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Eine Frau mit Power, Puck und Insulin

Eishockey: Eine der schnellsten Mannschaftssportarten – und eine harte obendrein. Reine Männersache also? Von wegen! In Salt Lake City steht auch erstmals Damen-Eishockey auf dem olympischen Programm. Und Deutschland spielt mit, wenn auch nur mit geringen Chancen. Für das junge deutsche Team gilt daher das olympische Motto: "Dabei sein ist alles."

Das gilt besonders für Claudia Grundmann. Sie ist Stürmerin – trotz einer schweren Diabetes. Bis nach Salt Lake City war es ein langer Weg und ein anstrengender obendrein. Zusätzlich zu den Olympia-Vorbereitungen kamen Bundesligaspiele, Trainingslager mit der Nationalmannschaft, Länderspiele, vier Stunden tägliches Training sowieso – ein gigantisches Programm. Um diese ständige Höchstleistung bringen zu können, musste und muss die Stürmerin des OSC Berlin-Schöneberg ihren Stoffwechsel besonders gut im Griff haben. "Vier- bis achtmal täglich messe ich meinen Blutzucker, selbstverständlich auch vor jedem Training und vor jedem Spiel." Diabetes und Sport: Alles eine Sache der Einstellung.

So auch im letzten Vorbereitungsspiel gegen den Dauerrivalen Schweiz: Pause vor dem letzten Drittel. In der Kabine schnappen alle nach Luft, trinken und lockern sich die Muskeln, hören auf die Anweisungen von Rainer Nittel, dem Bundestrainer. Auf Claudia Grundmann achtet dagegen niemand. Sie überprüft ihren Blutzucker – Routine für die Stürmerin, Normalität für Spielerinnen und Trainer. "Wenn's bei mir auf dem Eis mal nicht so klappt, wenn die Koordination der Bewegungen nachlässt, ruft er mich schon mal raus. Dann check ich schnell meinen Blutzucker." Einfach muss das gehen und unkompliziert. Mit dem Glucometer Dex 2 ist das kein Problem, denn die vor Spielbeginn eingelegte Disc beinhaltet Sensoren für zehn Messungen. Das Ergebnis hat Claudia schon nach wenigen Sekunden. "Seit ich das Gerät von Bayer benutze, ist mit der lästigen Fummelei an einzelnen Sensor-Streifen Schluss. Das kann ich beim Spiel wirklich nicht gebrauchen." Alles begann im April 1999. Ausgerechnet in Finnland bei der Weltmeisterschaft habe sie sich eine sehr starke Erkältung geholt, erzählt die 25-Jährige: "Total schlapp war ich, und damit war mein zweites internationales Turnier im Prinzip gelaufen."

Wieder zu Hause, wollte sich Claudia dann richtig erholen, aber statt dessen ging es ihr zunehmend schlechter. Erst als sie wegen ihres bedenklichen Allgemeinzustands ins Krankenhaus eingewiesen wurde, stellte man die richtige Diagnose: Diabetes mellitus. Alles zu Ende? Niemals! "Der Schock kam, als mir die Ärztin sagte, dass es mit dem Leistungssport vorbei sei. Der unregelmäßige Tagesablauf und die enormen Anstrengungen bis zur vollständigen Verausgabung ... – die Ärztin meinte, dass ich mit Diabetes dazu nicht mehr in der Lage wäre", erinnert sich die Berlinerin. "Glücklicherweise ermutigte mich eine Diabetes-Assistentin, meine Ziele auch weiterhin zu verfolgen." Zuviel stand für Claudia Grundmann auf dem Spiel: Jetzt, wo sie mit ihrem Verein in der Bundesliga und seit 1997 auch im Kader der Nationalmannschaft gegen die ganz Großen dieses Sports spielte, sollte alles zu Ende sein? Niemals, entschied sie. Unbeirrt trainierte Claudia also weiter. Innerhalb weniger Wochen gewann sie ihre alte Energie und Form zurück und spielte sich wieder in die erste Reihe des internationalen Eishockeys. Und dank der modernen Technik kann sie mit ihrem Handicap so gut umgehen, dass sich jetzt sogar ein Traum erfüllt: "Bei Olympia 2002 in Salt Lake City bin ich dabei", freut sich der Stürmer-Star. Das motiviere sie, weiter hart zu trainieren und sich neue sportliche Ziele zu stecken – trotz Diabetes. Für Claudia Grundmann ist die Zuckerkrankheit kein Grund zur Resignation – moderne Medikamente, innovative Medizintechnik und eine tolle Einstellung machen es möglich.

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