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Verzweiflung
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Sabine Müller
Rang: Gastam 11.10.2004 19:44:29
Im Augenblick bin ich ziemlich verzweifelt. Mein Mann (43 J.), den ich seit 11 Jahren kenne und seit 7 Jahren verheiratet bin, ist Diabetiker (Typ 1). Er bekam die Diabetes vor 10 Jahren. Am Anfang lief auch alles einigermaßen problemlos bis vor ca. 3,5 Jahren. Da hatte er erstmals nachts einen schweren Unterzucker mit einem Krampfanfall. Dies hat sich seither, Gott sei Dank, in diesem Ausmaße nicht wiederholt, aber er hat nachts öfters mal Unterzucker, wobei ich dies anscheinend immer bemerke und ihm dann Saft einfößen kann, so dass es bislang nicht mehr zu einem weiteren Krampfanfall gekommen ist. Aber seither habe ich eine wahnsinnige Angst, dass es wieder soweit kommt. Wenn ich z.B. beruflich unterwegs bin und auch auswärts übernachten muß, sterbe ich fast vor Angst. Auch tagsüber hat er öfters mal Unterzucker. Ich versuche ihn dann immer zum Essen zu animieren, aber er schaltet dann total auf stur und bestreitet den Unterzucker, obwohl ihm schon der Schwei0 über sein Gesicht läuft. Dies wird dann auch durch die Messung bestätigt. AmSchlimmsten empfinde ich es, wenn wir z.B. mit Freunden unterwegs sind, die von seiner Diabetes nichts wissen (auf seinen Wunsch hin wissen es nur wenige Freunde, was ich für einen totalen Quatsch halte, da darunter auch Ärzte und Apotheker sind, die ihn bestimmt auch gut beraten könnten) und ich einen Unterzucker bemerke. Ich sitze dann wie auf glühenden Kohlen. Er ist so dermaßen stur, ich weiß mir echt nicht mehr zu helfen. Das nächste Problem ist, dass er Lantus benutzt und ich mir große Sorgen wegen der Augen mache. Ich habe ihn förmlich angefleht zum Augenarzt und zum Endokrinologen zu gehen. Bislang hat er noch keinen Termin ausgemacht. Ich bin nervlich echt am Ende. Hat jemand ähnliche Erfahrungen -
Sara
Rang: Gastam 12.10.2004 00:00:38
Hallo anonym,
ich bin selbst Diabetikerin (Typ 1), habe die Krankheit erst seit einem halben Jahr.
Festgestellt habe ich, das man, je offener und selbstverständlicher man mit der Krankheit umgeht, ein wenig aufpasst und die Arzttermine, sowie auch das regelmäßige Essen einigermaßen berücksichtigt, ganz gut mit der Krankheit klarkommt, bzw. sich immer öfter "gar nicht so krank" fühlt.
Schwer zu sagen, wie man 10 Jahre später dazu steht.
Dein Mann scheint jedoch mit dem Diabetes vom seelischen her nicht gut klarzukommen und da ein massives Problem damit zu haben. Es scheint, als wollte er die Unterzuckerungen nicht wahrhaben und auch nicht über seinen Diabetes sprechen zu wollen. Das finde ich sehr schade, denn wenn man so eine "Mauer" um sich baut, fühlt man sich ja auch selber nicht wohl in seiner Haut.
Ich kann verstehen, das Du Dir Sorgen machst und Dich wirklich verzweifelt fühlst. Entweder hilft hier vielleicht mal ein klärendes, langes Gespräch mit Deinem Mann oder Du kannst vielleicht mal mit dem Diabetologen Deines Mannes sprechen und ihn um Rat bitten.
Die Vorsorgeuntersuchungen bei Augenarzt, Diabetologe und Hausarzt sind wichtig und sollten regelmäßig sein.
Sag Deinem Mann einfach, das Du ihn liebst und Dir große Sorgen machst um ihn, wenn er sich so verhält.
Viel Glück und
alles Gute!
Sara
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Sara
Rang: Gastam 12.10.2004 00:00:38
Hallo anonym,
ich bin selbst Diabetikerin (Typ 1), habe die Krankheit erst seit einem halben Jahr.
Festgestellt habe ich, das man, je offener und selbstverständlicher man mit der Krankheit umgeht, ein wenig aufpasst und die Arzttermine, sowie auch das regelmäßige Essen einigermaßen berücksichtigt, ganz gut mit der Krankheit klarkommt, bzw. sich immer öfter "gar nicht so krank" fühlt.
Schwer zu sagen, wie man 10 Jahre später dazu steht.
Dein Mann scheint jedoch mit dem Diabetes vom seelischen her nicht gut klarzukommen und da ein massives Problem damit zu haben. Es scheint, als wollte er die Unterzuckerungen nicht wahrhaben und auch nicht über seinen Diabetes sprechen zu wollen. Das finde ich sehr schade, denn wenn man so eine "Mauer" um sich baut, fühlt man sich ja auch selber nicht wohl in seiner Haut.
