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Was sagt der 1-Stunden-Wert nach dem Essen aus?

  • Helga

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 16:43:51
    Hallo,

    bei mir wurde beim oGTT der 1-Stunden-Wert nicht gemessen. Ich war bei einem Diabetologen. Auch im Beipackzettel (das Testgetränk war von Roche) stand, dass nur nüchtern und nach 2 Stunden gemessen wird. Die Werte waren beide unauffällig. (nüchtern 85 und nach 2 Stunden 120; HBA1c war 5,2)

    Habe mir nun ein Gerät geliehen und mal zu Hause nach dem Essen gemessen. Der Wert nach 1 Stunde liegt nach einem extra kohlehydratreichen Essen, z.B. eine Schälchen Haferflocken, Reismilch und Nesquick (gezuckert) bei 160 oder 170 ist aber nach 1 ½ Std. schon wieder bei 130 und nach 2 Stunden dann um die 98. Auch nach einem Glas Karottensaft geht es nach 1 Stunde auf 150 und dann nach 2 Stunden wieder auf um die 90.

    Welche Aussagekraft hat eigentlich genau der 1-Stunden-Wert? Stimmt es, dass der 2-Stunden-Wert der eigentlich wichtige ist? Angeblich kommen auch Gesunde nach drei Schokoriegel auf 180, bauen aber dann – im Gegensatz zum Diabetiker - schnell wieder ab.

    Danke.
    Helga
  • www.diabetes-in-frage-und-antwort.de

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 16:54:52
    Hallo Helga,

    die von dir genannten BZ-Werte wie auch der HbA1c liegen vollkommen im Normalbereich.

    Beim oGTT ist tatsächlich der 2-Stunden-Wert ausschlaggebend und nicht der 1-Stunden-Wert, weil bei diesem nach einer hohen Kohlenhydratbelastung mit schnell wirkdenden Kohlenhydraten auch beim Gesunden noch "überhöhte" Werte vorliegen können. Was vor Ablauf von 2 Stunden etwas aus dem Rahmen fällt, ist also nicht aussagekräftig und wird in den meisten Praxen auch nicht gemessen.

    Lt. Def. liegt bei einem 2-Stunden-Wert von 200 mg/dl und darüber ein Diab.mell vor, bei Werten zwischen 140 -200 mg/dl liegt eine gestörte Glukosetoleranz (Vorstadium eines Diabetes) vor.

    Herzliche Grüße Anke

    von www.diabetes-in-frage-und-antwort.de
  • Haschi

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 17:53:03
    Hallo Helga,

    was Anke dir professionell erklärte, ist richtig, anders lautende Bewertungen des oGTT z.B.in Internetforen schlichtweg falsch.
    von Haschi
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 19:03:15
    Moinmoin,

    @Anke:
    Du wiederholst die noch bei uns in D geltenden Richtlinien. Ich kenne eine Reihe von gesunden OGTTs, bei denen 140 zu keiner Zeit überschritten und nach 2 Stunden längst wieder ganz normale um 80 gemessen wurden.

    Mit ner gesunden Blutzucker-Automatik steht man mit 60-80 auf, hat ne halbe Stunde nach viel Stärke=/&Zucker schon mal um 120, nie > 140, und ist nach ner Stunde schon wieder zurück bei um 80. Nüchtern an 90 wird aus kardiologischer Sicht schon als Hinweis auf gefäßschädigende Blutzucker-Spitzen nach dem Essen gesehen, und genau die hat Helga ja auch gemessen. Denn die erste Phase ihrer gesund 2phasigen Insulinantwort auf Stärke=/&Zucker funktioniert ganz offensichtlich nicht mehr richtig.

