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440mg/dl nach Intervalltraining

  • Mirjam

    Rang: Gast
    am 30.05.2007 21:53:56
    Hallo liebe Mitsportler ;-)


    ich bin Mirjam (16Jahre), seit 11 Jahren Typ1 Diabetikerin und seit drei Jahren sporadische Läuferin.

    Jetzt habe ich ein Ziel - 10km unter einer Stunde, danach unter 50 Minuten - und möchte richtig trainieren.
    Seit fast zwei Wochen laufe ich jeden Tag mindestens 5km, immer so um die 35 Minuten, und das klappt ganz gut.

    Um meine Leistung zu steigern hab ichs auch schon mit Intervalltraining versucht (nachdem ich mich durch seitenweise Laufratgeber gewälzt habe) und zwei Dinge beobachtet:

    insgesamt sinkt mein Insulinverbrauch (ich bin Insulinpumpenträgerin) um mindestens 10-20% und
    zweitens hatte ich nach einem sehr anstrengenden Intervalltraining gestern, das ich wegen gnadenloser Selbstüberschätzung (200 Meter mit 12km/h, durchschnittlich laufe ich nur ca. 8km/h) abgebrochen und nach einer halben Stunde mit einem lockern 2km-Lauf beendet habe, einen Zucker von 440mg/dl -
    dabei habe ich mich mehr angestrengt als für die Stunde (7,6km) heute, während der ich insgesamt fast 5 BE (einen Apfel, 2,5BE Brot und eine Banane - 1BE) verbrannt habe.

    Kann mir jemand erklären, warum das so ist und was ich dagegen tun kann und mir außerdem einen Rat geben, wie ich das Training bezüglich meines Diabetes am besten kalkuliere?
    Schon im Voraus danke für die Hilfe,

    Liebe Grüße,

    Mirjam
  • Ralf

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 16:42:25
    Hallo Mirjam

    Bei mir ist es auch so das stressige Trainingseinheiten manchmal den Zucker nach oben bringen (Stresshormone...).
    Wenn du das Training unterbrochen hast,(Pumpe aber weiter reduziert gelassen hast)
    kann es auch ein Insulinmangel sein.
    Alter Spruch" aber probieren geht über studieren".
    Viel Spass beim Training und viele Grüße
    Ralf
  • Fred...

    Rang: Gast
    am 25.06.2007 02:10:23
    Hallo,

    du bist noch sehr jung, ich dagegen schon etwas älter, folglich reagiert dein Körper etwas anders als meiner.
    Ich laufe auch, teilweise auch auf der Aschebahn, wenn ich die kurzen schnellen Einheiten trainiere.
    Ich möchte meine Zeiten hier nicht anführen, um keine Vergleiche aufkommen zu lassen.
    Bist du sicher, dass dein Katheter ordnungsgemäß funktioniert hat, nachdem du die 440mg/dl gemessen hast?
    Du hast in deinen Ausführungen keinerlei Angaben zum BZ-Verlauf gemacht, folglich kann niemand wirklich etwas dazu anmerken.
    Bei mir allerdings stelle ich fest, dass ich in der ersten halben Stunde weniger BZ reduziere als in der nächsten Stunde. Das sind meine Erfahrungswerte, aber die kannst du nur bedingt übertragen, denn ich mache den Sport schon länger, der Körper weiß, was ihn erwartet und vor allen Dingen, ich mache den Sport regelmäßig.
    Wenn du dich gezielt trainieren willst, ist eine Pulsuhr ratsam, damit du dich nicht übertrainierst.
    Mit einer Pulsuhr kannst du dich kontrolliert im Ausdauerbereich und kontrolliert im Kraftbereich trainieren, die Pulsuhr hält dich zurück, wenn du es übertreibst bzw. zeigt dir, dass du noch im grünen Bereich bist, je nachdem welches Training gerade dran ist.

    Ich nehme mal Stellung zu deinen Ausführungen:

    "...für die Stunde (7,6km) heute, während der ich insgesamt fast 5 BE (einen Apfel, 2,5BE Brot und eine Banane - 1BE) verbrannt habe...."

