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Eine Frage zu schwankenden Werten

  • Alex

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 13:09:21
    Hallo zusammen, vielleicht kann mir einer von Euch einen Tipp geben.
    Habe seit 6 Jahren Typ I und im Großen und Ganzen hat es immer relativ gut funktioniert mit meinen Werten.
    Seit ein paar Wochen aber steigt der BZ nach dem Essen trotz ausreichender Menge NovoRapid um 150 bis 200 mg/dl an. Manchmal bleibt er dann bei 300 und manchmal geht er von alleine wieder runter. Ich hab auch schon versucht, beim Spritz-Ess-Abstand zu variieren, aber das führte dazu, dass er dann zu weit runter ging.
    Mein zweites und für mich nervigstes Problem ist, dass wenn der Wert zu hoch ist und ich ihn korrigiere, er mal wie gewohnt um z.B. 30 pro Einheit abfällt und mal um 100. Und das zur selben Tageszeit, bei der selben Bewegung etc. Mein Arzt meinte, die Glukosespeicher in der Leber seien aufgebraucht o.ä.
    Mir musste auch schon zwei mal der Notarzt helfen, da der BZ alle 5 Minuten um 35 (!) abfiel. Was kann ich in so einem Fall tun? Woher kommt das? Wie kann ich dem Vorbeugen? Kann das eine Art Überreaktion des Körpers sein? Es passiert auch, wenn ich eigentlich kein injiziertes Insulin mehr im Körper haben dürfte.
    Freue mich über jede Antwort. Vielen Dank schon mal,
    Alex
  • Alex

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 13:20:24
    Sorry, habe aus Versehen ANONYM angeklickt. Sieht etwas merkwürdig aus so. von Alex
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 13:40:37
    Hallo Alex!

    Es ist eigentlich schade, daß sich der behandelnde Arzt so weinig mit deinem Problem auseinandersetzt. Schließlich ist er nach dir derjenige, der deine Stoffwechselsituation am besten kennt.

    Natürlich können auch hier wieder Hormone eine Rolle spielen. Deine Schilderung deutet aber eher auf eine Form der Insulinresistenz hin.

    Die Wirksamkeit des Insulins ist ja bekanntlich nicht nur von der Tageszeit abhängig. Ebenso kann die Wirkung verzögert sein und offensichtlich ist auch in manchen Fällen ein Grundbedarf an Bolus-Insulin erforderlich um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

    Ein Beispiel: jemand ißt 2 BE und spritzt dazu 10 IE und nach 2 Stunden ist der BZ bei 480. Am nächsten Tag ißt er zur gleichen Zeit 5 BE und spritzt dazu 25 IE und nach 2 Stunden ist der BZ bei 140.

    Das ist jetzt nur ein Beispiel, aber versuch mal, in dieser Richtung zu testen.

    Was kann man gegen diese schnell eintretenden Unterzuckerungen tun? Zunächst gibt es die Glukagonspritze, die eigentlich jeder Diabetiker haben sollte. Sie ist recht einfach im Muskel zu injezieren. Die zweite Möglichkeit ist die, von der auch der Notarzt Gebrauch macht. Eine Glukoselösung in die Vene injezieren. Das wirkt sehr schnell und sicher! Voraussetzung ist natürlich, daß man eine intravenöse Injektion beherrscht oder daß jemand in der Nähe ist, der es kann.

    Was man nie vergessen sollte: Eine Bewußtlosigkeit bzw. eine drohende Bewußtlosigkeit durch Unterzuckerung ist immer eine medizinische Notfallsituation, bei der ein Notarzt zu rufen ist. Herz, Hirn und vegetatives Nervensystem funktionieren nicht ohne Glukose!

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Alex

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 15:27:01
    Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort.
    Also eine Injektion in die Vene beherrsche ich noch nicht. Ich werde meinen Arzt aber mal fragen; lernen kann man es bestimmt.
    Die Glucagonspritze habe ich natürlich immer bei mir. Sie scheint aber das letzte mal nicht gewirkt zu haben. Ich habe eine relativ lange Diät gemacht, bei der ich kaum Kolhlenhydrate zu mir genommen habe (höchstens 20 g pro Tag). Ich gehe davon aus, dass die Leber aus diesem Grund keine Reserven mehr freisetzen konnte.
    Vor einer höheren Basalrate habe ich mich bis jetzt gedrückt, da die bisherige den BZ stündlich um 10 mg/dl fallen ließ. Bei einer Erhöhung wären es folglich noch mehr. Ich habe auch schon überlegt, drei anstatt zwei Basalraten zu nehmen, da die Wirkung nach ca 8 Stunden nachlässt.
    Als der Typ I seinerzeit bei mir festgestellt wurde, war es fast egal, was ich gespritzt habe: Der Körper hat die Feinabstimmung selber gemacht. Dann kam eine fast einjährige Remissionsphase und danach ging es bergab mit den guten Werten. Gibt es Hormone, die eine körpereigene Regulation zur Unterstützung der Insulintherapie beeinflussen können?
    Oder weiß vielleicht jemand eine Klinik, die sich auf Diabetes spezialisiert hat? Ich komme aus dem Kreis Wesel in NRW.
    Dass eine Heilung des Diabetes (noch) nicht möglich ist, weiss ich. Aber vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, die großen Schwankungen vom Körper etwas abzufangen.
    Gruß,

    Alex
  • Werner

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 16:14:25
    Hi Alex,

    die Probleme hatte ich Jahrelang auch.
    Erst mit der Pumpe habe ich ein gute Einstellung bekommen.
    Frag mal Deinen Arzt!