    Wenn eine Ärztin wie Du in einem Betroffenenforum postet und mit ihrer Homepage offen für ihre professionellen Dienstleistungen wirbt, erwarte ich zumindest, dass sie auch Betroffenen-Interessen vertritt. Wenn Helga jetzt schwanger wäre, würde sie sich nach fortschrittlichen Richtlinien mit Insulin mit dem Ziel behandeln, eine Stunde nach jedem Essen 120 mg/dl nicht zu überschreiten! http://www.aace.com/pub/pdf/guidelines/DMGuidelines2007.pdf

    @Helga:
    Deine Blutzucker-Automatik ist defekt. Dein Blutzucker steigt zwar noch nicht hoch genug zum Überschreiten der Diagnose-Schwellen, die 1974 sehr willkürlich so gesetzt wurden, aber
    1. die Anstiege nach dem Essen gelten längst als gefäßschädigend, auch wenn sie noch nicht diagnosereif sind.
    2. wenn Du diese Blutzucker-Anstiege nicht vermeidest, wird Dein Blutzucker mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Zeitraum der nächsten 5 Jahre immer häufiger immer weiter ansteigen und die Diabetes-Diagnose-Schwellen überschreiten.

    Defekte der Blutzucker-Automatik lassen sich bis heute nicht reparieren. Die meisten lassen sich bis heute nicht einmal hinreichend erklären. Aber sie lassen sich dadurch ausgleichen, dass wir mit unserem Verhalten dafür sorgen, dass der Blutzucker eben nicht höher ansteigt. Denn der ist das am weitaus meisten krankmachende Element bei allen Formen des Diabetes mellitus.

    Dein wichtigstes Instrument ist dabei Dein Messgerät. Max 140/120/100 mg/dl solltest Du 1/2/3 Stunden nach dem Essen als Deinen grünen Rahmen nicht überschreiten.
    Haken: So lange Du kein Insulin spritzt, bekommst Du so gut wie keine Teststreifen verschrieben und musst die alle selbst bezahlen.
    Tipp: Schau in Internetapotheken oder auf Ebay.

    Das Vorgehen ist einfach: Du isst & trinkst wie bisher und misst 1 Stunde nach jedem Essen & Trinken und schreibst sorgfältig mit. Nach spätestens 1 Woche hast Du einen guten Überblick.
    Dann verpflegst Du dich 1 Woche ohne alles, was Deinen Blutzucker erhöht (alles aus Stärke, z.B. Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis usw.) Das zeigt Dir, wie viel Platz Du für diese Dinge tatsächlich bis jeweils max 140 hast.
    In der Woche darauf nimmst Du nun gezielt so viel Brot, Nudeln, Kartoffeln usw. dazu, wie in Deinen grünen BZ-Rahmen passt.

    Tipp: Etwas Bewegung direkt nach dem Essen kann vielleicht auch bei Dir dafür sorgen, dass der Blutzucker gar nicht erst hoch ansteigt oder sofort wieder auf normal sinkt und vielleicht sogar Platz für das eine Brötchen oder die eine Kartoffel mehr wird.
    Beispiel: Meine Mutter hatte eine Stunde nach dem Essen immer deutlich über 250. Weil sie schon leicht dement war, aber noch nicht lückenlos betreut werden konnte, haben wir keine Medikation mehr gewagt. Aber ich hatte herausgefunden, dass sie mit normal um 80 wiederkam, wenn sie direkt nach jedem Essen für 15-20 Minuten mit dem Hund ging. Wenn sie diesen Hundegang erst nach dem Nickerchen in ihrem Schaukelstuhl machte, reichte der selbe Weg nur noch für eine Absenkung von etwa 180 auf 140. Also haben wir ihr mit Erfolg beigebracht, dass der Hund genau so wie sie nach dem Essen ja sein Geschäft verrichten muss ;-)

    Bisdann, Jürgen
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 21:34:53
    hallo helga,

    da dir hier einige werte um die ohren gehauen wurden, rate ich dir einige test mit deiner verwandschaft.

    mit einem hat jürgen recht. mit bewegung bekommst du einiges hin. vieleicht nicht immer 100%, aber z.b. ein weniger an medis, oder eine verzögerung behandlungswerter zustände. allerdings gilt auch für dich ab sofort regelmäßige kontrolle deiner werte. regelmäßig kann i.a. 1* im monat sein.

    teststreifen.
    dazu hat dir jürgen schon einiges gesagt. die billigsten elektrischen sind auf ebay ca 15¤ und in einer versandapotheke ca 27¤ je 50 stk. unter www.INSULINER.de gibt es als optische testsreifen für ca 10¤ je 50stk. und die kann man halbieren, mit etwas geschick sogar dritteln. tagebücher gibt es bei roche, novo nordisk, braun,... von thomas2002
  • www.diabetes-in-frage-und-antwort.de

