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  • AG

    Rang: Gast
    am 11.08.2005 08:20:38
    Moin,
    ich möchte hier einmal über meine Erlebnisse berichten.
    Bei mir wurde Ende April Diabetes Typ 1 festgestellt. Begonnen hat das ganze eigentlich im Dezember 2004. Ich hatte auf einmal eine Phase, wo ich immer sehr leicht reizbar und agrresiv wurde. Ich war total launisch, was aber eher nur meiner Familie auffiel. Ich selber merkte nur, dass ich esssen konnte, was ich wollte und überhaupt nicht zunahm. Ich wog seinerzeit 76 Kilo bei einer Grösse von 1,76m. Das erste Ma, wo ich merkte, dass irgendetwas nicht stimmte, war im Januar - beim Joggen wurde mir plötzlich ziemlich flau. Ich sah zu, dass ich schnell nach Hause kam, um etwas zu essen und zu trinken. Ich hab nur gedacht, dass ich vielleicht tagsüber zu wenig gegessen und getrunken habe. Ich hab es dann auch nicht weiter beachtet. Das ganze passierte mir dann noch zwei, dreimal. Mitte März etwa merkte ich, dass ich begann, immer mehr zu trinken. Mein Gewicht wurde auch immer weniger. Ich hab dann schliesslich bis Mitte April gut sechs Kilo abgenommen. Meine Frau machte sich Gedanken, ich tat es damit ab, dass ich eh ein wenig abnehmen wollte.
    Nur der Durst wurde immer mehr. Ich trank mittlerweile vier, fünf Liter und es begann auch mich zu nerven, da ich auch nachts aufwachte, weil ich ständig Durst hatte. Ich wurde nachts wach, ging zum Kühlschrank, um zu trinken. Nicht viel später musste ich dann auf die Toilette, weil das Wasser auch wieder aus meinem Körper ´raus wollte. Das steigerte sich dermaßen, dass ich nur noch zwischen Kühlschrank und Toilettte hin- und her wanderte. Auch hier machte ich mir noch nicht so viel Gedanken, weil ich von Mitte Februar bis Mitte März an einer Trinkwasserstudie teilgenommen habe. Also erklärte sich für mich der Durst mit den Folgen dieser Studie - und Wassertrinken sollte man ja eh bis zu drei Liter am Tag - was ich vorher nie gemacht habe.
    Schließlich wog ich nur noch knapp 68 Kilo, was mir dann doch zu wenig war. Ich konnte essen was ich wollte, ich nahm einfach nicht mehr zu. Mitte April hatte ich dann das erste Mal heftige Krämpfe in den Beinen, von denen ich nachts wach wurde. Sie wurden täglich schlimmer, bis ich überhaupt nicht mehr schlafen konnte. Meine Frau hat mich dann zum Glück soweit überzeugen können, daß ich in der letzen Aprilwoche zu meiner Internistin ging.
    Meine Frau sagte vorher zu mir, daß sie der Meinung wäre, daß ich wohl Zucker hätte, sie hätte sich im Internet "mal schlau gemacht". Ich winkte nur ab so nach dem Motto: jaja, Du malst schon wieder den Teufel an die Wand.
    Wir beide also ab zur Internistin. Blut wurde mir abgenommen, Urinprobe etc. . Nach nicht einmal einer halben Stunde waren wir wieder im Sprechzimmer und meiner Ärztin und sie sagte: sie haben Diabets. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf ... warum gerade ich.... ich hab mich doch immer gesund ernährt.... immer regelmäßig Sport getrieben (bis hin zum Marathonlauf) und nun das.... womit habe ich das verdient???
    Ich war nur froh, daß ich nicht alleine war.. meine Frau stand mir zur Seite.
    Ich bekam dann durch meine Internistin einen Termin bei einer sehr guten Professorin, die sich sehr viel mit Diabetes beschäftigt.
