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Wie viel Lebenseinschränkung durch Diabetes Typ I?
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sunflower70
Rang: Gastam 11.07.2010 16:53:30
Hallo zusammen. Mich würde mal interessieren, in wie weit andere Diabetiker ihre Erkrankung als Lebenseinschränkung empfinden. Ich habe einen guten Bekannten, bei dem vor 1 Jahr Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Seit dem habe ich das Gefühl, dass er sich charakterlich sehr verändert hat und sich sehr in seinem Elend suhlt. Er ist ständig schlecht drauf und lässt sich ständig krank schreiben. Ich bin selber nicht von Diabetes betroffen und kann leider daher nicht beurteilen, wie "schlimm" Diabetes für einen Betroffenen ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass mein Bekannter sich etwas "anstellt". Ich meine, mir ist klar, dass es bestimmt nicht angenehm ist, wenn mann ständig darauf achten muss was mann isst, und spritzen muss. Aber ist das wirklich sooo schlimm? Ich meine wir reden hier immer noch von Diabetes und nicht von Krebs, HIV, etc. Ich möchte aber keinem Diabetiker unrecht tun, und vielleicht ist es ja wirklich sehr schlimm. Ich würde daher gerne mal eure erfahrungen dazu hören, damit ich vielleicht besser einschätzen kann, ob mein Bekannter einfach nur mal einen "Arschtritt" braucht, damit er sich nicht so auf seine Erkrankung fokusiert, oder damit ich ihn vielleicht auch besser verstehen kann. -
Jürgen
Rang: Gastam 11.07.2010 18:27:52
Moin Fragezeichen,
stell dir mal vor, Du fängst dir plötzlich ein Ding, das noch vor 20 Jahren fachoffiziell als Todesurteil mit qualvoller Verzögerung gewertet wurde. Um alltäglich am Leben zu bleiben, musst Du Dein alltägliches Leben vergleichsweise minutiös überwachen und steuern, und auch wenn Du das super gut machst, wirst Du mehr als einmal pro Jahr plötzlich und unerwartet bewußtlos auf fremde Hilfe angewiesen sein und hast im Rahmen von 10 Jahren eine Art 10%-Lotto-Chance auf appe Zehen, blinde Augen, versagende Nieren usw. usw. Mit jedem Weniger beim Super-gut-Machen erhöhst Du Deine Chance auf so einen beschissenen Lottogewinn.
Von heute auf morgen sind Dir ein guter Teil Berufsperspektiven versperrt. Du kriegst keine Anstellung mehr als Beamter auf Lebenszeit, darfst nicht mehr als Fern- oder Busfahrer oder Pilot oder im aktiven Polizei- oder Militärdienst arbeiten und musst damit rechnen, dass Dein Arbeitgeber dazu neigen kann jede Chance (nein, nicht den Diabetes!) wahrnzuehmen, sich von Dir zu trennen.
NOCH wird Deine medizinische Versorgung in D im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen und bei bestehenden Verträgen auch bei den privaten voll garantiert. Aber z.B. im Vorbild USA wird mit Diabetes ein neuer Versicherungsplan mit um ein Vielfaches teurerer Prämie oder dem Ausschluss entsprechender Leistungen fällig, die dann selbstverständlich aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen, z.B. auch Insulin und Teststreifen.
Und? Wie würdest Du empfinden? Würdest Du weiter fröhlich durch die Welt laufen? Oder könntest Du dir vorstellen, dich erst einmal auf unbestimmte Zeit in einem tiefen Loch zu sehen - ohne die geringste Möglichkeit, da irgendwie wieder raus zu kommen?
Klar würden dann Leute kommen und dir von anderen erzählen, die wie Du auch mal in so einem Loch gesteckt haben und da wieder raus gekommen sind. Aber würdest Du's einfach so annehmen können und nicht vielleicht glauben, dass deren Löcher aber nicht so tief wie Deins gewesen sein können?
Bisdann, Jürgen -
Robert B.
