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Blz nach Mittagessen
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Hille
Rang: Gastam 18.01.2005 17:06:35
Hallo,
da wir noch keine Schulung gemacht haben und der Arzttermin noch aussteht frage ich bei Euch nach.
Wenn unsere Tochter aus der Schule kommt ist ihr Blz meist um die 140. Nach einem Mittagessen (Kartoffel, Möhrensalat und Bratwurst) ist der Wert nach 1Std ca.130 ,nach 2Std. 85
Aber wenn sie 3 Scheiben vollkornbrot mit Margarine ist steigt der Wert eher an.
Ihr habt dazu sicher einige Ideen.
liebe Grüße
Hille
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Anke
Rang: Gastam 18.01.2005 21:18:58
Hallo Hille,
ganz ehrlich, die zündende Idee dazu bleibt bei mir aus.
Lass mich erst noch einmal fragen: ich liege damit richtig, dass ihr zur Zeit kein Insulin gebt, sondern lediglich den BZ regelmässig kontrolliert, ja ?!
Unter dieser Vorraussetzung (dass keine BE-adaptierte Insulingabe erfolgt) liegt die unterschiedliche BZ-Reaktion am ehesten an der Menge (weniger an der Art) der aufgenommenen Kohlenhydrate.
So kann ich bei deinem Beispiel nur vermuten, dass eure Tochter bei einem Mittagessen [mit Kartoffel (=BE-haltig), Würstchen (=BE-los) und was war´s gleich noch mal, Salat (=BE-los) ?!] insgesamt weniger BE zu sich nimmt als bei einem Essen, bei dem sie sich ausschliesslich an Brot (=BE-haltig) satt isst.
Also am besten selber baldmöglichst über den Kohlenhydratgehalt der einzelnen Nahrungsmittel kundig machen (dazu gibt´s die sog. "BE-Austauschtabellen", auch über Internet). Je mehr KH eure Tocher auf einmal isst, desto höher ist dann der zu erwartende BZ-Anstieg.
Auch mehrere kleine Mahlzeiten sind ein schonenderer Anspruch an die Bauchspeicheldrüse als wenige grosse.
Viele Grüsse und alles Gute,
Anke. -
Ines
Rang: Gastam 19.01.2005 09:02:42
Hallo Hille,
wurde hier schon heiß diskutiert, aber solange kein insulin gegeben wird, halte ich eine kohlenhydratreduzierte ernährung für sinnvoll.
ich lasse die getreideprodukte weitgehend weg, besonders produkte ohne vollkornanteile werden bei der verdauung sofort in glukose aufgespalten und erhöhen den blutzucker unmittelbar. bei brot also unbedingt drauf achten, daß es vollkornbrot ist, auf weißbrot, brötchen etc. ganz verzichten. kartoffeln esse ich zur zeit auch nicht, weil sie eine ähnliche wirkung haben wie getreideprodukte. bei nudeln vollkornnudeln verwenden.
die ernährung sollte hauptsächlich auf gemüse und obst basieren, wobei Du Dich auch bei obst - da gibt es tabellen - informieren solltest, wie hoch der kohlenhydratanteil ist. gemüse, besonders roh, kann immer gegeben werden.
fleisch, fisch, wurst etc. sind kohlenhydratfrei.
milch und milchprodukte muß man berücksichtigen. quarkspeisen und joghurt unbedingt selbst machen. auf fertigprodukte ganz verzichten.
außerdem reagiert jeder mensch auf verschiedene lebensmittel anders. man muß eigentlich selbt rausfinden, worauf der körper wie reagiert.
die lebensmittel sollten einen möglichst kleinen glykämischen index haben - auch dazu gibt es veröffentlichungen.
das erstmal nur kurz - solltest Du mehr darüber wissen wollen, ich habe auch meine mailadresse eingetragen.
liebe grüße
Ines -
herbert k.
Rang: Gastam 21.01.2006 00:08:27
Das Zuckerverbot
- Kein Zucker für Zuckerkranke?!?
- Das Zuckerverbot in der Forschung
- Schlussfolgerung
Kein Zucker für Zuckerkranke?!?
