Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Hoher Nüchternwert nach Ernährungsumstellung
-
Gast
Rang: Gastam 10.03.2011 08:14:40
Hallo,
ich habe einmal eine Frage. Ich versuche seit ca. 3 Wochen, meine Blutzuckerwerte mittels Ernährungsumstellung und Sport in den Griff zu bekommen. Ich hatte hier einmal gelesen, dass man wenig Kohlehydrate essen sollte, das habe ich beherzigt und komme gut damit klar. Tagsüber sind meine Werte ok, sie gehen selten über 130 nach dem Essen, und dann wieder runter bis ca. 90, manchmal 80. Früher hatte ich nach dem Essen manchmal Spitzen bis 160, und dann einigen schnellen Abfall.
Was mir allerdings auffällt: meine Nüchternwerte sind nun fast immer zwischen 110 und 120. Vorher war es so, dass ich ziemlich schwankte zwischen 90 und 110, auch mal 118. Nun bin ich aber ständig zwischen 110 und 120. Das macht mir etwas Sorge, denn eigentlich hatte ich erwartet, dass auch der Nüchternwert sinken würde. Abgenommen habe ich so leider auch noch nicht.
Jetzt werde ich doch unsicher, ob das der richtige Weg ist. Wie gesagt, tagsüber fühle ich mich fit. Oder ist das eine 'Umstellungsphase'? Mein Langzeitwert war zuletzt bei 6,5.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder kann mir einen Rat geben?
Vielen Dank.
-
am 10.03.2011 09:07:01
Moinmoin,
mit Deiner neuen Art, Deinen BZ tagsüber an der gesund kurzen Leine zu halten, wird Dein nächster HBA1c-Wert bestimmt deutlich besser aussehen. Denn der sinkt umso weiter Richtung gesund, je mehr von 24 Stunden Dein BZ sich im gesunden Bereich bewegt :-)
Allerdings können wir vom gesamten BZ-Verlauf über den Tag den gegen Morgen am wenigsten beeinflussen. Denn der wird bestimmt von der Menge Glucose, die die Leber ausgibt, der turnusmäßigen Ausschüttung von Hormonen, die z.T. mehr Insulin erfordern, und unserer noch möglichen Insulin-Ausgabe mit der diabetisch behinderten Steuerung dieser Ausgabe. Leider nur meistens sinkt er nach einiger Zeit, wenn der BZ den Tag über im gesunden Rahmen gehalten wird.
Dabei sollten wir immer daran denken, dass wir mit unserem Verhalten und ggf. dann auch mit Medis keinen unserer diabetischen Defekte wieder zurück drehen, sondern nur deren Auswirkungen ausgleichen können.
Bisdann, Jürgen -
Gast
Rang: Gastam 10.03.2011 11:18:08
Danke für Deine Antwort. Heißt das denn, dass ich keinen Einfluss auf den Nüchternwert habe? Der Einfluss, denn ich momentan sehe, ist der, dass der Nüchternwert aufgrund meiner Ernährungsumstellung steigt... Eigentlich müsste er doch gleich bleiben bzw. im besten Fall besser werden? -
am 10.03.2011 13:02:29
Bei einem Nichtdiabetiker kommt bei ganz normaler Ernährung etwa eine Hälfte des täglichen Glucose-Umsatzes direkt durch die Futterluke, und die zweite Hälfte wird von der Leber vorwiegend dann ausgegeben, wenn länger nicht gegessen wurde, also besonders in der 2. Nachthälfte. Beim Nichtdiabetiker stoppt diese Glucose-Ausgabe immer dann, wenn die persönliche BZ-Grundhöhe überschritten ist. Bei den meisten von uns ist diese Regelung mehr oder weniger defekt, so dass die Leber locker ein Vielfaches der normalen Mengen spendieren kann.
Nach welchem Muster sich die Leber dabei richtet, scheint individuell sehr verschieden. Manche wachen mit niedrigerem BZ auf, wenn sie mit höherem schlafen gegangen sind und umgekehrt. Da ist viel Raum zum Ausprobieren. Allerdings wohnt dem Nüchternwert keine besondere Magie inne. Er sollte daher wie jeder gleich hohe im Tagesverlauf bewertet und immer darauf geachtet werden, dass nicht unbedingt ein einzelner Wert schön aussieht, sondern dass möglichst viele von 24 Stunden im möglichst gesunden Bereich ablaufen. -
Gast
Rang: Gastam 10.03.2011 14:10:28
Danke, das ist gut erklärt! Und Einfluss auf die Leberfunktion kann man dann nicht direkt nehmen?
