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Frage an Typ 1 Diabetiker
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Anne
Rang: Gastam 20.04.2005 20:53:37
Hallo liebe Typ 1 Diabetiker!
Ich selbst bin nicht zuckerkrank, aber ich habe eine Freundin, die seit einem Jahr Diabetikerin(Typ 1) ist. Ich habe das Gefühl, dass sie das soweit ganz gut schafft, aber ich weiss auch, dass sie damit oft sehr, sehr unglücklich ist. Sie fühlt sich von allem und jedem so gezwungen. Die Essenzeiten sind strikt festgelegt, sie kann abens erst spät ins Bett obwohl sie müde ist, weil sie sich noch spritzen muss. Sie kann morgens nicht ausschlafen, weil sie essen muss und, und, und...Da ich gesund bin, kann ich natürlich große Reden schwingen, aber ich bilde mir ein, dass sie sich da sehr reinsteigert. Ich möchte ihr wirklich nicht unrecht tun, aber sie versinkt immer so im Selbstmitleid und das finde schlimm und außerdem hilft es ihr doch auch nicht. Wie lebt ihr denn mit eurer Krankheit? Wie hat sich eurer Leben verändert? Seid ihr deswegen weniger glücklich?
Ich habe lange überlegt, hier ins Forum zu schreiben, aber diese Sache beschäftigt mich sehr und ich möchte sie einfach besser verstehen.
Vielen Dank für eure Antworten, Anne -
klausdn
Rang: Gastam 20.04.2005 22:07:35
hallo anne ,ag,
ich habe dich einfach mit ag= absolut gesund, bezeichnet , da hier schon zwei annes schreiben.
du bist ag wir sind nur g. ;-))
und wer seinen dm im griff hat , ist auch noch gut drauf.
daher nur drei hinweise fuer deine freundin:
mit einer guten schulung auf ict und den entsprechenden insulinen , kann man a.normal ins bett gehen, und b. auch laenger schlafen. zb mit einem 12h insulin.
ist die basis abdeckung ok.,kann man essen wann ,man will, dafuer gibt es das bolusinsulin als analoga, das wird nach dem essen gespritzt. oder normalinsulin das wird vor dem essen gespritzt.
du siehst da kann ein guter diadoc dem man seine wuensche sagt gut reagieren, wenn ers nicht tut wechseln.
dann gibt es heute die pumpe, mit der ist man als dmler schon fast ganz "g".
und zum schluss : es gibt fuer uns sehr erfolgversprechende heilungs ansaetze.
nicht fuer morgen . aber schau nach bei accu chek, in spanien werden schon eigene zellen zu betazellen umprogrammiert, eigene deshalb dass keine abstossung kommt.
in kanada sind gekapselte betazellen eingespritzt worden, und funktionieren seit ueber 2 monaten .
ohne messen und spritzen.
schaut gemeinsam nach vorne , ihr seid jung genug , das zu erleben. ich wuensche euch alles gute fuer die zukunft.
mfg klaus von klausdn -
Sara
Rang: Gastam 27.04.2005 23:44:47
Liebe Anne,
beim lesen Deines Beitrags fühlte ich mich irgendwie hin- und hergerissen.
Ich glaubte fast, eine Freundin von mir in dir wiederzuerkennen, als ich Deine Zeilen las.
Auch ich bin seit einem Jahr Typ 1 Diabetikerin. Diese Freundin von mir, die ich eingangs erwähnte, hatte wohl auch einen ähnlichen Eindruck von mir wie Du von Deiner Freundin. Sie sammelte Zeitungsausschnitte für mich mit Hinweisen für Diabetikertreffen und ich merkte, das sie von außen Infos über den Zucker sammelte.
Sie sprach auch ab und an mit mir über den Diabetes, um mehr herauszufinden.
Aber trotz allem kam sie mir damit nicht näher und das, was sie hörte und las von außen, machte sie glauben, das ich wohl einfach Selbstmitleid hatte und mir das nichts nützen würde.
Tatsächlich aber ist dieses Selbstmitleid und auch die Traurigkeit ein wichtiger Prozess, der dabei hilft, das ganze zu verarbeiten meiner Meinung nach.
Ja, man kann gut mit Diabetes leben und ich könnte Dir jetzt alles mögliche dazu erzählen, aber jede/r hat seinen eigenen Weg/Methode, damit klarzukommen.
Typ 1 Diabetes ist eine Krankheit, die man für den Rest seines Lebens hat.
Sich damit auseinanderzusetzten, das es einem zwar gut geht, aber man auch nicht wieder richtig "gesund" wird, ist ein langer Weg. Es gibt Tage, da denkt man überhaupt nicht darüber nach und das kratzt einem gar nicht und dann gibt es auch Tage, da gehts einem nicht gut und man möchte darüber einfach nur heulen, das man chronisch krank ist, vielleicht gerade jetzt schwankende Zuckerwerte hat und aufpassen muß auf sich, der Körper auch irgendwie anders reagiert als früher.