Rang: Gastam 11.07.2010 19:09:48
@Anonymous: Bei mir war es genau andersrum. Ich musste meine Mitmenschen, die mich ständig bemitleideten erst einmal auf den Pott setzen und ihnen verklickern, dass sie mir ziemlich auf den Keks gehen und ich "nur" Diabetes habe und nicht Aids oder Krebs. Seitdem habe ich einigermaßen Ruhe. Möglicherweise braucht Dein Bekannter auch mal einen Tritt. von Robert B. -
sunflower70
Rang: Gastam 11.07.2010 22:28:05
Danke für eure Antworten.
@ Jürgen: Einige deiner Argumente kann ich gut nachvollziehen. Bei meinem Bekannten ist jedoch der Job (als Schreibtischtäter im öffentlichen Dienst) in keinster Weise gefährdet. Ich kann es auch nicht wirklich nachvollziehen, wie mann als Kettenraucher billigend in Kauf nimmt sein Leben zu verkürzen, dann jedoch bei Diabetes Panik bekommt. Aber das ist wohl eine sehr individuelle Sache.
Menschen sind nun mal sehr verschieden, wie sie mit ihrem Körper und mit Krankheiten umgehen. Ich persönlich bin eher ein Stehaufmännchen und denke mir immer, dass die Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 10 Jahre von einem Auto überfahren zu werden wesentlich höher ist, als alles andere. Nun ja, leider können wohl nicht alle Leute so positiv denken.
Habt ihr denn Tipps, für Diabetiker, die mit Ihrer Erkrankung nicht klar kommen? Gibt es irgendetwas wie ich meinem Bekannten helfen kann? Oder einfach in Ruhe lassen und ihn sich in seinem Elden suhlen lassen und warten ob er irgendwann mal wieder "normal" wird??? -
Jürgen
Rang: Gastam 12.07.2010 01:58:04
Moin Fragezeichen,
aus meinem Loch damals vor 19 Jahren haben mich meine Kinder rausgezogen: Die Vorstellung, sie mit meinem Verkriechen und meinem Resignieren vor meinem Diabetes im Stich zu lassen, hat mich gewaltig angetrieben. Ein anderer Betroffener hat hier mal geschildert, wie er seinen Antrieb daraus gewonnen hat, dass er sich das weitere Ausüben seines Berufs gegen jede Erfahrung und Vorschrift damit erkämpft hat, dass er sich mit seinem neuen Typ1 seine absolut uneingeschränkte mentale und physische Leistungsfähigkeit wie vorher erarbeitet und über mehrere Monate im aktiven Einsatz unter minutiöser Beobachtung nachgewiesen hat: Im Einsatz rund um die Uhr keine festen Mess- und Spritz- und Essenszeiten bei absolut zuverlässiger Freiheit von Unterzuckerungen und im gesunden Langzeitrahmen unter HBA1c 6,5!
Hier ein paar Vorzeige-Adressen, beim Einkopieren Umbruch löschen!
diabetes-world.net/Portal-fuer-Patienten-und-Interessierte
/Lebenssituationen/Prominente.htm?ID=3686
Und hinter jedem dieser Namen stehen Tausende, die jeden Tag ihr Leben mit Diabetes meistern, ohne damit irgendwie bekannt zu werden.
Bisdann, Jürgen -
Jürgen
Rang: Gastam 12.07.2010 11:56:40
für alle, die sich mit ihrem Diabetes als nicht mehr leistungsfähig verkriechen wollen spiegel.de/panorama/leute/0,1518,705923,00.html von Jürgen -
Frage
Rang: Gastam 12.07.2010 13:49:10
WARUM wird er denn krankgeschrieben?
Mit der Diagnose kommt sicher der Eine besser, der andere schlechter zurecht, und vermutlich ist das abhängig davon, wie gut oder schlecht man den BZ mit den entsprechenden Medikamenten unter Kontrolle hat.
Dein bekannter, was ist er denn grundsätzlich für ein Typ? Eher der lebensbejahende Optimist oder doch eher der Pessimist?