Jahrzehntelang wurden Menschen mit Diabetes vor dem Verzehr von normalem Zucker gewarnt, und die meisten haben ihn daher gemieden. Nun heißt es: Zucker kann genauso gegessen werden wie andere Kohlenhydrate, er muss nur auf die im Rahmen der Ernährung festgelegten Kohlenhydrate angerechnet werden (Amerikanische Diabetesgesellschaft 1994). Wenn jemand also vier Broteinheiten zum Mittag essen will, so könnten es 320 Gramm Kartoffeln, aber auch 100 Gramm normale Schokolade sein.
Viele Menschen, die sich Jahrzehnte an das Zuckerverbot gehalten haben, können kaum verstehen, dass es nun nicht mehr gelten soll. Wie kann etwas falsch sein, das man jahrelang mit gutem Erfolgen für den Blutzucker berücksichtigt mit hat? - Man hat es allerdings auch nie anders probiert und überprüft. - Was sind die Gründe dafür, dass das Zuckerverbot heute keine Bedeutung mehr hat?
Früher waren Zucker/Traubenzucker und "normale" Süßigkeiten nur bei Unterzuckerungen erlaubt, (besonders Jugendliche mit Diabetes sind deswegen immer wieder gern unterzuckert). Traubenzucker galt als das wichtigste Mittel, einen Unterzucker schnell zu beenden. Dann hieß es: "Danach müssen Sie noch langsam wirkende Kohlenhydrate (KH) essen, sonst geht der Blutzucker schnell wieder nach unten."
Das sollte einer verstehen! Aber viele haben es so gemacht. Heute wird bei Unterzuckerungen allgemein nur empfohlen, 20-30 Gramm Traubenzucker zu essen. Diätgläubige Menschen mit Diabetes haben sehr darauf geachtet, bei der Ernährung allgemein "langsame Kohlenhydrate" (z.B. Vollkornbrot) zu bevorzugen und schnelle (z.B. Weißbrot) zu meiden. Man hatte ihnen beigebracht, dass "schnelle Kohlenhydrate" zu "Blutzuckerspitzen" führen.
Wie kann etwas, das in der einen Situation bei Betroffenen dringend erforderlich ist, in einer anderen Situation Gift sein? Viele dieser Regeln waren tatsächlich vorher nie durch Forschung belegt worden. Einer hat es dem anderen erzählt, und viele haben es geglaubt.
Das Zuckerverbot in der Forschung
In den letzten 30 Jahren konnte die Forschung die meisten dieser angeblich so notwendigen Regeln nicht bestätigen. Die Befürchtungen hatten keine wissenschaftliche Grundlage, und die damit verbunden Ernährungseinschränkungen brachten keinen Vorteil für die Diabetestherapie.
Hauptziel der Diabetesbehandlung heute ist ein möglichst normnaher Insulinspiegel. Es hat sich gezeigt, dass dieses Ziel mit normalem Essen, das auch Zucker enthält, nicht schwerer zu erreichen ist als mit einer zuckerfreien Diät. Natürlich muss man in jedem Fall, egal was man isst, die blutzuckersenkende Therapie auf die Kohlenhydrate abstimmen, die man zu sich nehmen will. Welche KH dies sind, ist zweitrangig. So sagt es seit 1994 die Stellungnahme der traditionell vorsichtigen Amerikanischen Diabetesgesellschaft zur Ernährung bei Diabetes. Aber dort wie hier hat sich diese Erkenntnis noch lange nicht im diabetischen Alltag durchgesetzt.
Schon der Kanadier Prof. D.J.A. Jenkins und Prof. Hellmut Otto aus Bremen hatten vor 30 Jahren herausgefunden, dass Kohlenhydrate unterschiedlich schnell ins Blut gehen, dass die behaupteten Regeln dabei aber nicht galten. Kartoffeln wurden in diesen Studien schneller aufgenommen als Haushaltszucker oder Weißbrot. Und zuckerhaltige Schokolade stand im so genannten "glykämischen Index" weit hinter allen Gemüse-, Obst und Brotsorten gleichauf mit den Linsen! Der glykämische Index gibt an, wie schnell ein Nahrungsmittel im Vergleich zu Traubenzucker den Blutzucker erhöht.
