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Zweifel an sich und am Sinn des Lebens (Kämpfens)
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am 27.08.2012 17:27:57
Also ich habe mich soeben ganz neu eingeloggt, da ich wirklich sehr ratlos bin. Im Grunde bin ich bekannt als eine Kämpferin, aber irgendwie mag ich nicht mehr kämpfen. ich bin 45 Jahre alt und habe seit meinem 4. Lebensjahr Diabetes Typ I. mein Diab. war schon immer sehr schwierig, da er extrem schwankt und ich supersensibel bin und auf alles gleich mit den Blutzuckerwerten reagiere. Mich plagt immer der Gedanke, daß meine Mutter mich nie haben wollte, daß ich mit 4 Jahren hätte an Diab. sterben sollen und in meinem Leben immer nur so halbwegs gut war. Ich wurde zum Gymnasium gezwungern, durfte nicht leben, wie ich mirs wünschte, Scheidung der Eltern etc. Irgendwie war ich auch schon sehr früh auf mich alleine gestellt, viel Verantwortung und Vernunft. Eigentlich war ich auch immer sehr lebensfroh und eben eine Kämpferin, mein Spruch war immer, was ich nicht selbst erkämpfe, das wird nix. Vor 5 Jahren bin ich zum Freund nach Österreich, das ging auch gleich nach 4 Monaten in die Brüche und so lief es nun weiter, die Wohngegend ist wunderbar für mich hier, viel Natur, aber beruflich in der jetzigen Zeit und unter dem Leistungsdruck versage ich immer. Ich habe in 5 Jahren nun 8 Jobs begonnen und wurde wieder gekündigt. Immer wieder hochmotiviert und neu gestartet, wieder enttäuscht, weitergekämpft und irgendwann dann aufgegeben, krank geworden. Vor 2 Jahren bekam ich ein burn-out, eine Depression und man tendiert auch dazu mir ein Borderline-Syndrom zuzuordnen. Irgendwie weiß ich nun nicht mehr weiter, mein 9. Bürojob scheint nun zu scheitern und wenn ich ehrlich bin, mag ich nicht mehr neu anfangen, ich fühle mich im Büro eingesperrt, an den Bürostuhl getackert, gezwungen mich mit zum Teil arroganten und rücksichtslosen Menschen auszukommen. Ich versuche immer alles recht zu machen, schaffe es nie und auch nie schnell genug. Ich biedere mich an und schwupps renn ich an Mauern, pralle ab, bin verzweifelt und hilflos. irgendwann geht das alles auf meine Gesundheit und Psyche und ich sehe nur noch Pflicht, Zwang und Druck. Bis ich keinen Sinn mehr daran sehe und nicht mehr kämpfen möchte und am liebsten ..... noch habe ich mein Pferd, was mich immer "erdet" und auch meinen Lebensgeist immer wieder weckt. Aber ich habe Angst, daß ich bald nicht mehr in dieser Arbeitswelt unterkomme, da ich ganz alleine bin, habe ich totale Existenzangst und Versagensangst. Wenn ich mein Pferd hergeben muss, dann habe ich gar keine Familie mehr. Mein langjähriger Diab. macht mir auch langsam zu schaffen, Schwankungen belasten mich nun länger als früher, ich brauche länger, bis ich mich wieder erholt habe.....am liebsten würde ich nur noch halbtags arbeiten, aber das kann ich mir nicht leisten und ich bin auch total alleine für mich und allles verantwortlich. Ich war früher so lustig und fröhlich, nun bin ich nur noch belastet. Mit Menschen habe ich nach vielen Enttäuschungen meine Probleme, am meisten vertraue ich meinen Tieren. Mein großer Traum seit Kindheit ist ein KurzhaarCollie, auch weil man diese Collies gut zu Diabetikerwarnhunden ausbilden kann. Das wäre ein Traum für mich, Collies züchten und zu Diabetikerwarnhunden ausbilden. Frische Luft, Tiere, Hilfe für andere und dankbare Menschen, statt Leistungsdruck Einfühlungsvermögen. Ich glaube, dafür hätte ich auch das Gespür, da ich so supersensibel bin, aber ich weiß nicht, ob ich davon leben kann und ob ich jemals einen Hund mit in irgendeine Arbeit nehmen könnte. 40 Stunden im Büro halte ich einfach nicht mehr durch. Alles andere kann ich mir nicht mehr leisten. Kennt Ihr auch so eine Situation? Könnt Ihr mir da helfen? Einen Tip geben? Ich bin so unglücklich in dieser Welt, in der ich wohne. Kürzlich habe ich meine erste (! nach 41 Jahren Diab.) Ohnmacht gehabt, ich bin zwischen Kühlschrank und Tisch zusammengesackt und war einfach weg. Damit hatte ich mir alle Bänder und Sehnen am Sprunggelenk beleidigt, das Fibulaköpfchen hatte einen Sprung und ich hatte einen Muskelriß. Das hatte mich total geschockt. Es sieht so aus, als würde sich mein langjähriger Diabetes nun langsam tatsächlich deutlicher zeigen. Ich habe Angst nicht mehr lebensfähig und leistungsfähig zu sein. Kennt ihr solche Gedanken auch? ich lebe diesen Strudel nach unten nun schon ziemlich lange Jahre, ich habe Angst, dass ich da gar nicht mehr rauskomme und irgendwann untergehe. Wie mit den chronischen Krankheiten, sie werden nie besser sondern zehren an einem .... Bitte berichtet mir von Euch. -
Gast
Rang: Gastam 27.08.2012 18:07:47
Ich glaube, deine Probleme mit dem Diabetes sind auf deine psychischen Probleme zurückzuführen. Ist evtl. das falsche Forum hier. -
am 27.08.2012 18:44:34
Hmm, erst einmal danke für Deine Reaktion. Das möchte ich ja auch gerade erforschen. Bist Du denn nun Gast oder auch DiabetikerIn? Nun gleich zu behaupten, daß dieses Forum falsch sei, finde ich nicht so toll, denn das weißt Du doch gar nicht, oder warum glaubst Du das zu wissen? -
Gast
Rang: Gastam 27.08.2012 18:47:59
Ich habe selbst Typ 1 - Diabetes.
