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LADA Diabetes normaler C-Peptid - Insulin sinnvoll?

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    Mitglied seit: 24.08.2020
    am 24.08.2020 18:16:38 | IP (Hash): 974942215
    Hallo liebe Gemeinde,

    bin neu hier und deshalb zunächst einmal eher Konsument als Beitragender, vielleicht später einmal auch andersherum ;-)

    Bei mir wurde vor ca zwei Monaten nebenbei im KH entdeckt, dass mein Nüchternblutzucker zu hoch ist (um die 130 mg/dl).
    Daraufhin wurde während meines KH Aufenthalts immer mal 1-2 Stunden nach dem Essen Blutzucker gemessen, da hatte ich dann je nachdem, was ich gegessen hatte, zwischen 140 und 240 mg/dl. Langzeitwert war bei 7,2.
    Da ich an einer anderen Autommunerkrankung leide (Colitis Ulcerosa) und normalgewichtig, sowie 39 Jahre alt bin, war der Verdacht da, dass es sich eher um Typ 1 Diabetes (LADA) handelt, als um Typ 2.
    Allerdings war mein C-Peptid gut in der Norm (nicht nüchtern; nehme noch kein Insulin), bei 3,45 - Referenz: 0,78 - 5,19, daher habe ich erst Mal Metformin bekommen und es hieß, dass ich vllt doch Typ 2 bin. Das Metformin hat meine Nüchternwerte scheinbar runtergebracht (so auf 80 und 90).
    Es wurden dann aber trotzdem auf meine Bitte hin Antikörper bestimmt mit dem Ergebnis, dass da so einiges zu finden war: GAD 2000, ZnT8 400, IA2 190, Rest war normwertig, und ich soll nun auf Basalinsulin (Tresiba) umsteigen, statt Metformin zu nehmen.
    Metformin habe ich seit 5 Tagen abgesetzt, da Darmbeschwerden und weil es laut Diabetologen wohl keinen Sinn mehr macht, wegen der Antikörper. Ich merkte jedoch, dass mein Nüchterblutzucker etwa zwei Tage nach Absetzen von Metformin wieder bei über 100 mg/dl liegt. D.h. Metformin hat wohl was gebracht.
    Das führte beim Diabetologen nun zu der Vermutung, dass bei mir sowohl ein Autoimmunprozess im Gange ist als auch eine Insulinresistenz vorliegt. Dafür spricht auch der relativ normale C-Peptid Level.

    Meine BZ Werte habe ich derzeit in den letzten Wochen durch Bewegung und Low Carb Ernährung zunächst wohl ganz gut im Griff (selten höher als 160 mg/dl, aber auch selten unter 100 mg/dl).

    So, lange Rede, kurzer Sinn, nun zu meiner Frage: hat jemand eine Idee, ob Insulin bei einem normalen C-Peptid Level dennoch sinnvoll ist und ob Metformin zusätzlich dazu genommen werden sollte oder eben nur Insulin oder nur Metformin und weiter beobachten, wie es sich entwickelt?

    Ich habe viel darüber gelesen, dass eine frühzeitige Insulingabe die Beta Zellen wohl schont und den Zerstörungsprozess, in der Form wie dieser bei Typ 2 verläuft, wohl verlangsamt.
    Den autoimmunen Zerstörungsprozess wird die Insulingabe aber vmtl nicht aufhalten können, (GLAUBE ICH) wobei es da anscheinend auch so Theorien gibt, die anderes besagen...

    Würde mich über ein paar Meinungen freuen (natürlich keine Diagnosen ;-)).

    Danke im Voraus und viele Grüße, Ron
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    am 24.08.2020 19:46:04 | IP (Hash): 1271908337
    Mit Deiner Colitis - hab die in der Verwandtschaft - würde ich für den Diabetes in jedem Fall Insulin vorziehen, und das als einzige Zucker-Medikation. Warum? Weil Insulin keine eigenen Beschwerden im Verdauungsbereich macht und direkt dosierbar ist. Und nach der Phase der Einstellung - würde an Deiner Stelle möglichst bald ein kurzwirkendes für’s Essen dazunehmen - ist das auch ein super Gradmesser für die übrige Gesundheit: Wann immer sich da was ändert, siehst Du das sofort am ungewöhnlichen BZ-Anstieg=Mehrbedarf. Und Deine Rest-Betas schonst Du mit jeder Stunde im Bereich um 80 mg/dl nüchtern und postabsorptiv, also um 3 Stunden nach jeder Einverleibung.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 24.08.2020 21:47:45 | IP (Hash): 1092331922
    Lieber Jürgen,