    Gruß Werner
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 17:24:07
    Hallo Alex!

    Bei 20g Kohlenhydrate pro Tag kann der Glykogenspeicher der Leber wohl kaum in Aktion treten. Was sollte da noch gespeichert sein?

    Natürlich würden in diesem Fall Eiweiß und Fett (Fettabbau=Gewichtsreduzierung) in Glukose umgebaut, aber für diese natürliche Gegenregulation ist die Wirkung des Insulins viel zu schnell bzw. für eine ständige Wirkung durch das Basalinsulin nicht ausreichend, weil die durch Nahrungsaufnahme verfügbare Glukosemenge zu gering ist.

    Die Glucagonspritze konnte da auch nicht helfen, weil Glucagon ebenfalls durch Glykogenolyse in der Leber und durch Förderung der Glukoneogenese den Blutzucker erhöht. Da bleibt dem Glucagon also nur noch die Möglichkeit, den BZ durch Förderung der Lipolyse (Umbau von Fett in Glukose) zu erhöhen und das ist in diesem Fall eben nicht ausreichend.

    Solche Fast-Null-Diäten sind für insulinpflichtige Diabetiker immer mit Vorsicht zu genießen. Wie du selbst bemerkt hast, gerät man da sehr schnell in außergewöhnliche Situationen.

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Alex

    Rang: Gast
    am 20.08.2003 21:53:25
    Ja das stimmt schon. War auch mehr unbeabsichtigt, da ich eigentlich nur weniger essen wollte bzw. ein paar Basaltage machen wollte, um danach die BE-Faktoren neu zu bestimmen. Was meinst Du, wenn ich wieder etwas zunehme (hatte in 2 Monaten 15 kg abgenommen) und sich die Speicher wieder auffüllen, dann dürfte das Problem mit den stark abfallenden Werten beinahe von alleine verschwinden oder?
    Naja, mal abwarten. Jedenfalls vielen Dank für die schnellen Antworten.
    Gruß,

    Alex
  • Andreas

    Rang: Gast
    am 21.08.2003 09:42:50
    Hallo Alex!

    Der Glukosespeicher der Leber wird dann gefüllt, wenn mehr Glukose vorhanden ist, als verbraucht wird. Das geht relativ schnell, wenn du normale Mengen ißt.

    Diese "Abstürze" sollten dann nicht mehr auftreten und auch die Glucagonspritze wird nicht wirkungslos bleiben.

    Herzliche Grüße
    Andreas
  • Daniela

    Rang: Gast
    am 22.08.2003 14:04:05
    Hm, ich denke das liegt am Langzeitinsulin!

    Stell Dich so ein, dass Dein BZ ohne zu Essen/Spritzen nicht fällt, sondern sogar ein wenig ansteigt.

    Hatte dieselben Probleme, seitdem ich aber mit dem Lantus runtergegangen bin gehts!

    Der Bolus stimmt sicher, aber manchmal finden im Körper Prozesse statt, die dafür sorgen, dass das Langzeitinsulin mal mehr mal weniger stark in Erscheinung tritt. Unterzuckerungen über Stunden deuten auf falsche Dosis beim Langzeitinsulin hin.

    Wenn Du gegen die Unterzuckerungen nur Traubenzucker/schnelle BE's isst, ist es auch klar, dass der BZ wieder fällt, dann reagiert die Bauchspeicheldrüse mit Restinsulin, was bei langsamen BE's nicht der Fall ist.
    Generell ist es möglich, dass die Art der Lebensmittel den Bolus bestimmt.

    Ich habe einen niedrigeren Bolus bei Obst, schnellen BE's, bei langen BE's wie Vollkornbrot muss ich später spritzen (NovoRapid) weil ich sonst nach 1,5 Stunden unterzucker.


    Zu der Sache mit der kohlenhydratarmen Diät kann ich nur sagen, dass das nicht gut ist, denn der Körper braucht Energie, die er aus Kohlenhydraten gewinnt, nimmst Du nur Fette, Proteine, Eiweiße usw. zu Dir, kommst Du in einen Zustand, der dem Hungerzustand ähnelt. Finger weg davon!!!
    Deine Ernährung sollte zu 75 % aus Kohlenhydraten bestehen, dann spritzt Du eben mehr Insulin, C'est la vie..

    Sich selbst eine Glukagenspritze setzen wenn die Reserven aus der Leber aufgebraucht sind, ist schwachsinnig, auch wenn Du noch bei Bewusstsein bist, solltest Du selbst keine Glukagenspritze setzen (bewustlos gehts ja nimmer..), futtere eine BE Traubenzucker, bzw. einen Apfel und 1-2 BE's Vollkornbrot, das sollte helfen.

    Dann spielt es eine Rolle wie gut Du lange BE's kaust, je länger Du darauf rumkaust, desto schneller gelangt der Zucker ins Blut :-)

    Das mit dem Bolus ist also nicht immer eine Frage der Bewegung, Hormone oder Infekte, beobachte was Du isst (notiere es) und wie Du es isst!!!! von Daniela