Ich glaube, dass du hier falsch bist, weil Diabetes alleine nicht solche Probleme bereitet. Natürlich wirst du hier evtl. ein bisschen seelische Unterstützung finden, aber du schreibst selbst und das merkt man auch, dass du unter psychischen Krankheiten leidest.
Dafür sind wir hier leider keine Experten, deshalb wäre es evtl. sinnvoll, in einem solchen Forum nachzufragen.
Ich will dich natürlich hier nicht verdrängen, vielleicht meldet sich ja noch jemand, der Ahnung davon hat. Das war nur als zusätzliche Anregung gedacht. -
Gast
Rang: Gastam 27.08.2012 19:06:21
Tja, da sind zu Deinem Diabetes wohl noch Depressionen hinzugekommen. Das ist gar nicht so selten. Musst mal googeln, dazu gibt es reichlich Studien. Du solltest auf jeden Fall damit zum Arzt! Die Sache mit dem Hund ist aber schon mal eine gute Idee. Im Tierheim warten jede Menge Vierbeiner auf Dich, die Dir mit ihrer Lebensfreude wieder Kraft und Zuversicht schenken. Du musst ihn ja nicht gleich zum Diabetikerhund ausbilden. Und jede Menge kleine Katzen warten da übrigens auch schon.
Gruß, Hans -
am 27.08.2012 19:43:51
Moinmoin,
Depression ist die verbreitete Begleiterin chronischer Krankheiten. Da is nix speziell diabetisch dran. Einfach eine beliebige chronische "Krankheit and Depression" bei Google eingeben und munter Millionen Fundstellen auflisten lassen.
Wenn es nur um ne gesund kürzere Leine für Deinen Blutzucker ginge, wärst Du hier wenigstens halb richtig. Die eine Hälfte von uns würde Dir mit ihren vielen eigenen Erfahrungen Möglichkeiten aufzeigen, von denen Du wenigstens die eine oder andere mit Erfolg nutzen könntest, während die andere Hälfte von uns dagegen jeden solchen Rat als unzulässigen Eingriff in die Zuständigkeit Deines Arztes ablehnen würde.
Aber in dem Haufen von Schwierigkeiten, den Du so mutig vor uns ausgebreitet hast, mag der jeweils gerade mal miese Blutzucker durchaus häufig den letzten Tropfen gegeben haben, der das Fass dann hat überlaufen lassen, aber er hat all diese Fässer nicht zuerst mal so randvoll gefüllt, dass der Tropfen dann zum Überlaufen gereicht hat.
Wenn wir in dem Bild bleiben, stecken die Fässer alle voller Probleme, die mit guter fachlich qualifizierter Hilfe auf- und abgearbeitet werden wollen, und es würde mich nicht wundern, wenn sich Dein BZ im Zuge einer so konstruktiven Behandlung erstaunlich weit normalisieren würde. Nein, keine Angst, ich meine jetzt nicht, dass Du Deinen Diabetes verlieren würdest, aber wahrscheinlich die extremen Spitzen nach oben und nach unten, die Dir das Leben ja akut noch mehr beschweren.
Vielleicht kann's ja nochmal jemand noch deutlich überzeugender rüber bringen, der seine Depression schon mit guter fachlicher Hilfe zu meistern gelernt hat?
Daumendrück, Jürgen -
am 28.08.2012 22:01:06
Hallo,
und vielen Dank für Eure informativen Beiträge.
Danke Dir Hans, übrigens Katzen habe ich bereits zwei, beide seit 12 Jahren.
Ich denke Jürgen hat ziemlich den Nagel auf den Kopf getroffen und es auch sehr anschaulich geschildert. Danke Dir besonders.
