Allgemein
Gefahren in der kalten Jahreszeit
Es gibt in den letzten Jahren gehäuft Hinweise dafür, daß das Wetter nicht nur einen enormen Einfluß auf das Wohlbefinden der Menschen hat, sondern daß es auch Zusammenhänge gibt zwischen Wetter und der Verschlimmerung oder dem Auftreten ernsthafter Erkrankungen. Nach Prof. Angela Schuh (München) bezeichnen sich mehr als die Hälfte aller Bundesbürger als wetterfühlig und klagen über Empfindlichkeitsstörungen im Zusammenhang mit Wetterveränderungen; in diesem Sommer hat eine extreme Hitzeperiode in Frankreich möglicherweise zum Tod von mehr als 10000 Menschen beigetragen.
Das Wetter macht Infarkte!
Viele Studien belegen, daß Wettereinflüsse im Zusammenhang mit dem Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen, Asthma bronchiale und auch Thrombosen eine Rolle zu spielen scheinen; bei manchen Menschen führen diese nur zu Unwohlsein oder zu Störungen der allgemeinen Befindlichkeit, bei anderen scheinen tatsächlich Wetterveränderungen im Zusammenhang mit dem Auftreten von Erkrankungen eine ernsthafte Rolle zu spielen: So klagen nach Auskunft des Augsburger Herzinfarktregisters 73 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer noch nach 2 bis 10 Jahren nach einem Herzinfarkt über extrem belastende Wetterfühligkeit.
Nach Infarkt: extrem wetterfühlig!
So scheinen für das Auftreten, für den Verlauf und auch für die Sterblichkeit von Patienten mit koronarer Herzerkrankung vor allem folgende Faktoren eine entscheidende Rolle zu spielen: die Lufttemperatur, der Wind und auch der Luftdruck bei verschiedenen Wetterlagen. Im Rahmen einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (Monika-Projekt) wurden im gemäßigten Klima Wettereinflüsse im Verhältnis zur täglichen Infarktrate von Menschen untersucht: Diese zeigten, daß ein rascher Temperaturabfall durch einen plötzlichen Kaltlufteinbruch um etwa 10 Grad das Risiko für einen ersten Herzinfarkt um 11 Prozent erhöht, für einen Reinfarkt um 26 Prozent sowie für einen tödlichen Ausgang um 11 Prozent.
Der Tod im Winter
Darüber hinaus ist bekannt, daß im Winter ein Gipfel der Sterblichkeit von Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Herzinsuffizienz besteht. Insgesamt steigen nach Prof. Schuh Herz-Kreislauf-Ereignisse wie der Herzinfarkt in den Wintermonaten um etwa 20 bis 40 Prozent an. Die Zunahme des Herz-Kreislauf-Risikos scheint erklärbar mit der Empfindlichkeit der Kältefühler auf der Haut und der dadurch bedingten Reizung unseres sympathischen Nervensystems und dem Anstieg bestimmter Hormone. Das Herz muß oft dadurch mehr arbeiten, daß Blutgefäße verengt sind, die Herzschlagfrequenz ansteigt und auch der Blutdruck – diese Mehrarbeit kann besonders bei einem schon geschädigten Herzen zu einer Art Sauerstoffmangel führen; gerade bei älteren Menschen, die häufig ein vorgeschädigtes Herz haben, scheint sich dies stärker und intensiver auszuwirken.
Achten Sie auf die richtige Kleidung
Vorbeugend sollte man darauf achten, daß man sich Kälteeinflüssen im Winter nicht leichtfertig aussetzt: Die Zimmertemperaturen und auch die entsprechende Kleidung wie Mütze, Handschuhe und Mäntel müssen der Kälte angepaßt sein; trotzdem sollte gerade auch für Diabetiker ein täglicher Spaziergang immer noch auf der Tagesordnung stehen; aber Sie sollten sich unbedingt durch angepaßte Kleidung schützen, besonders vor plötzlichen Kältereizen im Gesicht (z.B. Schal): Ein plötzlicher Kältereiz im Gesicht, häufig beim Verlassen des warmen Hauses in die Kälte, kann plötzlich eine Angina pectoris (Herzanfall) oder auch einen Asthmaanfall (Einatmen von kalter Luft) auslösen. Auch für den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Sterblichkeit nach einem Schlaganfall sowie einer Gehirnblutung bei kaltem Wetter gibt es immer mehr Hinweise aufgrund verschiedener Studien (Framingham-Studie); diese Zusammenhänge scheinen bei älteren Menschen ausgeprägter zu sein. Auch winterliche Infektionen, insbesondere der Atemwege, scheinen die Entstehung eines Schlaganfalls negativ zu beeinflussen. Die niedrigen Temperaturen im Winter führen offenbar zu einer Zunahme der Herzschlagfrequenz, des Blutdrucks sowie zu einer schlechteren Durchblutung
Besondere Gefahren durch die Kälte im Winter für Menschen mit:
- Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzerkrankung, Angina pectoris ? Herzinfarkt)
- Durchblutungsstörungen des Gehirns (? Schlaganfall, Gehirnblutungen)
- Venenerkrankungen (Krampfadern, Neigung zu Thrombosen)
- Asthma (? Asthmaanfälle), chronische Bronchitis
Mehr Schlaganfälle bei niedriger Temperatur
Obgleich die Zusammenhänge zwischen Wetter, Jahreszeit und Schlaganfällen nicht abschließend geklärt sind, scheint doch zwischen der niedrigen Lufttemperatur und der Häufigkeit des Auftretens von Schlaganfällen ein deutlicher Zusammenhang zu bestehen. Patienten, die in bezug auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gefährdet sind, sollten angemessene wärmende Kleidung tragen. Dazu gehört besonders auch der Schutz des Gesichtes, die Wohnräume sollten entsprechend gleichmäßig und behaglich beheizt sein.
Vorbeugende Maßnahmen bei winterlicher Kälte:
- Möglichst gleichmäßige angenehme Temperaturen in allen Räumen des Hauses
- Angepaßte Kleidung beim Verlassen der Wohnung bzw. des Hauses
- Nicht nur Schutz des Körpers (Mantel), sondern insbesondere auch der Füße (besonders Diabetiker) und der Beine (Venenpatienten, AVK-Patienten) sowie des Halses (Pullover, Schal) und des Gesichts (Koronarpatienten/Asthmapatienten)
Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß besonders auch Patienten mit Venenerkrankungen und einer Neigung zu Thrombosen in den Wintermonaten bezüglich einer direkten Kälteeinwirkung Vorsicht walten lassen sollten: Denn auch die Zahl der Thrombosen und zum Teil tödlichen Lungenembolien scheint im Winter gehäuft. Ursache ist offensichtlich auch hier eine durch die Kälte hervorgerufene Verengung der Blutgefäße, eine häufig verminderte körperliche Aktivität in den Wintermonaten und ein dadurch bedingter reduzierter Blutfluß vor allem in den Beinen; trotzdem raten wir auch in den Wintermonaten diesen Patienten dazu, sich viel zu bewegen und spazierenzugehen (mit Kompressionsstrümpfen). Sie sollten daher durch konsequentes Tragen von warmer Kleidung am Körper, aber auch an den Beinen dem Entstehen von Thrombosen vorbeugen. Den gleichen Rat sollten Menschen mit einer besonderen Gefährdung bezüglich eines Infarktes, Schlaganfalls oder Asthma beherzigen!
Chefarzt Dr. med Gerhard-W. Schmeisl
Diabetes-Zentrum "Fürstenhof" Bad Kissingen