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Sie sind 78 oder 85 und wollen keine Diabetestherapie

  • Pia

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 10:00:33
    Moin moin,

    am WE saß ich mit meiner Freundin schön zusammen und sie erzählte mir wieder mal von ihrem Job. Sie fährt häusliche Krankenpflege.......
    "... ich weiß manchmal nicht mehr, wie ich die alten Leutchen motivieren soll, Frau B. ist 85 und sagt, Mädchen, ich hatte ein schönes Leben, und jetzt willst du mir das und das Essen verbieten und ich soll Insulin spritzen? Warum? Meinst du nicht, ich schaff die 3 oder 5 Jahre noch so?" oder Herr S.
    "...Mädchen, ich bin jetz 79 und jetzt kommst du und sagst, ich MUSS Insulin spritzen und ich MUSS messen und ich muss auf die Ernährung achten? Ich freu mich ja, wenn Du kommst, aber das ist doch Kokolores. Wenn ICH sage, ich will das nicht, dann lass es mal gut sein...."
    "Ich stehe immer zwischen dem Arbeitgeber und dem Patienten und mir kommen manches Mal wirklich Zweifel in der Argumentation...."
    -----------------------------------
    ich wusste ehrlich gesagt nicht so recht, was ich ihr raten sollte....



    von Pia
  • jo

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 11:29:45
    Hallo Pia,

    anders gefragt.

    würdest du in dem Alter noch verzichten wollen?
    Mal ehrlich - das Ende ist doch da abzusehen, wozu also noch Verzicht üben?
  • Pia

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 11:34:27
    DAS kann Sie aber den Patienten NICHT sagen, denn dann verliert sie ihren Job.
    nd die Frage ist doch auch, ab welchem Alter sagst Du dann, Insulin und wann keins?
    Klar ist: Jeder hat das Recht auf freie Entscheidung über seine medizinische Behandlung. Und sicher ist es immer individuell. von Pia
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 11:47:55
    hallo an alle, pia,
    deine freundin ist in einer verdammten zwickmühle.
    ich weiß nicht was sie sagen "darf" .
    ich wüerde sagen - lieber mensch weshalb belasten sie mich die ich ihnen nur helfen will mit diesem problem, sagen sie dem arzt klipp und klar daß sie das nicht wollen. aber jammern sie hinterher nicht daß sie nicht wußten daß die folgen des dm in "jedem" alter zuschlagen, und tragen sie diese dann selbst.
    -- das einzige was mir nie in den kopf will daß man versucht solchen menschen mit irgendwelchen diäten zu kommen, laß sie doch essen was sie wollen.-- in dem alter kann man mit gutem gewissen "wegspritzen".
    mfg klaus von klausdn
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 11:55:28
    Moin Pia,

    da kommen wenigstens 3 Aspekte zusammen:

    1. Da ist zuerst einmal und unabhängig von allem weiteren der Auftritt gegenüber den Patienten, der immer eindeutig bestimmt und bestimmend sein muss, denn als PflegerIn ist man/frau immer Boss im Team. Diskussionen muss man bei Menschen, bei denen man die Behandlung nicht selbst verantwortlich bestimmt, immer an den Dok verweisen, der die Behandlung bestimmt.

    2. Bei vielen dieser alten Leutchen ist der spät diagnostizierte Diabetes relativ neu auf die alten Tage, die sie eigentlich nur noch in Ruhe absitzen wollen. Am ehesten machen diese Menschen mit, wenn sie eine Maßnahme als Erleichterung verstehen. Das ist für die meisten von ihnen beim Insulin am einfachsten nachvollziehbar, wenn man ihnen erklärt, dass das ihre Organe vom zu hohen Blutzucker entlastet. Die direkte Entlastung ist der Schlüssel, nicht die Folgekrankheit, die sie eh nicht mehr erleben würden.
    Allerdings muss man das nicht nur erzählen und etwa mit der Leberentlastung wg keine zusätzlichen Tabletten usw. verargumentieren, sondern auch mit der leichten Selbstverständlichkeit des eigenen Tuns beim Messen und Spritzen eben ohne Worte, aber damit umso überzeugender kommunizieren und unterstreichen.

    3. Ich würde mir gerne vorstellen, dass sich das Problem in dem Maße gibt, in dem ursprünglich immer jünger diagnostizierte Typ2 in die Pflege hinein altern. Wenn sie vom ersten Tage an lernen würden, ihren BZ gezielt und systematisch im gesund grünen Bereich zu halten und wenn sie dann halt mit dem Fortschritt des Defektes entsprechend dem zunehmenden Bedarf Medis als Hilfsmittel einzusetzen gewöhnt wären, wäre Messen und sich danach Richten überhaupt keine Frage und Spritzen würde sich halt selbstverständlich ergeben, wenn es notwendig würde.

    Bisdann, Jürgen
  • Barbara

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 12:05:41
    hallo Pia,
    es kommt darauf an,wielange die Alteren den Diabetes haben. Im welchen Alter haben sie den Diabetes bekommen ? Wenn es sich um einen Greisendiabetes handelt ist das nicht so gefährlich ,da keine Spätschäden mehr zu befürchten sind. Man kann es vielleicht auch mit einer Tabl. regulieren.Ich bin auch 76 J. ich spritze nach der ITC Methode und arbeite jeden Tag daran um gute Werte zu haben.Ich habe noch Freude am Leben . Also das ist sehr unterschiedlich wie die Menschen sind.
    Barbara
  • Pia

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 13:06:48
    Liebe Barbara,
    das sind meist Damen und Herren, die neu in die häusliche Pflege aufgenommen werden und bei denen man meist erst zu diesem Anlass den Diabetes feststellt, der aber so hoch ist, dass Insulin gespritzt werden muss und keine Tabletten ausreichen.. von Pia
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 14:24:33
    Wenn Typ2 in so fortgeschrittenem Alter und Zustand diagnostiziert wird, muss von vielen Jahren unentdektem Vorlauf ausgeganen werden, also von Jahren oder sogar Jahrzehnten, in denen der zu hohe BZ schon krank gemacht und Folgekrankheitenfässchen gefüllt hat. Niemand kann dann sagen, wie viele Tropfen da tatsächlich noch vom akuten Überlaufen trennen, oder was z.B. an Herzkreislaufdefekten schon direkt darauf zurück zu führen ist. von Jürgen
  • Pia

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 17:49:01
    Das ist richtig, Jürgen. Das ist das Problem.
    Wenns nur um ein paar Tabletten mehr ginge bei den "vielen bunten Smarties", wäre es kein Thema. Die Herrschaften gehören auch zu der Generation, die Kriege mitgemacht hat und daher nicht gleich zum Arzt geht. von Pia
  • Barbara

    Rang: Gast
    am 21.05.2007 18:47:21
    hallo Pia,
    ich kann durchaus die älteren Herrschaften gut verstehen Haben die nicht einen vertrauernsvollen Arzt, der denen das behutsam erklärt warum das Spritzen notwendig ist und daß es ihnen nachher auch besser geht. Vielleicht fehlt auch der lebenswille,dann sieht es nicht gut aus. Welcher Arzt nimmt sich heute noch so viel Zeit ! Sind da keine Angehörigen ,die Einfluß nehmen können ? Ich habe auch mal ältere Menschen betreut,man braucht sehr viel Geduld, Verständnis und Liebe. Manchmal braucht man auch kleine Tricks. um sie zu überzeugen.
    Ich wünsche viel Erfolg
    Barbara