    vielen Dank für Deine Antwort - das was du da schreibst, leuchtet mir prinzipiell schon ein, das mit den Vorteilen - Dosierung, keine Nebenwirkungen v.A. bzgl Verdauungstrakt...
    Aber wenn ich NUR Insulin nehme, tue ich nichts gegen die Insulinresistenz und kompensiere diese durch noch mehr Insulin, wenn man bedenkt, dass bei mir die Eigenproduktion ja noch normal ist, oder sehe ich das falsch? Würdest Du das mit Insulin von Außen genauso sehen, bei einem Typ 2 (und ohne Colitis)? Spielt es überhaupt eine Rolle, wie viel man noch selber produziert, oder ist Insulin im Zweifelsfall immer die bessere Option?

    Übrigens, 80 mg/dl klingt ja gesünder als gesund, geradezu perfekt, kann es sein? Ich glaube, bei Nicht-Diabetikern sind die Werte doch nicht auch nach 3 Stunden nach dem Essen bei 80 mg/dl, oder doch?

    Viele Grüße, Ron
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    am 25.08.2020 20:53:33 | IP (Hash): 740336689
    Hier mal eine Grafik zum gesunden Verlauf https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar
    Wichtig für die munter produzierenden eigenen Beta-Zellen ist neben der gesund gedeckelten Stundenspitze der postabsorptive Verlauf für die meisten Stunden deutlich unter 100 mg/dl. Denn in den Stunden deutlich unter 100 können sie noch einen guten Teil ihrer Produktion für größere Spitzen speichern, während sie darüber immer mehr von ihrer Produktion sofort ausgeben müssen und so in Stress geraten. Und Typ-2-geschädigte Betas neigen wohl zu Stress und unter Stress dazu, mit der Ausgabe immer weniger vom Produktionsmolekül Proinsulin ordentlich in C-Peptid und Insulin zu teilen. Sie geben also immer mehr intaktes Proinsulin aus und machen sich selbst damit immer mehr Stress. Denn es braucht 10 Einheiten Proinsulin für die BZ-Wirkung von nur 1 Einheit ordentlich in C-Peptid und Insulin geteiltem.
    Zu mehr zu Typ 2 schaust Du vielleicht auch mal in Diabetes nach der Schwangerschaft - kann Mann auch ohne Schwangerschaft kriegen ;)

    Generell zu Deiner Arzt-Umschau:
    Typ 1 setzt in der Diabetologie immer noch den Standard. Ordentlich behandelt wacht der mit 100-140 auf und misst die auch als Zielbereich vor den Mahlzeiten. Dazwischen mag der BZ ausfliegen, so hoch er will, wenn er nur immer wieder zurück findet.
    Als scharfe Einstellung gilt der Zielbereich 80-120 mit den Stundenspitzen unter 200.

    Das sind die Bereiche und Werte, die behandlungsmäßig angestrebt und von der Mehrzahl der Patienten deutlich bis weit übertroffen werden. Und vor dem Hintergrund ist zu bewerten, wenn auf nahezu gesunde Werte ohne Medis oder mit Metformin oder Basal nicht sonderlich aufgeregt reagiert wird.

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    am 26.08.2020 08:46:44 | IP (Hash): 524603521
    Lieber Jürgen,

    und nochmals danke für Deinen Beitrag! Die Grafik ist ja echt interessant, auch der gesamte Artikel! Das werde ich mir mal zur Orientierung merken.

    Auch Deine Erklärung zu der Produktion der Beta-Zellen leuchtet mir ein. Ich schließe jetzt daraus, dass eigentlich egal ist, wie viel Eigenproduktion noch da ist - wenn der Zucker zu hoch ist, dann reicht es nicht. Ich werde morgen mal mit meiner Ärztin sprechen, was sie denn dazu meint (evtl. Kombo aus Basal + ggf. Metformin, oder auch nicht, sowie Mahlzeiteninsulin im späteren Verlauf).