    Freitag, den 29. April, war ich dann bei ihr ambulant im Krankenhaus, meine Frau kam auch wieder mit. Zwischenzeitlich waren auch meine Laborwerte da: HbA1C- Wert war bei 11,6, Blutzucker nüchtern weit über 400. Die Professorin war gleich meine Wellenlänge.. sich hatte sehr viel Verständnis für mich. Ich bekam sofort eine Einzelschulung bei einer Ernährungsberaterin. Zweieinhalb Stunden hab ich dann allerlei Dinge gehört wie Blutzuckerwert, KE-Faktor, Insulin für den Tag, Insulin für die Nacht. Ich wusste gar nicht, was ich damit anfangen sollte und hate so meine Zweifel, daß ich das alles bewältigen kann. Zum Glück hat meine Frau ja auch alles mitbekommen, weil es ich für mich einfach alles zu viel wurde. Zum Schluß bekam ich dann zwei Spritzen, ein Blutzuckermeßgerät, eine Stechhilfe und ein Tagebuch zum Eintragen. Ich wurde gefragt ob ich es mir zutraue, mir selber die Spritze in den Bauch bzw. in´s Bein zu injizieren. Ich sagte, ich werde das schon hinbekommen. Anschließend waren wir dann wieder bei der Professorin zum Abschlußgespräch. Sie gab mir einen Termin für Montag und sagte mir, dass ich über´s Wochenende jederzeit in´s Krankenhaus auf Ihre Station kommen könnte. Ich wollte nicht über´s Wochenende dort bleiben sondern wieder nach Hause. Nun saß ich also abends zu Hause und nichts war so wie vorher. Was mir nicht aus dem Kopf ging war der Satz, daß ich mein Leben lang Zuckerkrank bleiben würde. Immer und immer wieder ging er mir durch den Kopf. Am Samstag fuhren wir dann in´s Krankenhaus, weil mein Wert trotz spritzen weiter nach oben marschierte. Ich hatte irgendwie ganz schön Muffe.. sonst wär ich bestimmt nicht freiwillig wieder dorthin gefahren. Naja, ich sollte einfach mehr Insulin spritzen, was dann auch wirkte. Am Montag war ich dann wieder bei meiner Professorin. SIe beruhigte mich, daß ich mir nicht so viel schlimme Gedanken machen sole. Wir würden das schon in Griff bekommen. Zumal ich, wie sie sagte, betsimmt schon ein halbes Jahr solch hohe Werte gehabt haben muss (im Nachhinein war es mir dann klar).
    So langsam gewöhnte ich mich an das Spritzen und berechnen. Nur wollte ich unbedingt wieder Sport machen. Auch das sei kein Problem, sagte sie mir. Nur sollte ich ersteinmal zu sehen, dass ich einigermassen stabile Werte erhalten würde. In der ersten Zeit hatte ich sehr viele Unterzuckerungen.... zum Glück konnte ich sie immer wieder rechtzeitig abfangen (bis zu einem Wert von 35 etwa). Von Anfang an riet meine Professorin mir, dass ich zu einer Grundeinstellung am besten für ca. zwei Wochen in eine Klinik fahren solle. Klinik deshalb, weil ich dort Zeit genug habe, mich mit meinem Zucker "zu beschäftigen". Ich bat auch selber darum, weil ich meine Familie arg strapaziert hatte (aufbrausend, gereizt etc.). Ich suchte mir dann selber so einige Adressen aus dem Internet. Bad Mergentheim ist wohl mit die beste Klinik, mir aber war es zu weit (wohne in Hamburg). Also entschied ich mich für Bad Lauterberg. An einem Dienstag hatte ich dann wieder Termin im Krankenhaus - ich bat dann darum, ob sie mir nicht einen Termin in dem Diabeteszentrum Bad Lauterberg besorgen könne. Sie telefonierte, unterbrach kurz das Gespräch und fragte mich, ob mir der 27. passen würde. Ich überlegte nicht lange und stimmte zu. Nach dem Telefongespräch wurde mir erst klar, daß es schon in drei Tagen sein würde.
