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Frau süchtig - was tun?
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Ralf
Rang: Gastam 14.08.2006 16:42:41
Guten Tag,
ich wende mich mit einem großen Problem an Euch, weil ich nicht mehr weiter weiß.
Meine Frau ist süchtig nach Süßigkeiten. Sie hat vor 3 Jahren die Diagnose bekommen, Diabetes 2, und hält sich nicht an das was der Arzt ihr sagt. Sie verweigert die Medikamente. Auch geht sie nicht regelmäßig zur Untersuchung. Ihre Werte sind mittlerweile auf fast 10 gestiegen. Sie sagt, das wäre nicht schlimm, ich würde mich nicht damit auskennen.
Als ich letzte Woche allein im Haus war, schaute ich in ihren Kleiderschrank weil ich ihre Größe herausfinden wollte, um ihr etwas schickes zum Anziehen zu schenken und fand dort zwei große Kisten mit lauter Süßkram, vor allem Schokolade in allen Variationen. Ich war geschockt. Als ich sie drauf ansprach, ist sie wütend geworden und hat mich beschimpft, daß ich nicht ihre Sachen durchwühlen soll. Die Süßigkeiten hat sie für Kinder gekauft, die zu Besuch kommen. Es gibt in unserer Verwandtschaft/Bekanntschaft 2 Kinder im Alter von 5 und 2 Jahren. Außerdem mögen die keine Schokolade und werden so erzogen, dass sie immer erst die Eltern fragen, ob das darf, weil auch die 5-jährige Diabetes hat und nicht darf.
Also kann das schon mal nicht stimmen.
Wer ist in gleicher oder ähnlicher Situation? Woran kann das liegen? Mittlerweile habe ich auch unsere Abfalltonne durchsucht und etliche Papierchen gefunden von Süßkram. Sie macht das heimlich, wenn ich nicht da bin oder schlafe. Das weiß ich ja nicht.
Ich weiß nur, daß sie ein psychisches Problem hat. Depressionen, Ängste und auch Angst vor Menschen, aber schon seit über 20 Jahren, war hier und da in Behandlung und geholfen hat es soweit, dass sie zumindest im Supermarkt einkaufen kann. Sie fährt nirgendwo mit, sondern läuft nur. Sie hat eine beste Freundin und das reicht ihr. Das kann ich gar nicht glauben. Ihre Schwester ist da ganz anders. Die ist lebensfroh, freundlich, sitzt nicht in der Ecke und grübelt. Ich bin mal mit ihr ausgegangen und habe gemerkt, dass mir in der Ehe etwas wichtiges fehlt. Natürlich habe ich jetzt auch Angst, daß ich mich anderweitig orientiere, weil meine Frau absolut nichts mit macht. Sie meint immer, die Welt ist für sie so in Ordnung. Sie ist tierlieb, möchte aber nicht mal ein Kleintier haben. Ich verstehe das nicht. Verzweifle langsam.
Ralf
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Hans
Rang: Gastam 14.08.2006 18:56:01
Klingt nach viel Arbeit für Euch und einen guten Paarpsychlogen...
Grüße
Hans -
Ralf
Rang: Gastam 23.08.2006 03:15:41
Hallo Hans,
ich weiß nicht ob ich das noch schaffe. Das macht mich alles so fertig. Sie weiß gar nicht was sie mir damit an tut.
Ich habe sie immer geliebt, aber ich kann bald nicht mehr. Ich möchte noch kein Witwer werden, sie soll noch lange bei mir bleiben. Aber ich glaube nicht, daß ich das schaffe, das reißt mich immer tiefer runter und ich leide schon an Depressionen.
sie wird nicht zu einer Therapie gehen.
Ist sie egoistisch? Bin ich es? Ich weiß nicht mehr weiter.
