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Schlechtes Gewissen

  • Aretha

    Rang: Gast
    am 05.04.2006 17:03:55
    Hallo,
    ich bin seit 2002 Typ2 Diabetiker.
    Ich hatte die ganze Zeit sehr gute Werte, HbA1c 5,8-6,1. Ich bekam Metformin 850 und mir ging es gut.
    Nun haben sich plötzlich meine Werte innerhalb 8 Wochen sehr stark verschlechtert , HbA1c Wert 10,7!
    Ich habe mir keine Ernährungsfehler geleistet. Meine Ärztin meinte, die Resistenz wäre jetzt zu groß, ich müsse spritzen, was ich jetzt auch tue. Ich komme prima zurecht.

    Mein "Problem" ist jetzt, die psychische Veränderung bei mir.
    Ich stelle fest, daß ich eigentlich heilfroh bin, daß ich jetzt spritzen darf! Ich habe einerseits das Gefühl jetzt alles besser unter Kontrolle zu haben und andererseits fällt ein riesen Druck von mir ab, was meine Ernährungskontrolle angeht.
    Versteht mich nicht falsch, ich will jetzt nicht plötzlich essen wie eine Verrückte.
    Aber um die oben genannten Werte zu halten musste ich mich doch schon ganz schön kasteien.
    Eigentlich habe ich nichts Süßes mehr gegessen, keinen Alkohol getrunken und so weiter.
    Meine Schwägerin, die zur gleichen Zeit wie ich Diabetes bekam, musste sofort spritzen und die ißt was sie will, geht regelmäßig einen trinken und lässt es sich gut gehen.
    Oft habe ich sie dafür kritisiert, weil ich denke, es ist nicht Sinn und Zweck der Therapie, Unmengen von Insulin in sich reinzupumpen und sich dann mit Süßigkeiten vollzustopfen.
    Aber manchmal habe ich sie schon beneidet, weil ich auch mal ein Stück Kuchen essen wollte und es mir verkniffen habe.
    Also wie gesagt, alles in Maßen ist ok.
    Jetzt sitze ich gestern mit einer Freundin im Cafe und habe seit Ewigkeiten mal wieder ein Stück Käsekuchen gegessen. Mann war das gut!
    Ich sagte dann zu besagter Freundin, daß ich eigentlich kein Problem damit hätte, spritzen zu müssen und mich jetzt freue diesen Kuchen geniessen zu dürfen.
    Oh Gott! Was für eine Lawine überrollte mich da!
    Ich mußte mir dann anhören, daß wegen so Leuten wie mir unser Gesundheitssystem immer teurer werden würde. Ob ich mir im Klaren wäre, was meine Insulintherapie die Allgemeinheit kostet. Ich solle mich zusammenreissen usw. usf.
    Ich war echt betroffen.
    Und jetzt habe ich ein total schlechtes Gewissen, weil ich meine neue Freiheit ein wenig genieße.
    Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht? Wie seid ihr damit umgegangen?
    Wäre toll, wenn mir jemand ein wenig Mut machen würde.
    Aretha
  • Lovely

    Rang: Gast
    am 05.04.2006 19:38:25
    Hallo Aretha.

    Es gibt einfach zuviele unwissende und vor allem auch gemeine Menschen!

    Es ist definitiv FALSCH, was besagte Freundin Dir erzählt hat. Denn wenn Du ohne Insulin auskommen könntest, dann hätte Dein Arzt Dir bestimmt keines verschrieben!

    Tatsache scheint aber zu sein, dass die Tabletten wegen der hohen Resistenz nicht mehr genug wirken, also MUSST Du Insulin spritzen - oder Dir andernfalls Dein Leben ruinieren.

    Und da Du auf Insulin angewiesen bist, darfst Du Dir auch (in Maßen) Süßes gönnen. Ich wette, die Freundin hätte nichts gesagt, wenn Du die gleiche Menge Kohlenhydrate in Brotform statt in Kuchenform gegessen hättest. Wo liegt da der Untschied???? (Außer in den Kalorien zum Dickwerden).

    Lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden, Du machst das super! von Lovely
  • Daniela

    Rang: Gast
    am 05.04.2006 19:39:36
    Wieso schlechtes Gewissen? Ich weiss erst seit kurzem das ich Diabet Typ 2 habe und möchte erst mal versuchen ohne Tabletten durch Abnehmen und Sport das Ganze wieder unter Kontrolle zu bekommen. Man könnte man sagen, wie kostenbewußt aber ich muss gestehen, dass ich eigentlich nur eine Scheissangst vor den Nebenwirkungen des Metformin habe.
    Wir sind krank. Wir haben uns Diabetes nicht ausgesucht und wenn du nicht völlig über die Strenge schlägst ist es ok. Ich würde und werde auch alles mitnehmen, was mir mein Leben mit der Krankheit erträglich macht und wenn es eines Tages sein muss auch die Spritzen.
    Lass dich nicht mürbe machen und genieß dein Leben, ich denke glücklich sein trägt auch zur Gesundheit bei von Daniela
  • Sylvia

    Rang: Gast
    am 06.04.2006 12:52:47
    Hallo,
    ich finde das du das echt prima machst. Nicht jeder geniest das Spritzen. Warum solltest du ein schlechtes Gewissen haben? Ich kenne viele andere Leute, die einfach nichts süßes Essen, (meist halt Diabetiker 2) und dabei total unglücklich sind. Jetzt wo du spritzt kannst du dir das auch mal leisten. Und sag deiner Freundin einen netten Gruß, sie hat keine Ahnung, also soll sie sich aus dem Thema raushalten. Denn wenn du jetzt kein Kuchen gegessen hättest, dann würdest du dadurch auch nicht gesund.
    Könnte mich fast darüber aufregen, aber ich kenne sie ja nicht.
    Mach dich nicht verrückt, genieße dein Leben, so vwie du es für richtig hällst.
    Lieben Gruß Sylvia
  • Susanne

    Rang: Gast
    am 06.04.2006 21:25:28
    Hallo!

    Ich finde, man braucht kein schlechtes gewissen zu haben - auch nciht, wenn man mit Tabletten mal was Süßes isst. Solange man die zusätzlichen Kohlehydrate und das Fett anderweitig einspart spricht nichts dagegen. Natürlich kleinre Portionen, s dürfen eben keine 10 Plätzchen mehr sein sondern nur vier, aber es muss keine generellen Verbote geben. Ich esse auch mal etwas Kuchen, nehme aber trotzdem ab, weil dann eben das Abendessen fettarm wird, und ich dafür die BEs der ZWischenmahlzeiten ausfallen lasse. Heute nachmittag ein kleines Stück Schokokuchen,dafür eben Früh nur Müsli mit fettarmem Joghurt, wenig zu mittag mit viel Salat damit man satt ist und heute abend gibt es Kassler mit Rotkraut und Kartoffeln - das ist dafür fast fettfrei.

    Und: ich habe noch teurere Krankheiten als Diabetes. Für meine Allergien hatte ich JAhrelang Hyposensibilisierung - kostete etwa 2100 Mark im Quartal. Da macht sich doch auch niemand nen Kopf drum - und das bei eienr BEhandlung mt nur mittleren Erfolgsaussichten (50Prozent) und nicht besonders großen Erfolgen. Ehrlich: wenn ichmir das gespart hätte würde es mir auch nciht wesentlich schlechter gehen... und es war viel teurer.

    Susanne
  • Aretha

    Rang: Gast
    am 07.04.2006 15:16:48
    Vielen Dank für eure aufmunternden Worte.
    Ich habe auch nochmal mit meiner Ärztin gesprochen und die meinte, wenn ich nicht spritzen würde wären die Kosten für die Folgeschäden viel höher.
    Ich komme gut zurecht und das ist für mich die Hauptsache.
    Alles Gute und frohe Ostern für euch alle,

    Aretha
  • bea

    Rang: Gast
    am 07.04.2006 15:27:12
    Soll ich jetzt sagen, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr?? Hat sie auch auf Kuchen verzichtet, quasi kostenpräventiv?? Ich hoffe, sie raucht nicht, das könnte sie mit Ihrem Gewissen ja kaum vereinbaren...