    Du verbrauchst in dem Beispiel 5 BE, reduzierst du deine Basalrate vor dem Sport oder ist dein um "10-20% gesunkener Insulinverbrauch" damit gemeint?
    Ich zum Beispiel reduziere meine Basalrate 2-Stunden vor dem Sport um 50%, mein BZ steigt dann logischerweise, aber reduziert sich beim Sport sehr schnell, sodass ich BE nachführen muss.
    Nur mal so zum Vergleich...
    Wenn ich meinen Puls richtig hochfahre auf ca. 180, dann bin ich richtig schnell und verbrauche für 10km auch ca. 10BE, aber Vorsicht! - ich habe einen Ruhepuls von 40.
    Du weisst auch, dass dein Körper genügend Zeit zur Regeneration braucht?
    Du notierst deine BZ-Werte ausreichend um Schlussfolgerungen ziehen zu können?

    Es gibt soviele Dinge die man wissen sollte, wenn man Sport macht, um nicht jeden Murks zu erleiden. von Fred...
  • Mirjam

    Rang: Gast
    am 25.06.2007 15:52:51
    Hallo :-)

    Dankeschön für eure Antworten - ihr habt mir schon weiterhelfen könne, auch wenn meine Angaben etwas ungenau waren ^^
    Mein Katheter lag (leider, sonst hätte ich eine simple Erklärung für den hohen Zucker) richtig, ich hatte keine Luft im Schlauch und ich habe auch vorher nichts gegessen, was erst spät wirkt (Hefeteig, Pizza, was auch immer).
    Nach den zwei Wochen Training, in denen ich meinen BZ nicht dokumentiert habe, hab ich eingesehen, dass es doch ganz sinnvoll wäre, das zu tun ^^ und so langsam bemerke ich einige Regelmäßigkeiten:
    am Anfang des Training sinkt mein BZ sehr stark, allerdings gehöre ich auch zu den MEnschen, die "Spätunterzuckerungsanfällig" sind - mein Insulingbedarf reduziert sich auch über Nacht, sodass ich abends meist trotz gesenkter Basalrate (auf 70 oder 80%, je nach Trainingsintensität und Dauer) noch ein oder zwei BE essen muss.
    Wenn ich dann aber eine Zeit lang (ein oder zwei Wochen) fast täglich gelaufen bin, verbrenne ich beim Laufen selbst wesentlich weniger Kohlenhydrate und komme meist mit einem hohen Zucker aus dem Training - obwohl es nicht so anstrengend und "stressig" wie das Intervalltraining war.
    An dieser Umstellung hänge ich momentan - nach dem Laufen ist der BZ hoch und irgendwann sinkt er stark ab und ich habe ein Hypo, die ich erst nach fast einer Stunde und ziemlich vielen BEs (5-8) ausgeglichen habe - und daraufhin steigt er dann wieder.
    Habt ihr da Tips? Basalrate grundsätzlich senken? Trainingsintensität irgendwie ändern?
    Und wie kann ich das mit einer Pulsuhr kontrollieren, sprich, was ist da "gut"? Davon hab ich nämlich überhaupt keine Ahnung ^^

    Dankeschön für euere Tips,

    Mirjam
  • Fred

    Rang: Gast
    am 25.06.2007 22:18:59
    Hallo Mirjam

    mir scheint, dass Du nicht sehr Sporterfahren bist, das ist nicht schlimm, aber dennoch möchte ich dir mal ein paar grundlegende Dinge aufzeigen.

    Zuerst aber eine Frage, wofür trainierst du?
    Du willst nur schneller werden, - ist es Konditionstraining, was willst du erreichen?
    Auf dein Ziel sollte dein Training abgestimmt sein.
    Da ich denke, dass du das noch nicht lange machst, meine zweite Frage, - hast du optimale Schuhe?
    Für den Ausdauerlaufsport brauchst du korrekte Laufschuhe!
    Der Preis für die Schuhe ist sekundär, denn du hast nur zwei Knie und die müssen dich noch hundert Jahre tragen, also bitte überprüfe das!!!!!!!
    Im Zweifel in einen guten Laufsport-Shop und neue kaufen bzw. überprüfen!!!!!!! (Laufband mit Video)

    Was mir auffält ist deine Trainingshäufigkeit, machst du nicht zuviel? - denn die Kraft schöpft der Körper in der Regenerationsphase, zuviel ist also Kontraproduktiv, im Klartext bedeutet das, dass der Körper durch magelhafte Regeneration Form abbaut.
    "Weniger ist mehr."

