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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neuem Risikofaktor auf der Spur

MAILAND/KUOPIO - Ist ein neuer Risikofaktor für den Herz-Kreislauftod identifiziert? Italienische Forscher berichten, dass ein Inhibitor der NO-Synthase namens "ADMA" bei schwer Nierenkranken erhöhte Gefahr signalisiert. Und finnische Kollegen melden: ADMA kündigt akute koronare Ereignisse an. ADMA (asymmetrisches Dimethylarginin) ist ein endogener Inhibitor der NO-Synthase. Es konkurriert mit L-Arginin, dem natürlichen Substrat des Enzyms, und verhindert die Bildung von endothelialem Stickoxid, welches am Gefäß günstig wirkt: NO führt u.a. zur Vasodilatation, hemmt die Thrombozytenaggregation und bremst – zumindest experimentell – die Atherosklerose. Von hohen ADMA-Konzentrationen erwartet man folglich nichts Gutes, was sich nun in einem Kollektiv von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz belegen ließ. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. CARMINE ZOCCALI prüfte bei 225 Dialyse-Patienten den prognostischen Wert von ADMA1. Während eines durchschnittlichen Follow-up von knapp drei Jahren kam es bei 81 Patienten kam es zu Herz-Kreislaufkomplikationen. 83 Patienten starben, fast zwei Drittel aufgrund kardiovaskulärer Ursachen. Die ADMA-Plasmaspiegel entpuppten sich als ein potenter und unabhängiger Prädiktor für Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Ereignisse, heißt es im "Lancet". Eine finnische Studie2 an Männern mittleren Alters ohne Niereninsuffizienz kam ebenfalls zu dem Ergebnis: Hohe ADMA-Werte sind ein schlechtes Omen. Patienten, die sich bezüglich der Serumspiegel in der höchsten Quartile befanden, trugen ein vierfach erhöhtes Risiko für ein akutes Koronar-Ereignis. Diese Erkenntnisse eröffnen evt. neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten für die Zukunft vermuten die Forscher: Vielleicht sollte man Herzkreislaufkranke mit hohem ADMA besonders aggressiv mit Statinen oder L-Arginin-Supplementen behandeln. Letztere könnten die Hemmung der NO-Synthase kompetitiv verhindern. Studien haben zumindest schon gezeigt, dass L-Arginin-Gabe die endotheliale Funktion bei schwer Nierenkranken und Koronarpatienten zu bessern vermag, wie die italienischen Kollegen berichten. AW/CG;

Vorab-Meldung der Printredaktion
1 Carmine Zoccali et al.; 2 Veli-Pekka Valkonen et al.; The Lancet, 2001; 358: 2113 – 2117; 2096 – 2097 MT-Online D 04.02.2002

Mit freundlicher Genehmigung von Medical Tribune Online