    "Zu mehr zu Typ 2 schaust Du vielleicht auch mal in Diabetes nach der Schwangerschaft - kann Mann auch ohne Schwangerschaft kriegen ;)" - mache ich, danke ;)

    Bitte entschuldige, aber Deinen letzten Satz habe ich nicht verstanden: "Und vor dem Hintergrund ist zu bewerten, wenn auf nahezu gesunde Werte ohne Medis oder mit Metformin oder Basal nicht sonderlich aufgeregt reagiert wird."

    Danke und Gruß, Ron
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    am 26.08.2020 11:19:47 | IP (Hash): 1866417543
    Bezog sich auf Deine Arztsuche im anderen Fred. Alle Diabetologen kochen heute mit dem gleichen Wasser. Sie müssen sich nach dem selben immer dichteren Netz an Leit- und Richtlinien richten und für ihr Auskommen täglich so viele Behandlungen absolvieren, dass sie den jeweils vor ihnen sitzenden Einzelfall selbst dann am Bildschirm nachlesen müssen, wenn sie den schon viele Jahre medizinisch begleiten.
    Und mit dem Blutzucker noch ohne Medis im guten Behandlungsrahmen wird da auch nirgendwo ne besonders drängende Termin-Eile gesehen.

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    am 26.08.2020 11:43:47 | IP (Hash): 524603521
    Ich verstehe ;)

    Naja, das ist doch mittlerweile leider bei so gut wie allen Ärzten so, außer vllt, sie sie sind keine "Kassenärzte" und können es sich leisten, sich genügend Zeit für Ihre Patienten zu nehmen. Deswegen ist es auch so wichtig, dass man sich mit seinen Krankheiten selber auseinandersetzt.
    "Und mit dem Blutzucker noch ohne Medis im guten Behandlungsrahmen wird da auch nirgendwo ne besonders drängende Termin-Eile gesehen." - in meinem Fall sind sie ja auch relativ entspannt, obwohl die Ärzte im KH das nicht waren, sie wollten mich auch nur ungern entlassen...

    Nochmals vielen Dank!

    P.S. Jürgen, hast Du eine Meinung zu meiner Annahme, dass man durch die Insulingabe die Beta-Zellen zwar entlastet, aber nichts am Fortschreiten des Autoimmunprozesses ändern kann?
    Bearbeitet von User am 26.08.2020 11:56:23. Grund: Frage hinzugefügt
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    am 26.08.2020 11:57:26 | IP (Hash): 1866417543
    RonButterfly schrieb:
    ... obwohl die Ärzte im KH das nicht waren, sie wollten mich auch nur ungern entlassen.


    Hey, Du warst nicht ansteckend und mit jedem weiteren Tag gesund für's Budget vom kranken Haus ;)

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    am 26.08.2020 12:45:45 | IP (Hash): 524603521
    hjt_Jürgen schrieb:
    Hey, Du warst nicht ansteckend und mit jedem weiteren Tag gesund für's Budget vom kranken Haus ;)


    Du raubst mir aber auch jegliche Illusion :-D

    ich hatte noch ein EDIT mit einer Frage, da haben wir uns evtl. überschnitten, würde mich interessieren, ob Du dazu eine Meinung hast:

    RonButterfly schrieb:
    P.S. Jürgen, hast Du eine Meinung zu meiner Annahme, dass man durch die Insulingabe die Beta-Zellen zwar entlastet, aber nichts am Fortschreiten des Autoimmunprozesses ändern kann?



    Danke und Gruß, Ron
    Bearbeitet von User am 26.08.2020 12:46:37. Grund: Format
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    am 26.08.2020 13:33:48 | IP (Hash): 1866417543
    Nicht nur meine laienhafte, sondern selbstverständlich ist allgemeine Fachmeinung, dass die frühe komplette Insulintherapie (also ICT=Basal-Bolus) den zerstörerischen Autoimmunprozess verzögern hilft.
    Und wenn der Arzt dann aber von sich (nicht von Dir!) aus auf ne mögliche Typ 2 Komponente anspricht, sag getrost, dass Du inzwischen von einigen armen LADAs gelesen hättest, die lange fälschlich als Typ 2 mit Tabletten usw. behandelt worden sind und bis zu ihrer richtigen Einsortierung und Behandlung erst belastende Folgekrankheiten entwickeln mussten.

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