Jetzt habe ich aber noch eine Frage zum Nüchternwert. Bei mir wurde ja vor ca. 1/2 Jahr eine Insulinresistenz festgestellt. Da galt ich nicht als Diabetikerin. Nun meinte mein Doc bei der letzten Messung, da mein Nüchern-Blutzucker ab und zu über 110 war, gelte ich nun als Diabetikerin... Nun sagst Du, den Nüchernwert sollte man nicht als Einzelwert sehen. Jetzt bin ich komplett verwirrt... Muss ich nun den nächsten Langzeitwert abwarten um zu sehen, in welche 'Kategorie' ich nun gehöre?
Und was ist der Unterschied zwischen Insulinresistenz und Glucose-Intoleranz?
-
am 10.03.2011 15:28:25
Metformin ist das gut wirksame Standardmittel zum gezielten Bremsen der Glucose-Ausgabe der Leber. Weil es gleichzeitig die KH-Verwertung im Darm ein Stückchen weiter nach hinten verlegt, kommen dort Bakterien mit Glucose in Verbindung, die daran nicht gewöhnt sind und darauf - meistens vorübergehend - mit Biogas und Durchgangsbeschleunigung reagieren :-(
Wenn jemand insulinresistent ist, brauchen seine Zellen entsprechend mehr Insulin zum Einlass einer bestimmten Menge Glucose. Obwohl inzwischen recht allgemein bekannt ist, dass die meisten Menschen mit Insulin-Resistenz nie einen auffälligen Blutzucker haben und auch nie einen Diabetes entwickeln, gilt Insulin-Resistenz noch immer als Ursache von Typ2. Darüber hinaus wird höherer morgendlicher Nüchternzucker als Insulinresistenz gewertet, von dem Du inzwischen weißt, dass der eher durch zu viel Zucker zustande kommt.
Ähnlich interessant ist das mit der Glucose-Intoleranz. Wenn nach dem Einfüllen von Glukose durch die Futterluke der BZ sehr viel höher als im gesunden Link ansteigt - zu Anfang ausgehend vom völlig gesunden BZ und nach 2-3 Stunden auch wieder auslaufend in einen völlig gesunden BZ - heißt das Kind Glucose-Intoleranz. Was dabei tatsächlich fehlt, ist keine Toleranz, sondern diabetisch geschädigt immer mehr von der passenden Insulin-Bestellung durch Darmhormone (s.Google: Inkretin-Effekt).
Und noch ein Nachtrag zur Insulin-Resistenz: von nüchtern über 125mg/dl heißt das Kind Diabetes. Von 90 bzw. 100 bis 125 heißt er Prädiabetes oder auch Insulin-Resistenz. -
Gast
Rang: Gastam 10.03.2011 18:07:07
Danke für Deine ausführliche Erklärung. Das habe ich soweit verstanden. Da mein Arzt mir Metformin (noch) nicht verschrieben hat, gehe ich davon aus, dass man es erst bei höheren Nüchternwerten nehmen sollte, oder? Ab welchem Wert ungefähr?
Habe ich denn mit meinen derzeitigen Werten noch Hoffnung, das ganze langfristig im Griff zu halten? Meine Werte sind ja verglichen mit einigen hier noch relativ niedrig... Oder werde ich 'auf jeden Fall' irgendwann Medis bzw. Insulin nehmen müssen? Ich weiß, ihr seid alle natürlich auch keine Hellseher... -
Gast
Rang: Gastam 10.03.2011 18:14:11
Was ich noch erwähnen möchte - mein Blutdruck ist seit der Umstellung auch gesunken, für mich schon fast zu niedrig, im Durchschnitt ca. 110/68, früher war er meist 130/80, auch mal 140/89 ca. Ist ja eigentlich eine positive entwicklung, mir aber auch nicht erklärlich...