Ralf -
Nicole
Rang: Gastam 23.08.2006 15:24:55
Hallo Ralf,
ich habe seit 4 Jahren Diabetes und bei mir war es nach der Diagnose auch so, dass ich mir dachte, was soll´s und einfach munter weiter gelebt habe wie vorher. Ich war schon immer ein Fan von süßen Getränken wie Cola etc. Nach einiger Zeit hat sich dann bei mir allerdings das Hirn eingeschalten und ich bin zur Vernunft gekommen. Ich habe meinen Diabetes mittlerweile akzeptiert und lebe sehr gut damit.
Ich denke, dass das eines der Probleme Deiner Frau ist, sie kommt mit ihrer Krankheit nicht klar und verdrängt sie.
Versuch, ihr klar zu machen, welche verheerenden Schäden Diabetes anrichten kann (Amputationen, Nierenversagen, Nervenschäden etc.). Außerdem sollte sie sich ganz dringend in psychologische Behandlung begeben.
Wenn das alles nicht funktioniert, muss Du Dir überlegen, ob Du so weiter machen kannst und willst.
Ich weiß, ich habe als Außenstehende gut reden, aber ich weiß von ich rede, ich habe 3 Jahre lang mit einem Alkoholiker zusammen gelebt. Das war ähnlich.
Ich wünsche Dir und Deiner Frau viel Glück und vor allen Dingen auch Kraft, diese Zeit gemeinsam durchzustehen.
Nicole -
Ralf
Rang: Gastam 25.08.2006 05:11:24
Hallo Nicole,
danke für die Antwort und Verständnis.
Meine Frau beschäftigt sich ständig mit Büchern über Diabetes, kauft auch Sachen für Diabetiker, hat ein Meßgerät (mißt aber nicht weil die Streifen zu teuer sind, sogar von ebay, sagt sie) Es kommt mir so vor, als säße sie da mit dem Buch und ist total vertieft, aber nicht in das Buch, sondern in Gedanken oder vielleicht einen Tagtraum. Ich hab in den letzten Tagen immer mehr draußen in der Mülltonne an Papier von Süßkram gefunden. Sie wickelte sogar die Süßigkeiten in Prospekte, die sie in den Zeitungsständer legt. Oder auch in ihrem Kleiderschrank. Überall finde ich Süßkram.Das ist doch nicht normal. Sie ist ja schon so dick. Es stört mich zwar nicht, immerhin habe ich sie so auch geheiratet) aber den Diabetes störts.
Zum Glück ist sie nicht bulemisch veranlagt, das würde auch noch fehlen.
Ich habe auch mal in ihrem Nachschränkchen nachgeschaut (mach ich normalerweise nicht, aber ich kann bald nicht mehr) und da fand ich ein Tagebuch offen liegen, so dass ich einiges lesen konnte. Sie hatte es wohl in aller Eile in die Schublade gelegt als ich ins Zimmer kam.
Sie schrieb, dass sie stolz ist auf ihren Bauch und sich vorstellt, sie sei schwanger.
Sie hat sogar in dem Tagebuch einen Brief an ihr Kind geschrieben. Das macht mich völlig durcheinander. Hat sie ein Kind von dem ich nichts weiß?
Sie hat Heiligenbildchen auf denen Kinder mit Schutzengeln abgebildet sind. Ich weiß ja, daß sie gläubig ist. Aber was heißt das bloß? Hast Du eine Ahnung? Eine Idee?
Liebe Grüße, Ralf -
Nicole
Rang: Gastam 25.08.2006 15:38:21
Hallo Ralf,
sorry, wenn ich das jetzt so direkt sage, aber ich habe den Eindruck, dass Deine Frau ziemlich schwer psychisch krank ist und sich dringend in Behandlung begeben sollte.
Kann es sein, dass sie sich unbedingt ein Kind wünscht und deshalb Briefe an imaginäre Kinder schreibt? Stand das Thema Kinderwunsch jemals bei Euch zur Diskussion?
Ich könnte mir vorstellen, dass sich Deine Frau so da rein gesteigert hat, dass sie jetzt nicht mehr unterscheiden kann, was Realität ist und was nicht.
Hast Du eine Ahnung, wie Ihre Werte im Moment sind?
Eine weiter Möglichkeit wäre, wenn Du vielleicht mal mit ihrem Hausarzt sprichst.