Jemand, der grundsätzlich eine positive Eistellung zu den Dingen des Lebens hat, wird mit der Diagnose DM auch sicher ebenso leichter umgehen, als der Pessimist.
Wegen Diabetes direkt wird man nicht krankgeschrieben.
von Frage -
Molly
Rang: Gastam 20.07.2010 20:31:04
Vielleicht sind es die Folgekrankheiten die
etwas mürbe machen! Ich habe Diabetes II und fühle mich öfters einfach schlecht und schwach, da kommen auch noch andere Komponente dazu. Neurophatie - Schmerzen in den Beinen, einschlafende Arme und Hände, Blasenentzündungen und und und... Alles nicht einfach, der Diabetes alleine ist es sicher nicht!
Organisation bei Reisen, Spritzmaterial, Zeitverschiebung, regelmässiges Essen, alles kann einem ganz gut auf den Keks gehen.
Gruss von Molly -
asda
Rang: Gastam 24.07.2010 12:30:26
Dieses Loch hatte ich (noch) nie. Vielleicht wurde ich im Krankenhaus auch unterschwellig richtig darauf vorbereitet, was mich erwartet.
Ich bin erst zwei Jahre im "Club", vielleicht ist das am Anfang halt noch einfacher zu verarbeiten als nach 10, 20 Jahren, wenn mans langsam satt hat.
Aber hier und jetzt fühl ich mich durch meine Krankheit nicht besonders eingeschränkt. Klar. Muss immer messen. Klar, muss immer spritzen. Sollte nicht alles in jeder Menge essen.
Aber ich bin nicht eingeschränkt. Ich kann alles essen. Kann alles machen, was ich will. Und ich hab ohne grosses Zutun 10 Kilo in einem Jahr verloren. Die auch nicht mehr kommen.
Im Krankenhaus habens mir immer gesagt, ich sei der Chef. Nicht die Krankheit. Und so muss man meiner Meinung nach auch damit umgehn. Ich leb mein Leben und arrangier mich mit der Krankheit.
Und geht man nach dem HbA1c (5.5), mach ich das gar nicht so schlecht. -
kekschen70@gmx.net
Rang: Gastam 25.07.2010 04:52:22
Vielen lieben Dank für eure antworten. Die Antworten waren sehr verschieden, haben mir aber sehr weiter geholfen. Zum einen weiß ich jetzt, dass es viele gibt, die mit der Diagnose ein Problem haben und ich denke ich kann mich da jetzt ein bisschen rein versetzen. Zum anderen zeigen mir einige antworten auch, dass es nicht völlig daneben von mir war zu sagen, dass ich denke ich persönlich würde besser damit klar kommen. ich hatte schon angst ich würde irgendwem unrecht tun. aber es scheint wirklich eine persönlcihkeits sache zu sein, der eine kommt halt besser damit klar als der andere. ich werde einfach noch mehr versuchen mich in meinen bekannten herein zu versetzten. danke nochmals für eure antworten. -
Sabine
Rang: Gastam 26.07.2010 13:12:16
Ich hab Diabetes Typ 1 seit einem Jahr und fühle mich sehr eingeschränkt. Vielleicht fühle ich nicht mehr so in ein paar Jahren. Im Moment entdecke ich immer wieder neue Probleme. Heißes Wetter zum Beispiel, da hab ich ständig Unterzucker (unter 50) bekommen und mich richtig erschreckt. Ist halt vieles noch neu und man muss erst lernen, damit umzugehen. DAS ist nicht für jeden einfach.
Auf jeden Fall lass ich mich nicht unterkriegen, auch wenn manches im Moment noch sehr schwierig ist. Da muss ich noch viel über die Reaktionen meines Körpers lernen. Das ist anstrengend, kostet Zeit, ja stimmt, aber muss sein. Und irgendwann kann ich dann vielleicht auch sagen, dass ich mich gar nicht sooo eingeschränkt fühle.
