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  • steph2103

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 10:12:16
    Hallo

    Erstmal zu mir. Ich bin Ehefrau eines Neudiabetikers Typ 1. Sind seit 1/2 Jahr verheiratet. Seit November wissen wir nun von der Krankheit.. Er spritzt ICT, Basis Lantus und Bolus Novo...
    Mir fällt es immernoch sehr schwer, das Ganze zu akzeptieren.
    Mein Mann scheint das Ganze ganz gut im Griff zu haben. Er macht das alles relativ alleine mit sich aus.
    Das ist mein Problem. Ich würde ihm so gerne helfen.
    Das Problem ist, dass seine Werte eigentlich dauerhaft niedrig sind. Nüchtern liegt er immer so um die 80. Aber vor dem Essen liegt er oft so zwischen 60 und 70. Jetzt hat er auf Anraten seines Arztes sein Basisinsulin runtergesetzt von 10 auf 8 Einheiten. Ist aber immernoch recht niedrig, so bei 70. Auch so 3-4 Stunden nach dem essen mittags, ist er soft 1 BE, weil er zu niedrig ist. Seine Faktoren sind auch so pi x Daumen. Wenn er arbeitet macht er meist ganztägig 0,5.
    Abends gehts aber immermit den Werten. Vor dem schlafen so auf 130-140, manchmal aber auch höher.
    Gestern wars allerdings mal bei 220. War aber 1 1/2 Stunden nach dem essen, weil er um 9 noch Hunger hatte. Ist das normal? Kann auch sein, dass er sich etwas bei den Nudeln in seinem Süppchen verhauen hat.

    Ich hab außerdem das Gefühl, dass er das Ganze noch nicht so ganz ernst nimmt. Irgendwie nimmt er alles so leicht.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das schon so locker im Griff hat. Seine Schulung bestand aus 1 Tag Einzelunterricht für 2 Stunden, weil außer ihm niemand bei der Schulung war. Er meint, das wärs jetzt. Nur nach dem, was man teilweise hier liest, weiß er noch nicht alles.
    Wußte z.B nicht, dass man bei fettigem essen mehr Insulin braucht...

    Dann hat er sich letztin in den Kopf gesetzt, das erste Mal völlig alleine durch den Wald zu joggen. Habs mit Mühe verhindern können.
    Klingt jetzt böse, aber manchmal wünsche ich ihm, dass er wirklich mal umkippt, um zu merken, dass er krank ist.
    Am Wochenende hat er sich dann mal locker einen getrunken. Als ich ihn fragte, ob er dabei was zusätzlich gegessen hat, war dann nö, war kein Brot mehr da beim Buffet.

    Was soll ich da jetzt machen? Möchte ihm gerne helfen, aber er tut das alles als so leicht ab.

    Schon mal danke fürs lesen, auch wenn es etwas konfus ist. Musste es mir mal von der Seele schreiben.

    Liebe Grüße
    Steph

    von steph2103
  • WUn

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 10:48:41
    Um Gottes Willen, lass ihn doch!!!
    Bist Du ein Kontroll Freak??

    Du schreibst doch selbst, dass er ganz gut zurecht kommt mit seiner Stoffwechselstörung. Also mach bitte kein Drama daraus, Deine beste Unterstützung für ihn ist wohlwollendes Verständnis!

    Und selbstverständlich soll Dein Mann in den Wald laufen gehen, das ist sehr gesund für ihn! Handy und Traubenzucker wird er ja dabei haben, also warum hältst Du ihn davon ab?

    Nimm's lockerer!
    von WUn
  • steph2103

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 11:11:41
    Danke für die "aufbauenden" Worte.
    Das brauchte ich jetzt !!!!!!!

    Könnt ihr vielleicht auch mal die Außenstehenden verstehen, die sich Sorgen machen und nicht als übervorsichtig abtun. Wir stecken da nicht drin. Würden aber gerne mehr wissen.

    Und was den Sport angeht. Meinst du man kann seinen Körper so gut kennen nach 4 Wochen, dass man nicht evtl im wald umfallen kann. Er ist doch sowieso schon immer so niedrig
    Vielleicht machen die ganzen Internetseiten einen völlig wahnsinnig, aber für mich klingt das immer, dass man beim Sport vorsichtig sein soll, wenn man noch nicht weiß, wie man reagiert. Dann sollte man die Informationen im Internet vielleicht mal überdenken.

    Also, ich werde euch nicht wieder befragen. Ich bin ja nur ne Außenstehende.

    Finde es etwas traurig, dass man hier so angemacht wird, nur weil man ein paar Fragen hat und Probleme, alles zu akzeptieren.

