Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Ignoranz
-
am 09.09.2016 17:07:15 | IP (Hash): 661794930
Hallo ihr Lieben,
wie mein Name schon sagt, geht es hierbei nicht um mich. :)
Seit 2 Monaten wohnt ein Mädchen, das so alt ist wie ich (19), bei mir und meiner Mutter zur Pflege.
Sie ist also sowas wie meine Pflegeschwester. Wir sind nur dafür zuständig, dass sie lernt wie es ist einer richtigen Familie so läuft, da sie aus schwierigen Verhältnissen kommt und ihr beibringen wie sie überleben kann, wenn sie mal alleine lebt. Was sich geldmäßig noch etwas schweirig gestaltet. Allerdings sind wir nicht für ihre Diabetis-Erkrankung zuständig. Am Anfang hat meine Mutter auch noch versucht darauf zu achten, da sie aber eine "Wir müssen alle mal sterben" - Haltung hat, hat meine Mutter seit einiger Zeit auch keine Lust mehr und meint sie ist alt genug.
Aber nicht nur das sie Diabetikerin ist, nein sie hat auch eine Glutenunverträglichkeit, etwas Übergwicht (was sie ihrer Meinung auch nicht hat), raucht und stopft alles rein was geht.
Puddinge, Süßigkeiten, Hauptsächlich süße Getränke, Kaffe (da weiß ich aber nicht ob das auswirkungen auf diabetis hat) und achtet einfach so überhaupt nicht auf sich. Auf ihre unverträglichkeit achtet sie ein wenig weil sie keine Lust hat ständig auf die Toilette zu müssen. Aber die Spätfolgen vom Diabetis sind ihr egal. Sie hat auch weiterbildungen über Diabetis gehabt, aber keine Einsicht.
Sie misst und spritzt nicht mal richtig. Irgendwann halt wenn es ihr einfält oder so, aber nicht dann wenn sie es machen sollte.
Manchmal kommt sie auch am Abend: " Ach, ich hab heute ja noch gar nichts gegessen"
Mit ihr redet hat kein Sinn wegen ihr Sterbens-Haltung.
Wir sind zwar nicht für ihre Erkrankung zuständig aber ich hab sie eigentlich ganz gern und finde es nicht gut das sie ihr Leben einfach wegschmeißt und später bereut heute nichts getan zu haben.
Ich bin auch Raucherin und dürfte eigentlich nicht rauchen, ich weiß also wie schwer es ist die Finger weg zu lassen, versuche es allerdings immer wieder.
Habt ihr also irgendeine Ahnung was man machen könnte um ihr klar zu machen, was sie sich Tag für Tag antut??
Ich würde mich über euren Rat sehr Freuen... :)
Liebe Grüße
Sarah
-
am 09.09.2016 18:26:59 | IP (Hash): 774969514
Hallo Sarah,
ich fürchte, da bist du machtlos - schließlich kannst du sie nicht zum Messen, Spritzen und Essen zwingen. Du kannst nur hoffen, dass sie irgendwann die Kurve kriegt und anfängt, auf sich aufzupassen.
Mir ihrer Haltung ist sie übrigens nicht alleine. Es ist gar nicht so selten, dass Typ1-Diabetiker in diesem Alter ihren Diabetes verdrängen und nichts davon wissen wollen. Beliebt ist z.B. bei jungen Mädchen, kein Insulin zu spritzen um dadurch dünn zu bleiben. Bei den meisten kommt irgendwann die Erkenntnis, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Glücklicherweise bleiben Typ 1er eine ganze Weile länger von Folgeerkrankungen verschont als die 2er, deshalb kommt die Erkenntnis meist auch noch rechtzeitig.
Beste Grüße, Rainer -
am 09.09.2016 19:59:34 | IP (Hash): 661794930
Hallo Rainer, danke für deine Antwort.
Bisher hat immer meine Mutter versucht mit ihr zu reden. Da ich mich heute so intensiv mit dem Thema beschäftigt habe und sie vorhin gebracht hab das sie mal auf die Waage geht, musste ich es jetzt auch mal versuchen. Bin also etwa ne halbe stunde nach ihrem deprimierenden Ergebnis auf der Waage - 70 Kilo, sie ist 1,59 groß - zu ihr gegangen. Ich habe sie gefragt was sie von ihrem Gewicht hält. sie meinte ganz ok. Dann haben wir über das Gewicht gesprochen, dass es überhaupt nicht ok ist und sie gute 10-15 Kilo zu viel wiegt.