Ich kann verstehen, das Du Dir Sorgen machst und Dich wirklich verzweifelt fühlst. Entweder hilft hier vielleicht mal ein klärendes, langes Gespräch mit Deinem Mann oder Du kannst vielleicht mal mit dem Diabetologen Deines Mannes sprechen und ihn um Rat bitten.
Die Vorsorgeuntersuchungen bei Augenarzt, Diabetologe und Hausarzt sind wichtig und sollten regelmäßig sein.
Sag Deinem Mann einfach, das Du ihn liebst und Dir große Sorgen machst um ihn, wenn er sich so verhält.
Viel Glück und
alles Gute!
Sara
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Lilo
Rang: Gastam 12.10.2004 10:59:42
Mir scheint, hier geht es nicht nur um den Diabetes, sondern um umfassende psychische Probleme bei Deinem Mann (oder auch in Eurer Beziehung). Da können nur Psychotherapeuten helfen. Aber vermutlich würde sich Dein Mann weigern, eine Therapie zu machen.
Wenn ich mich recht erinnere, waren ähnliche Beiträge hier früher schon zu lesen. Blättere mal zurück. von Lilo -
Tobi
Rang: Gastam 13.10.2004 23:21:19
Hallo,
wirklich sehr schade dass sich dein Mann nach aussen hin so versperrt und sich in seine "eigene" Welt zurückzieht. Die Sturheit ist oft zu beobachten bei Menschen, die nicht offen mit ihrer Krankheit umgehen oder sie eventuell gar nicht akzeptieren wollen.
Hier stellt sich als erstes die Frage, ob dein Mann wirklich Freude am Leben hat oder ob er unter Depressionen leidet ?
Wenn er häufig Unterzuckerungen hat können dabei Gehirnzellen absterben die irreparabel sind. Zudem wird er im Laufe der Zeit seine unterzuckerungen nicht mehr spüren und das kann in manchen situationen sehr gefährlich werden.
Ich würde dir raten mit deinem Mann darüber zu reden und du solltest ihm auch zeigen, wie wichtig dir dieses Thema ist.
Mich verwundert am meisten, dass er nach 10 jahren diabetes so verantowrtungslos mit seiner krankheit umgeht. hier wäre sogar eine Therapie sehr ratsam, die deinem Mann auch neue Lebensfreude geben sollte.
viel erfolg
Tobi -
Maik
Rang: Gastam 17.10.2004 16:06:15
hallo,
ich kann deine verzweiflung verstehen. deine beschreibung könnte auch auf mich zutreffen. darum schildere ich dir das verhalten der diabetiker bei hypo mit krampfanfall und unterzucker im alltag bei mir. der unterzucker mit krampfanfall wurde ausgelöst durch:zu viel insulin,zu wenig kh, od. durch schwere körperliche arbeit. dies war bei mir (33jähriger typ 1 diabetiker) nach 15 jahren auch einmal der fall. da hatte ich 12 cbm grund im garten verarbeitet.bis zu dieser zeit war ich nur beim arzt, mir mein rezept verschreiben zu lassen. auch habe ich des öfteren tagsüber unterzucker. das bringt meistens probleme mit sich, da sich der partner darum bemüht, dass man aus der hypo herauskommt. man reagiert stur, bestreitet den unterzucker und will keine hilfe annehmen, man ist aber auch nicht mehr fähig,den traubenzucker aus der tasche zu holen und zu nehmen. m. e. ist man während der hypo nicht mehr herr seiner sinne, sonst würde man doch anders reagieren. dass dein mann seinen diabetes nicht jedem preis gibt kann ich auch verstehen, auch wenn es personen wie du, oder auch andere forenleser als quatsch empfinden, es nicht zu sagen dass man diabetiker ist. in meinem berufsleben (über 30 jahre) weiß keiner, dass ich diabetiker bin und das ist finde gut so. im med.- bereich gibt es ja auch ärzte, die diabetes haben, die aber auch nicht ihren patienten mitteilen, dass sie diabetiker sind. warum sollte man jedem bekannten sagen, dass man diabetiker ist.
du darfst deinen mann mit seinem diabetes nicht unter druck setzen. aber ab u. zu mal fragen, wann er zu einem augenarzt geht oder so ist o.k. du darfst dich auch nicht mehr um seinen diabetes kümmern als er. hat dein mann alle paar monate einen termin beim diabetologen? geht er regelmäßig zum augenarzt, ohne dass du nachfragst? wie steht es mit seinem hba1c- wert? wenn du auf dienst-reise bist, solltest du nicht in todesangst verfallen und dir nicht nur gedanken über deinen mann machen. vielleicht kannst du dich ja noch einmal melden. ich wünsche dir ein loslassen von der angst, dass dein mann wieder ins koma rutscht.
mfg
maik von Maik -
Tobi
Rang: Gastam 18.10.2004 17:32:00
Hi Maik,
warum den Diabetes verschweigen ? Mitmenschen könnten dir das Leben retten und gerade bei deinem "schlecht" eingestelltem Diabetes wundere ich mich, dass es nicht bereits passiert ist dass es dich umhaut (unterzucker-wie so oft) und deine Arbeitkollegen denken sich " ach der spielt das nur ..." (oder so ähnlich).
