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mein Diabetologe zwingt mich ins DMP beizutreten!

  • cat

    Rang: Gast
    am 08.08.2007 21:44:33
    Hallo!

    Ich (Typ 1) war heute bei meinem Diabetologen (Internist, Schwerpunktpraxis) in der Praxis. Mein Diabetologe ist zurzeit im Urlaub, aber weil das eine Gemeinschaftspraxis mit 2 Diabetologen ist, war trotzdem jemand da. Hätte dieses Quartal sowieso nur HbA1c und Rezepte gebraucht.

    Rezepte für dieses Quartal habe ich heute noch bekommen, Blut hätte man mir auch noch abgenommen, aber der Arzt in der Praxis hat angeordnet, dass ich diese Werte niemals erfahren werde solange ich nicht dem DMP beigetreten bin. Überhaupt muß ich laut Anweisung meines Diabetologen unbedingt noch dieses Quartal dem DMP beitreten, ansonsten werde ich absolut gar nicht mehr behandelt (jedenfalls alles was mit dem Diabetes zu tun hat). Sie würden seit dem 1.8. keine Pauschale von 75 Euro im Quartal mehr bekommen und auch nicht mehr nach EBM abrechnen können. Sie würden also keinen einzigen Cent bekommen. Als Privatpatient könnten sie mich allerdings noch weiterhin behandeln!

    Es ist ja nicht so, dass ich meiner Krankenkasse das Geld nicht gönnen würde. Aber ich wollte gerne (in der Hoffnung, dass die KK mich so nicht einschreibt, ich aber meine Schuldigkeit getan hätte), die Freiwilligkeit im Vertrag streichen („unterschreib oder stirb“ ist doch nicht freiwillig). Außerdem wollte ich auch die Erlaubnis, irgendwelche Daten, die ich normalerweise niemanden auf die Nase binden würde, weiter zu geben streichen. Ich bin in Bezug auf Datenschutz etwas vorsichtig. Nicht erst seit Schäuble, aber das ist ein anderes Thema.

    Tja, jetzt ist das Problem dass wir in meiner Gegend anscheinend eine in Bezug auf das Budget etwas strenge Kassenärztliche Vereinigung haben. Jedenfalls haben es schon 5 Hausärzte aus budgetgründen (Teststreifen!) abgelehnt für meinen Diabetes aufzukommen. Und sollte meine Einstellung den Bach runter gehen, oder sich irgendwelche Komplikationen oder eine Schwangerschaft ergeben, darf mich der Hausarzt auch nicht wieder zum Diabetologen überweisen, bzw. werde ich dort nicht mehr angenommen.

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen und Tipps wie ich mich hier verhalten sollte? Ich hab Angst nächstes Quartal ohne Insulin und Teststreifen dazustehen. Und diese Vorgehensweise finde ich einfach unverschämt.

    Schöne Grüße! von cat
  • Barbara

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 00:19:52
    hallo Cat, erstmal es ist grundsätzlich freiwillig an dem DMP Programm teilzunehmen. Der Arzt darf die Behandlung nicht verweigern, dann würde er sich strafbar machen. Ich bin auch nicht im Programm und bekomme genauso meine Bahandflung ,Medikama =
    mente, Insulin und teststreifen. Ich habe jetzt auch an eine Schulung teilgenommen,die mir alle 2 Jahre zusteht. Ich würde mit der Kasse mal reden. Hast Du nicht die Möglichkeit einen anderen Arzt aufzusuchen.? Das Verhalten sehe ich schon als Erpressung an ,das würde ich auch der kasse sagen.
    Wo leben wir denn. Zu solchen Ärzten kann man kein Vertrauen haben.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg
    Barbara
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 00:23:03
    moin cat,

    als lange vor der Einführung die DMP-Diskussionen anfingen, hatte ich die Hoffnung, dass wir damit wenigstens ein Register der Behandlungserfolge bekämen und so endlich einmal Therapieansätze und Therapieergebnisse vergleichen könnten. Diese Erwartung ist inzwischen hinfällig, denn bei der kranken Kasse kommt nur an, dass wir eingeschrieben sind. Der Rest wird anonymisiert, und da erscheinen gerade einmal die Typen, die HBA1cs, die Gewichte, die Routineuntersuchungen und die erreichten Endpunkte wie apper Zeh und blindes Auge usw.

    Die kranke Kasse hat aus jedem Pumpenantrag und jeder Krankmeldung und jedem Aufenthalt im kranken Haus mehr und persönlichere Daten als aus den DMP-Zetteln. Und weil die Kasse mit unseren Unterschriften aus dem Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen etwas von dem vielen Geld wieder reinbekommt, das wir kosten, befürworte ich das Einschreiben.

    Bisdann, Jürgen
  • (H.-)Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 11:12:51
    hier mal ein erhellender Link:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Risikostrukturausgleich von (H.-)Jürgen
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 12:55:32
    hallo cat,

    der einschrieb ist nach wie vor freiwillig. kannst mal bei deiner kranken kasse fragen, ob die da was schriftliches haben.

    ich würde mir am besten einen neuen diadoc suchen. hausarzt muß wissen, daß ein dm'ler eine praxisbesonderheit ist, und diese gesondert melden. mehr als buchwissen darfst du aber bei den meisten ha's nicht erwarten.