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 22:34:28
    Hallo Jürgen :-))

    Ich wiederhole die aktuell in Deutschland geltenden Richtlinien? Nun ja, was soll ich sagen: das tue ich ;-) Ich hoffe doch, es stößt sich niemand daran.
    Im Lauf der Zeit werden Grenzwerte jeweder Laborparameter immer wieder neu definiert. Das ist dem Fortschritt der Medizin angemessen und fordert ggf. immer wieder neue Leitlinien, da hast du Recht. Persönlich finde ich es in Ordnung, sich an die aktuellen Werte zu halten. Die Änderungen sind oft auch nicht so gravierend, dass sich am Alltagsgeschehen für die Patienten spürbar etwas durch sie ändern würde, wenn man sie denn in die Leitlinien einfließen lässt ...

    Aber danke für den Link.

    Ehrlich gesagt bezweilfe ich, dass jemand von einem Nüchtern-Wert von 90 mg/dl gefäßschädigende postprandiale BZ-Spitzen abzuleiten vermag. Was ist denn deine Quelle?
    Ein Nüchtern-Wert von 90 mg/dl ist im Alltag OK. Kein Grund, sich da einen Kopf zu machen.

    Offen gesagt poste ich hier in der ehrlichen Absicht, die Interessen der Betroffenen zu vertreten ;-) Es ist nämlich meine Freizeit, in der ich Fachwissen weitergebe, das ich im Laufe einer langen und für mich auch sehr kostspieligen Ausbildung erlangt habe. Allerdings macht es mir wirklich Spaß und ich bin froh, dass es solche Foren gibt. In Klinik und Praxis wird so vieles nicht besprochen, was wichtig wäre, einfach weil die Zeit es nicht zuläßt.

    Ich bedaure, wenn dir meine Postings offenbar nicht gefallen (oder bilde ich mir den aggressiven Unterton nur ein?), aber du musst sie dir ja nicht antun. Meine Antworten sind für diejenigen gedacht, die irgendwo nicht weiter wissen. Diejenigen, die wie du sehr fit in Sachen Diabetes sind, haben sie tatsächlich nicht nötig.

    Je mehr Leute, die eine Antwort beisteurn können, dies auch tun: desto besser.
    Am Wettstreit der Qualität ich-weiß-aber-mehr-als-du möchte ich mich nicht beteiligen.
    Auch auf was-wäre-wenn-Fragen gehe ich mal lieber nicht ein, sonst wird das ein kindergartenmäßiges Hickhack - und geht allen nur an die Nieren.

    Herzliche Grüße Anke von www.diabetes-in-frage-und-antwort.de
  • Helga

    Rang: Gast
    am 20.08.2007 23:58:28
    Hallo und erst mal vielen Dank an alle Helfer!

    Wenn man neu mit der Thematik konfrontiert ist, freut man sich über alle Infos!

    @ Jürgen:
    Du schreibst, meine Blutzuckerautomatik ist defekt. Ohje :-( Und da kann man auch nichts reparieren. Das heisst, DM ist früher oder später drin?? Man kann nur hinauszögern?

    In einigen Beiträgen habe ich schon über dieses 2-Phasen-System gelesen. Da mein BZ ja immer schnell wieder runter kommt, scheint es tatsächlich nicht an der Produktion an sich zu liegen, sondern daran, dass das ganze "etwas zu spät" anläuft. Hhmm........Kann man denn da überhaupt nichts unterstützend zu dem angepassten Essen und der Bewegung machen??? Keinen Trick, kein Mittelchen mit dem dieser ersten Phase auf die Sprünge helfen könnte? Es gibt doch z.B. auch einige Teekräuter, die die Insulinausschüttung anregen sollen, könnte man so etwas nicht vor dem Essen trinken? Hast Du in dieser Richtung mal etwas selbst ausprobiert? Habe bei Lauber gelesen, dass Stevia auch auf die insulinproduzierenden Betazellen wirken soll.

