hui, vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!
@Matthias: Spritz-Ess-Abstand halte ich ein, wenn der BZ vor dem Essen über 100 ist. Mein Insulin heißt Huminsulin, also nicht Actrapid.
@Jürgen: Stimmt, ich merke ja jetzt schon so langsam, welche Mengen und Zusammensetzungen ich gut 'weggespritzt' kriege (Mensaportion Kartoffeln, ca 3-4 BE ;-) mit Fleisch und Gemüse geht ganz gut) und welche nicht. Über dieses "Sie können ALLES essen, genau wie vorher", was man mir am Anfang erzählt hat, könnte ich mich total aufregen, ich merke ja selber, dass dem nicht so ist. Es ist nicht ganz so einfach, wie ich am Anfang dachte - dass soundsoviel BE immer soundsoviel I.E. erfordern und der BZ sich dann auch entsprechend verhält, es gibt eine Menge Faktoren, die mit reinspielen... Aber hiflt ja nichts, das muss ich jetzt alles durch Ausprobieren lernen.
Man hat mir jetzt geraten, bei großen und fettreichen Mahlzeiten die Insulinmenge zu teilen und die zweite Hälfte erst nach der Mahlzeit bzw. eine halbe oder sogar ganze Stunde nach der ersten Spritze zu geben. Habt ihr damit gute Erfahrungen gemacht? Ist natürlich wieder ein weiterer Einstich, aber okay, man hat ja genug Fläche am Bauch :-). von Gesa -
Jürgen
Rang: Gastam 09.10.2007 17:26:11
das finde ich so absolut genijaaaaaaaal am DM: wir können super nachmessen und damit genau ausprobieren, was bei uns funktioniert und was nicht :-) von Jürgen -
Haschi
Rang: Gastam 10.10.2007 16:34:59
Hallo Gesa,
gratuliere zu deinem bereits sehr gut gefundenen Insulinmangement.
Es fehlt vielleicht lediglich noch etwas Feintunik.
>>>Man hat mir jetzt geraten, bei großen und fettreichen Mahlzeiten die Insulinmenge zu teilen und die zweite Hälfte erst nach der Mahlzeit bzw. eine halbe oder sogar ganze Stunde nach der ersten Spritze zu geben.<<<
Das ist ein guter Rat. Ich als Insulinpumpenträger nutze deshalb oft den sogenannten Dualbolus. Die Pumpe gibt einen bestimmbaren teil des Bolus sofort ab, übrige Teile halt verzögert.
Man spricht von der sogenannten Fett/Eiweißbremse.
Zur Ernährung gilt bei Typ1-Diabetes immer noch, dass zur Energielieferung KH der wichtigste Nährstoff sein sollen.
Vorzugsweise solche, die nur langsam den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen, z.B. Vollkornprodukte.
Wichtig ist bei den postprandialen Werten der Zweistundenwert. Er sollte 140 mg/dl nicht überschreiten.
von Haschi -
Nora
Rang: Gastam 10.10.2007 23:20:43
Hey!!
Die Insulinmenge aufteilen ist echt ganz gut, sonst kriegst du sicher nicht immer gute postrandiale Werte hin.. gerade bei Pizza oder so mach ich das auch immer.
Und dann noch was: ich hab jetzt schon fast 8 Jahre Typ 1 und es kommt immer noch vor, dass meine Werte nach dem Essen mal schlecht sind.. vor allem eben, wenn man nicht richtig einschätzen kann, wieviele BE das Essen hat (du hast ja Mensa geschrieben, das Mensa-Essen in der Uni kann ich auch nie richtig einschätzen).. aber je mehr Erfahrung du bekommst, desto eher wird der Wert gut und desto besser kannst du einschätzen wieviele BEs das jeweilige Essen hat. Aber ich würde mir da auch nicht zu große Sorgen machen.. du hast ja noch nicht so lange Diabetes und es ist ganz normal, dass man auch mal nicht so tolle Werte hat. Wenn du ca. zwei Std. nach dem Essen misst und dann ggf. korrigierst, müsste das schon passen.
Viele Grüße, Nora -
Gesa
Rang: Gastam 15.10.2007 18:59:06
Danke euch für die weiteren Antworten :-)
@Nora: Ja, Mensa- und Kantinenessen hat wirklich seine Tücken - neulich hatte ich ganz stolz meine Einheiten für das Schälchen Kartoffeln, Soße und Panade gespritzt, schneide den "Gemüse"bratling an und sehe, dass die Hälfte des Bratlings aus Reis besteht....
Das mit dem verteilten Spritzen habe ich neulich mal probiert, aber ich hatte wohl insgesamt die Menge der BE falsch eingeschätzt (war auswärts essen), daher war der Erfolg nicht wirklich sichtbar ^^, also demnächst weitere Experimente in die Richtung.
Die 140/120/100-Regel für 1/2/3h nach dem Essen, die viele hier vertreten, hat mich ein wenig verunsichert. Von meinem Arzt hatte ich "140 nach 2h" gehört, was Haschi ja auch erwähnte. Die oberen Werte sollte man in der Schwangerschaft unbedingt einhalten, ansonsten würde 140 nach 2h reichen. Wundert mich natürlich - Werte, die bei einem Baby Schädigungen zur Folge hätten, können ja nicht wirklich gesund für mich selber sein... von Gesa