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Pumpe?!
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Marco
Rang: Gastam 26.02.2006 02:29:03
Hallo,
bin seit circa 5 Jahre Diabetiker. Heute habe ich mich aus Spaß mit meinem digitalen Messgerät auseinandergesetzt und meine Werte bis 1 1/2 Jahre zuvor angeschaut.
Leider Gottes musste ich relativ schnell feststellen, dass ich immer so genannte "Ausreißer" habe, sprich Werte die in den >200 Bereich fallen, manchmal sogar auch >300. Dies ist allerdings der Ausnahmezustand, da 85% meiner Werte doch zwischen 90 und 150 liegen.
Nun habe ich jedoch ein paar Fragen an Euch. Habe mir überlegt mich ca 3 Wochen in Kur schreiben zu lassen, um auf Pumpe umzusteigen. Natürlich werde ich mich vorher mit meinem Arzt zusammensetzen.
1. Wie modern und praktisch sind die heutigen Pumpen? Habe auf diesem Gebiet 0 Erfahrung, also komplettes Neugebiet.
2. Ist es möglich spontan von Pumpe auf die handliche Insulinspritze umzusteigen? Ganz einfaches Beispiel. Möchte z.B. ins Schwimmbad gehen und halte eine Pumpe dort für überflüssig und störend. Dann würde ich sie dementsprechend einfach abmachen und auf meine klassische Insulinspritze umsteigen. Wäre dies möglich?
3. Führt die Pumpe Momentanblutzuckermessungen durch? Wenn ja, wie kann ich diese nachsehen. Wenn ein Wert die 160 Grenze erreicht, ist die Pumpe dann so schlau, dass sie mir eine Einheit Insulin verabreicht?
4. Wie sieht es aus, wenn ich esse? Muss ich dann vorher eine Insulineingabe vollziehen und angeben wieviel BE's ich essen möchte? Denn wenn die Pumpe z.B. sieht, dass ich ca. 20 Minuten nach dem Essen immer höhere Werte bekomme, muss sie ja mit Einheiten nachrücken. Wäre dann vielleicht eine Überverabreichung möglich oder sogar Unterverabreichung?
Also wie ihr sehen könnt, kenne ich mich kaum aus. Wäre sehr dankbar, wenn ihr mir helfen könntet. Ich möchte einfach aus diesen 200'tern Werten rauskommen, da ich keine Lust auf Folgeschäden habe.
Grüße,
Marco
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Agrajag
Rang: Gastam 26.02.2006 03:41:27
85% zwischen 90 und 150? Dann würde ich mir den Stress mit der Umstellung nicht geben. Bis dann wieder alles stimmt... Außerdem sind die Werte mit der Pumpe nicht automatisch besser. Ausreiser gibt es damit genauso wie zuvor. Die Pumpe ist super geeignet, wenn du z.B. ein ausgeprägtes Dawn- oder Duskphänomen hast. Wenn die Werte aber i.A. stimmen, dann würde ich es bei der bisherigen Therapie belassen.
1. Die Dinger sind praktisch wie ein Betonblock am Bein. Die meisten sagen zwar, dass sie gar nicht mehr registrieren, dass sie die Pumpe tragen, aber mich nervt sie 24 Stunden am Tag - erst recht in der Nacht, wenn ich mir (als unruhiger Schläfer) ständig wieder meine Rippen auf den Kasten werfe. Oder wenn bei ungeschickten Bewegungen die Nadel im Bauch wieder stechende Schmerzen bereitet.
2. Spontan ist ganz schlecht. Du kannst die Pumpe schon mal kurz ablegen. Gerade wenn du Sport machst und dadurch sowieso weniger Insulin benötigst, kannst du auch mal bis zu zwei Stunden überbrücken und danach einen kleinen Extrabolus geben. Das Problem ist aber nicht nur die Pumpe, sondern auch der Katheter. Jedes Mal wenn du ins Wasser gehst kannst du dir die Nadel nämlich nicht aus dem Bauch reißen - da macht die Krankenkasse nicht mit. Wenn du also nicht willst, dass man das Pflaster mit Nadel auf deinem Bauch sieht, dann bleibe bei der ICT. Die Pumpe kannst du zwar abkoppeln, aber die Nadel bleibt im Normalfall 2-3 Tage drin.