Findige Diabetiker hatten zur selben Zeit schon herausgefunden, dass ihr Blutzucker sich durch einen Nachtisch von normalem Speiseeis nicht erhöhte. Crapo konnte dies in vielen Studien mit ihrer Softeismaschine bestätigen. Vielleicht hat eine deutsche Diabetesklinik vor einiger Zeit auch deswegen empfohlen, zur Nacht lieber ein Stück Schokolade als einen Apfel zu essen, um eine nächtliche Unterzuckerung zu vermeiden. Allerdings ist auch das überflüssig, wenn man nicht zu viel Insulin spritzt.
Allgemein haben die Listen von Jenkins und seinen Nachfolgern nie eine große Bedeutung für die Diabetesernährung erlangt. Denn die Aufnahmegeschwindigkeit verschiedener Kohlenhydrate schwankte individuell von Tag zu Tag. Kaum jemand aß die angegebenen Nahrungsmittel "pur". In Mahlzeiten waren sie fast immer mit anderen Nahrungsmitteln gemischt.
Studien fanden keine Unterschiede in den Blutzuckerspiegeln von Menschen, die schnelle Kohlenhydrate aßen gegenüber solchen, die langsame bevorzugten. Ob die langsamen Kohlenhydrate aus anderen Gründen gesünder sein könnten - z.B. für eine geregelte Verdauung - mag dahingestellt sein: auch das ist nicht zweifelsfrei bewiesen. Doch wer sich beispielsweise bei Süßigkeiten nicht regelmäßig die Zähne putzt, bekommt wahrscheinlich mehr Karies.
Allein in der Schwangerschaft von Frauen mit Diabetes wird der "glykämische Index" heute noch beachtet. Denn hier geht es darum, durch die richtige Mahlzeitenverteilung und Nahrungsmittelauswahl auch schon leicht erhöhte Blutzuckerwerte nach dem Essen zu vermeiden, die das Kind schädigen könnten. Diese eventuellen Erhöhungen sind aber außerhalb einer Schwangerschaft ohne Bedeutung.
Der Zusammenhang von Diabetes Typ 2 und Übergewicht ist dagegen recht eindeutig bewiesen. Übergewicht erhöht den Insulinbedarf, und wer zu wenig Insulin produziert, bekommt schneller Diabetes. Dick wird man aber nicht durch Süßigkeiten, sondern vor allem durch zu viel Fett. Doch Vorsicht! Wer ständig Schokoriegel isst, hat Zucker und Fett zusammen.
Umgekehrt hat es den Anschein, dass Menschen, die vor allem Kohlenhydrate essen (z.B. viel Obst, Brot oder Reis), kaum an Gewicht zunehmen können. Der Körper kann sehr viele Kohlenhydrate ohne Fettspeicherung verarbeiten. Wenn man also überhaupt etwas zur Ernährung empfehlen kann, so wäre es die Fetteinsparung, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Aber auch hierzu sind längst noch nicht alle Fragen geklärt. Tatsächlich schaffen es in langfristigen Studien nur 10-15% der übergewichtigen Menschen, ihr Gewicht zu reduzieren.
Schlussfolgerung
Jeder Mensch mit Diabetes kann auch Zucker und zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen. Dies gilt für alle Menschen mit Diabetes, nicht nur für die, die Insulin spritzen. Wer Kohlenhydrate im Rahmen seiner Ernährung richtig berechnet, hat keine schlechteren Blutzucker- und HbA1c-Werte als vorher.
Er kann dies mit Hilfe der Blutzuckerselbstkontrolle prüfen: mehrfach den Blutzucker vor und zwei Stunden nach dem Essen testen, einmal ohne Zucker, einmal mit Zucker, natürlich bei gleicher Kohlenhydratmenge. Am besten bei diesem Vergleich gar keine Diätprodukte verwenden, denn diese sind in ihrer Blutzuckerwirkung schwer abzuschätzen. Wer skeptisch ist, sollte es lieber 20mal statt dreimal prüfen und die Werte aufschreiben. Sonst kann man leicht eine zufällige Erhöhung falsch interpretieren. Wer dann wirklich finden würde, dass sein Blutzucker nach Süßigkeiten viel stärker ansteigt als nach anderen Kohlenhydraten, sollte es wohl bleiben lassen. Aber es kommt selten vor.
Wir danken Dr. Axel Hirsch, der diesen Artikel für DiabSite geschrieben hat!
Dr. phil. Axel Hirsch
Abt. Diabetes und Stoffwechselerkrankungen
im Bethanien-Krankenhaus Hamburg.
21.10.2002