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Am Anfang war die Depression...

  • tina

    Rang: Gast
    am 04.06.2007 19:54:35
    Moin moin zusammen!

    Seit mittlerweile 23 Jahren Typ 1 Diabetes und noch keine 30 Jahre alt... Im Moment k... mich das sowas von an. Habe mir grad einige Beiträge von solchen "Glückspilzen" durchgelesen, die ja so toll mit ihrer Krankheit klarkommen. Na Glückwunsch! Aber wie ist es denn, wenn man seit Jahren auf alles Mögliche verzichtet, trotz intensivierter Therapie, nur um ein einziges Mal einen HBA1C von unter 7,5 zu bekommen??? Wenn man mit dem Rauchen aufhört (ohja, Asche auf mein Haupt, weil ich es je angefangen habe. Da werden sich jetzt wieder bei vielen die Nackenhaare vor Entsetzen aufstellen); stattdessen nimmt man jeden Monat für Monat ein Kilo zu (trotz Sport, ohja!); und am Ende ist man nur noch genervt und hat einfach keine Lust mehr. Auf gar nichts. Wie soll man denn da noch klarkommen? Vor allem, wie soll man seinem Umfeld erklären, warum es einem so mies geht, wo man doch alles hat (Haus, Auto, Geld etc). Man "darf" doch gar nicht mal jammern. Denn dann wird man gleich angepöbelt von solchen Besserwissern "Dir gehts doch gut, halt doch den Mund! Es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter..." JAAAAAA, ich habs mittlerweile begriffen das es diese Menschen gibt. ABER: es gibt verdammt noch mal auch Menschen, denen es wesentlich besser geht! Und MIR geht es zur Zeit einfach besch...

    Vielen Dank fürs "Zuhören!"

    Gruß, Tina
  • Hajo Janse

    Rang: Gast
    am 05.06.2007 11:38:13
    Hallo Tina

    Ich kann deine Rekation verstehen. Eine Kampf mit Diabetes und dann HBA1C die nicht zufriedenstellend ist und obenrein noch Gewichtszunahme muss vielen verzweifeln lassen.

    Aber ich glaube dass eine gute Einstellung ohne Gewichtszunahme möglich sein sollte.

    Habe folgende Fragen:
    1. Wurde eine Pumpe dich nicht helfen? Bei mir hat er Wunder bewirkt.
    2. Eine gute stationaire Schulung und Trainung kann dich sicher weiter bringen.

    Vielleicht hilft dieses um von den Kampf mit den Diabetes ein fast normales Leben mit Diabetes zu machen.

    Kurz zur Info, ich habe ein Beruf wobei ich um die ganze Welt düse, immer in andere zeitzones und anderes essen, renne rum oder hocke ruhig im Buro. Schaffe ohne probleme eine HBa1C von 5,5 bis 5,9.

    Wenn du eine super Schulung möchte kannst du mich eine E-mail schreiben.

    LG

    Hajo Janse
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 05.06.2007 12:49:50
    Moin Tina,

    wenn andere Leute bessere Ergebnisse erzielen als Du, ist eine Möglichkeit, dass denen solche Ergebnisse leichter als Dir fallen. Allerdings habe ich ne Reihe beneidenswert gesunde Ergebnisse in ihrer Entstehung erlebt bzw. die zurück verfolgt, und daraus ergibt sich für mich: jedes gesunde Ergebnis ist härter und konsequenter erarbeitet, als das absolute Befolgen einer ärztlichen Einstellung!

    Ein erschreckend einfaches Beispiel: Ein Bauhandwerker Typ1 mit Pumpe hatte bei absoluter Befolgung seiner ärztlichen Einstellung nach jedem Essen BZ-Schwankungen von 100-400 und nen HBA1c um 8. Dazu hatte ihm der Arzt vorgegeben, nicht unter 200 auf ne Leiter zu steigen. WICHTIG: das sind ganz normale Einstellvorgaben und -ergebnisse!

    Eine unkonventionelle Anleitung konnte ihn dazu überreden, dass er in einigen Testreihen (ab Spritzen 10-Minuten-Schritte) überprüft hat, wie sein Blutzucker nach dem Spritzen und Essen meistens verlief. Wenn er beim Start mit 100 nach 3 Stunden wieder bei etwa 100 ankam, sagte ihm das, dass die Insulinmenge für die Futtermenge gestimmt hatte. Aber der schnelle und hohe BZ-Anstieg nach dem Essen zeigte ihm, dass die Insulinwirkung nicht rechtzeitig einsetzte.

    Er hat dann sehr sehr sehr vorsichtig, weil man das schnelle Analoginsulin nach seinem Arzt ja sogar eher nach dem Essen spritzen soll, erst 5, dann 10 und schließlich 15 Minuten vor dem Essen gespritzt. Dafür hat er nach dem Spritzen alle 5 Minuten gemessen und zu essen angefangen, als der BZ sich von 120 nach 110 bewegte. Und statt bis um 300 wie sonst stieg sein BZ nach dem gleichen Essen zur gleichen Tageszeit nur noch bis um 180 an.