    Aus deinem Text entnehme ich, dass du deinen Körper doch sehr forderst, denn der Körper ist unentwegt mit dem Muskelauffülleffekt beschäftigt. Das ist nicht schlimm, zeigt aber, dass du überprüfen solltest, ob eine oder zwei Trainingseinheiten eingespart werden müssen.

    Zum Puls:
    Eine Pulsuhr gibt dir eine Information in welchem Bereich du trainierst, ob du dich in der Fettverbrennung oder der Kohlenhydratverbrennung befindest. Das trennt der Körper nicht so genau, aber mir zeigt meine Pulsuhr genau an, wann die Fettverbrennung einsetzt.
    Wenn du Ausdauer trainierst, dann zeigt die Uhr genau an, wann du Tempo reduzieren musst. Die Frequenz musst du natürlich persönlich ermitteln.
    Das gleiche gilt für das Krafttraining, die Uhr zeigt dir genau an, wann du optimal trainierst, es ist eine große Hilfe für unerfahrene Sportler.
    Viele Sportler lassen die Uhr mit zunehmender Erfahrung später auch wieder weg, aber am Anfang ist sie sehr sinvoll.

    Wie du vielleicht erkennst, ist es nicht so einfach klare Aussagen, zu deinem Training zu finden, denn in welcher Phase trainierst du, in der "Aeroben" oder der "Anaeroben"?
    Wann ißt du das letzte Mal vor dem Sport? - wieviel aktives Insulin ist in deinem Körper vorhanden?
    Wie unterstützt du den Muskelauffülleffekt?

    Alle diese Fragen musst du persönlich für dich klären.
    ___________________________

    Wie gehe ich Sport an?
    - nehmen wir ein Beispiel...
    10km Bahn:

    Basalrate 120min auf 50% reduzieren
    möglichst 4 Stunden kein Bolusinsulin
    BZ messen + normal 0,5L Cola trinken
    Warmlaufen 2km u. Dehnen
    Tempolauf - Puls bis max. 175
    nach 5km kurz weitere 5BE Cola
    nach 10km BZ messen
    Auslaufen ca. 2km
    Basalrate auf 100% (zur Zeitorientirung, für den Tempolauf brauche ich 35min.. sorry, wollte das nicht wirklich mitteilen, aber ich denke zur Orientierung ist das wichtig.)
    Sofort danach Zuhause 10-15BE 1Liter süße Brause und 5 BE Brot, ich reduziere nicht den BE/IE-Faktor, reduziere noch nicht die Basalrate.
    Dann lege ich zum Duschen die Pumpe ab... (dauert)
    Nach zwei Stunden BZ messen.
    Abends Basalrate reduzieren auf ca. 85% und gegebenfalls noch etwas essen.
    _____________________

    BZ während des Sports:
    Ich kann meinen Sport nur machen wenn der BZ über 180 ist, vorher streikt mein Körper, deshalb habe auch ich nach langen Ausdauereinheiten auch oft BZ-Werte über 200.
    Bei stundenlanger Reduzierung der Basalrate und Zuführung von BEs wird das Insulin natürlich irgendwann schwach, sodass die letzten BEs den Zucker dann extrem schnell ansteigen lassen.
    Kommt dann Insulin in den Körper sinkt dieser aber sofort wieder.
    Das ist ein Beispiel, wie ich meinen Sport betreibe, das ist nur meine Art, diese ist nicht übertragbar. Aber wie du siehst, steigt auch bei mir der Zucker am End von Ausdauertrainingseinheiten schnell mal an.
    Ausdauertrainingseinheiten heisst bei mir je nach Trainingszustand auch schon mal 30km, dann aber nur mit Puls max. 150.

