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Sind wir T2er schuld an unserem Diabetes?

  • Rainer

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 11:17:24
    Uns T2-Diabetiker wird immer wieder vorgeworfen, dass die Krankheit eine Folge von Gefräßigkeit und Faulheit, also selbstverschuldet ist. Ist das wirklich wahr? Was spricht dafür und was sind die Fakten?

    Fakt ist, dass die Mehrzahl der T2-Diabetiker, ca. 85% übergewichtig sind. Fakt ist, dass das Übergewicht in der Regel schon besteht, wenn die Krankheit diagnostiziert wird. Aus diesen mageren Fakten haben die Mediziner eindeutig das Übergewicht als Auslöser für den Diabetes festgemacht. Sie suchen nach direkten Wirkmechanismen von Fettzellen auf den BZ und die Insulinregulierung, aber so sehr viel gibt es da nicht zu finden.

    Fakt ist auch, dass eine große Anzahl von Übergewichtigen keinen Diabetes entwickeln. Warum können die sich den Bauch vollschlagen und bekommen sogar noch mehr Beta-Zellen für höhere Insulinausschüttung?

    Aus den vorliegenden Fakten lässt sich genauso gut die folgende These entwickeln - ÜBERGERWICHT und DIABETES sind gemeinsame Symptome ein und derselben Stoffwechselerkrankung, wobei das Symptom Übergewicht meist schon lange vor einem diagnostizierten Diabetes sichtbar wird. Das ist nicht meine These, aber ich halte sie für stimmig und habe sie mir deshalb angeeignet.

    Zugegeben, auch wenn einiges für diese These spricht, ist sie genauso unbewiesen wie die Schuld-These der Mediziner. Es ist fast eine Diskussion darüber, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei. Wir Diabetiker sollte aber diese These vehement vertreten, damit die Mediziner überhaupt erst mal anfangen nachzudenken. Kommt mir ja nicht mit dem Spruch, so viele Fachleute können sich doch nicht irren. Ich verweise nur auf einen der lustigsten Irrtümer aus der jüngeren Vergangenheit, dem angeblich so hohen Eisengehalt von Spinat. Dieser Irrtum konnte sich einzig dadurch etablieren, dass er unzählige Male zitiert wurde und einfach stimmen musste. Keiner hat es nachgemessen und keiner hat es hinterfragt. Verhält es sich mit der diabetischen Schuldfrage wirklich so viel anders?

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden und fordere jeden T2-Diabetiker dringend auf, gegen sein Übergewicht anzukämpfen und sich viel zu bewegen. Soviel ist klar, damit kann ein Ausbruch des Diabetes verzögert und seine Auswirkung erheblich gemildert werden. Aber als Beweis für die Schuldfrage lässt sich auch das nicht heranziehen.

    P.S.: Einen kleinen Beweis kann diese Studie www.pnas.org/content/104/31/12587.full vielleicht doch liefern. Sie zeigt auf, wie sich bei normalgewichtigen Jugendlichen aus einer IR der Muskelzellen Adipositas entwickeln kann. Was die IR zur Entwicklung des Diabetes beiträgt, ist ja bestens bekannt.

    Rainer
  • Erich

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 12:04:50
    Hi Rainer!

    Bin selber kein T2, sehe aber das mit dem Übergewicht, als Ursache für den T 2, als falsch an. Denke Übergewicht ist eine Folge des Typ 2, besser gesagt von beginnender Insulinresistenz und dem damit beginnenden Hyperinsulinismus.

    Wenn man sich mal Menschen anschaut, die bereits einen leicht gestörten Glucosestoffwechsel aufweisen, wird man schnell erkennen, dass diese oftmals gar nicht übergewichtig sind, bzw. augenscheinlich zumindest noch unter normalgewichtig fallen.

    Ändern die nichts an ihrem Futter/Bewegungsverhalten, kommt es zu dem als gefährlich eingestuftem, bauchbetontem Übergewicht. Die Glusoseintoleranz steigt und damit auch die Insulinproduktion. Und mehr Insulin, heißt auch mehr Pfunde auf den Hüften.

    Ist also die klassische Insulinmast, die bereits ihr Unwesen treibt, lange bevor der Typ 2 DM fachoffiziell diagnosereif ist.

    Ist übrigens auch schön bei Typ 1 Diabetikern mit der Veranlagung zum Typ 2 zu beobachten. Bei entsprechender Lebensweise, werden diese zunehmend Insulinresistent und der Insulinbedarf steigt deutlich an. Und mit den steigenden Faktoren, klettert auch das Übergewicht. Letztendlich haben die dann Typ 1 und Typ 2, nur das die Betazellen sich nicht mehr erschöpfen können, da sie ja bereits durch den T 1 zerstört wurden.

    Dabei spielt natürlich auch die Genetik eine gewisse Rolle mit, für die sicher keiner was kann. Für das, was jeder isst und wie viel er sich bewegt, allerdings schon.

    Die Veranlagung für einen Typ 2 kann man keinem in die Schuhe schieben. Die Entwicklung des Typ 2, ist meiner Meinung nach jeder selber schuld.


    Gruß, Erich
  • Tom

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 12:33:03
    Ich hatte Idealgewicht, als man bei mir Diabetes feststellte. Genetische Veranlagung in der Familie ist vorhanden, meine Mutter und meine Urgroßomi hatten DM Typ 2. Meine Oma aber nicht. Auch meine Mutter ist schlank.