    Und dann hat er sich noch überreden lassen und die Portion so geteilt, dass er seitdem eine Hälfte zu Anfang seiner Pause und eine Hälfte 20 Minuten später zum Ende seiner Pause isst und nun 1 Stunde später zuverlässig nur noch zwischen 130 und 160 misst und nach Auslaufen der Bolusinsuliwirkung um 100. Und in den 2 Jahren, die er das jetzt so macht, hat er auf dem Gerüst keine Hypo mehr gehabt, obwohl er inzwischen nach Auslauf der Bolusinsulinwirkung auch mit 100 auf die Leiter steigt.

    Er braucht übrigens heute deutlich weniger IE/BE als früher mit seinen großen BZ-Schwankungen, ganz einfach deswegen, weil bei gesünderen Blutzuckerverläufen mehr Insulinrezeptoren aktiv sind.
    Mit dem Beispiel will ich sagen, dass wesentlich für den gesunden BZ-Verlauf nicht der Verzicht ist, sondern dass man sich für den eigenen Diabetes passend verhält. Ich kenne auch Typ1, bei denen das Insulin genau so schnell wirkt, wie ihre Brötchen. Die brauchen also keinen Spritz-Ess-Abstand.

    Dafür brauche ich als Typ2 mit schnellem Analog-Insulin zum Frühstück 1 Stunde(!), während zu meinem Mittag keiner nötig ist. Das hat mir kein Arzt gesagt (nach dem sollte ich max ne halbe Stunde vor dem Essen spritzen), sondern das hab ich mir nach Internet-Anregungen wie dieser selbst ausgetüftelt. Das Ergebnis sei gesund, sagt mein Arzt, aber mein täglicher Weg dazu sei falsch. - Ich nehme lieber mein gesundes Ergebnis, und ich bin sicher, dass Du auch zu Deinem gesunden Ergebnis finden wirst. Die Sache hat übrigens eine tolle Nebenwirkung:
    Wer täglich erlebt, wie sich der BZ unter allen Umständen in gesunden Grenzen halten lässt, verliert automatisch dieses doofe Gefühl des Ausgeliefertseins an eine tückische Krankheit. Und? Wär's da schade drum?

    Bisdann, Jürgen
  • Pia

    Rang: Gast
    am 05.06.2007 17:26:53
    Liebe Tina,
    kotz ruhig rum.
    Ich bin Typ 2, mein letzter Wert war 11,6%.
    Und dabei war es ein kleiner Tipp nur, der half, dass ich von einem Tag auf den anderen gute BZ-Werte habe, 1/3 weniger Insulin spritzen muss und mir sicher bin, dass der nächste HBA1C-Wert wesentlich besser wird. Der Tipp war: Dosis teilen ab 10E auf verschiedene Spritzstellen.
    Dabei hat mein Diabetologe die Insulindosen immer nur erhöht. Und ich habe 12 kg in 6 Wochen zugenommen, die ich mir hätte sparen können.
    Von denen lernt man nicht viel.. aber egal.
    Was mir so durch den Kopf ging bei deinem posting.....Du bist seit 23 J. Diabetiker.
    Vielleicht hat sich heute Einges Grundlegende geändert, von dem Du profitieren könntest...
    Und ich bin mir sicher, dass die Jungs hier dir weiterhelfen können. Aber du müsstest mal bissel Details schreiben.
    Was du spritzt? Wieviel Einheiten? Bissel Werte erzählen.
    Bevor ich hier im Forum landete, hätte ich mir niemals getraut, von mir aus, 2 Einheiten am Basal rumzuschrauben, sondern habe brav das getan, was der Doc sagte. Weil, er muss es ja wissen..man muss sich ausprobieren. was kann passieren? Messgerät is da und Insulin oder Appelsaft zum Korrigieren auch.
    Und du darfst auf jeden Fall zwischendurch rumkotzen. Klaus und Jürgen und Haschi sind das gewohnt und haben immer ausreichend Tüten rumliegen...also, mach hinne..;-)))
    von Pia
  • Tina

    Rang: Gast
    am 07.06.2007 16:31:34
    Hallo an alle!

    Vielen Dank für die Tipps! Besonders interessant fand ich die Sache mit der Dosis, die aufgeteilt wird. Das werd ich jetzt mal in Angriff nehmen. Heute gehts mir bereits psychisch wieder wesentlich besser, nachdem ich mich jetzt die letzten 2 Tage einfach nur mal hängen gelassen habe und im Selbstmitleid gebadet habe! Jetzt heißt es wieder: Augen zu und weiterkämpfen, weil ich schon so viel erreicht habe, das ich mich jetzt nicht unterkriegen lassen werde!!! Und den langzeit Wert von 8,9 werd ich schätzungsweise auch überlegen, und es kann ja nur besser werden, oder????

