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Langzeitinsulin absetzen?
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am 05.03.2015 21:14:43
Hallo an alle, meine Mutter hatte eine Stoffwechselentgleisung und muss seit 4 Wochen Insulin spritzen, obwohl sie vorher nicht mal Tabletten benötigte. Die Ärzte machten Hoffnung, dass sie in einigen Wochen vielleicht auf Tabletten umgestellt werden kann. Seit 2 Wochen bekommt sie zusätzlich zum Mahlzeiteninsulin ein Langzeitinsulin. Ihre Zuckerwerte sind rückläufig. Entsprechend hat sie auch beide Insulinarten reduziert. Innerhalb zwei Wochen braucht sie für dieselben Blutzuckerwerte statt 6 IE Langzeitinsulin nur noch 2. Zum Frühstück statt 6 IE Kurzzeitinsulin nur noch 2 und mittags 0. Fast aller 3-4 Tage hat sie eine Insulinanpassung des Langzeitinsulins nach unten vorgenommen. Es ist nun bei 2 IE nicht mehr viel Luft nach unten. Wie verhält man sich richtig? Das Langzeitinsulin ganz weglassen? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Danke für Tipps. -
am 05.03.2015 21:48:14
Wenn mein Blutzucker ohne Langzeit-Insulin unter etwa 100mg/dl (5,6mmol/l) bleibt, lasse ich das Langzeitinsulin weg.
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Die Freiheit der eigenen Meinung setzt zwingend die Achtung und den Respekt vor jeder anderen Meinung voraus. - Wer's auch so sieht, sagt's bitte einfach weiter. -
am 05.03.2015 23:19:27
BB schrieb:
Innerhalb zwei Wochen braucht sie für dieselben Blutzuckerwerte statt 6 IE Langzeitinsulin nur noch 2.
Hallo BB,
2 IE Langzeitinsulin haben wohl kaum noch eine Wirkung, Ich vermute, dass die Werte nicht darauf reagieren, wenn deine Mutter die 2 IE auch noch weglässt.
Ob das Werglassen bzw. die Reduzierung auf 2 IE sinvoll ist, kann ich allerdings ohne die erreichten BZ-Werte nicht einschätzen.
Beste Grüße, Rainer -
ferrato
Rang: Gastam 06.03.2015 08:05:24
Hallo BB
Das Langzeitinsulin deckt "nur" den Grundbedarf des Körpers ab. 2 IE werden da kaum noch eine Wirkung zeigen. Gegen ein Absetzen würden nur relativ hohe Nüchternwerte sprechen, die basal abgedeckt werden müssten. Dann wären aber auch die Werte nach den Mahlzeiten nicht rückläufig.
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am 06.03.2015 15:36:56
Vielen lieben Dank für die Antworten. Hab gerade die Werte durchgesehen. Also bei 2 IE Langzeitinsulin lagen die Nüchtern-Werte in den letzten 4 Tagen im Schnitt bei 6,9. Diesen Wert erreichte sie sonst auch bei 3, 4, 5 oder 6 IE Langzeitinsulin. Mittags vor dem Essen lagen ihre Werte bei 6,7 am Mittwoch, 5,2 am Donnerstag und 4,7 heute (früh hatte sie je 2 IE Kurzzeitinsulin dazu gespritzt). Vor dem Abendessen liegen die Werte bei 2 IE Langzeit durchschnittlich bei 5,8. Wenn sie dann 1 IE Kurzzeit dazu nimmt, landet sie ca. 2,5 h nach dem Essen bei 8,5 zur Nacht. Das ist sicher noch verbesserungsfähig, aber aus Unsicherheit, wie stark die 2 IE Langzeit über Nacht den BZ senken, wollte sie 22.00 Uhr lieber die Werte höher in Kauf nehmen. Wie seht ihr das? Besteht ab einem bestimmten Wert Unterzuckerungsgefahr, wenn sie die 2 IE zur Nacht spritzt? -
am 06.03.2015 19:56:41
Hallo BB,
bis 5,6 mmol/l (100 mg/dl) kann sie nüchtern und vor den Mahlzeiten auf jeden Fall runter gehen. Dann ist immer noch genug Reserve bis zu den normalen 4,5 mmol/l (80 mg/dl) nach unten. Ich würde das Langzeitinsulin an ihrer Stelle wieder schrittweise erhöhen, bis sie ungefähr bei den 5,6 landet.
Wenn sie das Insulin unbedingt loswerden will, dann kommt sie bei den Werten bestimmt aucn mit Tabletten aus. Aber eigentlich ist sie mit Insulin viel besser dran, deshalb sollte sie sich das genau überlegen. Wenn sie einmal auf Tabletten gesetzt wird, dann hat sie eine erneute Chance für Insulin erst wieder bei ganz schlechten Werten.