Ich kann Dir hier leider nicht weiterhelfen, freue mich aber, wenn ich Dir zumindest ein paar Tipps geben kann.
Viele Grüße
Nicole -
Ralf
Rang: Gastam 25.08.2006 23:30:21
Hallo Nicole,
lieben Dank für Deine Antwort. Ja, ich glaube Du hast mir geholfen.
Da Du mich so direkt gefragt hast ist es mir wieder eingefallen. Ja, wir haben vor ca. 5 Jahren, kurz nachdem wir geheiratet haben, von einem Kind gesprochen. Ich habe JA gesagt, es aber dann vollkommen vergessen. Sie sprach mich während einer Therapiestunde (wir waren kurzzeitig mal in einer Paartherapie) mal drauf an, erinnerte mich an einen Brief, den sie mir mal geschrieben hat. Sie hatte alles aufgeschrieben als wir mal Streß miteinander hatten. Darunter war auch dieser Kinderwunsch. Auch diesen Brief habe ich vergessen. Sogar nach der Therapiestunde dachte ich abends noch daran, danach nie wieder.
Oje, ich glaube, da habe ich etwas nicht so ganz ernst genommen. Jedenfalls fühlt es sich im Moment so für mich an und damit fühl ich mich keineswegs gut.
Nach Deiner Antwort fiel mir so vieles wieder ein, sogar, daß sie mir Zeichen gesetzt hat. Warum habe ich die nicht gesehen? Oder nicht sehen wollen? Ihr liefen Tränen über die Wangen als sie das Kind eines Freundes in der Klinik besuchte. Dann die Taufe, sie mußte sich sehr beherrschen, das habe ich wohl bemerkt, aber zur Seite geschoben weil viele Frauen so sind und das wohl in ihrer Natur liegt. Das ist jetzt nicht böse oder abwertend gemeint. Es gibt ja auch Männer, denen es so geht. Ich weiß auch noch wie sie sich im Bad eingeschlossen hat als ein Kind als vermisst gemeldet und später tot aufgefunden wurde.
Dann habe ich desöfteren gesagt, es wäre gut, daß wir keine Kinder haben, wenn wir mal blärrende Kinder auf der Straße irgendwo gesehen haben. Sie war danach immer nur still.
Daß mir das jetzt alles einfällt......
Meinst Du es hat mit dem Kinderwunsch zu tun? Im Moment kommt es mir so vor, als wenn das tatsächlich so ist.
Damit muß ich jetzt erst mal klar kommen und ich werde meine Frau am Wochenende auf jeden Fall darauf ansprechen.
Danke, liebe Nicole, ich glaube das ist es. Wenn Du magst schreib ich Dir wie es war.
Liebe Grüße und schönes Wochenende
Ralf -
Nicole
Rang: Gastam 28.08.2006 11:59:23
Hallo Ralf,
es freut mich, dass ich Dir wenigstens ein bisschen helfen konnte.
Ich bin zwar kein Psychotherapeut, möchte aber doch daraufhin weisen, dass es mit einem Kind alleine sicherlich nicht getan ist. Deine Frau sollte vielleicht trotz allem eine Therapie machen.
Ist Dir schon der Gedanke gekommen, dass Deine Frau vielleicht schon seit Jahren versucht, schwanger zu werden und es einfach nicht klappt? Habt Ihr in den letzten Jahren verhütet?
Wenn Du mit Deiner Frau bzgl. Kinderwunsch gesprochen hast, sag ihr bitte auch, dass wenn sie ein Kind möchte, sie auf ihren Diabetes achten muss. Bei Diabetikerinnen, die schlecht eingestellt sind, ist die Gefahr sehr groß, dass das Kind Missbildungen etc. hat. Vor einer Schwangerschaft sollte sie also auf jeden Fall Ihren Diabetes in den Griff bekommen und sich auch entsprechend halten. Vielleicht hilft ihr das aber auch aus ihrem Tief heraus und sie sieht wieder einen Sinn im Leben und kapiert, dass sie ihren Diabetes akzeptieren und damit Leben muss.
