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Insulinanalogaverzicht bei Typ-I-Diabetikern?

  • M.

    Rang: Gast
    am 27.09.2006 19:03:46
    Hallo,

    bezogen auf den Titel kann ich es nicht fassen, daß Typ-I-Diabetiker nun auch auf Insulinanaloga verzichten müssen.

    Ein Professor namens Peter T. Sawicki, im Zusammenhang mit dem IQWiG ( Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) soll sich dazu geäußert haben.

    Sind die Behandlungspraktiken so miserabel mit Insuilnanaloga ausgefallen, oder ist der Nutzen nicht nachgewiesen?
    Sind Zufriedenheitsberichte und Qualitätsverbesserungen auf den Behandlungsverlauf nicht gegenzustellen gegenüber dem, was das IQWiG ausgewertet hat?

    Es gibt doch bestimmt einige, wen nicht auch viele Erfahrungen von Typ-I- Diabetikern, die mit Insulinanaloga zurecht kommen und eine bessere Lebenseinstellung erreicht haben.

    von M.
  • Wilfried

    Rang: Gast
    am 27.09.2006 19:45:03
    Hallo aus Münster,

    ich habe schon vor Wochen, meine Meinung zu dem Thema, unserer Gesundheits-Ulla mitgeteilt. Einer ihrer Referenten hat mir tatsächlich geantwortet und wollte meine Anmerkungen, in die Entscheidunsfindung einfließen lassen usw. usw.
    Gestern wollte ich mir bei meinem Diabetologen neues Humalog ordern aber die Antwort der Arzthelferin war niederschmetternd:"Wir stellen keine Rezepte mehr für Humalog aus." Ich bin immer noch geschockt, denn als ich vor 7 Jahren an Diabetes erkrankte, wurde mir genau Humalog als die neue Freiheit für Diabetiker verklickert. Ich bin auch der Meinung zu Recht. Die große Kostenersparnis sieht bei mir so aus. Ich brauche ca. alle 2 Monate 10 x 3 ml Humalog. Das Zeug kostet 122,- ¤. Man kann natürlich darüber streiten, ob das so teuer sein muss oder nicht. Ich selber habe da aber nicht die richtige Fachkenntnis. Die selbe Menge an Humaninsulin, kostet ca. 88,- ¤. Wenn das nicht die Rettung unsrers Gesundheitswesens ist......Ich bin gespannt wie es weiter geht und werde von Schmidt bis Lauterbach und Co. allen fleißig meine Meinung kund tun. Wenn es nichts hilft, so habe ich mir wenigsten den Ärger von der Seele geschrieben.
    Wünsche allen Gesundheit und keine Hypos. von Wilfried
  • Hans

    Rang: Gast
    am 28.09.2006 20:06:37
    Hallo,

    das Thema analoges Insulin und die Herausnahme dieser Medikamengruppe aus der Regelvorsorgung zieht immer grössere Kreise.

    Ich persönlich habe beide Medikamentenformen angewendet. Die Argumentationen, vor allem aus den Kreisen der Industrie sind in meinen Augen nicht schlüssig, wenig sachlich und von Emotionaltät geprägt.

    Das grundsätzliche Problem ist die Bewertung (Studien) der neuen Medikamente.

    Hier gibt es zunächst einmal die Bewertung der Güte der Stoffwechseleinstellung über den HbA1c Wert. Hier kommt Studien zu dem Ergebnis, das es zwischen beiden Medikamentengruppen keinen Unterschied gibt. Das Problem der Häufigkeit von Unterzuckerungen wird ähnlich interpretiert.

    Der HbA1c Wert ist zur groben Einschätzung der Qualität der Einstellung durchaus Aussagekräftig, allerdings werden hierbei kurzzeitige Erhöhungen der Blutzuckerwerte nicht berücksichtigt. Gerade die kurzzeitigen hohen Werte tragen zur Erhöhung des kardiovaskulären Risikos bei. Hier ist aber eine Aussage erst nach längerer Zeit der Beobachtung möglich. Solche längeren Studien wurden noch nicht gemacht.

    Analoge Insuline geben natürlich eine höhere Form an Lebensqualität, aber wie lässt sich Lebensqualität wissenschaftlich genau messen?

    Prof. Sawiecki hat bei seiner ganzen Betrachtung grundsätzliche Fehler gemacht. Es gibt sehr viele Studien, nur ein Bruchteil davon wurden berücksichtigt. Das einzige Bewertungskriterium war der HbA1c Wert und die Anzahl der Unterzuckerungen.

    Kein Betroffener wurde je gehört.

    Gerade die DCCT Studie hat gezeigt, dass eine Behandlung des Diabetes nur intensiv und nicht intensiviert wie immer fälschlicherweise behauptet / übersetzt erfolgen kann und das damit auch die Folgeschäden verringert werden.

    Die Motivation für Betroffene die analoges Insulin spritzen ist sehr gross, Spitzen können sehr schnell "runtergespritzt" werden. Die Werte bleiben in einem guten Rahmen und der Gang zum Arzt fällt dadurch leichter, da die Angst vor Folgeschäden nicht mehr so gross ist.

    Spritzfehler können somit vermieden werden. Die Handhabung des sonst recht komplexen und vernetzen Insulinregiems fällt bedeutend leichter.

    Wenn diese Entwicklung so weiter geht bekommen Diabetiker nur noch ab einem HbA1c Wert von unter 6.5% überhaupt Insulin verschrieben. Hoffentlich liest Ulla hier nicht mit. :-)

    Grüsse von

    Hans

  • Miri

    Rang: Gast
    am 26.10.2006 23:02:15
    Hallo zusammen!

    Ich habe heute vom IQWiG eine Einladung zur wissenschaftlichen Erörterung im Bezug auf meine Stellungnahme erhalten . Ich werde am 13.11.06 nach Köln fahren und versuchen, meine und Eure Meinung bestmöglich zu vertreten. Gibt es hier in Forum noch weitere zu dieser Veranstaltung geladene Personen?
    Bitte schreibt mir per Email an: lysi4@web.de eure Argumente und Erfahrungen mit und für die Insulinanaloga Humalog NovoRapid und Apidra (auch Wiederholungen sind erlaubt, denn ich werde daraus Rückschlüsse ziehen können welche Kriterien Euch am wichtigsten sind). Auch Fachliches und hinweise auf Studien sind erwünscht, ich bin im März mit meinem Medizinstudium fertig und außerdem selbst betroffene Typ 1 Diabetikerin.

    Vielen Dank für Eure Mithilfe!!!!



    Gruß Miri
  • Miri

    Rang: Gast
    am 25.11.2006 21:05:34
    Hallo zusammen!

    Ich war beim der Diskussion des IQWiG zu Insulinanaloga bei Typ 1 anwesend und habe dazu einen Bericht verfasst. Der Link hierzu:

    http://home.arcor.de/volcapone/Bericht_IQWiG.pdf

    Das Thema geht inzwischen alle Insulinversorgten Diabetespatienten an!

    Ich bin selbst Betroffene, werde bald mein Medizinstudium beenden und war zu besagter Erörterung als Stellvertreterin der Stuttgarter Diabetes Initiative angereist.

    Grüße von
    Mirjam Steigenberger von Miri