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Diabetes und Angst

  • Sandra

    Rang: Gast
    am 05.02.2005 19:16:20
    Angststörungen und Diabetes haben nichts miteinander zu tun, Du bekommst sicher nicht deshalb Diabetes, weil Du eine Angsterkrankung hast.

    Ich habe nur zufällig beides.
    Sandra
  • Lovely

    Rang: Gast
    am 05.02.2005 20:03:22
    Hallo @all.

    Angsterkrankungen und Panikattacken können derart unterschiedlich sein, dass nur der Oberbegriff für alle zutreffen kann.

    Ich persönlich würde es als eine sehr starke Angsterkrankung ansehen, wenn jemand 15 Minuten nach dem Messen schon wieder unruhig wird, weil er Angst hat, sein Zucker könnte nach oben oder unten abgleiten.

    Ich habe mal eine Frau kennen gelernt, die hat so sehr unter ihrer Zwangserkrankung gelitten, dass sie berufsunfähig geschrieben wurde. Sie konnte fast ihre Wohnung nicht mehr verlassen, weil sie 20 bis 30 mal an der Haustür (unten) angekommen, dann wieder hoch gehen mußte um zu überprüfen, ob wirklich die Kaffeemaschine aus war, der Herd aus, das Licht aus, die Pflanzen Wasser haben, im Kühlschrank nichts verschimmelt usw. Diese Frau hat das selbst mit therapeutischer Hilfe nicht vollständig in den Griff bekommen.

    Eine Freundin von mir hat jahrelang unter Panikattacken gelitten, weil sie sich nicht in engen Räumen aufhalten konnte, z.B. Toilette ohne Fenster, Fahrstuhl, Archivraum beim Arbeitgeber usw. Sie hat mit zeitweise medikamentöser Behandlung und langer Therapie das Problem so gut in den Griff bekommen, dass sie sogar im letzten Jahr eine Flugreise gemacht hat! Das wäre früher undenkbar gewesen.

    Ich will damit sagen: Eine Therapie ist in jedem Fall sinnvoll. Auch wenn die Heilungschancen nicht 100% garantiert sind, so hilft es doch in jedem Fall, weil man über seine Schwierigkeiten reden kann und ernst genommen wird.

    @matusa:
    Ich kann, wie alle anderen hier auch, Dir nur empfehlen, Dich therapeutisch beraten zu lassen. Ich denke, das ist Dir auch selbst bewußt, dass es keine schöne Perspektive ist, in kein Geschäft mehr gehen zu können, weil Du Angstattacken bekommst. Mit einer Therapie hast Du eine echte Chance aus diesem Teufelskreis (der ja immer schlimmer wird) wieder heraus zu kommen.

    @Anonym:
    Ich denke nicht, dass eine Angsterkrankung durch Zucker entsteht, wohl aber ihr Auslöser sein kann.

    Angst ist eine natürliche und sehr wichtige Emotion, die uns im Laufe der Evolution vor Gefahren bewahrt hat und somit unser Überleben sichert.

    Nun kann sich diese Angst aber auch "verselbständigen" und zu einem eigenständigen Problem werden. Dies ist der Fall, wenn die Angst unrealistisch ist. Unrealistisch ist eine Angst vor einem Raum ohne Fenster, eine Angst, den Herd nicht ausgemacht zu haben, obwohl man dies bewußt kontrolliert hat, eine Angst, der Zucker könnte sich 10 Minuten nach dem Messen schon stark verändert haben, auch wenn man nicht gespritzt und/oder gegessen hat. Befürchtet wird dann eine Katastrophe, die jedoch nicht realistisch ist.

    Die Ursache für solche Angststörungen sind vielfältig, fast immer aber mit einem traumatischen Erlebnis verbunden (z.B. Unfall, Verlust eines nahestehenden Menschen, Missbrauch, Gewaltverbrechen, Schuldgefühle nach schrecklichem Erlebnis, bealstende Gedanken jemandem etwas antun zu können usw.).

    Wichtig ist: Man KANN etwas tun. Wenn ich mich richtig erinnere, dann ist die durchschnittliche Erfolgsquote ca. 90%.

    Du, Anonym, hast nun nach Deiner Aussage keine so gute Erfahrung mit Deiner Therapeutin gemacht. Es gibt aber auch noch andere. Ein Therapeut muss zu einem passen, genauso wie ein Ehepartner zu einem passen muss. Man kommt halt nicht mit allen Menschen gleich gut aus.

    Die Aussage "wenn jemand mit 28 J. noch als Gothic rumläuft kann der nicht gesund sein" würde ich gar nicht als so negativ sehen. Frage Dich lieber, was (bei Dir persönlich) dahinter steckt. Das ist eine echte Chance.