    Euch allen einen schönen Feiertag und genießt das (lange) Wochenende!

    Gruß, Tina
  • Pia

    Rang: Gast
    am 12.06.2007 12:46:27
    Liebe Tina, ich muss ergänzen, dass es Leute gibt, bei denen die Teilung nix brachte, aber auf jeden Fall schrieben hier auch erfahrene DMler, sie würden schon immer ab 10Einheiten teilen.
    Ich habe mir die Erklärung so erarbeitet:
    Es sollte egal sein, ob ich 20 oder 30 Einheiten vor einem Essen spritze, wenn ich es auf eine Stelle spritze, denn die Anzahl der Rezeptoren, die das Insulin transportieren, ist begrenzt, sagen wir, sie nehmen im Moment nur 10 Einheiten auf, teile ich die Dosis ab 10, vergrößere ich die Oberfläche und damit die Anzahl der Rezeptoren. Spritze ich die 20 Einheiten auf einen Fleck, verfällt alles über 10 Einheiten.
    Also habe ich bei zwei Spritzsstellen die zweifache Wirkung. (Hoffentlich habe ich jetzt keinen Unfug erzählt..)
    Abends spritze ich die GesaMTDosis an Basalinsulin: 40E. auf 4 Stellen. Der Nüchternwert hatte sich am nächsten Tag sofort halbiert. Probier es aus und es wäre lieb, wenn du eine Rückmeldung gibst, ob es geklappt hat. von Pia
  • wise

    Rang: Gast
    am 18.06.2007 15:27:27
    Vor allem, wie soll man seinem Umfeld erklären, warum es einem so mies geht, wo man doch alles hat (Haus, Auto, Geld etc). Man "darf" doch gar nicht mal jammern.

    Ich habe das selbe Problem und kann dich sehr gut verstehen.
    Mit dem Rauchen habe ich auch wieder angefangen.
    Gewichtsprobleme habe ich nicht dafür saufe ich manchmal zuviel.
    Und mich kotzt Typ1 auch regelmäßig an.

    wise
  • Alberto

    Rang: Gast
    am 19.07.2007 00:06:40
    Hallo Tina!

    Es ist sicher eine Umstellung für dich und ich hoffe, dass es dir inzwischen besser geht. Doch es ist auch so, dass du den Diabetes nicht mehr los wirst. Ich denke, es ist besser sich damit engagieren und auch mit Diabetes kann man alles erreichen. Ich wünsche dir viel Glück und es gibt viele Leute, die echt Verständnis für deine Situation haben. Reden hilft, auch dir.

    Alles liebe von Alberto
  • Cora

    Rang: Gast
    am 20.07.2007 02:06:50
    Hallo Tina,

    jeder Mensch ist anders.

    Der/die eine nimmt es so wie es ist und macht das was der Doc sagt, ist ja eh richtig, er hat ja studiert...

    Der/die andere kommt nicht klar, weiß nichts mehr, dreht sich im Kreis, bekommt Depries, fühlt sich überfordert, da bekommt man Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, möchte nichts mehr tun, weil eh nichts klappt und alles läuft schief....

    Ja, das kenne ich.
    Und ich denke, dass nicht nur jeder Mensch das Recht dazu hat, sich mal mies zu fühlen, sondern dass man ihm das auch zugestehen darf.

    Ich finde diese Vergleiche auch sehr schlimm. Das war ja früher schon als Kind so "iss schön alles auf, die Kinder in Afrika..." und jetzt immer "anderen geht es schlechter als Dir..." das heißt für mich, dass mich der/diejenige, der/die diese Äusserung gemacht hat, mich nicht ernst nimmt und ich entferne mich von ihm/ihr.

    Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, dass es Dir bald wieder besser geht und Du den für Dich richtigen Weg gehst.

    Liebe Grüße,
    Cora
  • elli

    Rang: Gast
    am 04.07.2008 23:55:48
    Kann dich voll verstehen. Man soll immer die sehen, denen es schlechter geht. Bin kein herzloser Mensch, aber dadurch dass es solche Menschen gibt, geht es uns doch nicht besser. Man sollte doch auch mal das Recht haben, sagen zu dürfen wie man sich selbst grad fühlt. unabhängig davon, wie es anderen geht! Heute gehts mir auch beschissen und gestern und morgen wahrscheinlich auch noch. Scheiße! so ist es halt und dann sag ich auch dass es so ist. Wen es nicht interresier, der hört halt weg.Das Leben kann echt ätzend sein und ist es meistens auch. Da müssen wir durch. Wir sind eh nur kleine Schachfiguren auf dem Spielbrett dass sich Leben nennt. Also stay strong