    Trotzdem liebe Grüße
    Steph
    von steph2103
  • Longhi

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 11:45:39
    Hallo Steph,

    was du für ihn tun solltest, ist ihm Verständnis und Vertrauen entgegenbringen, ihm zu helfen, wenn er Deine Hilfe haben will, aber sie ihm nicht aufdrängen, ihn nicht zu bedrängen und ihn vor allem nicht bevormunden. Ich glaube, das ist jedem Diabetiker mit das wichtigste, egal ob neu endteckt oder "alter Hase".

    Ihm den Sport auszureden, ist falsch. Sport ist immer gut und wenn der Wille zum Sport unbd der Spaß daran da ist, sollte man sich dem nicht entgegenstellen! Du kannst ihm ein wenig Vorsicht für den Anfang mit auf den Weg geben, das ist angebracht.
    Oder geh doch einfach mit ihm mit zum joggen, dann schlägst Du 3 Fliegen mit einer Klappe:
    1. Du bekommst ebenfalls Bewegung
    2. Du kannst ein Auge auf ihn haben und auch Deine Sorge mildern und
    3. Ihr unternehmt auch noch was gemeinsam ;-)

    "Learning by doing" ist hier wohl die richtige Vorgehensweise - wie soll er sonst Erfahrung sammeln zum Thema DM und Sport, wenn er nichts macht in diese Richtung? Er muß herausfinden, wie sich sein DM verhält, wenn er Sport macht, und das kann er nur tun, indem er Sport treibt!

    Dein Mann sieht die Angelegenheit gelassener als Du und versucht, mit dem DM zu leben, aber nicht sein Leben dem Diabetes unterzuordnen, das ist m. M. nach der vollkommen richtige Weg!
    Nur weil er nicht übervorsichtig ist und allem eventuell gefährlichen aus dem Weg geht, heißt das nicht, daß er es nicht ernst nimmt!

    Und zu den Werten:
    80 mg/dl nüchtern ist ein prima Wert, 70 vor dem Essen ist für manche ok, manchem zu niedrig, hier seid ihr ja schon auf dem richtigen Weg mit der Basalreduktion, das muß halt noch ausgelotet werden. Evtl. sollte er mal einen Basalratentest machen, um zu checken, ob das Lantus zu viel ist. Wenn er 3 - 4 Std. nach dem Essen zu niedrig liegt, sollte er den vorhergehenden Bolus kürzen.
    Abweichende Faktoren sind ganz normal, viele DM'ler haben über den Tag verstreut verschiedene BE-Faktoren, morgens, mittags und abends jeweils andere, manche unterscheiden auch, ob Wochentag oder Wochenende.

    Wichtig ist im Endeffekt nicht das sture Festhalten an einem vorgegeben Faktor, sondern das Ergebnis, das herauskommt, wenn ich unter Berücksichtigung aller gegebenen Umstände einen individuellen Faktor hernehme. Stimmt dan das Ergebnis, also der BZ-Wert, haste alles richtig gemacht :-)

    Diese Erfahrungen muß er machen, sammeln und für sich verwerten und das wird die Zeit auch mit sich bringen.

    Ich denke nicht, daß Dich hier jemand vor den Kopf stoßen wollte, manchem "Sweetie" geht es halt nur auf die Dauer gesehen gegen den Strich, daß man sie immer auf irgendeine Art zurechtweisen und bevormunden möchte, da fällt der Ton evtl. - und nicht böse gemeint - etwas zu schroff aus.

    Was WUn sicher sagen wollte war, daß Du Deinem Mann vertrauen sollst (und sicher auch kannst) und ihm nicht das Prädikat der Eigenständigkeit aberkennen solltest! Die Umstände des DM sind ihm bewußt und er weiß durch Schulung und anderweitige Informationsquellen einiges zur Materie, das ist eine gute Anfangsvoraussetzung. Laß ihm seine Erfahrung machen und unterstütze ihn mit Verständnis und Vertrauen!

    Helfen tun Dir hier mit Sicherheit viele gerne und Tips bekommst Du immer und jederzeit!

    Schöne Grüße, Longhi
  • thomas2002

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 13:22:16
    hallo steph,

    ich möchte die ungeduld der anderen entschuldigen, aber jeder von uns hat irgendwo in der verwandschaft jemanden, der sich in die therapie reinhängt, ohne irgendetwas davon zu verstehen. es nervt einfach, wenn sich jemand in alles reinhängt. versuche einfach dazusein. überzeuge ihn aber auch, daß ihr beide mit dem dm umgehen müßt.

    werte zwischen 70 und 100 vor dem essen, und nie über 140 nach dem essen sind sicher erstrebenswerte ziehle. bringe ihn bitte dazu etwas engmaschiger zu kontrollieren, damit er weiß, wann wiehoch sein bz geht, wie sein spritz-ess-abstand ist.