Schön, wenn man Menschen trifft, denen es ähnlich geht, mit denen man sich austauschen kann wie in den Schulungen zum Beispiel.
Diabetes gehört jetzt eben zu mir dazu wie die Brille und der Zahnersatz. Mit der Zeit gewöhnt man sich dran, hm? von Sabine -
Daniela
Rang: Gastam 02.08.2010 02:03:11
Jürgen hat vergessen zu erwähnen, dass der größte Teil Der Diabetologen nur wabbelige Ratschläge gibt wie in etwa eine Diabetestherapie aussehen könnte und man statt anständigem Therapiehandwerkszeug in einen Glaubenskrieg mit seinem Arzt verzettelt wird, wenn man es wagt zu erwähnen, dass die berechneten BE nach Tabelle berechnet wurden und dann letztendlich doch nicht anständig insulinisiert werden konnten, da der Diabetetologe noch nie etwas von Fett- und Eiweißverstoffwechselung gehört hat, bzw. diese abstreitet.
Interessant wird der Diabetes erst wenn man dann noch die lustigen Gemälde von Basalraten betrachtet, die ja eher an eine die mathematische Beschreibung eines Kreisprozesses erinnern, anstatt an einen Tagesablauf, der hormonbeeinflusst ist.
Ja und der Clou ist dann noch die Beratung für den Sport, den der Diabetiker ja besonders häufig treiben soll. Stelle man sich nun vor, dass der Arzt einem rät man möge mit einem BZ von 280 eine Radtour starten und sogar noch die Insulingabe unterbrechen - um nicht so tief zu fallen, zur Sicherheit. Dann muss der Diabetiker häufig diese 280 in Kauf nehmen, egal ob er nach dem Sport deswegen sogar noch höher rauskommt oder in einer Ketoazidose landet.
Lustige Erkrankung ^^ von Daniela -
Elliot
Rang: Gastam 03.08.2010 13:08:12
Hallo!
Also ich bin jetzt das 3. Jahr Clubmitglied. Meistens klappt alles ganz gut und dann fühle ich mich auch überhaupt nicht eingeschränkt und völlig gesund. Das ich den Diabetes völlig vergesse, kann ich allerdings nicht behaupten, das passiert nur kurzzeitig - und das ist natürlich auch sehr gut so.
Aber es gibt eben auch (seltene und noch seltener werdende) Tage, an denen irgendwas nicht so stimmt, man den Blutzucker nicht so richtig einfangen und kontrollieren kann. Dann kann das die Stimmung schon sehr massiv drücken, zumal, wenn man dann in solchen Foren von Negativerfahrungen liest oder zuviel über potentielle Folgeerkrankungen nachdenkt. Solche Depri-Phasen können bei mir auch mal ein paar Wochen dauern. Aber letztlich ist das Leben viel zu schön, um sich ihnen gänzlich hinzugeben! von Elliot -
Silvana
Rang: Gastam 13.08.2010 11:41:18
Liebe "Bekannte"
du bist ein ganz armer Mensch! Sei doch froh und glücklich und erfreue dich deiner Gesundheit! Ich habe seit einem starken Jahr nun auch Diabetes 1 und bin auch ein Stehaufmännchen! Mit einem Wert von 584!!!! ging ich in die Intensiv an den Tropf und wurde erst nach 3 Std. mit einem Wert von 318 auf die Station verlegt. Am anderen Morgen kamen sämtliche Ärzte und schauten nach mir selbst der Notarzt der eigentl. mit der Station nichts zu tun hat.