Ich glaube auch, daß man verschiedene Ansichten über seinen Diabetes hat, um so länger man mit diesem "Partner" durchs leben geht. Es macht einen Unterschied, ob es nur 10 oder 15 Jahre sind, oder wie bei mir nun schon über 40 Jahre. Zweifel am Sinn des Lebens klingt auch irgendwie sehr arg, es gibt ja bei mir schon auch schöne Momente. Aber ich habe immer den Druck, daß ich mich nie einmal richtig fallen lassen kann, ohne Überlegung, wie ist der Zucker gerade, wann spritze ich, wann esse ich, was esse ich.... Und mit den leistungsorientierten Jobs, ich spüre, wie sie mir die Kräfte rauben und ich habe immer Angst, irgendetwas zu verpassen. Ich rechne nicht, daß es mir zu Rentenzeiten noch gesundheitlich richtig gut geht und somit würde ich eben solche "Gelegenheiten", wie einen Hund eben gerne jetzt (er-)leben, solange es mir noch gut geht. Was habe ich von einem Blindenhund, dessen lieben Augen ich nicht mehr sehen kann oder wie unbeschwert er durch Wiesen tobt und freudig auf mich zugesaust kommt. So wie es aussieht, hat sich mein x-ter Job wieder erledigt und ich mag da einfach nicht mehr weitermachen, wieder ganz von vorne anfangen, Leistung 150% erbringen und dann wieder enttäuscht, verlassen und entlassen zu werden....ich kann und mag diesen Kreislauf nicht mehr. Irgendwo in meinem Leben hängt so eine Negativschleife, kennt das auch von Euch Diabetikern jemand? Ich spüre jeden blöden Job auf und entschuldigt mir, liebe Männer, auch in der Partnerwelt ist es so. Ist es ein Wunder, daß ich irgendwann mal aufgebe??? Stop! Sonst kriege ich wieder eine Rüge, daß ich hier falsch am Platz bin *schluck*. Karin -
Gast
Rang: Gastam 29.08.2012 09:08:22
Hier habe ich noch einen Artikel zu Diabetikerwarnhunden in Ösiland gefunden:
http://www.aktive-diabetiker.at/index.php?article_id=595
Wobei ich das ganze allerdings ziemlich kritisch sehe: So ein Hund warnt ja erst, wenn der Unter- oder Überzucker schon längst da ist. Im Grunde ist das viel zu spät!
Gruß, Hans
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am 30.08.2012 00:31:57
KIM1967 schrieb:
Irgendwo in meinem Leben hängt so eine Negativschleife, kennt das auch von Euch Diabetikern jemand?
hallo Karin,
Solche Negativschleifen verschonen natürlich auch Diabetiker nicht. Sie - die Schleifen ;-) - nehmen keinerlei Rücksicht auf Ansehen, Geschlecht oder Krankheit.
Ein nicht zu vernachlässigender Teil meines Lebens wurde von einigen solcher teils "lebensvernichtenden" N-schleifen bestimmt. Und wie man an diesen Zeilen sieht, ich hab sie alle, wenn auch meist mit viel Glück überlebt. ;-)
Egal was immer auch die Ursachen dafür waren, ich hatte irgendwann für mich persönlich jedoch eine sehr wichtige Erkenntnis gewonnen nämlich das Wissen dass ich aus so einer N-Schleife auch wieder herauskommen werde, egal wie. Und das hilft mir mittlerweile immens bei der Bewältigung neuer "Krisen" von denen wohl kaum jemand verschont bleiben wird.
Und im nachhinein sehe ich heute diese N-schleifen - egal wie schlimm sie auch waren - als Teil meines Lebens an. Sie gehören einfach dazu, haben mein Leben mitgeprägt und mir Erfahrungen gebracht die ich sonst wohl nie erfahren hätte.
Dir wird das jetzt zwar auch nicht helfen, doch ich wollte dir damit eigentlich nur sagen dass du deine derzeitige Negativschleife (das Wort ist wirklich trefflich) nicht als Endlosschleife sehen solltest in der du auf immer und ewig gefangen bleibst sondern vielleicht mehr als so ne Art Strudel in deinem "Lebensfluß".
Ob alleine oder mit fremder Hilfe, ausserhalb des Strudels wartet wieder ruhigeres Wasser.
Grüße
Havier
--- Sorry, aber das Thema kann ich irgendwie nur unzureichend in Worte fassen ---
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Gast
Rang: Gastam 30.08.2012 08:51:03
mach dich nicht kleiner als du bist, du hast das sehr gut verständlich beschrieben.
genau wie ich dir zustimme, daß solche -runterzieher- nicht auf geschlecht, alter, krankheit,
beschränkt sind. und ! ja man kommt raus aus dem teufelskreis, oft nicht mal durch kämpfen (denn kampf ist oft kramf) sondern durch besinnung auf eigene stärken.