    seine schulung.
    eine eintägige einweisung als schulung zu bezeichnen ist kriminell. selbst eine woche ist da zu wenig. er soll sich volgenden seiten zu gemüte führen:

    http://www.chrostek.de/wb/pages/startseite/diabetesdorf/curriculum.php

    http://www.diabetesdorfalthausen.de/Content/start.asp

    am besten als favoriten/bookmark/lesezeilchen ablegen.

    btw macht dr teupe einer der ausführlichsten schulungen. sie ist zwar für pumpies gedacht, aber er nimmt auch ict'ler. bringe ihn daran teilzunehmen. sogar langjährige ict'ler konnten von dort noch etwas mitnehmen. ich glaube nicht, daß er etwas über lipolyse, ketoazidose, basalratentest, faktorentest sowie sportanpassung der insulindosis weiß. von thomas2002
  • Kalo

    Rang: Gast
    am 18.12.2006 22:51:59
    Hallo steph2103,

    ich finde es toll, wie gut dein Mann das Ganze im Griff hat und wie gelassen er damit umgeht. Werte um die 80 sind Idealwerte und auch Werte um die 60-70 wären für mich z.B. kein Problem (ich wollte, ich hätte immer so gute Werte). Das wird sich aber nach der Anpassung des Basalinsulin sicher noch einpendeln. Wenn er zwischendurch 1 BE isst, dann sei doch froh: Entweder hat er engmaschig kontrolliert und einen tiefen Wert festgestellt oder er hat sogar schon körperlich gemerkt, dass sein BZ etwas niedrig ist. Beides wäre optimal und zeigt, wie verantwortungsvoll er alles macht. Ausreißer (wie die 220) sind immer mal drin und sollten nicht überbewertet werden. Wichtig ist, dass es a) entweder tatsächlich Ausreißer sind oder b) sich erklären lassen. Und eine Erklärung hast Du doch gleich mitgeliefert (Nudeln in der Suppe).

    Bezüglich der Schulung würde ich ihm schon noch eine etwas längere Schulung empfehlen, aber wenn Du in diesem Zusammenhang schreibst, dass man bei fettem Essen mehr Insulin bracht, dann ist das falsch. Man braucht nicht mehr Insulin, denn dann würde man unterzuckern. Das fettige Insulin verschiebt nur den Anstieg des Bluzuckers nach hinten, so dass man das Insulin später nehmen muss. Ich teile z.B. das Insulin für eine fettige Pizza auf: Die Hälfte zum Essensbeginn, die andere Hälfte 1 Stunde (!) nach Essensende.

    Wenn er alleine durch den Wald rennt, nehme ich doch mal an, dass er sein Schätzeisen und natürlich Traubenzucker dabei hat und dann ist doch alles in Ordnung. Wie soll er lernen, wie sein Körper reagiert, wenn er es nicht ausprobiert?

    Und wenn ich Alkohol trinke, esse ich auch nicht unbedingt was dazu, wie das in verschiedenen Lehrbüchern steht. Ganz im Gegenteil, bei Bier spritze ich sogar noch leicht dagegen. Bei Wein oder Schnaps mache ich gar nichts, weil ich festgestellt habe, dass der Alkohol mich nicht "runterzieht", wie das in vielen einschlägigen Büchern steht.

    Also ich finde es ganz toll, wie gut er es nach nur einem halben Jahr im Griff hat und wünsche Dir, dass Du auch etwas gelassener an die Sache rangehst.

    Gruß
    Kalo

  • Claudia

    Rang: Gast
    am 20.12.2006 22:13:51
    Hallo Steph!
    Also, ich kann Dich sehr gut verstehen! Du machst Dir Sorgen um Deinen Mann und das ist doch ganz verständlich, denn einen Diabetes zu verstehen und zu behandeln ist bei weitem nicht ganz einfach, womit ich meinen Vorgängern Recht geben muss, dass so eine kurze Schulung nicht umfangreich genug ist. Ich selbst bin seit ca. 2 Jahren Typ 1 und habe gleich zu Beginn der Erkrankung eine zehntägige vollstationäre Schulung mitgemacht. Ansonsten hätte ich überhaupt nichts verstanden. Im Alltag lernte ich dann aus vielen Erfahrungen, wie ich mit dem Diabetes umgehen muss und für mich ist es immer noch nicht einfach.
    Ich finde es toll, dass Du Dich über die Erkrankung informierst und Deinem Mann mit Rat und Tat zur Seite stehen möchtest. Ich kann auch sehr gut Deine Ängste verstehen. Diese verschwinden aber grösstenteils erstens mit der Zeit und zweitens mit dem Wissen über Diabetes und drittens den Umgang damit.
    Ich finde es jedenfalls toll, dass Du Deinen Mann unterstützen möchtest und gemeinsam werdet Ihr sicher einen Weg finden, damit umzugehen!
    Liebe Grüsse
    Claudia