Allgemein
Konstruktive Stimmung an der DMP-Front
Sie scheint nun doch Kontinuität anzunehmen: die im November 2002 als „regelmäßig“ angekündigte Gesprächsrunde zwischen dem AOK-Bundesverband und den Landesverbänden des Deutschen Diabetiker Bundes. Allerdings mußte der für Mai fällige Termin erst durch einige Landesvorstände angemahnt werden, so daß aus dem geplanten Sechs- bis zum Tag des Treffens am 11. Juli ein Acht-Monats-Intervall wurde. Da nunmehr als nächster Termin der 28. November bereits fixiert wurde, ist dann vom zeitlichen Rhythmus her alles wieder im rechten Lot. Wie die inhaltliche Balance aussieht, werden wir noch sehen. Denn einzuwenden ist meines Erachtens zunächst, daß nur die Landesverbände eingeladen wurden, in denen es in puncto DMP etwas zu vermelden gebe; das seien nach dem weisen Ratschluß der Einladenden Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, also nur die Hälfte der Verbände, wobei Thüringen die Einladung nicht wahrnahm. Ist das für die Betroffenen so wichtige Thema der strukturierten Versorgung in den anderen Ländern uninteressant geworden? Ich denke: Nein. Gerade im Prozeß des Entstehens wären die Erfahrungen für alle nützlich. Das sollte bei künftigen Einladungen bedacht werden.
Neben den erwähnten Landesvorsitzenden bzw. deren Vertretern waren für den DDB-Bundesvorstand Waltraud Wiegand-Glebinski, unterstützt von Bundesgeschäftsführer Lutz Graf zu Dohna, und für den AOK-Bundesverband Dr. Gabriele Müller de Cornejo und ihre Mitarbeiterin Andrea Bertram anwesend. Die Atmosphäre war entspannt, man gab sich gelöst, was nicht heißen soll, daß auch alle Probleme gelöst wären. Die erste kurze „Bestandsaufnahme“ zeigte dies sehr deutlich. Die Vertragsgestaltung und vor allem die Akkreditierung durch das BVA verlaufen nach wie vor schleppend. Befürchtete Erwartungen erfüllen sich, es treten Einschränkungen in den Verschreibungen auf, die allerdings nicht immer den DMP-Regularien geschuldet sind. Da das vorliegende Zahlenmaterial meist schon zum Zeitpunkt des Drucks unaktuell ist, wollen auch wir nicht in Zahlen schwelgen, sondern uns inhaltlichen Dingen zuwenden.
Da ist zunächst das Hausarzt-Handbuch zum DMP Diabetes Typ 2, das zur Umsetzung des Disease-Managements in der Hausarztpraxis vom Deutschen Hausärzteverband und der AOK heraus gegeben wurde. Kritiken dazu nimmt die AOK nicht entgegen, da sie die Edition lediglich gesponsert habe. Hinweise und Anfragen seien deshalb an das Autorenteam bzw. an den Hausärzteverband zu richten. Gut zu wissen.
Des weiteren ging es um den Erarbeitungsstand des DMP für die Typ-1-Diabetiker. Da es nun schon lange auf sich warten läßt, bahnten sich inzwischen schon Gerüchte an. Fest steht: Das Insulin wird als lebensnotwendig, die intensivierte Insulin-Therapie als Goldstandard betrachtet. Die Pumpentherapie wird weiterhin akzeptiert, Entscheidungsträger Nummer Eins ist hierbei der Arzt. Sehr großes Augenmerk wird auf die Qualität der Schulungen gelegt. Um den geforderten Standard zu erreichen, wird sich wohl auch manche diabetologische Schwerpunktpraxis gewaltig anstrengen müssen. Der Zeitpunkt des Vorliegens wird noch immer vage mit Herbst angegeben.
Ebenfalls im Herbst soll die Überarbeitung des DMP, Typ 2, vorliegen. Dazu haben die Gespräche gerade erst begonnen, man kann also noch nicht viel sagen, aber immerhin soviel, daß der von Patienten und Ärzten geforderte Mikroalbuminurietest unabhängig von einer beginnenden Retinopathie wohl als Standarduntersuchung weiterhin auf sich warten lassen wird. Hier sollte also nochmals entschieden Druck gemacht werden. Vielleicht hilft ja dabei die lobend erwähnte nunmehr konstruktive Zusammenarbeit mit der DDG (als ob sie sich bisher konstruktiven Diskussionen verschlossen hätte). Insgesamt gehe es bei der Überarbeitung - so Müller de Cornejo - um neue Erkenntnisse, Daten, Anpassungen usw., die Festschreibung eines HbA1c-Wertes sei nicht in Sicht. Allerdings, so versicherte die DMP-Expertin, würde gerade seine Plausibilität sehr streng von den einschlägigen Kontrollorganen überwacht, um „weiche“ Einstellungen zu verhindern.
Für das Internet bereitet die AOK gegenwärtig eine bundesweite Liste der eingeschriebenen Ärzte (sortiert nach Postleitzahlen) vor, zu der auch die Patienten Zugriff haben werden.
Wie nunmehr bekannt wurde, kann sich ein Patient in mehrere Disease-Management-Programme eintragen, vorausgesetzt, er bedient sich dabei eines Koordinierungsarztes (außer bei Brustkrebs, wobei als Koordinierungsarzt in aller Regel ein Gynäkologe fungiert).
Die Zusammenarbeit zwischen der AOK und dem DDB zwischen den Gesprächsrunden soll belebt werden, wozu u.a. eine gemeinsame Arbeitsgruppe dient, die sich vor allem Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und der Patienteninformation zuwenden wird.
Es wird also viel zu tun sein bis zum nächsten Erfahrungsaustausch im November. Und - wie schon bemerkt - das Voneinander-Lernen sollte allgemein gültig sein, alles andere hieße ungerechtfertigte Ausgrenzung.
Rosmarie Johannes