3. Die Pumpe misst gar nichts. Kann sie nicht - wie denn auch? Sie gibt nur alle 3 Minuten eine vorher programmierte Menge Insulin ab. Es kümmert sie dabei herzlich wenig, ob du vielleicht schon Unterzucker hast.
4. Siehe Nr. 3: Die Pumpe sieht gar nichts. Sie ersetzt lediglich das Basal-Insulin. Deine BEs musst du nach wie vor berechnen und drücken - Nur anstatt mit einem Pen halt durch Knopfdruck an der Pumpe. von Agrajag -
Daniela
Rang: Gastam 26.02.2006 12:55:48
Hallo,
ich habe seit ca. 1/2 Jahr die Animas Pumpe und bin voll zufrieden damit.
Ich denk die meiste Zeit gar nicht daran, dass ich ständig eine Pumpe an meinem Körper trage. Auch den Katheder spüre ich so gut wie nie (außer wenn ich ihn schon zu lange drinnen hab ... ).
Ob sich deine Werte bessern bezweifle ich allerdings, da solche Ausreißer auch mit Pumpe von Zeit zu Zeit vorkommen.
Ich würde die Pumpe auf keinen Fall mehr gegen einen Pen tauschen, da das Leben mit Pumpe vieles sehr vereinfacht: zB. ist man auf einer Veranstaltung - muss man nicht auf die Toilette um Insulin per Pen zu spritzen, sondern drückt unauffällig ein paar Einheiten Insulin per Pumpe. Das geht ruck-zuck! Auch das Setzen des Katheders alle 2-3 Tage ist überhaupt kein Problem. Und beim Baden wird einfach abgekoppelt - somit bleibt ein kleiner Teil des Katheders am Körper - den kann man "zustoppeln" damit dieser wasserdicht ist. Beim Baden ebenfalls kein Problem - denn der ist unterm Bikini und fällt nicht auf.
Wie gesagt - ich möcht die Pumpe nicht mehr missen !!! von Daniela -
Marco
Rang: Gastam 26.02.2006 13:27:28
Danke erstmal für die Antworten, habe jetzt schon einige Einblicke gewinnen können.
Einer meiner größten Wünsche wäre halt nicht mehr so abhängig vom Pen zu sein. Wie mein Vorredner ja schon sagte, kann es wirklich praktisch sein, wenn man anstatt zur Toilette zu rennen, einfach eine Eingabe vollzieht und dann das Insulin automatisch verabreicht wird.
Hatte aber jetzt nicht gedacht, dass der technische Stand der Pumpen noch nicht so ausgereift ist. Hatte gedacht, dass es Pumpen gibt die den BZ messen und daraufhin dann Insulin verabreichen. Dann funktionieren die Pumpen ja eigentlich nach Programmiersystem. Ich schreibe ihr vor, wann ich Insulineinheiten brauche und sie gibt mir diese. Egal ob ich zu diesem Zeitpunkt Unterzucker habe oder so krassen Überzucker, dass ich die doppelte Menge brauche.
Kann mir das Tragen einer Pumpe noch nicht so vorstellen. Ich stelle mir ungefähr ein Gerät vor, ungefähr die halbe Größe einer normalen Fernbedienung mitderselben Dicke, die z.b. an einen Gürtel gebunden wird. Wie schaut es z.B. im Beruf aus?
Als Sanitäter muss man viel laufen und viele Sachen erledigen und ist Stresssituationen ausgesetzt. Wäre in solchen Situationen vielleicht ein Pen besser? von Marco -
Heiko
Rang: Gastam 27.02.2006 20:05:50
Bei einem stressigen/unverhersehbaren Beruf dürfte die Pumpe die Vorteile auf ihrer Seite haben.
