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wann ist denn ein Insulinwechsel sinnvoll

  • peter

    Rang: Gast
    am 08.01.2010 10:22:01
    seit wann nutzt man levemir= basalinsulin zur
    bz- senkung ?
    die regel ist startwert sollte ca endwert sein, wenn der bz sinkt ist die basalmenge zu hoch.
  • Astrid

    Rang: Gast
    am 08.01.2010 14:24:43
    Hallo Jürgen, das war bei meiner stationären Ersteinstellung, da ich in sehr schlechter körperlicher Verfassung war wurde mein BZ stündlich von einem Pfleger ( ich hatte ja noch gar kein Messgerät und keine Ahnung von nichts, ich habe die Insulinnamen und Mengen nur in meinen Aufzeichnungen stehen ) gemessen und Bolus sowie Basal im Beisein einer Schwester gespritzt.
    Eine gute Woche haben sie probiert meinen BZ, der immer um die 500 lag irgendwie abzusenken.
    Ging aber auch mit zweimal 30 IE Lantus pro Tag nicht weiter, als bis auf ca. 400 runter.
    Essen mußte und wollte ich täglich 38 BE, da ich stark untergewichtig war. Die gleiche BE-Zahl hab´ich ungefähr 6 Wochen beibehalten, bis ich wieder einigermaßen zu Kräften gekommen war.
    Dann nach einer Woche haben sie meine ganzen Spritzpläne verworfen und ich mußte 2x täglich 12 IE Levemir spritzen, und schon nach 3-4 Stunden war mein BZ dauerhaft unter 180. Innerhalb eines Monats konnte ich die Menge nochmal reduzieren und seit 1,5 Jahren lebe ich gut mit 2x6 IE Levemir pro Tag ( klar, da spielt auch die Remission mit rein, trotzdem waren selbst die Diabetologen überrascht, daß ich so darauf angesprochen habe).

    Zu anonym:
    Es hat eine Weile gedauert, bis ich gemerkt habe, daß ich weder falsch rechne, noch falsch esse, sondern mein Basal-Insulin überhaupt nicht gleichmäßig wirkt. Seitdem hab´ich die Spritzzeiten geändert und nutze z.B. die Wirkspitze von Levemir nachmittags genau gegen meinen eiweißbedingten BZ-Anstieg vom Mittagessen, die stark abflauende Levemirwirkung nutze ich für sportliche Betätigungen, und das läuft prima so...

    mfg von Astrid
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 08.01.2010 17:58:07
    Moin Astrid,

    liest sich ja noch in dieser Kurzskizze ganz schon gefährlich! Gut, dass Du's überstanden hast.

    Allerdings vermute ich, dass in einer Art Staffellauf alle Insuline ihr Teil zur Normalisierung Deiner Lage beigetragen haben und Levemir schließlich den Sieg davon getragen hat, weil es als Schlussläufer durch's Ziel gehen durfte. Wie Du es nutzt, könnte vielleicht auch Protaphane den selben Dienst leisten.

    Eigentlich an Deine Ärzte, aber vielleicht fällt ja dem einen oder anderen in der Runde was schlaues dazu ein:
    Warum wird da in einer Art Fabrikate-Glücksrad die Reihe der Insuline durchgegangen, statt etwa zunächst einmal systematisch mit Human die Normalisierung und eine Grundeinstellung zu erarbeiten und zu dem so erarbeiteten tatsächlichen Bedarfsprofil das am besten passende Insulin oder die am besten passende Kombi zu wählen?

    Und dann fällt mir Typ2 natürlich sofort auf, dass Du BEs extra zum Gewichtansetzen gefuttert hast. Dabei lernen wir in allen DDG- und DGE-Schulungen, dass man mit Fett und Eiweiß zu- und mit BEs abnimmt ;-)

    Schönen Rest von 2010! Jürgen
  • Joa

    Rang: Gast
    am 10.01.2010 12:55:34
    Hallo Astrid,

    nachdem sich im Verlauf des Threads Deine Motivation zu der Frage deutlicher dargestellt hat, geb ich auch mal ein bisschen von meinem Senf dabei. ;-)

    Einiges mag sich mit vorgehenden Antworten überschneiden.

    > -wechselt ihr eigentlich ab und an euer
    > Insulin?

