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Glykosetoleranztest

  • Hagebutte

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 12:48:24
    Grüsse allseits :)

    Ich hoffe das Sie mir weiterhelfen können.
    Da ich erblich vorbelastet bin, entschloss ich mich diesen Test machen zu lassen.
    Der Test verlief wunderbar:
    Zuckerwert nüchtern : 102
    nach der Zuckerlösung und 2 Stunden später: 75
    Soweit sogut.
    Dann kam ich nach Hause, etwa 5 Minuten später und hab mir was zu Essen gemacht.
    Schwarzbrot mit Schinken und Selleriesalat.
    Beim Essen wurde mir plötzlich heiss und ich fing an zu zittern. Es wurde immer schlimmer.... einem Impuls folgend trank ich ein paar Schluck Cola, da wurde es dann besser.
    Jetzt würde mich interessieren, ob jemand von Ihnen ähnliche Erfahrungen gemacht hat?

    Liebe Grüsse Hagebutte
  • Hagebutte

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 13:02:36
    kleiner Zusatz :
    Ich hab in der Praxis nochmal angerufen, die Sprechstundenhilfe meinte nur, dass würde sich wieder geben und ich solle Tee trinken....

    Das mich das ganze "leicht" verunsichert dürfte auf der Hand liegen....

    Liebe Grüsse Hagebutte
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 14:24:20
    Moin Hagebutte,

    Dein Nüchternwert war deutlich erhöht. Gesund 60-90 mg/dl, wobei 90 schon oberer Rand ist. Aber Diabetes wird erst ab 126 diagnostiziert.

    Dein Blutzucker ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit dem OGTT in der ersten Stunde wie eine Rakete angestiegen und hat damit mehr Insulinausgabe ausgelöst, als eigentlich notwendig war. Das zeigen die 75 nach 2 Stunden, also deutlich weniger als Dein Ausgangs-BZ, und der Arzt hätte Dich da eigentlich gar nicht nach Hause entlassen dürfen, sondern erst den weiteren Blutzuckerverlauf in der folgenden Stunde abwarten müssen.

    Solche Blutzucker-Abstürze bis in den Unterzucker (Hypoglykämie offiziell unter 50 mg/dl) sind im meistens langen Stadium vor der Diagnosereife genau so möglich wie noch lange danach. Denn die Inselzellen liefern dann nicht mehr rechtzeitig aber immer noch mehr als ausreichend Insulin.
    Das kannst Du vielleicht noch lange ohne Medikamente nutzen, wenn Du so isst, dass Dein Blutzucker in Zukunft 30-60 Minuten nach dem Essen 140 mg/dl nicht übersteigt :-)

    Bisdann, Jürgen
  • Hagebutte

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 14:36:04
    Vielen Dank Jürgen

    Nur damit ich Dich recht verstehe, es besteht also durchaus die Möglichkeit das ich Diabetes habe?

    Grüsse Hagebutte
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 15:59:23
    also erstmal was jürgen meinte, waren werte von:
    gemessen nüchtern 75
    verdacht nach einer stunde 150-200
    gemessen nach 2 stunden 75
    verdacht nach 3 stunden 50-70.

    das was du erlebt hast war warscheinlich eine reaktve hypo, also eine reaktion auf eine fehlerhafte insulingabe deiner bauchspeicheldrüse.
    normal gibt die bauchspeicheldrüse zu zwei gelegenheiten insulin ab. zuerst während der zubereitung und am anfang des essens gespeichertes insulin, welches eine vorarbeit leistet, um während der mahlzeit insulin auszuschütten, welches aus der laufenden produktion stammt.

    bei dir dürfte das gespeicherte insulin fehlen, was dazu führt, daß das insulin aus der laufenden produktion im übermaß ausgeschüttet wird, daher auch die leichte hypo.