Ich sagte mir Millionen Menschen haben Diabetes und leben damit das schaffe ich auch. Wenn man aber deinen Zucker nicht in Griff bekommt, trotz Insulinumstellung Veränderung des BE-Faktors usw. und dein Zuckerwert einer Achterbahnfahrt gleicht und Werte von 424 bis 21 hast...... Wenn du innerhalb eines halben Jahres 3 mal eine Krtazitidose hast (Ausschwemmung der Blutsalze - absolut lebensgefährlich) Dann bekommst du plötzlich noch eine Insulinunverträglichkeit bzw. Allergie. Ich glaube nicht dass du das nachvollziehen kannst. Mir ist seit einiger Zeit dermaßen eldend zumute, ich habe Kopfschmerzen Schwindelgefühl und laufe wie eine Betrunkene od. ein Junkie durch die Gegend. Ich kann z.Zt. nicht mehr Autofahren und verlasse sogar meine Whg. kaum, weil es mir hundeeldend geht. Ich weine nur noch und bin in ein sehr tiefes Loch gefallen. ICH kann deinen Bekannten sehr gut verstehen, aber Menschen wie DICH nicht. Wie kannst du OHNE jegliche Ahnung von irgendetwa derartige Behauptungen aufstellen und deinenBekannten als eine Art "Weichei" hinstellen während DU ja das Stehaufmännchen bist!!! Ich würde mir anstelle deines Bekannten überlegen was ich mit einer derartigen Bekannten eigentlich soll.... denn an dir hat er ganz bestimmt keine Hilfe sondern eher eine BELASTUNG und die kann er wohl wirklich nicht gebrauchen, denn auch das Seelenleben hat Auswirkungen auf den Zucker! -
Daniela
Rang: Gastam 14.08.2010 02:42:34
Hallo Anonym,
sind bei dir mal Insulinantikörper getestet worden?
Die könnten evtl. als Ursache für den unsteten BZ in Betracht kommen - andere Ursache wäre eine beschissene Einstellung durch Diabetologen, die nicht engagiert genug sind um Dich weiter zu bringen..
Im Übrigen beschreibt die obige Antwort das, was mir so wiederfahren ist - heute geht es wieder etwas bergauf, aber die Angst es nicht dauerhaft in den Griff zu bekommen bleibt.
LG, Daniela -
xyz
Rang: Gastam 16.08.2010 07:28:59
Ist sternenhimmelklar:
Dauerhaft durch HUMANINSULIN! Sensorische Störungen sind bleibende Schädigungen. -
deh3ffh3
Rang: Gastam 16.08.2010 19:28:36
ja ja, anke, wenn man keine ahnung hat, einfach mal die klappe halten. erstens sind sensorische störungen NICHT unbedingt dauerhaft bleibend und zweitens können durch dein excellentes tierisches insulin EBENSO störung auftreten (die auch aufgetreten sind! frag mal dein spezi teuscher...). durch dein dummes gelaber schürst du nur sinnlos ängste bei neulingen. jeder der etwas ahnung und erfahrungen mit diabetes und insulinen hat wird dir widersprechen (was hiermit passiert sei!). also wie immer, schön ruhig bleiben... -
Daniela
Rang: Gastam 20.08.2010 00:31:10
Anke,
dieser Kommentar hilft niemanden weiter!
Zumal hier nicht mal sensorische Störungen die Ursache sind, sondern evtl. Insulinantikörper und eine schlechte Einstellung durch die behandelnden Diabetologen.
Grüße, Daniela -
Gast
Rang: Gastam 14.07.2014 11:22:09
Du Neger bist doch bestimmt der Arbeitgeber... Sowas bescheuertes habe ich noch nie gelesen! Ich wünsche dir eine langsamen grausamen Tod!
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Kato01
Rang: Gast -
Gast
Rang: Gastam 14.07.2014 19:37:29
Den Beitrag habe ich schon gemeldet - hoffe, er wird baldigst gelöscht. -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 10:20:22
Ich habe seit meinem 6. Lebensjahr Typ 1, also seit nunmehr fast 35 Jahren.
Es war nicht immer leicht, denn als Kind empfindet man die Krankheit ja doch anders. Besonders wenn man damit zu DDR-Zeiten in Berührung kam. Denn damals wurde essentechnisch viel verboten, was heute erlaubt ist. Außerdem konnte ich erst Ende der 80er Jahre erstmals meinen Blutzucker mit Teststreifen messen (Farbvergleich). Das war schon ein Fortschritt.