Ohne diese Akzeptanz kann sie sich eine Schwangerschaft "abschminken", das Risiko ist einfach zu groß, darüber muss sie sich im Klaren sein.
Gerne erwarte ich Deine Rückinfo, wie sie reagiert hat.
Viele Grüße
Nicole -
Sylvia
Rang: Gastam 28.08.2006 15:31:09
Hallo Ralf,
hier noch mal Info, falls Deine Frau schwanger werden möchte. Ihr Blutzuckerspiegel muss penibel gut sein. Meist bekommen, Diabetiker dann eine Insulin Pumpe, damit die Werte besser werden. So wars bei mir, und ich kann nur zur Pumpe raten. Mein Kind ist gesund zur Welt gekommen, und ich habe auch jetzt nach der Schwangerschaft wieder eine Pumpe. Das beste was mir bei der Krankheit passieren konnte.
Gruß Sylvia -
Ralf
Rang: Gastam 28.08.2006 16:06:00
Liebe Nicole, liebe Silvia,
herzlichen Dank für Eure netten Antworten.
Eine Schwangerschaft kann sie sich eh "abschminken", weil sie nicht schwanger werden kann, beide Eileiter zerstört und mit der Gebärmutter ist auch was nicht in Ordnung und außerdem schon 44 ist.
Ich erinnere mich als sie mal sagte, daß sie ihrem Kind keine alte Mutter servieren will. Ich weiß auch, daß sie früher schon versucht hat schwanger zu werden, als sie noch mit ihrem Ex zusammen war und an mich noch nicht zu denken war.
Bei einer Operation später entdeckte man eben diese Mißbildung ihrer Organe. Sie wurde als Kind sexuell mißbraucht und dadurch kam die Schädigung, sagten Ärzte.
Ich bin sehr deprimiert. Vielleicht hätten wir einige Jahre vorher schon etwas machen können, operativ vielleicht "etwas richten", das weiß ich ja nicht, kenne mich damit nicht so aus. Nur habe ich immer wieder ihr Leiden nicht erkannt, jetzt erst weiß ich es und ich werde versuchen eine Therapie mit ihr zu machen, vielleicht ist das ja möglich. Wir haben, wenn wir mal miteinander geschlafen haben, niemals verhütet. Auch darüber habe ich mir später keine großen Gedanken mehr gemacht. Jetzt haben wir mittlerweile seit 4 Jahren nicht mehr miteinander geschlafen. Daran habe ich mich zwar gewöhnt, und doch vermisse ich etwas wichtiges. Aber ich bin deswegen und werde deswegen auch niemals fremd gehen. Dafür ist mir meine Frau zu wichtig und ich liebe sie sehr. Vielleicht kann sich durch eine Therapie auch diese Sache ändern, muß aber nicht zwangsläufig.
Das Wochenende war nicht so toll. Sie war nervös, aggressiv und es kam mir vor als suche sie Streit. Ich ging dann zu einem Freund. Als ich nach ca. 2 Stunden wieder kam war sie wie ausgewechselt.
Ich kochte dann etwas für uns, weil das mein Hobby ist, und fand dann im Abfall unter anderen Dingen einige Schokoladenpapierchen. Nun frage ich mich, ob das Verhalten vorher damit zu tun hat, daß sie sich mit Schokolade beruhigt hat. Kann das sein? Ob das auch so einen Suchtcharakter hat?
Ein Kind adoptieren ist nicht möglich weil wir schon zu alt sind und ich bin seit dem Alter von 18 Jahren durch eine Jugendsünde vorbestraft (Auto geklaut und von Parkdeck A nach Parkdeck B geparkt) also eigentlich nicht geklaut, nur umgesetzt aber meinem Lehrer gefiel das nicht ;-)
Ich hoffe, ich nerve nicht, möchte aber gern meine Frau verstehen, was wirklich nicht leicht ist.
Ich wünsche Euch einen guten Wochenanfang und nochmals liebe Dank für Eure Antworten.
Liebe Grüße, Ralf