    die frage nach dem dm ist schwerer zu beantworten. tatsächlich gibt es diagnoseschwellen, mit denen man fachoffiziell diabetes von nicht diabetes unterscheidet, jedoch sind diese werte eher auf weichen faktoren begründet. die riesiken für folgekrankheiten nehmen schon im unstreitig nichtdiabetischen bereich zu, es gibt also nicht den schwellenwert. für dich bleibt zumindest vorerst die empfehlung, die kohlenhydrate - also meistens produkte aus getreide, obst, hülsenfrüchte und süßes - möglichst auf mehrere mahlzeiten zu verteilen. gelegentlich - also alle wochen mal ein tagesprofil - auch selbst zu messen sowie mindestens 1mal im jahr den hba1c(parameter aus dem blut) machen lassen. die entwicklung des diabetes ist eine schleichende, und oft genug erst nach entdeckten folgekrankheiten diagnostizierte stoffwechselentgleisung. von thomas2002
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 16:03:14
    Moin Hagebutte,

    nein, Du bist wahrscheinlich noch nicht diagnosereif, aber wohl auf dem Weg dahin. Denn als Diabetes mellitus Typ2 bezeichnen wir das weit fortgeschrittene Stadium in einem langjährigen diabetischen Prozess, der sich unbehandelt selbst verstärkt und zunehmend so genannte Folgekrankheiten generiert und fördert. Nach dem bisherigen Kenntnisstand wichtigster krankmachender Einzelfaktor in diesem Prozess ist der unbehandelt immer ausschweifender schwankende und immer höher ansteigende Blutzucker, der Gefäße und Nerven schädigt und so den Grund für die nachfolgenden Plagen bereitet.

    Blutzucker hat und braucht jeder Mensch. Neuer Blutzucker gelangt mit jedem Essen von Stärke und Zucker in den Körper. Und in einem gesunden Stoffwechsel sorgt eine erstaunlich aufwändige Regelung dafür, dass der Blutzucker-Spiegel unter allen noch so schwankenden Bedingungen in erstaunlich engen Grenzen eben erstaunlich wenig schwankt. Kern dieser genialen Regelung sind zwei hervorragend aufeinander abgestimmte Insulin-Phasen, mit denen die gesunde Bauchspeicheldrüse auf jeden neu eintreffenden Blutzucker antwortet. Die erste Phase startet, wenn das Essen von Kohlenhydraten beginnt, die via Magen und Darm als Glukose, eben Zucker, ins Blut gelangen. Dann wird Insulin ausgegeben, das in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse gespeichert war. Das trifft dann so direkt mit dem neuen Blutzucker zusammen, dass der gar keine Zeit zum ansteigenden Ansammeln im Blut hat, sondern praktisch vom Insulin sofort in die Zellen gepackt wird. Und in der Zeit läuft in den Inselzellen mit der Neuproduktion von Insulin die zweite Phase an, die den Rest der Glukose wegpackt, die die erste Phase noch übrig gelassen hat.

    In einem frühen Stadium auf dem Weg zum Typ2 schwindet die erste Phase dieser genialen Antwort-Regelung. Niemand weiß bis heute, warum. Mit dem Übergang der Last auf die zweite Phase kommt verspätet immer mehr Insulin zum Einsatz, als bei gesunder Funktion beide Phasen zusammen aktivieren würden, und das macht dann den Unterzucker und dass man schleunigst wieder Stärke und Zucker einfüllen muss und dass damit der Blutzucker wieder so hoch ansteigt und dass dann wieder so viel Insulin ausgegeben wird und dass ... ein Teufelskreis. Lässt sich in Deinem Stadium noch ganz einfach stoppen, indem Du nur so viel Stärke und Zucker isst, dass Dein Blutzucker anschließen ZU KEINER ZEIT 140 mg/dl überschreitet. Weil Du das nicht hören-sehen-schmecken-fühlen-riechen kannst, musst Du's messen, und weil das keine medizinisch anerkannte Notwendigkeit ist, musst Du die Messungen selbst bezahlen :-( Aber die Investition lohnt sich mit Sicherheit :-)

    Bisdann, Jürgen
  • Hagebutte

    Rang: Gast
    am 15.03.2007 19:18:28
    Ich danke euch beiden herzlich für die tollen Erklärungen :)
    Das hat mir jetzt wirklich geholfen.

    Liebe Grüsse Hagebutte