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Mein Mann ignoriert seine Diabetes

  • Pia

    Rang: Gast
    am 18.02.2003 11:50:13
    Hallo,
    mein Mann hat Diabetes, die vor 3 Jahren festgestellt wurde. Er war dann in Kur und hat eigentlich alles über Diabetes gelernt. Seit der Zeit versuche ich ihn zu unterstützen und er lehnt mittlerweile alles, sogar seine eigene Sorge um seine Gesundheit ab. Er ignoriert seinen Zucker! Es gibt da bei uns immer wieder Streit, denn er ist nicht konsequent in der Therapie. Er hält sich nicht an eine einigermaßen vernünftige Ernährung, trinkt seinen Alkohol (öfter zu viel) und nimmt seine Tabletten gar nicht oder nur unregelmäßig. Von meiner Hilfe möchte er nichts wissen und wenn ich ihm dann auf den Kopf zusage, das er seit 3 Wochen seine Tabletten nicht genommen hat und ich es auch an seiner Art und seinem Verhalten merke, dann gibt es Streit. Es kotzt mich langsam an! Seit er weiß, das er Diabetes hat, hat sich seine ganze Art verändert. Der "Sunnyboy" der er einmal war, ist mit einem "grauen Schleier" überzogen und es ist oft schwer für mich damit klar zu kommen. Er unterliegt oft Stimmungsschwankungen und entweder er dreht total auf oder er hängt nur rum. Wer kennt ähnliches....
  • Georg

    Rang: Gast
    am 18.02.2003 17:22:12
    Ähnliche Erfahrungen wurden hier
    schon früher geschildert, schau
    mal ein bißchen zurück im Archiv. von Georg
  • sina

    Rang: Gast
    am 19.02.2003 17:24:12
    hallo!

    die situation, die du beschreibst, klingt ziemlich schwierig - und auch schwierig zu lösen! aber wenn ihr abgesehen vom thema "diabetes" eine gute gesprächsbasis habt, gibt's sicher eher die möglichkeit dazu, mit der zeit die situation "zu entschärfen".
    ich glaube es ist für viele menschen sehr verwirrend, mit diabetes "konfrontiert" zu werden - und drei jahre sind vielleicht für manche nicht lange genug, um zu akzeptieren, dass seine eigene gesundheit mehr denn je in den eigenen händen liegt!!
    voraussetzung ist sicherlich dass dein mann seine neue lebenssituation akzeptiert! - ja und das ist ja genau das problem.
    auf jeden fall ist es sicherlich förderlich, wenn er weiss, dass du zu ihm stehst bzw. seinen diabetes als neuen teil im leben deines mannes ganz unkompliziert akzeptierst - wenn er sich im moment selbst nicht mehr mag - wird er vielleicht mit der zeit draufkommen, dass es keinen grund gibt, sich nicht mehr zu mögen, - du hast ja mit der tatsache, dass er nun diabetiker ist, wahrscheinlich kein porblem, das problem liegt darin, dass er nicht damit umgeht.
    geduld, behutsamkeit, nachsicht und verständnis sind sicher von BEIDEN seiten gefragt!

    alles liebe!!
    deine sina
  • Pia

    Rang: Gast
    am 19.02.2003 20:31:51
    Hallo Sina,
    absolut richtig hast Du zwischen meinen Zeilen gelesen und danke für Deine Interpretation, das hat mir gut getan.
    Ich bin wirklich oft ratlos..... unterstütze meinen Mann, mehr oder weniger, wie er es zulässt, so gut ich nur kann und er fühlt sich halt von mir kontrolliert oder sogar bevormundet. Ich habe mit seiner Diabetes kein Problem, denn ich liebe meinen Mann und mache mir eben Sorgen und bin so enttäuscht, dass er meinen guten Willen ignoriert... und sich langfristig selbst schadet. Damals war Thema, ob er mit spritzen anfangen soll. Da meinte ich, "so lange du mit Tabletten und Selbstdisziplin zurecht kommst, wäre das doch besser, vorerst mit Tabletten auszukommen". Er interperetiert mir das, nach dem Motto... du willst nicht, das ich spritze. Ihm das immer wieder verständlich zu machen ist schwer. Es würde mir nichts ausmachen, wenn er spritzen müsste... Hauptsache er würde seine Gesundheit erhalten und hätte wieder mehr Freude am Leben. Ich komme immer wieder an Punkte wo ich "Männer" einfach nicht mehr verstehen kann. Du bringst die besten Argumente oder sogar Selbstbeispiele und es wird nichts registriert oder akzeptiert. Es ist schwierig, jedoch ich gebe nicht auf.
    Danke!
  • Jo