    Nein. Jedenfalls nicht grundsätzlich.

    > -sind denn die versch. Insuline auch
    > wirklich anders in ihrer Wirkweise,
    > oder ist nur der Hersteller ein anderer?

    Verschiedene Basalinsulin haben deutlich andere Wirkkurven und Zeiten.

    Allgemeine Angaben zum Wirkungsverlauf sind idealtypisch und haben mit der tatsächlichen Stoffwechselverfügbarkeit des Insulines A oder B zum Zeitpunkt X manchmal nur sehr wenig zu tun.
    Außerdem kommt es auf den individuellen Insulinbedarf des jeweiligen Diabetikers zum Zeitpunkt X im circandianen Biorhythmus an (siehe z.B. Dawn-Phänomen).

    > -kann sich denn der Körper an ein
    > bestimmtes Insulin"gewöhnen" und es
    > verliert von seiner Wirkung?

    Ein Insulin kann nicht wegen einer Gewöhnung des Körpers an Wirkung verlieren. Normalerweise gewöhnt sich der Körper ja prima an sein selbst gebasteltes Insulin und das wirkt auch lebenslänglich prima.

    Allerdings kann der Körper gegen Insulin Antikörper entwickeln. Diese beeinträchtigen dann die Wirksamkeit.

    So können beim Typ 1 Diabetiker durchaus auch Antikörper gegen Insulin vorkommen.

    Auch gibt es sogenannte Versager mit diesem oder jenem Insulin. Also individuelle Fälle, in denen ein Insulin mit seiner speziellen Molekülstruktur bei einem Menschen nur sehr eingeschränkte Wirkung zeigt.

    Die Molekülstrukturen von Analoginsulinen sind künstlich verändert, um die Wirkungsweise zu beeinflussen.

    > -ich lese hier öfters, daß etliche
    > Diabetiker mehr als 100 IE/Tag
    > benötigen, ist da nicht ein
    > Insulinwechsel sinnvoll?

    Diabetiker mit sehr hohem Insulinbedarf haben meist eine Resistenz gegenüber Insulin, bzw. hat sich diese entwickelt.

    In der Mehrzahl der in diesem Forum diskutierten Beispiele handelt es sich um Resistenzen die einen Zusammenhang mit dem Typ 2 Diabetes haben, bei dem die Insulinwirkung in aller Regel grundsätzlich stärker eingeschränkt ist. Aus verschiedenen Gründen.

    Wie Dein Beispiel zeigte kann ein Wechsel des Basalinsulins aber durchaus sinnvoll sein, wenn sich z.B. die Wirkkurve des jeweiligen Insulins nicht angemessen mit dem Insulinbedarf des Diabetikers zur Deckung bringen lässt.

    Gruß
    Joa
  • Astrid

    Rang: Gast
    am 11.01.2010 00:30:07
    erstmal zu Jürgen, ich war in Bad Nauheim und bin da noteingeliefert worden, deshalb vielleicht einfach erstmal ein Ausprobieren von irgendwas.
    Die Diabetologen dort waren wirklich klasse und der Spritzplan ist ja dann ( nach der ersten chaotischen Woche in der ich fast auf die Intensivstation gemußt hätte, da ich immer 3 Kreuze bei den Ketonen hatte, mein Lymphsysthem zusammengebrochen war, Blutdruck bei 70/50 ), zusammen mit mir erarbeitet worden, ich hatte dort eine 10-tägige Typ 1er-Schulung, wir haben ein Sportprogramm mit den Oecotrophologen gemacht, Basalratentest, Nachtprofile, es wurden jeden Tag die Werte mit einem Diabetologen ausdiskutiert. Ich denke, es hat an nichts gefehlt.
    Erst ein halbes Jahr dannach war wirklich sicher, daß ich keinen bleibenden Schaden davongetragen habe und ich muß sagen, daß ich wirklich gut lebe mit meinem Diabetes, es gibt wirklich Schlimmeres.

    Wenn ich dann hier im Forum lese, daß sich das Alles verschlechtern kann und es mir wahrscheinlich nur so gut geht, weil ich noch in irgendeiner Art von Remission bin, und irgendwann, wenn meine restlichen Betas gekillt sind, dann mehr und mehr Insulin brauchen werde... naja nicht so tolle Aussichten...