Beste Grüße, Rainer -
ferrato
Rang: Gastam 07.03.2015 13:20:46
Hallo BB
ich tippe m,al auf Lantus oder Levemir als Langzeitinsulin. Diese wirken 20-24 Stunden, haben aber eine sehr flache Wirkkurve. Dafür spricht, dass 2 IE nicht viel anders wirken als 5-6 IE. Diese Insuline sind allein zur Deckung des Grundbedarfs gedacht und eignen sich nicht so sehr zur Senkung eines morgentlichen BZ Anstiegs. Hier wäre ein NPH besser geeignet, da dies nur 10-12 St. wirkt, dafür aber eine steilere Wirkkurve hat. So gegen 23 Uhr gespritzt, hat es seine stärkste Wirkung in den Morgenstunden.
Soviel nur zur Information.
Wenn der Unterschied zwischen 2 IE und 5-6 IE nicht auffällig ist, können die 2 Einheiten theoretisch auch weggelassen werden. Aber da hat Rainer schon recht. Einmal abgesetzt, wird Insulin erst wieder verordnet, wenn sich die Werte trotz Tabletten nicht mehr verbessern lassen. Und Insulin ist nun mal die wirksamste Behandlungsform.
Wieviel Kurzzeitinsulin gespritzt werden muss, richtet sich nach dem Kohlenhydratgehalt der Mahlzeit. Die Faktoren, die hier wichtig sind, sind individuell unterschiedlich und müssen zwingend in einer Diabetesschulung ermittelt und vermittelt werden. Ansonsten ist das HYPO Risiko zu groß. Deshalb mein dringender Rat, alle Änderungen nach oben unbedingt mit dem Diabetologen abzuklären. Zumal die Werte, die Du oben anführst, gar nicht so schlecht sind. Da würde ich mich noch nicht verückt machen (lassen)
Ich wünsche Dir und Deiner Mutter viel Erfolg bei der Wahl der richtigen Therapieform.
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am 08.03.2015 12:54:33
Nochmals vielen Dank für die Tipps. Aus euren Antworten lese ich, dass Insulin Vorteile gegenüber Tabletten hat. Könnt ihr darauf noch mal näher eingehen? Meine Mutter entwickelt scheinbar eine immer stärkere Insulinempfindlichkeit. Wäre da das Hypo-Risiko mit Tabletten nicht geringer? Praktisch aller 3 Tage hat sie die tägliche Dosis nach unten angeglichen. Ihre Diabetesassistentin hat ihr empfohlen, das Kurzzeitinsulin bis auf 0 zu reduzieren und nur noch abends die 2 IE Lantus zu spritzen. Aber eines Tages ist das vielleicht auch noch zu viel und mehr Luft nach unten ist dann nicht mehr. Hinzu kommt, dass meine Mutter Unterzuckerungen hatte (3,5 3,6 3,8), die sie nur zufällig bemerkte, da Symptome wie Schwindel, Schwitzen, Unruhe bei ihr auch auftreten, wenn keine Hypo vorliegt. Das verunsichert total. Einen BE-Faktor sowie Korrekturzahl bekam sie nicht genannt. Die Diätassistentin, die auch die Schulung macht, sagte, das sei bei meiner Mutter nicht möglich, solch fixe Zahlen zu nennen. Eine sehr nervenaufreibende Zeit. Für uns alles Neuland. Ihre Diabetologin ist entweder krank oder im Urlaub, die Vertretung hoffnungslos überlastet (neulich hat sie eine Anpassung vorgenommen ohne sich die Werte anzusehen) und die Hausärztin will sich nicht einmischen... -
ferrato
Rang: Gastam 08.03.2015 15:08:14
Hallo BB,
Der Vorteil von Insulin gegenüber Tabletten ist einfach, dass man dem Körper das gibt, was er gar nicht mehr (TYP1) oder nicht mehr in Bedarfsgerechter Menge (TYP2) selbst in der Bauchspeicheldrüse herstellen kann.
Insbesondere wegen der HYPO's war der Rat der Diabetesassistentin richtig, das Kurzzeitinsulin wegzulassen. Die 2 IE Lantus haben aufgrund der sehr flachen Wirkkurve kaum einen Einfluss. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass man hier einen Unterschied feststellen könnte. Ich würde, um darin sicher zu sein, einfach um die Mittagszeit vor dem Essen einmal den BZ messen. Da um diese Zeit der Grundbedarf, den man ja mit dem Langzeitinsulin abdeckt, am geringsten ist, wäre hier am ehesten mit niedrigen Werten zu rechnen.
Aber in jedem Fall sollte der Arzt das letzte Wort betreffs der richtigen Therapie haben. Denn es muss ja einen Grund für die Stoffwechselentgleisung gegeben haben. Möglich wäre z.B. wenn Deine Mutter wegen einer anderen Krankheit mit Cortison behandelt wurde. In dem Fall würde sich der BZ nach Beendigung der Behandlung langsam wieder normalisieren.
Aber ich denke, Du kriegst das hin. :-)
Bearbeitet von User am 08.03.2015 15:09:14. Grund: Korrektur