    An dem Freitag war ich dann gegen zenh Uhr früh in der Klinik. Ich wurde sehr nett empfangen, bezog mein Einzelzimmer und wurde dann auch gleich von einer Krankenschwester über alles mögliche ausgefragt. Dann kam noch eine große Untersuchung und ich bekam einen Plan, wie ich wann zu spritzen hatte; ebenso einen Terminplan zur Blutzuckermessung. Über´s Wochenende hatte ich sehr viel Ruhe, bis auf die vielen Blutzuckermessungen.
    Ab Montag habe ich dann Schulungen gehabt; ich hab soviel es ging mitgemacht, weil ich unbedingt alles über meine Krankheit wissen wollte. Es war sehr angenehm, daß es höchstens zwölf Teilnehmer pro Schulung waren; so konnte man wirklich alles hinterfragen ( wenn man denn wollte). Die Tage vergingen wie im Fluge und mein Wissen wurde mehr, ich merkte auch, dass ich ruhiger und ausgeglichener wurde. Meine Ängste wurden auch immer weniger, weil ich mittlerweile wusste, daß es sehr viel an mir liegt, was ich aus meiner Krankheit mache. Sicherlich hab ich anfänglich schlucken müssen, wo ich die ersten Patienten sah, denen ein Fuß fehlte. Aber es löste gleichzeitig auch meinen Ehrgeiz aus, daß es mir so nicht so ergehen soll. Ob ich davon verschont bleiben werde, weiss ich zum Glück ja nicht. Nur werde ich alles dafür tun, das ich mir später nicht einmal einen Vorwurf machen muß, hättest Du dieses oder jenes nur anders gemacht. Mir fiel dort zum Beispiel auf, daß es tatsächlich Patienten gab, die für meine Verhältnisse sehr leichtfertig mit Ihrer Krankheit umgingen. Ich für mich kann es nicht nachvollziehen, daß man wegen einer Fußamputation im Rollstuhl sitzt und ständig vor dem Eingang eine Zigarette nach der anderen qualmt... oder aber jeden Abend auf die Piste geht um am nächsten Morgen zu erzählen, daß man eine neue Kneipe gefunden hat, wo die Cocktails noch einmal 50 Cent billiger sind.
    Ich will hier keinesfalls den Zeigefinger heben, mir steht es nicht zu, andere Menschen zu erziehen etc. Nur ist das eine Erfahrung gewesen, die ich so sicherlich in einer Schulung/Ersteinstellung in einer Schwerpunktpraxis in Hamburg nicht hätte machen können. Und für mich war diese Erfahrung sehr wichtig, weil sie meinen persönlichen Ehrgeiz nur noch gesteigert hat. Sicherlich trinke ich auch ganz gerne mal ein Weizenbier oder einen Cola/Bacardi (am liebsten aber ein Glas Rotwein mit meiner Frau). Nur habe ich mittlerweile für mich entschieden, es in Maßen zu geniessen :o).
    Nunja, nach zwei Wochen war der Aufenthalt in der Klinik für mich erledigt. Ich habe dort auch ausprobiert, wie sich mein Diabetes beim Laufen verhält (ich muß für eine halbe Stunde Laufen 6 BE zusätzlich zu mir nehmen). Mein Blutzuckerwert hat sich nach dem Aufenthalt bei ca 80 eingependelt. Auf Anraten meiner Professorin habe ich mittlerweile einen Durchschnittswert von 100.
    Achja, was mir noch passiert ist, gleich nach dem Klinikaufenthalt. Ich hatte mir auf dem Heimweg überlegt, ich könnte ja auch zu einer Diabetesschwerpunktpraxis gehen, um dort weiterhin behandelt zu werden. Ich bin zwar äusserst zufrieden mit "meiner Frau Professorin", nur passierte es schon zwei, dreimal, dass ich länger als eineinhalb Stunden warten musste (trotz Termin), da sie auch Chefärztin einer Chirugischen Abteilung ist.