    Rang: Gast
    am 19.02.2003 20:36:49
    ...was dein Mann hat kenn ich nur allzu gut. Ich hatte immer mal wieder in meiner Diabetiker-Laufbahn solche "Hänger" drin.
    Mein liebevoller Partner hat mir dann die Augen geöffnet, indem ich Bilder von Spätschäden vorgehalten bekam und indem er mir klar machte, was mein Verhalten eigentlich für die Familie-das Umfeld bedeutet. Wenn dein Partner sein Leben "wegschmeißen" will, dann muß ihm klar sein, daß in dieser Situation auch ein Teil von dir stirbt.
    Vielleicht tut auch ein "bester Freund" - ein außenstehender Berater deinem Mann gut.
    Ich weiß daß die Situation mehr als schwierig ist, aber halt die Ohren steif - es gibt immer Höhen und Tiefen.
    Alles gute für euch zwei ! von Jo
  • Pia

    Rang: Gast
    am 19.02.2003 20:51:57
    Hallo Jo,

    gut ausgedrückt "Hänger" so kann man es bezeichnen. Wenn Du ein Mann bist, so sage mir einfach mal, was man als Frau tun müsste, damit "Mann" endlich kapiert, worum es geht, denn Diabetes tun nun mal "leider nicht weh". Bilder über Folgeschäden usw. wurden meinem Mann sicherlich in der Kur damals vor Augen geführt, aber die Bilder scheinen nicht mehr zu existieren. Soll ich ihm wirklich neue Bilder vor die Nase halten?
    Einen Diab.-Fuss, wie es ist blind zu werden.. oder Nierenversagen usw. Ich habe mich mehr mit den Thema befasst, wie mein Mann selbst und wenn es Sendungen im Fernsehen gibt, sehe ich sie mir, in seinem beisein extra an, damit er sich daran erninnert und evt. aufwacht, jedoch ohne Erfolg. "Mann" fühlt sich bevormundet oder kontrolliert und das mag "Mann" ja eigentlich nicht. Ich bin für jeden Rat dankbar! Danke
  • Romy

    Rang: Gast
    am 20.02.2003 09:41:13
    Hallo anonyme Fragerin,

    mir scheint, Euer Problem ist nicht
    nur der Diabetes. Ich empfehle eine
    Psychotherapie. Es gibt Therapeuten,
    die sich auf Diabetiker spezialisiert
    haben.

    von Romy
  • sina

    Rang: Gast
    am 21.02.2003 17:45:55
    liebe romy!

    ich glaube kaum, dass jemand, der sich schon mit einer körperlichen krankheit nicht auseinandersetzen will, jemals freiwillig zum psychotherapeuten geht!! von sina
  • Romy

    Rang: Gast
    am 22.02.2003 09:53:53
    Liebe Sina,

    das mag so sein, dann ist ihm halt
    nicht zu helfen. Die Therapeuten
    sprechen von kognitiver Blockade.
    Die Partnerin sollte sich überlegen,
    ob sie darunter leiden will ...
    von Romy
  • sina

    Rang: Gast
    am 22.02.2003 16:43:41
    das klingt so wie ludwig der XIV: "Die Amen sollen doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben!"

    ich verstehe nicht warum das schlagwort "kognitive blockade" so populär ist im moment - wahrscheinlich, weil der begriff so vage ist, dass man ihn für vieles einsetzen kann, ...[so wie borderlins syndrom - übrigens]
    damit ist doch niemandem geholfen:
    "entweder er überwindet seine kognitive blockade und geht zur therapie, oder sie soll ihn verlassen"
    oder? das klingt einfach zuu "realistisch", dass es fast schon verbittert und frustriert klingt.

    ich bin überzeugt, dass man mit geduld und der richtigen "taktik" schon behutsam und mit der zeit was erreichen kann. Denn auch wenn viele menschen vom kopf her verstehen was sache ist - sie wissen, sie müssen sich kümmern um sich, sie wissen, sie wollen sich mit ihrer neuen lebenssituation auseinandersetzen - ABER sie schaffen's seelisch noch nicht, das auch zuzulassen und zu akzeptieren - Diagnose "kognitive blockade" ist für mich daher auch ziemlich fehl am platz, wenn du verstehst was ich meine(falls du's nicht versehst - es hat nich mit'm intellekt zu tun, sondern mit'm gefühl+der seele).
    die zeit und geduld - mit liebevollen "hintergedanken" sind deswegen ein gutes "rezept" bzw. Lösungs/EntschärftungsMÖGLICHKEIT, weil die Seele länger braucht als das Gehirn etwas zu verstehen und sich etwas zu verinnerlichen!!!

    Auf jeden Fall ist es doch immer besser und förderlicher, über reale/realistische/und v.a umsetzbare befindliche Lösungsmöglichkeiten zu sprechen, als von schlichten Diagnosen oder völlig unrealistischen Lösungsmöglichkeiten! Das Ideale ist nicht immer möglich, sonst wär ja die Welt schon längst ein Paradies!

    Aber man kann langfristig (auch mit vielen kurzfristigen "Ausrutschern") ein ideales Ziel langsam anstreben -Schritt für Schritt!
    von sina