Wenn du nicht zum Diabetes stehts ist er schlecht eingestellt, deine Mitmenschen merken dass du etwas verheimlichtst und deine Lebensfreude leidet extrem darunter. isolation macht den Menschen kaputt, aber das merkt man eben erst wenn man schon kaputt ist.
Das A und O beim Diabetes ist auch das messen, bei häufigen unterzuckerungen ist offensichtlich dass du sehr wenig misst und deinen zucker auch nicht richtig einschätzen kannst.
ich kann dir nur noch einen Rat geben:
akzeptiere deine krankheit bevor es zu spät ist!!! von Tobi -
Birgit
Rang: Gastam 19.10.2004 20:12:10
Hallo, ich habe gesehen, daß sich schon viele zu deinem "verzweifelten" Aufruf ge-meldet haben. Vielleicht wirst du ja auch meine Nachricht gar nicht mehr lesen. Ich bin seit ca. 20 Jahren Diabetikerin, mit einem Mann verheiratet, der nicht erkrankt ist und habe 2 Töchter. Ich hatte noch bis vor kurzem das gleiche Problem wie dein Mann. Ich habe Lantus gespritzt und war jede zweite Nacht unterzuckert. Mal die vielen Unterzuckerungen tagsüber ausge-nommen. Meine kleine Tochter hatte jedesmal "Angst" vor mir, weil ich mich, auch durch die Krampfanfälle, "komisch" verhalten habe. Meine Große kam jeden zweiten Tag zu spät in die Schule weil sie mich reanimieren mußte. So ging es auf keinen Fall weiter. Es mußte was geschehen. Heute trage ich eine Pumpe (gerade angebracht bei Patienten die nachts unterzuckern) und bin seit dem "beschwerdefrei". Allerdings muß ich sagen, daß ich bei dem besten Arzt auf dem Gebiet der Pumpeneinstellung war: H.Dr.Teupe vom Diabetes Dorf Althausen! Hier werden alle Patienten über 3 Wochen lang geschult und erfahren alles über Diabetes was es Neues zu erfahren gibt. Ich kenne z.B. jetzt den Unterschied zwischen einem "Hypo" und einer "Unter-zuckerung". Von einem Hypo spricht man bei einer zu geringen Anzahl von Glucose im Blut. Eine Unterzuckerung hat man, wenn sich im Zwischenzellwasser zu wenig Glucose befindet. Und dann, und nur dann (!), hat man diese Ansätze wie schlecht sehen, oder kauderwelsch reden oder auch Krampfanfälle. Deswegen hat man man-chmal Hypos bei denen man noch fit ist und sich selbst problemlos helfen kann (selbst bei einem Wert z.B. von 27) und beim anderen Mal aber nicht mehr sehen kann, obwohl im Blut ein Wert von 68 festgestellt wird. Bei mir kamen die vielen Unterzuckerungen zustande, weil ich über viele Jahre hinweg immer meine Werte sehr nieder gehalten hatte aus Angst vor einem schlechten HBA1c-Wert. Daran gewöhnt sich der Körper und vermittelt nicht mehr wie bisher ab einem Wert von ca. 70 Symptome des Unterzucker sondern der Wert geht ständig weiter nach unten. Man nennt dies Adrenerges Syndrom. Ich mußte über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahr jedes Mal auf Werte bei 70/80 mit 1 BE reagieren. Sicherlich besteht bei deinem Mann auch jetzt die Phase wo er innerlich mit sich hadert. Die hatte ich auch. Die ersten Jahre meiner Krankheit hatte ich mich konsequent im Griff und dann kam der Moment, wo ich begriff "scheiße" die Krankheit wirst du tatsächlich nie mehr los. Und damit konnte ich auch viele Jahre nicht umgehen. Mir hat es geholfen, daß ich einige schöne und tolle Bekanntschaften gemacht habe mit Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Also wichtig Kontakt, Kontakt, Kontakt und vor allen Dingen reden, reden, reden über diese Krankheit. Erst dann kann man sie irgendwann akzeptieren und auch bewältigen. LG Birgit -
Ellen
Rang: Gastam 02.03.2005 10:39:58
Hallo Anonym!
Deinen Text hätte auch ich verfassen können. Vier Wochen nachdem ich meinen Mann kennengelernt hatte,bekam er Diabetes ( Typ 1) . Inzwischen sind es 23 Jahre. In den letzten vier Jahren kam bzw. kommt es immer wieder zu heftigen Unterzuckerungen, zum Teil mit Krampfanfällen. Mein Mann wird immer agressiver dabei ,gestern ist er zum erstenmal handgreiflich gegen mich und unseren ältesten Sohn ( 19, seit 5 Jahren selbst Diabetiker ) geworden, als wir ihm ein Glas Apfelsaft als Not BE geben wollten.Er lässt überhaupt nicht mit sich reden, beim Arzt lässt er immer nur Rezepte verschreiben.Schulungen hält er für total überflüssig. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Ich habe nur noch Angst ,dass etwas passiert., weil er auch mit sehr niedrigen Werten z.B. Auto fährt . von Ellen