Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
DMP-Brief an meine Kasse
-
Oliver Fliesgen
Rang: Gastam 04.07.2004 16:22:15
Sehr geehrte Frau ...,
vielleicht erinnern Sie sich noch an mich? Wir haben einige Telefonate bezüglich meiner Diabetes geführt. Meine Diabetologin hat mich nun gebeten, mich in das DMP-Programm einzuschreiben.
Ich habe mir den Vertrag durchgelesen und sehe nicht so recht ein, wie mir dieses Programm effizienter helfen könnte. Eine Aufnahme meiner Daten findet doch auch bei meinem Hausarzt und meiner Diabetologin statt. Ich erwarte von diesen Ärzten, dass sie immer auf dem neuesten Stand sind und mich auch an meine Quartals- und Jahresuntersuchungen erinnern, sollte ich einmal selbst nicht daran denken. Wozu brauche dann noch ein DMP? Eine "Überweisung an einen besonders qualifizierten Arzt (z.B. bei der Behandlung eines schwer einstellbaren Blutzuckers oder Blutdrucks [..])" geschieht doch oder so oder so. Oder kann mein Hausarzt mich nur noch an einen Facharzt überweisen, wenn ich im DMP eingeschrieben bin?
Was sind das denn für "Qualitätsberichte", die "in regelmäßigen Abständen an den Arzt übermittelt" werden, "aus denen die bevorzugten Behandlungsroutinen und vor allem die Erfolge der Behandlung hervorgehen". Die Erfolge der Behandlung sehen doch mein behandelnder Arzt bzw. die Diabetologin auch ohne diese Berichte. Ich erwarte von einem Facharzt, dass er meine Er- und Misserfolge dokumentiert und er als Facharzt meine Diabetes erfolgreich behandeln kann.
Schulungen:
Ich hatte letztens noch eine zusätzlich individuelle Schulung. Die Schulungsleiterin konnte mir leider nichts mehr beibringen, denn ich ernähre mich bereits entsprechend meiner chronischen Krankheit, d.h. vollwertig und gesund. Ich treibe regelmäßig Sport und habe immerhin 11 Kilogramm abgenommen und das innerhalb von zwei Monaten. Es gab, das muss ich zugegeben, dennoch einen Ratschlag der Ernährungsberaterin, den ich beherzigen konnte: Ich habe Rapsöl in mein Repertoire mit aufgenommen.
Die Tablette, die ich regelmäßig einnehmen muss, konnte ich deshalb erfolgreich reduzieren: Von 2mg auf 0,5mg täglich. Da ich weiterhin mein Gewicht reduzieren, mich gesund ernähren und Sport treiben will, erwarte ich eine komplette Absetzung aller Medikamente, um nach der "Lauber-Methode" zu leben: "Fit wie ein Diabetiker. Essen, Messen, Laufen (in meinem Fall: Rad fahren).
Sind die Ernährungsberatungen nur im Falle einer Teilnahme am DMP-Programm kostenfrei? Welche Leistungen der Barmer gibt es noch, die mich umstimmen könnten? Ich erinnere an dieser Stelle nochmals an folgende Punkte:
- ich handle schon eigenverantwortlich und unternehme alles, was in meiner Macht steht, um Spätfolgen zu vermeiden.
- einen Erinnerungsservice benötige ich nicht.
- wozu brauche ich Beratung von medizinisch geschultem Fachpersonal, wenn ich schon bei einer Diabetologin in Behandlung bin?
- was heißt "pseudonymisiert"? Ich gehe davon aus, dass mein Name etc. in eine Nummer oder einen sonstigen Code gewandelt wird, aber jederzeit rückwandelbar ist, denn wie sollte mich ein Mitarbeiter der BARMER sonst anrufen oder ein "Medizinisches Institut" mit mir in Kontakt treten können? Die Krankenkasse muss doch immerhin einen erweiterten Datensatz vom DMP-Teilnehmer haben, sonst ginge das doch nicht.
- Wieso sollte eine Krankenkasse Aufgaben eines Arztes übernehmen?
- Bestehen die Vorteile nicht mehr bei der Krankenkasse, wenn ein Patient am DMP teilnimmt? Die Kasse bekommt doch eine Art Ausgleichszahlung für jeden Teilnehmer. Das scheint mir nicht verwerflich, wird aber dem Patienten nicht mitgeteilt.
- was ist das denn für ein Forschungsinstitut? Wer forscht denn da? Oder handelt es sich nicht eher um eine Datenbank? Das größte Interesse an der Diabetesforschung hat doch wohl die Pharmaindustrie. Bei 7 Millionen Diabetes-Patienten allein in Deutschland können sie hohen Gewinn machen. Welchen Anteil hat also die Pharma-Industrie an dem DMP-Forschungsinstitut?
Ich lasse mich gerne überzeugen.
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Fliesgen
-
ANONYM
Rang: Gast -
Oliver Fliesgen
Rang: Gastam 04.07.2004 20:36:33
"Logorrhö"...kluger Kommentar! von Oliver Fliesgen -
Marlis
Rang: Gastam 05.07.2004 10:06:03
Mein Diabetologe und viele Kollegen
hielten von Anfang an nicht viel von
dem anfallenden Datenmüll, müssen
aber wohl mitmachen. Ich habe nicht
unterschrieben. Selbst der Vorstand
meiner TK äußerte sich vor kurzem
negativ.
Die KK sind natürlich scharf auf DMPler,
das bringt ihnen eine Kopfpauschale
von 5.200 Euro, teilweise sogar
8.000 Euro ein. Die ist nicht zweck-
gebunden, d.h. die KK kann damit z.B.
auch ihr Gebäude anstreichen.
DMP ist m.E. etwas für Neulinge und
Diabetiker, die mit ihrer Krankheit
nicht klar kommen. von Marlis -
Oliver Fliesgen
Rang: Gastam 05.07.2004 12:50:03
Hallo Marlis,
das sehe ich auch so. Besonders wegen der Wischiwaschi-Aussagen, was dieses Forschungsinstitut und die "Pseudonymisierung" der Daten angeht. Ich finde eine Ausgleichszahlung nicht schlimm. Die Therapie von Krankheiten wie Diabetes oder Krebs kosten sehr viel, insofern sehe ich da nichts Negatives. Geld ist Geld, da ist es ziemlich egal, ob es zweckgebunden ist oder nicht, finde ich. Ich sehe aber keine Vorteile im DMP für den jeweiligen Patienten, also was soll der Vertrag? Auf der Hompage meiner Kasse steht nichts darüber, ob es Vorteile für den Patienten gibt, außer einem "Erinnerungsservice", was bestimmte Untersuchungen angeht. An die kann ich mich selber erinnern oder auch mein Arzt, ohne DMP-Vertrag.
Gruß
Oliver von Oliver Fliesgen