    Aber hier geht es ja nicht um deine "Freundin", sondern um Dich.
    Ich bin seit einem Monat sicher, DM 2 zu haben. Noch ohne Medikamente. Was aber ja sicher kommen wird... mein Vater hat es seit 35 Jahren, bis vor zwei Jahren (!) bekam er nur Tabletten, seither spritzt er. Und seither ist er ein ausgeglichener, freundlicher Mann, der an und an ein Stück Kuchen ist, nicht blind in sich hineinschaufelnd, sondern genußvoll, dem ab und an ein kühles Bier schmeckt und dessen Allgemeinzustand um Klassen besser ist (sagt sein Doc!) als vorher.
    was ich sagen will: mach dir keinen Kopp! Sicherlich macht man sich etwas vor, wenn man alle Vorsicht in den Wind schießt nach dem Motto " ich kann es ja wegspritzen ",
    aber sich ab und an etwas Gutes zu tun und die Seele zu streicheln, weil man sich es jetzt nicht verkneifen muss - schön, dass ein Diabetiker das heute kann, oder? Ich lasse mich gern eines besseren belehren, aber wie war das mit Paracelsus und die Menge macht, dass ein Gift es sei...

    Freu Dich, wie gut Dein Käsekuchen geschmeckt hat, und geh vielleicht demnächst mit jemand anderem ins Café ;-)

    LG Bea
    von bea
  • Bibi

    Rang: Gast
    am 09.05.2006 22:04:57
    Hallo, Aretha -
    ich bin Neuling beim Diabetes-Kontaktkreis und surfe erst einmal. Dabei bin ich auf deine Seite gestoßen und muß sagen, daß man durch eine Krankheit erst merkt, wer wirkliche Freunde sind.
    Kurz zu mir: Ich habe seit 2004 Diabetes Typ 2 und habe so einen Schreck nach der Diagnose bekommen, daß ich sofort von heute auf morgen meine Ernährung umgestellt habe. Ich habe zehn kg abgenommen und mein BMI und der Körperfettanteil sind nur noch leicht erhöht, aber nicht bedenklich.
    Wie du geschrieben hast, habe ich mir auch alles leckere verkniffen. Ich halte mein Gewicht jetzt über einen langen Zeitraum und ich mache auch mal Ausnahmen. Es kann auch einmal monatlich eine dicke, fette, total ungesunde Currywurst mit Pommes sein - aber das muß die Ausnahme bleiben. Ich genieße das mit dick Majo drauf und danach ist mir schlecht, weil ich sonst sehr fettreduziert und sehr diszipliniert als Diabeteker esse - aber wie das so ist, watt mutt - datt mutt.
    Ehrlich gesagt habe ich dabei kein schlechtes Gewissen, ich weiß selbst, was ich in den zwei Jahren geschafft habe!
    Das solltest du dir auch immer vor Augen führen und dir auch einmal im Monat eine Ausnahme gönnen - und wenn es jetzt bei der Hitze ein dickes Eis ist.
    Hast du dich über deinen Arzt ins das Diabeteker-Programm der Krankenkassen eintragen lassen?
    Das ist vielleicht ein guter Tipp, man bekommt die ¤ 40,-- Praxisgebühr von der Krankenkasse erstattet und verpflichtet sich, einmal im viertel Jahr den Langzeit-Blutzucker testen zu lassen. Das ist für mich ein guter Weg, auch wenn ich mal über die Stänge haue bezüglich der Ernährung.
    Ich hoffe, daß ich dir etwas Mut machen konnte und verbleibe - mit freundlichen Grüßen, Bibi.
  • Sebastian Bracht

    Rang: Gast
    am 22.05.2006 23:29:51
    Hallo.
    Dieser besagten Freundin würde ich was erzählen! Erstmal kann keiner was dazu dass er diese Krankheit bekommt. ZWeitens: Wäre die Medizin so weit gewesen wie vor 30 Jahren könnte4 es sein, dass du schon nicht mehr da wärest. Das hört sich zwar krass an, ist aber so.
    ich bin selber seit 12 Jahren Diabetiker Typ 2, habe es mit neun Jahren bekommen. Die "gesunden Leute sollen einfach mal Respekt vor solchen Menschen haben, die diese Krankheit haben. Denn ich finde man ist sehr stark, wenn man auf so viele schöne Sachen verzichten muss bzw. kann. Man kann nicht einfach mehr mal eben ein oder zwei Bier trinken, man kann nicht Mal eben neben an an den Kiosk gehen und sich nen leckeres Magnum holen. Die anderen sollten einfach nur Respekt davor haben.

    Leuten, wie deine Freundin, wünschte ich diese Krankheit, damit sie wissen wie das ist.

    Das Meine Meinung dazu.

    Sebastian von Sebastian Bracht