    Gothic ist eine Ausdrucksform, die man am häufigsten bei Pubertierenden findet, also in einer Lebensphase, in der man noch auf der Suche nach seinem wirklich ICH ist. Gothic bevorzugen oftmals junge Menschen, die mit Ihrer Sexualität nicht zurecht kommen und sie durch das "schwarz und häßlich"-machen verstecken wollen. Gothic kann genauso gut eine Ausdrucksform des "Anders-Seins" beinhalten, d.h. "ich bin nicht so, wie ihr". Ebenso kann es ein vermindertes Selbstwertgefühl ausdrücken: "ich bin schwarz und häßlich". Gothic-Menschen sind sehr oft sensible, feinfühlige Menschen, hier kann es heißen: "wenn Du mich so magst, wie ich jetzt aussehe, dann magst Du mich wirklich".

    Du darfst so sein, wie Du willst, auch mit 28 als Gothic rumlaufen! Das ist Punkt. Jeder darf so sein, wie er möchte. Aber frage Dich auch, warum Du es mit 28 Jahren noch brauchst, Dir diese Maskerade aufzusetzen. Warum darf Dich niemand auf der Straße "nackt" ohne schwarz und Schminke sehen? Bist Du ohne Maskerade zu verletzlich und hilflos?

    Gruß,
    Lovely
  • Mike, der musencus

    Rang: Gast
    am 08.02.2005 11:58:26
    Meine wunderbare Diabetologin aus Kindertagen hat mir, als ich 10 Jahre alt war, zwei höchst wertvolle Dinge gesagt: 1. Du kannst den Zucker schon ignorieren! Du bist dann halt spätestens 5 Tage später tot. Und 2. Du lebst MIT dem Zucker, nicht FÜR den Zucker!
    Gruß und Kuss, der musencus von Mike, der musencus
  • Sandra

    Rang: Gast
    am 09.02.2005 14:48:27
    Hallo Lovely,

    kennst Du Dich in der Gothic Szene aus????

    Meiner Meinung nach ist es nämlich völlig falsch, dass nur Jugendliche sich den Gothics zugehörig fühlen. Im Gegenteil, das geht durch alle Altersgruppen....

    Ich finde den Satz der Therapeutin deshalb auch nicht gerade empathisch!

    Sandra
  • Lovely

    Rang: Gast
    am 09.02.2005 19:31:37
    Hallo Sandra.

    Ein wenig ... aber wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel als Du.

    Natürlich ist der Satz der Therapeutin für den Betroffenen nicht erbaulich, wenn er wirklich so, wie oben steht, gesagt wurde. Aber darum geht es gar nicht. Einen Therapeuten kann man wechseln, wie ich oben schon sagte.

    Es ging in meinem Absatz darum, zu erkennen, warum jemand eine Maskerade benötigt. Ob es sich dabei um eine Gothic-, Punk- oder Schicki-Micki-Maskerade handelt, ist vollkommen unerheblich.

    "Anonym", der oder die Diabetes, Panikattacken und eine Vorliebe für Gothic hat, tut gut daran zu hinterfragen, woher die Panikattacken kommen könnten und ob die Gothic-Vorliebe und das Verkleiden damit in Zusammenhang stehen, anstatt sich durch eine lapidare Aussage der Therapeutin zum inneren Rückzug bewegen zu lassen.

    Gruß,
    Lovely

    PS: Ich habe im übrigen nicht gesagt "dass nur Jugendliche sich den Gothics zugehörig fühlen", sondern "die man am häufigsten bei Pubertierenden findet" - das ist ein großer Unterschied.
  • Maria

    Rang: Gast
    am 10.02.2005 00:55:49
    Hallo,
    hab zwar nicht selbst Diabetes, aber mein Vater hatte es und 2 meiner Onkel haben es. Der einzige Zusammenhang, der mir bei Diabetes und Angst einfaellt ist folgender: viele Diabetes-Patienten sind koerperlich nicht mehr in der Lage das zu machen was sie vorher im alltaeglichen Leben gemacht haben, einfach weil sie sich so viel schlechter fuehlen. Die Angst koennte daher kommen, dass man glaubt nie wieder ein normales Leben fuehren zu koennen, als ob der Diabetes diktiert wo's langgeht. Vielleicht ist es der Kontrollverlust?
    Ausserdem reagiert die Aussenwelt manchmal merkwuerdig und recht abstossend auf Diabetiker. Das kann einfach daher kommen, dass Diabetiker das schlechte Gefuehl dass sie haben nicht beschreiben koennen. Weil es nicht wirklich Uebelkeit ist, nicht wirklich Schmerzen (obwohl ich damit nicht sage, dass diese Symptome keine Rolle spielen). Ich kenne das Gefuehl von meiner Hyperglykaemie, die bis jetzt unerklaerlich ist. Das Gefuehl, nicht verstanden zu werden, manchmal sogar von unseren engsten Verwandten und Freunden, kann zu Angst fuehren.
    Ich bin zwar weder medizinisch noch psychologisch ausgebildet, aber diese Dinge habe ich bei meinem Vater beobachtet und beobachte ich noch heute bei meinem Onkel, zu dem ich ein sehr gutes Verhaeltnis habe. Ich versuche ihm so gut wie moeglich mit seiner Angst und seiner Depression zu helfen, aber ich bin oft ratlos...
    An alle Diabetiker, alles Gute, ihr seid in meinen Gedanken.
    von Maria