Das fand sie schon scheiße. Dann hab ich erst mit dem Diabetis angefangen.
Im Grunde hat sie sich nur Bevormundet gefühlt, obwohl ich nicht ein Wort davon gesagt hab das sie MUSS. Nur was man selbst seinen Körper antun kann, das nur sie sich um ihn kümmern kann und was gesunde Ernärung und wasser trinken für Vorteile hat. Hab sogar gesagt ich würde bei einer Ernährungsumstellung mit machen, schadet meinem Körper ja auch nicht.
Jetzt findet sie mich dreist, auf gut Deutsch gesagt - Scheiße.
Ich glaube ich könnte mit ihr an eine klippe gehen und sagen "Spring, - Geht schneller"
Sorry die Ausdrucksweise, ich bin jetzt nur etwas frustriert... :( -
am 09.09.2016 20:45:18 | IP (Hash): 774969514
Hallo Sarah,
hat sie denn Typ2-Diabetes? Du hast zwar nichts dazu gesagt, ich denke aber eher, dass es sich um eine Typ1-Diabetikerin handelt. Anders als bei Typ 2ern geht es bei den 1ern nicht vordergründig um Abnahme und Abbau von Übergewicht. Bei Typ 1ern geht es viel mehr darum, das Insulin passend zum Essen und zu den anderen Aktivitäten zu spritzen, so dass der BZ einigermaßen gesund verläuft.
Klar ist gesunde Ernährung, nicht Rauchen und allgemein gesund leben auch für sie als Typ1-Diabetikerin sinnvoll, aber eben nicht wichtiger als für dich und jeden anderen in eurem Alter. Ich verstehe, dass du über deinen Misserfolg etwas frustriert bist, aber mit dem Diabetes hat das nicht besonders viel zu tun.
Beste Grüße, Rainer -
Elfe
Rang: Gastam 10.09.2016 01:13:18 | IP (Hash): 2097828581
Hallo Sarah,
daß du dich kümmerst und du deine Pflegeschwester ganz gern hast, ist schon mal die halbe Miete !
Du wirst gleichaltrig einen ganz anderen Zugang zu ihr finden, als ev. deine Mutter.
Verbote 'du sollst dies nicht und das nicht', würden auch dir nicht gefallen.
Gluten-Unverträglichkeit alleine ist schon schwierig, in Kombination mit Diabetes erst recht.
Wenn man soviel zu beachten hat, kommt dann schon mal so eine Trotz-/Wutreaktion: Scheiß drauf, sterben müssen wir alle.
Die Gefahr ist jedoch, nach und nach durch Spätschäden eigene Freiheiten zu riskieren, bei Diabetes sind das die gefürchteten Sehschäden (Augen) und Nerven (Füße, nicht mehr richtig gehen zu können).
Frage sie doch mal eher, was sie für ihr Leben erträumt, erleben, gestalten, erreichen möchte.
Wenn sie dir dann etwas erzählt, kannst du gegenantworten, daß das doch Ziele sind und sich Ernährungsänderungen durchaus auszahlen. Wäre doch schade, sich das entgehen zu lassen.
Bzgl. Zukunftsplänen könnt ihr beiden euch durchaus als junge Menschen mit Zukunftsplänen auf Augenhöhe gut austauschen.
Die Gluten-Unverträglichkeit ist schon schwierig, Getreide bei der Ernährung meiden zu müssen.
Vielleicht greift sie auch deshalb bei Süßigkeiten und Pudding zu, weil da Gluten nicht drin ist.
Diabetes betreffend ist das nicht ok.
Getränke ohne Zucker als Light/Zero sind da besser (auch Gewichtsmäßig).
Kaffee ist auch o.k., aber nicht mit Zucker, sondern Süßstoff.
Statt Pudding wäre Naturjoghurt oder Quark mit flüssigem Süßstoff aufgerührt (mit frischem Obst) auch eine süße Alternative.
Bei Süßigkeiten wären fetthaltige besser, hört sich doof an (bzgl. Gewicht), aber das Fett verlangsamt die Zuckeraufnahme ins Blut, ist wichtig, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden. Also besser mal Schokolade, als Gummizeugs oder Zuckerbonbons.