Ich habe nicht immer auf meinen Zucker geachtet, habe während der Pubertät vieles schleifen lassen - ich hatte Glück - es stellten sich keine Folgekrankheiten ein.
Erst als ich diese "live" gesehen hatte, stellte sich ein Umdenken ein.
Damals empfand ich die Krankheit schon als belastend.
Aber die Forschung schritt ja immer weiter fort und mittlerweile bin ich auch seit fast 16 Jahren Pumpenträger (wollte ich anfangs auch nie werden). Die Pumpe erleichtert den Alltag doch sehr, allerdings muss man auch hier konsequent an sich arbeiten und die Werte mit der Insulinanpassung durch die Pumpe vornehmen.
Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass die Krankheit mir irgendwelche Einschränkungen gegeben hätte. In meinem Beruf (arbeite im Büro) bin ich voll einsatzfähig. Ich habe meinen Kollegen und meinem Chef gleich von Anfang an gesagt dass ich Diabetiker bin und auf was sie im Fall aller Fälle mal achtgeben sollten.
Ich habe aber auch schon gehört, dass es Arbeitgeber gibt, die gern auf Diabetiker verzichten. Bei einigen Berufen kann ich mir das ja auch erklären, aber das muss ja nicht sein.
Ich habe mir jedenfalls zum Lebensmotto gemacht: Der Zucker beherrscht mich nicht- ich beherrsche meinen Zucker. Zu dieser Erkenntnis bin ich aber auch erst nach einigen Jahren gekommen. -
Gast
Rang: Gastam 15.07.2014 10:45:38
Hi Hexe
Klasse Beitrag, Du bist wirklich jemand der echt Mut macht, toll wie Du damit umgehst. Das was Du schreibst sollte auch für andere die davon betroffen sind Normalität werden.
"Der Zucker beherrscht mich nicht- ich beherrsche meinen Zucker. "
Dieser Satz ist Spitze!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gruß Michael -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 11:49:55
Hallo Michael,
es freut mich, dass dich mein Beitrag motiviert.
Leider denken auch viele Diabetiker heute noch nicht so wie ich. Wir haben hier im Ort eine Selbsthilfegruppe für jüngere Typ 1er aufbauen wollen - es kam Keiner.
Dann sollte eine Gruppe für Pumpenträger aufgebaut werden - ebenfalls ein Reinfall.
Daher kann ich nicht begreifen, dass sich so viele Diabetiker aufregen, das nichts getan wird. Wir wollten was tun und was wurde daraus - nichts.
Das war schon de-motivierend.
Mittlerweile haben wir eine gemischte Gruppe aufgebaut - ich bin dort die Jüngste. Das Durchschnittsalter liegt über 65 - das kann es doch echt nicht sein.
Wir geben die Hoffnung jedoch nicht auf und geben weiterhin Hilfe zur Selbsthilfe, denn wir lassen uns von unserem Zucker nicht unterkriegen! -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 12:00:49
Ich vergaß auch noch zu erwähnen, dass ich bei meinem Diabetologen oder Hausarzt immer wieder auf Diabetiker treffe, die über die Fähigkeiten des Arztes nörgeln und unzufrieden sind.
Sie begreifen einfach nicht, dass sie selber was dazu beitragen können und müssen, dass die Zuckerwerte gut sind, sie nicht zu dick sind/werden, sich eben auch mal mit der Krankheit auseinandersetzen müssen.
Weiterhin kann ich diesen ganzen Rummel um die sogenannten "Diabetes-Warnhunde" nicht verstehen. Letzten Endes kann der Hund zwar auf eine Über- oder Unterzuckerung hinweisen, aber den Zucker testen muss ich immer noch selber. Die ganze Verantwortung auf einen Hund abzuschieben geht einfach nicht!
Wir sind für uns selber verantwortlich! Wir haben es selber in der Hand, ob der Zucker uns beherrscht, oder wir den Zucker ...........