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DiaDeM-Studie: DDB sichert Versorgungsdaten
Kassel - Wie schlägt sich der Diabetes auf die Lebensqualität nieder? Wie häufig nehmen Diabetiker wichtige Kontrolluntersuchungen wahr? Welche diabetischen Folgeerkrankungen sind am meisten gefürchtet? Antworten auf diese und weitere spannende Fragen gibt die neue Versorgungsstudie „DiaDeM –Diabetes: Der eigenverantwortliche Mensch“. Die Studie hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) in Zusammenarbeit mit Novartis initiiert. Dabei wurden bundesweit 1000 Typ-1- und Typ-2-Diabetiker durch das unabhängige IGES-Institut befragt.
Wie erleben Diabetiker ihre Erkrankung im Alltag? Wie gehen sie mit ihrem Diabetes um? Was wissen sie über Folge- und Begleiterkrankungen? Wie sieht ihre Diabetes-Versorgung und -therapie aus? 170 Fragen in 20 Minuten wurden den Teilnehmern gestellt. Die Befragung erfolgte in einem Zeitraum von etwas mehr als einem Monat. 125 Typ-1- und 875 Typ-2-Diabetiker gaben Auskunft über ihre persönliche Versorgungssituation und die Wahrnehmung ihrer Erkrankung.
Hier zeigte sich eine Diskrepanz: Zwar fühlen sich die meisten Diabetiker gut informiert, suchen aber nicht aktiv nach Informationen. So gab nur jeder vierte Typ-2- und jeder dritte Typ-1-Diabetiker an, sich im letzten Jahr aktiv um Infos rund um den Diabetes bemüht zu haben. Auch beim Problembewusstsein und der Problemlösung besteht ein Ungleichgewicht. Einerseits haben die Befragten ein ausgeprägtes Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Folgeerkrankungen, andererseits sind sie körperlich nicht aktiv. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen oder Präventionsmöglichkeiten werden nicht ausreichend genutzt. Nur knapp 40 Prozent der Diabetiker sind in ein DMP-Programm eingeschrieben.
Größte Angst vor Augenerkrankungen
Die Patienten sprechen zudem von großen Einschränkungen im Alltag durch den Diabetes, der Großteil hat sich aber mit seiner Erkrankung arrangiert. Am meisten fürchten sie sich vor möglichen Augenerkrankungen. Eine mehr auf Patienten zugeschnittene Aufklärung über Folgekomplikationen wie Seheinschränkungen halten sie daher für notwendig. Als sinnvoll wird auch eine stärkere fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Arztgruppen gesehen.
„Angesichts der derzeitigen Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen war es dringend nötig, diese Studie durchzuführen. Erstmals werden die Daten zur Versorgung von Typ-1- und Typ-2-Diabetiker durch den Deutschen Diabetiker Bund gesichert“, betont der DDB-Bundesvorsitzende Dieter Möhler. Denn bei den Nutzenbewertungen für Arzneimittel sei „der Diabetesbereich in der Vergangenheit verheerend weggekommen“, erklärt er. Das habe wieder der jüngste Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Verordnungseinschränkung von Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen, deutlich gemacht. „Wir müssen das Datenmaterial zur Verfügung stellen.“
Die Ergebnisse der DiaDeM-Studie sorgen für viel Diskussionsstoff. So zeigen z.B. die soziodemografischen Daten, dass Diabetes vermutlich stärkere Auswirkungen auf das Berufsleben hat, als bisher angenommen: Nicht nur 78 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind in Rente, Pension oder Vorruhestand, sondern auch 56 Prozent der zumeist jüngeren Typ-1-Diabetiker. „Das ist ein Hinweis darauf, dass offensichtlich aufgrund diabetischer Folgeerkrankungen sehr viel früher die Erwerbstätigkeit nicht mehr in vollem Umfang oder gar nicht mehr ausgeübt werden kann“, fasst Möhler zusammen. „Dem müssen wir weiter nachgehen.“
Schlecht schneiden beide Diabetstypen bei den gesundheitlichen Eckdaten ab. Fast die Hälfte der Patienten mit Typ-2-Diabetes (43 %), aber auch der Typ-1-Patienten (45 %) ist übergewichtig. Ähnliches zeigt sich bei der körperlichen Aktivität: 46 Prozent der Typ-2-Diabetiker und sogar 40 Prozent der Typ-1-Diabetiker bewegen sich gar nicht. „Ein erschreckendes Ergebnis, das sich ändern muss“, sagt Möhler. Auch kennen 88 Prozent der Typ-1-Diabetiker und 83 Prozent der Typ-2-Diabetiker ihren Bauchumfang nicht.
Fünf von sechs Diabetikern wissen um mögliche Folgeerkrankungen – Augenerkrankungen und diabetischer Fuß gehören hier zu den bekanntesten. Dennoch sei die Zahl der Diabetiker, die noch nie von diabetischen Folgekomplikationen gehört haben, „ernüchternd“, so Möhler: 16 Prozent der Typ-2-Diabetiker und 14 Prozent der Typ-1-Diabetiker wissen nicht um diese gesundheitliche Gefahr. „Hier müssen wir gezielt informieren.“
Beeinträchtigte Lebensqualität
Je mehr Folgeerkrankungen bei einem Patienten diagnostiziert sind, desto mehr ist seine Lebensqualität beeinträchtigt, vor allem durch Einschränkungen bei Mobilität, Ernährung und Genussmittelkonsum. Mit zunehmender Betroffenheit wächst auch die Angst vor Diabetes-Folgeerkrankungen: Den Anfang machen drohende Augenerkrankungen (Typ 1: 37 %, Typ 2: 28 %), gefolgt von diabetischem Fuß und Nierenerkrankung. „Sekundärprävention muss das A und O der Diabetesbehandlung sein“, stellt Dieter Möhler klar.
Der DDB-Bundesvorsitzende gibt aber auch zu bedenken, dass die Hauptlast nicht allein auf dem Patienten liegen dürfe. „Die bestehenden Strukturen müssen sich besser an die Bedürfnisse der Patienten anpassen und nicht umgekehrt“, fordert der Rechtsanwalt. „Durch die Studienergebnisse wird ein spezifischerer Aufklärungs- und Informationsbedarf – insbesondere bei den diabetischen Folgeerkrankungen – ersichtlich. Hier sehen wir uns als Patientenvereinigung gefordert, uns weiter für eine Verbesserung der Versorgung und Lebenssituation der Betroffenen einzusetzen.“
Nähere Infos finden Sie im Netz unter www.diabetikerbund.de.
Pressemitteilung des Deutschen Diabetiker Bundes e. V.