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bin ich zu besorgt?

  • wanja

    Rang: Gast
    am 27.06.2010 14:30:52
    Kurz zur Vorgeschichte: Bin Mitte 30, hate 2008 einen SS-Diabetes, der sich erst als erhöhter Nüchternwert bei normalen Belastungswerten im OGTT zeigte, 1 Woche später war es ein insulinpflichtiger Diabetes, der sich schlecht einstellen ließ.
    Nach der Geburt beim Kontroll-OGTT zeigte sich wieder ein leichte erhöhter Nüchternwert (5,7mmol/l), die Belastunsgwerte waren ok. Die Diabetologin meinte, wir sehen uns zur nächsten Schwangerschaft. ;-)
    Seitdem messe ich aus Interesse 1-2x monatlich den Nüchternwert und er steigt. In der letzten Woche war zum Beispiel bei 6,8.
    Hba1c wurde im Januar vom Betriebsarzt bestimmt, war 5,9 und damit in der Norm.
    Mein Hausarzt sagt, so lange der HbA1 in Ordnung ist, besteht kein Handlungsbedarf.
    Ansonsten habe ich eine AI-Thyreoiditis (mit Thyroxin eingestellt), meine Fettwerte sind seit mind. 5 Jahren deutlich erhöht, dies wird als familiär bedingt abgetan.
    1. Kann man den Nüchternwert wirklich ignorieren? Was wäre sonst ein sinnvolles Vorgehen? Ich möchte nicht umsonst den vielbeschäftigten Diabetologen nerven...
    2. Wäre es sinnvoll die Ernährung umzustellen? Habe allerdings das Problem, das ich Vegetarier bin, also Fleisch mit Gemüse als Hauptmahlzeit geht nicht...Hat jemand andere Ideen?
    Ansonsten bin ich normalgewichtig, vollzeitberufstätig (keine sitzende Tätigkeit), danach mind. 1h mit Kind auf dem Spielplatz und kann zusätzlichen Sport mangels Zeit einfach nicht gewährleisten.
    Wäre schon, wenn jemand meinen Gedanken etwas auf die Sprünge helfen könnte! Danke! A.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 27.06.2010 18:31:07
    Moin A,

    wieso besorgt? Gesund wachen die meisten Menschen mit 3,5-4,5mmol/l auf, erreichen 1 Stunde nach dem Zuckerwasser für ein paar Minuten max an 8mmol/l und sind nach 2 Stunden schon wieder zurück bei 3,5-4,5. Als Schwellen zur Ernennung zum Diabetiker sind morgens nüchtern 7mmol/l oder 11,1mmol/l 2 Stunden nach dem Zuckerwassertest definiert. Du bist offenbar seit Jahren auf dem immer besseren Weg zu Deiner Ernennung ;-(

    Zu den Zahlen:
    HBA1c gibt den BZ-Langzeit-Durchschnitt an, allerdings ohne alle Spitzen nach oben oder unten, die kürzer als 2 (und vielleicht 3) Stunden anhalten. Der Wert lässt sich von uns Betroffenen nicht kurzfristig direkt beeinflussen und etwa zur Untersuchung schönen. Für den Wert braucht der Patient weder nüchtern zu sein, noch zu einer bestimmten Tageszeit zur Blutabnahme anzutreten, und es ist nur 1 Blutabnahme erforderlich. Das macht den HBA1c-Wert nach Aufwand und Kosten zum absoluten Medizin-Favoriten. Ab 6,5 soll demnächst Diabetes diagnostiziert werden. Als gesund gilt 4,5-5.5.

    Die morgentliche Blutabnahme ist die älteste Universal-Kaffeesatzlese in der Medizin. Damit auch der Diabetes damit ausgelesen werden kann, hat man in den 60ger Jahren des vorigen Jahrhundert extra geschaut, welcher Wert denn morgens nüchtern meistens den mehr als 11,1mmol/l 2 Stunden nach dem Zuckerwasser entspricht. Das war die erste diagnostische Maßnahme zur Vereinfachung der Diagnose-Prozedur und zur Kostensenkung.

    Der Zuckerwassertest ist eigentlich aus der Zeit der Urinzuckerbestimmung lange vor der Möglichkeit der Blutzuckerbestimmung übrig geblieben. Wenn man zwischendurch kein Wasser lässt, ist etwa 2 Stunden nach dem Zuckerwasser-Input die Glukose davon im Urin, die die Nieren über einer Grenze bei irgendwo über 9-10mmol ausscheiden.