    Ich hab dann also bei einer Schwerpunktpraxis in Hamburg angerufen (keine zehn Minuten mit dem Auto von mir entfernt) und sogar sofort einen Termin bekommen. Nachdem ich dort ankam, wurde ich auch gleich zum Doc geführt. Ein kurzes Gespräch, dann sah er sich mein Tagebuch an und sagte zu mir, ob ich denn nicht weiß, daß mein Langzeitinsulin ca. 12 Stunden wirken würde und sich meine Basalinjektionen überschneiden würden. Man könne noch viel bessere Werte erzielen, wenn man das ändern würde. Ich überlegt nicht lange und stimmte zu - ab sofort sollte ich dann die Basalspritzen (2x täglich) anders verteilen. Am nächsten Morgen (samstags) hab ich dann auch gleich so gespritzt, wie er es mir erklärt hat. Vormittags war ich dann mit meiner Frau unterwegs und eine Unterzuckerung war im Anmarsch. Ich hab mir dann sofort einen Apfelsaft gkauft und ihn getrunken; mein Schwitzen und Zittern wurde jedoch immer mehr. Kein Wunder, ich hab in der Aufregung Apfelsaft für Diabetiker gekauft .. also voll daneben gegriffen... . Also noch schnell eine kleine Flasche Cola getrunken (diesesmal richtige) und ann gemessen: Blutzucker war auf 18 runter... :o( .
    Es dauerte noch eine Weile und dann ging es mir besser. Zu Hause habe ich dann trotzdem das Wochenende weiterhin so gespritzt, wie der Doc mir es erklärte, jedoch kamen mir mächtige Zweifel, weil meine Zuckerwerte wieder total verrückt spielten .. sowohl nach oben als auch nach unten.
    Meine Frau überzeugte mich schließlich, daß ich ja nicht umsonst für zwei Wochen in Bad Lauterberg und top eingestellt wieder zu Hause ankam. Was soll man bei einem Durchschnittswert von 80 und fast keiner Unterzuckerung noch besser machen?? Also bin ich dann doch wieder zu meiner Professorin gegangen und habe ihr davon erzählt. Sie hatte Verständnis für mich, daß ich es ausprobieren wollte und meinte auch noch, zwei Leute.. drei Meinungen (fand ich irgendwie toll, daß sie es so COOL aufgenommen hat).
    Nachdem ich nun mein erstes viertel Jahr als Typ1er hinter mir habe, denke ich, daß es mir eigentlich ganz gut geht.. Zum Glück habe ich nur "Zucker". Man kann damit doch ganz gut umgehen, das Spritzen ist eben so, wie andere ihren Kaffee mit Zucker trinken. Es hätt´ einen doch viel schlimmer treffen können. Und am allerwichtigsten ist, daß ich mich auf meine Familie verlassen kann!


    AG
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 11.08.2005 15:09:53
    hallo alle, hallo ag,
    ich war zur ganz normalen schulung auf ict, 6 tage a 6 stunden, und 6 leut, gelern haben wir : basisaustestung und dosisanpassung, faktorfestellung und dosisanpassung,
    mit welchem insulin man am besten klarkommt,
    (haben wir ausprobiert.)
    sogar für die üblichen ernährungsratschläge war noch zeit, und gefragt und sogar gelacht haben wir.
    hauptthema : einstellen könnt ihr euch nur selber,
    wie das geht lernt ihr jetzt.!!!
    ergänzt : hypo - was tun, entgleisung nach oben -
    was tun.
    war gerade genug , ohne langweilig zu werden.
    bei 14 tagen wär ich eingeschlafen.
    mfg klaus
    von klausdn