Ich finde es gut, das Du Deiner Freundin helfen willst und das ganze besser verstehen zu wollen, ist schon der erste Schritt dazu.
Kann Dir nur sagen, das Du mit Geduld, Verständnis und einem offenen Ohr alles richtig machen wirst.
Ganz egal, wie andere Diabetiker/innen mit ihrer Krankheit zurechtkommen und welche Geschichten Du dazu auch schon gelesen oder gehört haben magst: Deine Freundin hat ihre eigene Krankheitsgeschichte und erlebt manches ähnlich oder aber auch ganz anders.
Wenn Du mehr darüber wissen willst, wirst Du am meisten von IHR selbst darüber lernen und es wird Eure Freundschaft bestimmt bereichern und intensivieren.
Viel Glück für Eure Freundschaft und alles Gute!
Sara
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Harka
Rang: Gastam 05.05.2005 20:50:05
Die gute Freundin sollte mal dringenst den Arzt wechseln. Wer heute noch Diabetiker auf feste Essenzeiten und Kohlenhydratmengen trimmt, der hat in den letzten 20 Jahren jede Schulung versäumt.
Deine Freundin sollte sich dringest einen Arzt suchen, der sie an eine intensivierte Insulintherapie heran führt. Damit kann man essen wann man will und in Maßen auch wieder fast alles.
Ich mach das seit über 10 Jahren, habe Blutzuckerwerte wie ein normaler Mensch und die meisten meiner Kolleginnen und auch einige Freunde wissen nicht mal, dass ich Diabetiker bin. Heute Nachmittag war ich mit einer Freundin in einer Eisdiele und habe einen Eisbecher gegessen. Ergebnis: vorher 4,8 und jetzt (2 Stunden später) 5,8 (Angaben in mmol/l, wer noch mit Dezilitern rechnet muss mit 17 multiplizieren) -
Anne
Rang: Gastam 06.05.2005 22:58:34
Vielen, vielen herzlichen Dank für die Antworten.
@ Anonym
Wie ich von meiner Freundin weiss, war sie schon seit über einem halben Jahr nicht mehr beim Arzt und deswegen sollte sie ihn vielleicht nicht wechseln sondern einfach mal hingehen. Ich denke, sie ist bei ihm gut aufgebhoben, da er selbst Diabetiker ist und sie sich "damals" sehr wohl dort gefühlt hat.
@Sara
Vielen Dank für deine offene und ausführliche Antwort. Sie hat mir geholfen ein bisschen besser zu verstehen. Es ist wohl ihr Art, damit zurecht zu kommen und damit umzugehen. Ich finde es nur schade, wie sie sich in schlechten Zeiten in Sachen reinsteigert, die sie ändern könnte. Und es macht mich wütend, dass sie in letzter Zeit ständig ihren Hypo ignoriert und, dass sie trotz Krämpfen nicht zum Arzt geht. Es ist ihre Sache und ich rede ihr da nicht rein, aber so ganz versteh ich das nicht.
Trotz allem ist sie meine beste Freundin und solche Anwandlungen hatte sie schon vor der Krankheit :-)
@klausdn
Diese neue Heilungsansätze sind wirklich spannend. Bin mal gespannt wie sich das entwickelt. Nicht nur meiner Freundin wegen, sondern weil ich auch jetzt am Ende meines Studiums zufällig in der Insulinsparte gelandet bin. :-)
Euch allen nochmal vielen Dank! Anne -
Sara
Rang: Gastam 14.05.2005 00:04:44
Hallo Anne,
der Beitrag ist ja mittlerweile auf Seite 2 gerutscht, weil wieder andere Sachen aktuell sind.
Ich habe eben Deine Antwort gelesen und mich gefreut, das ich Dir ein wenig weiterhelfen konnte.
Vielleicht braucht Deine beste Freundin einfach noch ein bißchen Zeit, bis sie sich aufrappelt und endlich mal zum Arzt geht. Keine Frage, das sie das tun sollte, denn das wird ihr helfen.
Leider kenne ich auch einige Leute, die nicht zum Arzt gehen, selbst wenn es ihnen noch so schlecht geht (mein Mann z.B. oder mein Papa), da rede ich mir auch regelmäßig den Mund (erfolglos) fusselig... :-(
Ich drück mal die Daumen, das sie bald zum Arzt geht, danach klären sich die Hypo-Probleme vielleicht ein wenig - sehr wahrscheinlich braucht sie eine neue Insulindosisanpassung, das ist aber eigentlich keine große Sache und ein guter Diabetologe kriegt das mit ihr zusammen hin.
Liebe Grüsse
und alles Gute!
Sara