    Den 1-Stunden-Wert gibt es erst mit den BZ-Selbsttests seit Mitte der 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Aber bis Mitte der 90ger, als immer mehr Organschäden mit diesen kurzzeitgen postprandialen Spitzen nach dem Essen und Trinken von Glukose in Verbindung gebracht wurden, wurde dem fachoffiziell keine besondere Bedeutung zugemessen. Seitdem gilt in der fortschrittlichen Ärzteschaft zunehmend ein Überschreiten von 11,1mmol/l an mehreren Tagen zu beliebigen Zeiten als ausreichend für die Ernennung zum Diabetiker.


    Was kannst Du nun tun, wenn Du Deinem weiteren Vorrücken auf Diagnose Diabetes nicht tatenlos zusehen willst? - Deinen Blutzucker mit der Auswahl und Menge Deines Essens im Rahmen von unter 8mmol/l nach 1 Stunde nach dem Einfüllen halten. Wovon Du dafür weniger und wovon mehr essen kannst, musst Du allerdings selbst austesten. Denn das ist individuell sehr verschieden. Und hilfreich kann auch sein, musst Du ebenfalls testen, wenn Du alltägliche Bewegungsanteile in diese Stunde nach dem Essen legst, oder dich halt gezielt in dieser Zeit zusätzlich bewegst. Denn in dieser Zeit ist das meiste von Deinem Insulin in Deinem Kreislauf unterwegs, und mit der Bewegung verstärkst Du seine Wirkung.

    Daumendrück, Jürgen

    Nachtrag:
    Diabetes während der Schwangerschaft, bei dem der Blutzucker medikamentös in gesunden Grenzen gehalten werden muss, ist immer insulinpflichtig. Denn andere Medikamente zum Blutzuckersenken sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen.
  • wanja

    Rang: Gast
    am 28.06.2010 00:56:51
    Danke für die schnelle Antwort!
    Also offensichtlich ernähre ich mich gar nicht sooo schlecht, denn die postprandialen Werte sind meist in Ordnung. Eigentlich sind hauptsächlich die Nüchternwerte auffällig. Also eher IFG.
    Was sagt mir das? Wo liegt die Störung? Kann ich das mit zusätzlicher Ernährungsumstellung beeinflussen?

    Lg A.
  • Rainer

    Rang: Gast
    am 28.06.2010 11:26:37
    Hallo A.,

    ein höherer morgentlicher Nüchternwert ist nicht anders zu bewerten als die BZ-Spitze nach den Mahlzeiten. Insofern sind die 6,8 kein großes Problem. Allerdings zeigt ein ansteigender Nüchternwert an, dass deine BZ-Regelung mit der Belastung aus dem morgentlichen Hormonfeuer immer schlechter zurechtkommt.

    Den Nüchternwert könntest du wahrscheinlich mit Metformin runterdrücken. Vielleicht genügt auch schon ein Glas Wein am Abend. Aber das wäre nur Kosmetik, die dir nicht wirklich gegen die Entwicklung des Diabetes hilft. Das A und O sind niedrige BZ-Spitzen nach den Mahlzeiten. Du schreibst, dass die bei dir in Ordnung sind und verschweigst deine Zielgröße. Deshalb empfehle ich dir hier noch mal, dass der BZ in 1 Stunde nach den Mahlzeiten nur in Ausnahmefällen die 7,8 überschreiten sollte. Und wenn du das schon machst und der NBZ trotzdem langsam ansteigt, dann würde ich mir an deiner Stelle die 7,5 oder noch weniger als Grenze setzen.

    Du fragst auch´nach Empfehlungen zur Ernährungsumstellung. Nach meiner Erfahrung ist es sehr viel einfacher, die KH so weit wie möglich wegzulssen als diese nur ein bisschen zu reduzieren. Mit deiner vegetarischen Ernährungsweise dürfte am besten LOGI-Ernährung zusammenpassen, obwohl es auch bei LCHF Vegetarier gibt. Stöbere einfach in den entsprechenden Foren herum und sieh dir die Ernährungsumstellung an - vielleicht ist das auch was für dich.