Alles auf einmal ist zuviel: Gluten meiden, Diabetesregeln einhalten, Abnehmen, Rauchen aufhören.
Einen Schritt nach dem anderen setzen ist übersichtlicher. Mehr auf Diabetes zu achten, wäre jetzt wichtig.
Daß du dich bei einer 'gesünderen' Ernährung mit beteiligen würdest, ist einfach super !
Liebe Grüße
Elfe
P.S.: Mich betrifft die Kombination Diabetes/Laktose(Milchzucker)-Unverträglichkeit und war damit auch zeitweise überfordert - Gluten-Unverträglichkeit (kein Brot, Nudeln, u.a.m) ist aber ungleich schwieriger!
Allerdings hat sich mittlerweile die Allergen-Kennzeichnungspflicht geändert und müssen nun auf verpackten Lebensmitteln ausgewiesen werden, Gluten wird auch aufgedruckt.
siehe http://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/allergen-kennzeichnung
Bearbeitet von User am 10.09.2016 01:25:43. Grund: . -
am 10.09.2016 10:54:32 | IP (Hash): 661794930
Rainer:
Sie ist Typ 1
Übergewicht ist allgemein nicht gut für den Körper und ist für viele Dinge mit-verantwortlich die auch nichts mit Diabetis zu tun haben müssen und dennoch sind rauchen und übergewicht ein Risikofaktor. Ebenfals sind Rauchen, Übergewicht, Diabetis und wenig Bewegung alles Risikofaktoren ein Raucherbein oder ein Herzinfarkt zu bekommen.
Elfe:
Vielen Dank für deine Antwort!
du hast mich wieder etwas motiviert :)
Ja das sie Ernährungsmäßig viele Einschränkungen hätte hab ich mir gedacht und sie weiß das auch ganz genau und hat mir auch gesagt das sie nicht so viele Einschränkungen haben wil.. aber entschuldigung das ich das so sagen, aber... das ist Bullshit! Ja in der Ernährung wird sie Einschränkungen haben - wenn sie länger leben möchte und schluss endlich nicht vorher erst leiden will.
Aber es es ist im Grunde NUR die Ernährung. Wenn die Spätfolgen erst eintreffen DANN hat sie erst richtge Einschränkungen! Und es macht mich ehrlich gesagt auch etwas sauer, weil es wirklich Menschen gibt die es in unseren alter meist schon richtig schwer haben und mit wirklich schweren Einschränkungen Leben müssen. Ich habe mal in einer Jugendreha gearbeiten, also von Geistig bis Körperlich schwer behinderten Menschen. Allerdings wird sie in ein paar Tagen dort selbst anfangen und ich hoffe sehr das ihr da einiges klar wird - dafür müsste sie aber in die richtigen Abteilungen kommen... Aber ich bin mir da nicht so sicher, weil sie wirlkich schwierig ist, was die Lebenseinstellung angeht..
Das sind alles echt super Tipps!! Und ich würde mich auch so gerne mit ihr zusammen setzen und heraussuchen was wir trotzdem alles leckeres zu Essen für sie machen können. Aber sie will ja nicht.
Sie sieht nur haja meine Werte sind ja ganz ok und futter und futter und spritzt wieder dagegen an.
Und sie misst ja nunmal auch nicht dann wenn sie es tun sollte.
Ich hab ihr auch versucht zu erklären, das sie mit der Ernährungsumstellung ihr Diabetis so gut viel heilen kann, dass es darum geht, dass sie dann nicht mehr so viel spritzen müsste.
Aber auch da meint sie nur, "Mein Körper braucht das Insulin!" rum erklärt und diskutiert. wieder keine Einsicht.
Ja dass das viel wäre ist natürlich klar, das würde ich auch nicht von ihr verlangen. Allein das rauchen ist ja schon schwer, da bin ja selbst ich noch am kämpfen. Ich wäre mit der Ernährungsumstellung schon völlg zufrieden, vorallem denke ich auch, das sie allein durch die Ernährung ihren Diabetis in den Griff bekommen würde und automatisch auch abnehmen würde. Das mit dem Rauchen kann man immernoch machen. Es wüde auch gar nichts bringen zuerst mit dem rauchen aufzuhören, da sie dann noch mehr ungesundes essen würde und dadurch noch mehr zunehmen würde und ihren Körper noch mehr schädigen würde.