    @jürgen

    alles andere währe ein eingriff in die therapiehoheit des arztes. uns bleibt nur die hoffnung darauf, daß sowohl die fachkunde als auch die compliance in notwendiger und hinreichender form vorhanden ist. und hier irrt mal die biebel nicht: wer suchet der findet. von thomas2002
  • cat

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 13:54:16
    Hallo Barbara!
    Die Praxismitarbeiter haben die Einwilligungserklärung so ausgelegt, dass die Teilnahme am DMP beim Hausarzt freiwillig ist, jedoch nicht beim Facharzt. Dort wäre sie ab diesem Quartal Pflicht, weil die Diabetologen eben sonst nicht bezahlt werden.

    Die Krankenkasse habe ich darüber informiert und die Mitarbeiter (wirklich sehr nett) haben mir versprochen dass sie sich der Sache annehmen werden. Nur weiß ich nicht ob da viel bei rauskommt, deswegen wollte ich mich auch bei anderen Betroffenen informieren.


    Hallo Jürgen!
    Wenn man dem DMP beitritt, muss man unterschreiben dass man einverstanden ist, dass die erhobenen Daten personenbezogen, also mit Namen versehen, an eine *Datenstelle* geschickt werden. Diese Datenstelle gibt einen Teil der Daten nicht pseudonymisiert an die *Krankenkasse* und an die *Kassenärztliche Vereinigung* weiter. Außerdem werden Daten pseudonymisiert an ein *wissenschaftliches Institut* und einer *Einrichtung zur Qualitätssicherung* gegeben. Interessanterweise wird hier von Pseudonymisierung und nicht von Anonymisierung gesprochen. Die Daten können jederzeit wieder dem Namen der entsprechenden Person zugeordnet werden!

    Wie gesagt, ich gönne der Krankenkasse wirklich das Geld aus dem RSA. Ich hätte auch weniger Bedenken der Krankenkasse meine Daten zu geben. Aber da sind mir dann doch zu viele andere, nicht näher definierte Stellen, die die Daten bekommen.

    Außerdem habe ich mir schon öfter mal von anderen Ärzten z.B. Lanzetten oder Ketonteststreifen verschreiben lassen, wenn ich verpeilt hab dass sich mein Vorrat dem Ende neigt und ich es in nächster Zeit nicht zu meinem Diabetologen geschafft hätte (ich bin öfter mal bei meinen Eltern in einer anderen Stadt). So wie ich es verstanden habe, dürfte im DMP aber nur noch mein koordinierender Arzt meinen Diabetes behandeln (= verschreiben). Das wäre ein echter Nachteil für mich.
    Kann mir jemand der im DMP ist sagen, ob das wirklich so ist?

    Viele Grüße von cat
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 14:36:00
    moin cat,

    hatte damit noch nie Probleme. Und als ich gar im vergangenen Herbst am Nationalfeiertag nur mit Basal in der diensthabenden Apotheke stand, weil ich statt einer Packung Bolus davon ne zweite eingepackt hatte, hab ich das gekauft, anschließend zuhause das Rezept vom Hausdok geholt und hin geschickt und das Geld zurück bekommen.

    Bisdann, Jürgen
  • cat

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 17:12:03
    Hallo!

    Ich werde wohl kapitulieren müssen.

    Heute Mittag hat mich der Arzt angerufen. Ihm ist wohl klar, dass er mich laut Gesetz weiter behandeln muss, auch wenn ich mich nicht in das DMP einschreibe.

    Deshalb würde er von der Möglichkeit meine Behandlung zu verweigern erst einmal absehen. Er bietet mir an, die Pauschale von 75 Euro jedes Quartal privat zu zahlen. Oder ich muß mich doch ins DMP einschreiben. Er begründet das so:
    Die Praxis würde ja versuchen meinen Standpunkt zu verstehen, ich muß aber auch versuchen deren Standpunkt zu verstehen. Zu einem Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis würden immer 2 Seiten gehören, und wenn eine Seite kein Entgegenkommen zeigen würde, dann wäre das Vertrauensverhältnis erheblich gestört.

    Ich für meinen Teil höre da raus (auch wenn er es nicht explizit gesagt hat), dass er darauf hinaus will, der Behandlungspflicht aufgrund einer Zerstörung des Vertrauensverhältnisses legal zu entgehen.

    Also komme ich entweder der Praxis entgegen und schreibe mich gegen meinen Willen ein, oder ich zahle im Jahr 300 Euro, oder ich zerstöre das Vertrauensverhältnis und er kann ganz legal meine Behandlung ablehnen.

    So schnell kann also ein seit fast 10 Jahren bestehendes Vertrauensverhältnis zerstört werden.

    Schöne Grüße von cat
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 19:25:28
    was wirst Du denn machen wollen, wenn Deine Chipkarte auf die mit ALLEN Behandlungsinfos umgestellt wird? von Jürgen
  • hajoma

    Rang: Gast
    am 09.08.2007 23:40:27
    Hallo cat,
    also, vorweg. Ich würde die 75 ¤ nicht bezahlen. Du solltest dich mal an die Ärztekammer und an die Krankenkasse wenden.
    Und, da du in dieser Praxis derartig behandelt wirst, kann von einem Vertrauensverhältnis keine Rede sein. Es geht eindeutig nur ums Geld.
    Wenn ich in deiner Situation wäre, käme für mich nur ein Arztwechsel in Betracht, selbst bei einer so langen Zeit der Behandlung.

    In diesem Sinne
    Achim von hajoma