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Ab wann Umstellung von Tabletten auf Insulinspritzen?

  • Gast

    Rang: Gast
    am 06.07.2011 14:19:13
    Guten Morgen,

    ich möchte mich hier für meinen Vater erkundigen, der seit ca. 5-6 Jahren Diabetes hat und bisher mit Tabletten behandelt wurde.
    Sein Langzeitwert hat sich von 8,2 Anfang des Jahres auf 7,6 oder 7,4 verbessert. Der durchschnittliche Blutzzucker von 185 auf 165. Beide Werte finde ich jetzt nicht besonders gut. Jetzt ist uns allerdings aufgefallen, dass sich der Nierenwert Kreatinin von Anfang des Jahres 1,2 auf 1,6 verschlechtert hat. Sein Arzt meinte nur, dass er jetzt viel trinken soll. Er war daraufhin letzte Woche noch mal bei der Diabetologin, die in der Arztpraxis ebenfalls vorhanden ist und somit die Vernetzung zum Hausarzt besteht. Er musste jetzt seine Werte für 4 Tage aufschreiben (Nüchternzucker, 90 Min. nach den Hauptmahlzeiten). Die Werte schwanken stark:

    Nüchternzucker mal nur knapp über 90, die anderen 3 x zw. 130 und 145.
    90 Min. nach dem Essen: zwischen 160 und 240

    Heute MOrgen war er zum Gespräch dort und es soll noch nicht gespritzt werden, weil angeblich die GEfahr der Unterzuckerung bei ihm zu hoch wäre. Verstehe ich nicht, denn die Nieren sind ja schon angegriffen und da sollte doch schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. ER jetzt
    -viel trinken (was er aber schon macht. Ca. 2-3 Liter Wasser und etwas Cola Light. Vorher war das Verhältnis von Cola und Wasser umgekehrt. Er kommt auf jedenfall auf die 3 LIter am Tag.
    - Kartoffeln, Reis, Haferbrei (was er gerne gegessen hat, auch ohne Zucker), weglassen

    Ich dachte bisher, die o.g. Werte dürften Anlasse genug sein. Ab wann wurde hier denn so gespritzt?

    Nebenbei, mein Vater hat Gott sei Dank einige Erkrankungen (Barretsyndrom in der Speiseröhre, Leberzirrhose, die aber schon seit vielen Jahren zum Stilltand gekommen ist, aber wohl Ausschlag für den Diabetes war. Außerdem mit er eine Tablette, die den Puls senkt).

    Über Meldungen/Erfahrungen wäre ich dankbar.
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 06.07.2011 16:54:06
    Moinmoin,

    bei den geschilderten Werten würde ich als Arzt mit dem Spritzen auch noch warten wollen. Denn ich könnte ja nur erwarten, dass der Patient sich einfach nur nach meinen Vorgaben richtet. Und mit so einer Einstellung, die der Betroffene nur ausführt, lässt sich mit Insulin ohne lästige Unterzuckerungen bestenfalls ein Langzeitwert HBA1c um 7,5-8 erreichen.

    Anders, wenn Dein Vater sich aktiv um die gezielte Steuerung seines Blutzuckers kümmern würde. Aber dann würde er z.B. bei 130 vor dem Frühstück nicht die selbe Menge Brot auf einmal essen wie bei 90, sondern würde sie auf ein erstes und ein zweites Frühstück mit wenigstens einer Stunde dazwischen aufteilen und noch ne Stunde weiter vielleicht unter 200 bleiben.

    Bisdann, Jürgen
  • Gast

    Rang: Gast
    am 06.07.2011 22:37:15
    Hm, verstehe die Antwort nicht wirklich. Man kann doch durch die Dosierung des Insulins eine Unterzuckerung vermeiden. Sprich, weniger spritzen, wenn der Wert bei Beginn des Essens nicht so hoch ist. Außerdem, sollte mein Vater nicht auf das Essen achten, während er es aufschreibt, damit man erkennen kann, wie der Zucker ansteigt. Klar, kann man abends durch weglassen der Kohlehydrate auch einen besseren Zuckerwert für die Nacht erzielen, dies sollte er aber bewusst nicht steuern.
    Außerdem, ist man doch meines Wissens nach, von der früheren Einstellung "5 kleinere Mahlzeiten einzunehmen" auf 3, max 4 Mahlzeiten umgestiegen, da dann der Wert länger Zeit hat, sich einzupendeln. Dies wurde mir zumindest gesagt, als ich am Abend in der Schwangerschaft, wegen einem leicht erhöhten Nüchternzucker, spritzen musste.
    Mein Vater sieht übrigens sehr wohl, dass er seine Ernährung umstellen soll, denn er achtet auf die Menge beim Essen und fährt danach noch Fahrrad auf dem HeiMTRainer, damit der Zucker nicht so hoch geht.
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    am 07.07.2011 19:46:04
    Moinmoin,

    wer einen gesünderen Blutzucker-Verlauf haben will, als er hat, kann sich den am besten systematisch selbst machen, besonders dann, wenn er's gesünder will, als sein Arzt empfiehlt und einstellt.

    Das ist im Prinzip ganz einfach, auch mit Insulin. Man misst, spritzt und isst und beobachtet in z.B. Halbstundenschritten anschließend, wie der BZ zunächst ansteigt und dann sinkt. Und wenn er auf der Höhe der Messung vor dem Essen zu sinken aufhört und in gleicher Höhe weiter läuft oder sogar wieder ansteigt, hat die Insulin-Menge zur KH-Menge im Essen gepasst.
    Das kann für die selben Futter-Portionen zu den verschiedenen Tageszeiten verschiedene Insulin-Mengen bedeuten - und wieder verschiedene und kleinere, wenn direkt anschließend an das Essen z.B. Rad gestrampelt wird.