Bei der ICT bist du abhängig vom Basalinsulin. Das wirkt - je nachdem - 7-24 Stunden. Wenn etwas dazwischen kommt, dann musst du mit Kohlenhydraten ausgleichen - in so einem Beruf nicht immer einfach. Bei der Pumpe kannst du einfach im Menü die Basalrate für eine bestimmte Zeit senken. Analoga wirken zwar auch ca. 2 Stunden, aber das ist deutlich besser steuerbar als 24...
Aber ganz ehrlich: Hätten meine Werte gestimmt (Hb1Ac lag trotz vielem Messen bei 7,5 und wurde nicht besser), dann hätte ich mich auch nicht auf die Pumpe eingelassen.
Aber TRAGEN der Pumpe ist auch für mich nicht gerade einfach. Ich habe sie erst seit ca. 3 Wochen. Aber die Nadeln stören schon hin und wieder, gerade wenn du dich viel und heftig bewegst.
Das Gerät an sich ist deutlich breiter und dicker als mein Handy. Es ist allerdings kürzer. Dennoch klappt das "Verstecken" nur Bedingt. Die Hosentasche wäre eine Möglichkeit - aber eine ungeschickte, wie ich finde. Unter der Kleidung ist unbequem (und verursacht heftigte "Beulen" im Pulli). Bleibt eigentlich nur noch der Gürtel. Hängt da noch ein Handy wird auch das unbequem.
Ansonsten führt ein Schlauch von der Pumpe unter die Kleidung und zu einem Katheter auf dem Bauch. Und das finde ich am lästigsten. Man merkt davon selten etwas - aber auf der Toilette, im Bad oder einfach nur beim Umziehen wird man doch deutlich an die Pumpe erinnert. Ein Handy kann man schnell mal ins Regal legen. Die Pumpe hängt an dir... ;-)
von Heiko -
Heiko
Rang: Gastam 28.02.2006 15:23:35
Noch etwas...
Zitat Daniela: "ist man auf einer Veranstaltung - muss man nicht auf die Toilette um Insulin per Pen zu spritzen, sondern drückt unauffällig ein paar Einheiten Insulin per Pumpe. "
Gut... Aber neulich gehe ich am Flughafen durch die Sicherheitskontrollen, werde natürlich dank Pumpe genauestens unter die Lupe genommen und am Ende mache ich eine blöde Bewegung und die Nadel schmerzt. Es wurde nicht besser. Ich setze mich in die Abflughalle und warte. Keine Besserung. Im Gegenteil, als ich aufstand hätte die Nadel auch ein Speer sein können. Ich humple zur Information und frage nach einem Raum für medizinische "Notfälle", damit ich eine neue Nadel setzen kann. Das gibt es aber in den USA offensichtlich nicht. Es gab auch kein Zimmerchen oder ruhiges Fleckchen. Es gab noch nicht einmal Verständnis.
Nun, in der Situation hätte ich mir gewünscht, ich hätte mich einfach mit einem Pen auf die Toiletten zurückziehen können. Ich habe sie mir auch noch angeschaut - aber sorry, in dem Dreck wollte ich meine Katheter, Schläuche und Kupplungen ganz bestimmt nicht ablegen.
Das Ende von Lied war, dass ich mitten in der Abflughalle am Gate des Jumbos vor hunderten von mehr oder weniger neugierigen Augen den Katherter wechselte.
Offensichtlich hatten die Passagiere mehr Verständnis als die Mitarbeiter am Flughafen. Es schaute (zum Glück) keiner böse oder auch nur komisch.
Was ich sagen will ist jedenfalls, dass man sich mit einem Pen wenigstens noch relativ einfach zurückziehen KANN.
Andererseits ist auch ein Pen schon relativ diskret. Wie oft habe ich den Satz gehört: Du bist du Diabetiker, musst du jetzt nach dem Essen nicht spritzen - dabei habe ich genau das kurz zuvor praktisch direkt neben ihnen gemacht.
von Heiko