    Danke auch für die Bezugsquellen und guten Hinweise bezgl. des systematischen Vorgehens beim Essen und Bewegung!! Das Beispiel mit Deiner Mutter überzeugt. Man muss also nicht gleich Joggen :-)

    @ Anke und Haschi
    Wenn ich es richtig verstanden habe, seht Ihr es nicht ganz so streng wie Jürgen. Und meine kurzen Ausreißer bis 170 nach gezuckerten Haferflocken sind noch im Bereich des Normalen? Demnach wäre es nicht unbedingt so wie Jürgen sagt, dass Gesunde kaum an die 140 kommen?

    Danke und liebe Grüße
    Helga

  • Helga.

    Rang: Gast
    am 21.08.2007 00:03:16
    Hallo Thomas,

    danke auch Dir für Deine Antwort.

    Du schreibst: "da dir hier einige werte um die ohren gehauen wurden, rate ich dir einige test mit deiner verwandschaft."

    Was meinst Du damit genau? Dass ich dann womöglich öfter erleben werden, dass Leute nach Zucker- und Kohlehydratbomben doch mal kurzzeitig über 140 kommen?

    ".....mit einem hat jürgen recht....."
    Aus dieser Bemerkung schließe ich, dass Du Jürgens Meinung auch nicht völlig teilst? Wie siehst Du das?

    Danke und liebe Grüße
    Helga von Helga.
  • Mette

    Rang: Gast
    am 21.08.2007 00:20:06
    Die Aussage, dass auch Gesunde auf 180mg/dl kommen können,finde ich etwas sehr merkwürdig.

    Ich war vor einem Jahr zur Reha in einer Fachklinik für Diabetes Typ 2 und Hypertonie. Dort wurde uns immer wieder gesagt, dass ein Gesunder niemals über 140mg/dl geht. Egal was er isst.
    Daraufhin habe ich meine Familie wirklich tyrannisiert. Alle mussten dementsprechend essen, ob sie wollten oder nicht, und was war das Ergebnis? Keiner kam trotz massenhaft ungesunder und süßer Nahrung ohne Ende höher als 90mg/dl nach einer Stunde. Nach zwei Stunden waren alle unter 90mg/dl! Das kann doch kein Zufall sein.

    Wieso jetzt diese Aussage 180mg/dl bei einem Gesunden wären nach einer Stunde normal? Auch mein Diadoc brachte diese Äußerung und meinte noch, dass dies nicht gesundheitsschädigend wäre...
    von Mette
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 21.08.2007 02:01:15
    hallo helga,

    ich kenne jürgen und seinen umgang mit seinem diabetes aus mehreren anderen foren. was ich an zahlen und zusammenhängen im netz gefunden habe, war oft in der nähe dessen, was ich von ihm gelesen habe. ich, und einige andere auch haben selten menschen gefunden, die nach dem essen werte über 100mg/dl hatten. auch gibt es literatur, die beschreibt, welche folgen kurzzeitige erhöhungen des bz haben.

    allerdings hat jürgen für sich - wohl auch aufgrund seiner möglichkeiten - einen weg gefunden, wie er seine ziehle erreicht, wenn auch mit einer beharrlichkeit, die selten ist. was mir jedoch mein verstand sagt, ist, daß die masse menschheit sich durch die evolution solche "laborwerte" herangezüchtet hat, die auf dauer am wenigsten schädlich sind.

    die die gültigkeit der aussage des 2h-wertes liegt meines wissens in der wirkdauer des analoginsulins. wieviel muß ich spritzen, um in der wirkzeit am anfangswert anzukommen.

    was kannst du in deiner situation machen?
    es stimmt wohl, daß du von 2 diabetologen 3 meinungen erhalten wirst. bei den momentanen werten wird dir jedoch maximal nur eine unterstützende therapie angeboten. was du machenkannst, ist, daß du dir deine essensportionen nach der glykämischen last zusammenstellst, sowie je nach möglichkeit regelmäßige essensnahe bewegung. und am anfang regelmäßige messungen die später nur noch wöchentlich oder monatlich als kontrolle wiederholt werden sollten.

    zur glykämische last gibt es googlebare quellen. von thomas2002