    Nach ein paar Wochen systematischen Ausprobierens hat man dann in aller Regel so viel an Erfahrung gesammelt, dass für den täglichen Normal-Betrieb in dem dann eingerichteten BZ-Rahmen 4-5 Messungen ausreichen.

    Persönlich hab ich um Insulin gebeten, als ich meinen HBA1c vor mehr als 10 Jahren mit Tabletten und kaum noch KHs nicht mehr im Rahmen von 7 halten konnte. Aber deutlich gesünder als 7,5 hab ich's dann erst mit der Anleitung wie oben skizziert von einem Typ1 Kollegen geschafft.

    Daumendrück, Jürgen
  • Gast

    Rang: Gast
    am 07.07.2011 22:48:38
    schrieb:
    ... und beobachtet in z.B. Halbstundenschritten anschließend, wie der BZ zunächst ansteigt und dann sinkt....
    Nach ein paar Wochen systematischen Ausprobierens hat man dann in aller Regel so viel an Erfahrung gesammelt, dass für den täglichen Normal-Betrieb in dem dann eingerichteten BZ-Rahmen 4-5 Messungen ausreichen.


    verstehe ich das richtig, dass bis zu 48 messungen pro tag empfiehlst und das wochenlang? glaubst du echt, dass neulinge generell eine gelddruckmaschine im keller haben? zumal das vermutlich nur dann funktioniert, wenn du ct als therapieform wählst und selbst dann gibt es immer noch genug eventualitäten. allerdings würde ich als einstieg sowieso ct wählen und sogenannte tagesprofile machen - damit hatte man schon immer gute erfolge. ganz nebenbei handelt es sich um einen typ2 und wenn ich mich recht besinne, bekommen die nur noch 50 teststreifen - aber doch nicht alle 10 tage (4-5 messungen/d)!! schön, wenn man es hat! ;-)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 07.07.2011 23:01:46

    Hallo,

    ich bin auch Typ 2 und habe in meinem "Erstlingspaket" 200 Teststreifen erhalten und musste damit nur 14 Tage auskommen. Als Begründung wurde angeführt, dass gerade als Neueinsteiger das Interesse und die Unsicherheit groß sind im Bezug auf den Verlauf der Werte.

    Eventuell gibt es dort Spielräume für die Diabetologen?
    Im weiteren Verlauf habe ich dann auch nur 50 bzw. 100 verschrieben bekommen für einen deutlich längeren Zeitraum.

    Zur Ausgangsproblematik selbst kann ich aufgrund meines Verlaufs und meiner geringen Erfahrungen leider nichts konkretes beitragen.
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 07.07.2011 23:56:24
    #6
    Gefragt ist Insulin für einen HBA1c-Wert deutlich besser als 7,5. Also anzustreben unter 6,5 -> klarer Fall für Basal-Bolus, ICT. Und damit einstweilen auch für Typ2 noch klarer Fall für die normale INSULINER-Ausstattung mit Teststreifen, durchaus auch üblich mit deutlich mehr für's erste Quartal :-)
  • Gast

    Rang: Gast
    am 03.08.2011 22:39:10
    Danke für die Antworten. Also, mein Vater hat ja schon mehrere Jahre Diabetes, bekommt daher die normale Ration Teststreifen im Quartal. Er misst im Moment aber sehr viel, auf eigene Kosten. Ist aufgrund des schlechten Nierenwertes total verunsichert. Trinkt 3l Wasser am Tag, teilweise sogar 4 (selbst in der Nacht trinkt er eine Flasche von 1l). Dennoch hat er einen hohen Nüchternzucker (teilweise 180). Generell nicht unter 140.l Er traut sich fast nichts mehr zu essen. Aber, selbst mit Steak und Salat hat er einen hohen Wert. Heute ist er total frustriert. Hat nur 1 Scheibe Vollkornbrot mit ganz dünn Margarine gegessen und das am Morgen. Vor dem Mittagessen, da hat er nichts dazwischen gegessen, hatte er einen Wert von 300. Das ist doch echt nicht normal. Er hatte Mitte Aug wieder einen Termin bei der Diabetisassistentin und einige Tage später mit seinem Internist. Da wird er das Problem noch mal ansprechen. Er fährt dauernd Fahrrad, um den Zuckerwert zu senken. Mittags oft nur einen Berg Gemüse, nur gewürzt, ohne irgendwas. Kann es denn sein, der Wert so schlecht ist, weil er eben so wenig isst? Hört sich doof an, ich weiß. Aber während meiner Schwangerschaftsdiabetes, ist das bei mir aufgefallen. Je mehr ich auf das Essen geachtet habe, desto schlechter war mein Wert.
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    am 03.08.2011 23:15:14
    Sorry, aber JEDER Arzt sollte wissen, dass hohe Blutzucker-Werte und vor allem auch starke Blutzucker-Schwankungen hervorragend dazu geeignet sind, bestehende Nierenschäden zu fördern.

    Zu Deiner Info:
    Bei gesunden Menschen und völlig normaler Ernährung mit der Hälfte der Kalorien aus Kohlenhydraten liefern Leber und Nieren etwa die Hälfte vom täglichen Glukose-Umsatz. Diabetisch fehlgesteuert kann die Leber mehr als das Dreifache davon ausgeben. Und diese intern ausgegebene Glukose braucht natürlich zu ihrer Verstoffwechselung genau so Insulin wie jede neu gegessene. Und wenn das eigene dafür nicht ausreicht, muss man die fehlende Differenz halt passend, auch zeitlich(!) passend, spritzen.

    Bisdann, Jürgen
    Bearbeitet von User am 03.08.2011 23:15:58. Grund: Nicht angegeben