    LG Rainer
  • wanja

    Rang: Gast
    am 29.06.2010 00:36:54
    ok, konkrete Zahlen ;-)
    heute früh nüchtern 6,7, 2h später immer noch nüchtern aber vor dem Frühstück 6,1, 1h nach dem Frühstück 5,8, 2h nach dem Frühstück 6,5, das war gleichzeitig der Vor-mittag Wert, welches nur kleiner Imbiß war. 1h nach Mittag 6,7, 2h nach Mittag 6,2, vor dem Abendbrot 6,3. zum Abendbrot gab es 1 Scheibe Brot mit Käse und eine handvoll Kirschen: 1h später 8,3. Damit hätte ich nu gar nicht gerechnet...grübel....
    Also ich finde die Werte tagsüber ok und nicht diabetes-verdächtig, irgendwie scheint mein Problem abends bzw. nachts zu stecken...
    Ich werde mal in den Ernährungsseiten stöbern...
    Danke auf jeden Fall!
    lg A.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 29.06.2010 11:05:11
    Moin A,

    Du hast wohl noch keinen Diabetes, bist aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem guten Weg dorthin. Denn kein gesunder Mensch hat im "Leerlauf" über 5mmol/l, sondern bewegt sich nach den Essenauswirkungen irgendwo zwischen 3,3 und 4,5.

    Zum organischen Hintergrund:
    Wir können uns unseren Glukose-Haushalt von 2 Regelkreisen bestimmt vorstellen, dem basalen und dem alimentären.

    Der basale ist nahezu völlig unabhängig vom Essen für die Versorgung unserer Zellen mit Glukose zuständig. Nahezu deswegen, weil der Organismus von der glukogenen, der Hauptversorgung aus Glukose, irgendwo unter 120g gegessener Glukose pro Tag auf die fettbasierte ketogene Energieversorgung umschaltet.
    Für uns ist hier die glukogene Variante maßgebend. Gesund sorgt dabei ein Spezialisten-Team in unserem Organismus unter allen Umständen für die passende Menge Glukose im Blut. In dem Team spielen u.a. die Alpha- und die Beta-Zellen des Pankreas und Leber und Nieren gewichtige Rollen.

    Ziel dieses Zusammenspiels ist, bei einem relativ konstanten BZ irgendwo um 3,3-4,5mmol/l entsprechend dem Treibstoffbedarf bis zu 100g Glukose und mehr pro Stunde im Körper zu verteilen. Wichtig: Die BZ-Höhe ist völlig unabhängig von der Menge der Glukose, die gerade verteilt wird!
    Da haben wir auf der einen Seite die Glukose-Lieferung, die von den Alpha-Zellen des Pankreas mit Glukagon stimuliert wird. Dazu trägt die Leber bei normaler Ernährung gesund zu etwa 50% aus ihrem Glykogenspeicher bei. Die anderen etwa 50% kommen via Glukoseproduktion=Glukoneogenese zu gleichen Teilen aus Leber und Nieren.
    Und da haben wir auf der anderen Seite die Glukose-Verwertung, die von den von den Beta-Zellen des Pankras mit Insulin ermöglicht wird.
    Wenn zu wenig Glukose verfügbar ist, geben die Alpha-Zellen mehr Glukagon aus und stimulieren die Glukose-Ausgabe, und wenn mehr Glukose verfügbar ist, geben die Beta-Zellen mehr Insulin und ermöglichen so mehr Glukose-Aufnahme in die Zellen.

    Dazu kommt für Essen und Trinken der alimentäre Regelkreis, der kurzzeitig den basalen überlagert und z.T. ausschaltet. In diesem alimentären Regelkreis spielt ein Darmhormon-Team die Hauptrolle. Das bestellt immer dann, wenn neue Glukose zum Übergang aus dem Darm in den Blutkreislauf ansteht, die dazu passende Menge Insulin. Und gleichzeitig bestellt es die basale Glukose-Ausgabe für die max ungefähr 1 Stunde ab, bis die neue Glukose verwurstet ist.

    Bisdann, Jürgen
  • Rainer

    Rang: Gast
    am 01.07.2010 11:53:34
    Hallo A.,

    na dann mach doch mal einen Versuch mit einem Gläschen Wein zum Abendessen oder danach. Wenn du kein Weintrinker bist, dann kannst du es auch mal mit Bier probieren. Aber das funktioniert bei mir nicht, weil Bier zu KH-reich ist.

    LG Rainer