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Diabetiker mit Hypoglykämien: Nierenfunktion überprüfen!
DRESDEN - Wenn ältere Diabetiker mit einer schweren Hypoglykämie in die Klinik müssen, ist relativ häufig eine bis dato unerkannte Niereninsuffizienz die Ursache. Jedoch: Am Serumkreatinin lassen sich die Gefährdeten oft nicht erkennen.
"Sie sollten sich bewusst sein, was für ein schlechter Nierenfunktionsparameter der Serumkreatininwert gerade bei alten muskelschwachen Menschen ist!" erinnerte Professor Dr. Christoph Hasslacher vom St. Josefs-Krankenhaus in Heidelberg die Kollegen bei einer Veranstaltung auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Schon bei einem Serumkreatininwert von 1,2 mg/dl kann eine hochgradige Einschränkung der Nierenfunktion vorliegen. Dies bestätigt auch eine kleine Studie an Diabetikern, die alle wegen einer schweren Unterzuckerung stationär eingeliefert wurden.
Zwar war das Serumkreatinin nur bei neun von ihnen auf Werte bis 2,0 mg/dl erhöht. Die Berechnung der Kreatinin-Clearance nach der Cockcroft-Formel* zeigte jedoch, dass bei 23 eine mäßige bis deutliche Einschränkung der Nierenfunktion bestand. Die Verstoffwechselung der Antidiabetika erfolgte dadurch verzögert, was ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko zur Folge hatte. Serumkreatinin reicht nicht Als Konsequenz erhielten 18 Diabetiker eine niedrigere Insulindosis, zweimal wurde ganz auf die Injektionen verzichtet. Bei drei der zuvor oral Behandelten konnte das Antidiabetikum weggelassen werden, zwei wurden auf Gliquidon umgestellt, dessen Metabolismus unabhängig von der Nierenfunktion ist.
Die Niere hat am Insulinabbau einen beträchtlichen Anteil, der beim insulin-spritzenden Diabetiker bis zu 60 % betragen kann, erläuterte Prof. Hasslacher. Seine Empfehlung für die Praxis lautet daher: Bei Diabetikern mit Nephropathie und Insulinbehandlung tagsüber vor allem kurz wirksame Insuline geben, nachts sollte das langwirksame Basalinsulin sehr niedrig dosiert werden, außerdem sind auch nachts ab und zu Messungen des Blutzuckerwertes ratsam. Bei den oralen Antidiabetika gelten Gliquidon und Repaglinide auch bei mittelgradig eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance bei 30 mg/min) noch als sicher. Bei allen anderen Sulfonylharnstoffen muss die Dosis reduziert werden.
Für Nateglinide und die Glitazone fehlen bislang ausreichenden Daten.
*Kreatinin-Clearance = (140-Alter) x kgKG x (0,85, nur bei Frauen)___________________________________
Serumkreatinin (mg/dl) x 72
Fundstelle: MTD, Ausgabe 26 / 2002 S.8, bös
Mit freundlicher Genehmigung von
Medical Tribune Online