    Alle Klarheiten beseitigt?
    Also was ganz sicher hilft, ist eine gute und genaue Dokumentation.
    Sicher ist auch, wenn du langsam läufst werden wenige Kohlenhydrate und viel Fett verbrannt, deshalb kann dein BZ ansteigen, wenn du BEs zuführst.
    Ich führe z.B. auch schon mal zuviele BEs beim Sport zu, aber die korrigiere ich nach dem Sport vorsichtig mit Insulin, die Basalrate stelle ich meist runter und das klappt ganz gut.
    Aber ich mache das schon sehr lange, bin auch schon erwachsen und trainiert, mein Körper baut nicht mehr so gut auf wie deiner reagiert also nicht mehr so stark.
    Also nicht verzagen, das klappt schon, lieber einmal mehr messen, was auch im Interesse deines Arztes ist.
    Um den Muskelauffülleffekt zu unterstützen nimmt der Ausdauersportler in den nächsten zwei Stunden nach dem Sport viele Kohlenhydrate zu sich, will ein Mensch abnehmen, dann natürlich nicht, dann muss umgekehrt gehandelt werden in den Stunden nach dem Sport keine Kohlenhydrate, dann dauert das Muskelfüllen aber viel länger, denn es wird Fett in umgewandelt und in den Muskel befördert (Glukoneogenese). Das Bedeutet, dass man mindestens den nächsten Tag eine Trainingspause braucht, denn die Auffüllphase kann sich bis zu 72 Stunden hinziehen.
    Egal!
    Hauptsache es macht dir Spass...
    in diesem Sinne viel Erfolg.
  • Fritz

    Rang: Gast
    am 25.06.2007 22:26:05
    Ach so,

    der mit den langen Antworten,
    das bin ich,

    der Fred...
  • Mirjam

    Rang: Gast
    am 25.06.2007 23:21:02
    Hallo Fred,

    dankeshön für deine ausführliche Antwort, das ist ziemlich viel auf einmal :-)
    Ich muss das jetzt erstmal verarbeiten (also geistig ^^) und dann umsetzen (erst geistig, dann körperlich ;-) ).
    Vermutlich brauche ich dann zum Trainieren doch eine genauere Planung....
    Ich mach jetzt erstmal locker weiter und trainiere auf Ausdauer und dann auf Schnelligkeit.
    Das mit der Pulsuhr und dem aeroben und anaeroben Training muss ich mir auch nochmal anschaun, ich hab schon oft gehört, das sei eigentlich ziemlich gut.
    Aber wie gesagt, probieren geht über studieren.

    Dankeschön nochmal,
    viele Grüße,
    Mirjam
  • manfred

    Rang: Gast
    am 17.11.2007 02:33:32
    Hallo Miriam,

    es ist sehr gut, dass Du Dich entschieden hast Sport zu treiben. Leider bist Du aber
    auch Typ I Diabetiker und hier gibt es ge-
    wisse Regeln zu beachten.
    Wenn Du waehrend oder nach dem Sport
    einen Wert von 440 hast kann das verschiedenste Ursachen haben z.B. Mess-
    fehler. Stell Dir vor, Du hast ein Stueck Traubenzucker gegessen und hast Deine
    Blutzuckermssung an der Stelle durchge-
    fuehrt, wo Du das Stueck Traubenzucker
    in den Fingern hattest. Hier ergit sich dann
    ein flascher Wert.
    Ich wuerde Dir empfehlen an einer Schulung teilzunehmen. Hier kann ich das
    Diabetesdorf Althausen nennen. Dort
    wird eine sehr intensive und umfangreiche
    Schulung durchgefuehrt.
    Deine Fragen in einer E-Mail zu beantwort-
    en ist nicht moeglich, da die Thematik zu
    umfangreich ist und ich sehe hier die Ge-
    fahr, wenn Du einem gut gemeinten Rat-
    schlag folgst und sich dieser als falsch
    herausstellt hast Du mit den gesundheitlichen Folgen zu kaempfen.

    Gruesse

    Manfred
    von manfred