    Auf jeden Fall hatte ich in der Klinik den Eindruck, daß Leute auf das Insulin eingestellt werden, bei dem sie die wenigsten Einheiten brauchen.
    mfg von Astrid
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 11.01.2010 13:33:29
    Moin Astrid,

    wie ich schon geschrieben hatte: Gut, dass Du's überstanden hast :-)

    Von Fällen ähnlich Deinem werden eigentlich immer mehrere Tage bis zur einigermaßenen Normalisierung beschrieben, wenn nicht von vornherein nach so einem professionellen Schema behandelt wird http://www.chrostek.de/Curriculum/schema-a-b-c

    Und wer beim Heraussuchen der passenden Dosiswirkung auch noch die Insulinsorten mit erheblich unterschiedlichen Wirkprofilen wechselt, also jeweils immer 2 Größen gleichzeitig verändert, handelt schon mal gar nicht wirklich professionell. Umso besser, dass Du's gut überstanden hast und dass Du jetzt mit Dem Levemir gut zurecht kommst. Welches Insulin spritzt Du eigentlich in welchen Größen zum Essen?

    Deine Verschlimmerungs-Befürchtung kann ich schon lange nicht mehr teilen. Denn ich kenne inzwischen zu viele Beispiele, bei denen sich über Jahrzehnte nichts verschlimmert und z.T. sogar schon eigentretene Verschlimmerungen messbar verbessert haben. Unter einer Bedingung: BZ zuverlässig im Rahmen von weit überwiegend max 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Glukose-Input.

    Wer sich von längere Zeit höheren BZs da herantastet, beschreibt mit immer häufigerem und immer längerem Gelingen immer einen deutlich niedrigeren IE-Bedarf pro BE und damit immer auch einen niedrigeren Tages-Gesamtbedarf an IEs. So kenne ich mit HBA1c um 7 mehrere Fälle mit einem Tagesbedarf über 300 IEs für weniger als 20 BEs, mit einem HBA1c unter 6 dagegen keinen einzigen Fall mit einem so hohen IE-Bedarf.
    Und wer noch eine mehr oder wenige große Eigenproduktion - etwa sogenannte Remissionsphase - nutzen kann, hat damit umso länger etwas davon, weil längere BZ-Verläufe über 140 mg/dl wohl zusätzlich vergiftend auf Beta-Zellen wirken.

    Weiter gutes Gelingen! Jürgen
  • peter

    Rang: Gast
    am 11.01.2010 16:30:42
    möchte mal zur vereinfachung etwas zusammenfassen,
    wer mit über 600, und volles haus ketone eingeliefert wird, sollte auf keinen fall mit einem "spritzplan" und basalinsulin anfangen.
    denn da gibt es das abc, und in fast allen tagebüchern einen entsprechenden plan, "nur" dort wird immer mit ni/ai gearbeitet absolut nie mit basisinsulin, normal auf intensiv ist insulin/glucose über tropf/tropf. und dann dauert es nicht wochen sondern stunden, "dann" ist der bz nor mal, "dann" und nicht früher kann basal gespritzt werden.
    denn dann wirkt es , also vor diesem kh muß gewarnt werden.
  • Astrid

    Rang: Gast
    am 11.01.2010 18:47:09
    Hi Jürgen, ehrlich gesagt bin ich auch froh, daß ich damals bei meiner Einlieferung nichts über die Krankheit wußte, sonst hätt´ich echt Panik gehabt.

    Ich spritze 2x 6 IE Levemir, und ca. 10 IE Liprolog für 12-16 BE, im Sommer ein bißchen weniger und das jetzt seit August 2008.

    Mein BZ steigt nach dem Essen unheimlich langsam an, dauert bis zu 2/3 Std., dieses 140-120-100er-Profil hab´ich nie.
    Bei jeglichen Arten von Schmerzmitteln, wie Ibuprofen, oder einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt sprengt mein BZ binnen kürzester Zeit die 300er-Marke.

    Auf jeden Fall macht mir das Mut, daß es viele Diabetiker gibt, die prima über Jahrzehnte zurechtkommen und hier schreiben ja meistens auch nur die, die Probleme haben.

    mfg von Astrid