Ich werde es heute nocheinmal versuchen, wenn sie dann immernoch die Haltung hat, werde ich sie denke ich damit in Ruhe lassen. Ich würde mich nur ärgern und ihr wäre es eh egal.
Vielleicht kommt sie irgendwann ja doch zu mir und fragt mich um Rat, wenn es bis dahin nicht zu spät ist....
Vielen Dank
und Liebe Grüße
Sarah :)
-
am 10.09.2016 11:48:08 | IP (Hash): 1931611411
"Ich hab ihr auch versucht zu erklären, das sie mit der Ernährungsumstellung ihr Diabetis so gut viel heilen kann, dass es darum geht, dass sie dann nicht mehr so viel spritzen müsste."
Mit diesem Satz hättest Du so gut wie jeden Typ 1 Diabetiker auf die Palme gebracht... Typ 1 Diabetes ist nicht durch Ernährungsumstellung heilbar, oder so gut wie heilbar!!! Das ist dass typische "meine Oma hat ihre Ernährung umgestellt und braucht fast keine Medikamente mehr... Probier das doch auch mal..."
Dass sie danach keine Lust mehr hatte, weiter mit dir zu diskutieren, kann ich total verstehen.
Deine Bemühungen, sie davon zu überzeugen, abzunehmen, das Rauchen zu lassen und sich um ihren Diabetes zu kümmern, finde ich toll.
Aber, sich um einen Typ 1 Diabetes zu kümmern, bedeutet messen und bedarfsgerecht zu spritzen. Die Diabetes-Folgeerkrankungen kommen nicht vom falschen Essen, sondern vom falschen Umgang (nicht messen und deshalb falsch spritzen) damit.
Bearbeitet von User am 10.09.2016 11:51:47. Grund: .2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 10.09.2016 12:03:32 | IP (Hash): 2004616154
Kurz gefasst:
Voll ins Klo gegriffen!
Typ 1 = überhaupt gar keine Heilung
+ massig andere Probleme...
Du hilfst am Besten wenn Du nicht die Probleme beleuchtest.
Macht zusammen lustige Sachen, Party, Kino... und evtl. geimsam Blutzucker-Tagebuch führen.
Könnte ne Freundschaft fürs Leben werden.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 10.09.2016 12:14:34 | IP (Hash): 661794930
Hallo Heike :)
Ja wenn ich das so lesen kann das gut sein. Mir ist natürlich bewusst das Diabetik nicht mal eben helbar ist.
Aber wenn sie ihre Ernährung umstellt und nicht mehr so extrem viel Zucker zu sich nehmen würde, müsste sie ja nun nicht mehr so viel gegen an spritzen und ich denke es ist immer besser wenn man etwas von außen nicht mehr benötigt bzw verringer kann, da das Insulin von außen nunmal nicht Natürlich ist oder habe ich da was falsch verstanden?
-
am 10.09.2016 12:29:02 | IP (Hash): 661794930
Typ-Einser:
Das ist alles ein wenig komplizierter.
Wie gesagt wir sind ja eigentlich gar nicht für ihren Diabetis zuständig.
Meine Mutter sagt schon immer: " lass sie einfach ins Verderben rennen, wenn jemand nicht will kann man nichts machen"
Wie gesagt, sie kommt aus schwierigen Verhältnis. Dazu ist sie weder Schul- oder Arbeitsfähig noch kann sie sich um sich selbst kümmern. Sie darf derzeitig auch kein Führerschein machen.
Alles Ärztlich abgeklärt.
Sie soll bei uns nur lernen, den Haushalt zu schmeißen, mit Geldumgehen evt. kochen lernen und das alles eben. Und wie es in einer "normalen" Familie ist zu leben.
Meine Mutter ist der Meinung sie ist auf dem stand einer 15 jährigen.
Gut, ich hab eine etwas andere Sicht auf sie, da sie sich mir etwas mehr öffnet als meiner Mutter, deshalb hab ich gestern auch versucht etwas Vorsichtiger zu sein, aber ganz unrecht hat sie trotzdem nicht.
Die GesaMTSituation, ihre Gesundheit, ihre Einstellung - alles nicht ganz leicht...
Aber wie sagt meine Mutter: "Sie ist ja nicht wegen Plattfüßen hier."