    Als man DM diagnostizierte, sagte man, Insulin sei ausreichend vorhanden, es käme aber nicht aus dem Knick, wäre also viel zu langsam. Ich musste sofort Insulin spritzen. Damit begann eine krasse Gewichtszunahme, die ohne Insulin unter BYetta wieder genauso krass verschwand.
    Ich weiß keine Ursache für MEINEN DM, teile aber die Ansicht nicht, dass man eine Schuld dafür trägt, wenn DM ausbricht. Oder ich habe MEINE Schuld noch nicht erkannt., lass mich gern überzeugen.
    von Tom
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 13:21:00
    Jeder Typ2 hat u.a. von der gesund 2phasigen Insulinantwort auf jeden neuen Glukose-Input nur noch die 2. Phase. Dadurch steigt der BZ nach jedem Glukose-Input erst immer krankhaft hoch an und fällt anschließend hypomäßig ab, so lange noch genug Insulin ausgegeben werden kann. Der krankhaft hohe BZ-Anstie schädigt jedesmal die verbliebenen Beta-Zellen (Glukotoxizität, ab etwa 140 mg/dl aufwärts). Bei Überschreiten der Diagnose-Schwellen hat der dann neu ernannte Typ2 noch etwa 50-20% seiner gesunden Beta-Zell-Masse.

    Was daran sollte durch zu viel Gewicht verursacht werden?

    Dicke Menschen ohne den Typ2-Sekretionsdefekt haben mehr Beta-Zell-Masse, als ihre schlanken gesunden Altersgenossen. Da hat sich das Organ dem Mehrbedarf durch das Mehrgewicht angepasst, und genau so gilt das auch für die viel bemühte Insulinresistenz. Auch dafür passt sich der gesunde Pankreas an und gibt einfach entsprechend mehr Insulin aus, ohne dass der BZ-Verlauf dafür auch nur den kleinsten ungesunden Knick machen müsste!

    Der Defekt ist wissenschaftlich bisher in keiner Weise mit Anfressen oder Ansitzen in Verbindung gebracht worden, aber es stimmt: Als Betroffene können wir den rechtzeitig mit gezieltem Essen und Bewegen so gesund ausgleichen, dass wir vielleicht nie auf Diagnose Diabetes vorrücken müssen - unter folgenden Vorausstzungen:
    1. die Betroffenen werden schon dann informiert und auf die Notwendigkeit zu handeln aufmerksam gemacht, wenn bei einer Blutuntersuchung erst leicht über gesund erhöhte BZs gemessen werden (statt des heute üblichen "das bisschen Zucker ist noch lange kein Diabetes")
    2. die Betroffenen werden angeleitet, ihren BZ zu messen, vor allem den Verlauf nach dem Essen, und den mit ihrer Futterauswahl so einzurichten, dass er zuverlässig unter 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Input bleibt.
    3. die Betroffenen werden angeleitet, ihre oft schon täglich vorhandene Bewegung in die Zeiten zu verlegen, zu denen sie den BZ senkt und nicht etwa erhöht.

    Für 1-3 kann an erster Stelle nur der Hausarzt zuständig sein. Da ich bis heute von keinem einzigen Arzt in D gehört oder gelesen habe, der auch nur einen der 3 Punkte mit einem seiner Patienten umgesetzt hätte, sehe ich die Schuld für die Misere und für die immer mehr Typ2-Erkrankungen und damit die dringende Aufgabe zu handeln in allererster Linie bei der Medizin! von Jürgen
  • Tom

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 13:33:40
    Find ich gut geschrieben, Jürgen.
    Und ich gebe die Schuld für eine ewig nervende Klischeebedienung den Medien, die immer wieder solche Klischees mit ihren unsäglichen Talksshows oder durch blööde Diät-Werbung in den Printmedien bedienen. von Tom
  • Michael

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 14:02:32
    Jeder Typ2 hat u.a. von der gesund 2phasigen Insulinantwort auf jeden neuen Glukose-Input nur noch die 2. Phase

    und was macht die erste Phase??

    Dann kann es auch sein dass Typ 2 durch Stress ausgelöst wird oder ga durch Bakterien und Viren?

    Dann ist mir einiges klar warum ich in den letzten Monaten 15 Kilo zugenommen habe von Michael
  • Michael

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 14:12:34
    @ Rainer

    die studio sagt also dass man erst ne Insulinresistenz hat und dann fett wird? von Michael
  • Grünkohl

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 14:19:09
    Hohoho, ihr Pseudowissenschaftler, da habt ihr
    ja wieder schön Ausreden gefunden. Sicher sind
    nicht alle Typ2 übergewichtig und nicht alle Dicken
    werden Typ2, das liegt sicher auch noch an
    anderen Dingen (Genetik, Umwelteinflüsse usw.)
    Aber mit Sicherheit wird es genug Übergewichtige
    geben, die durch falsche Ernährung, mangelnde
    Bewegung und Ignoranz ihr "Scherflein" zum Typ2
    beigetragen haben. Bei einer Krankheit von Schuld
    zu reden, finde ich daneben (siehe AIDS). Jahr-
    zehnte lang (selbst heute noch) wurde Blödsinn
    über den DM Typ1 verbreitet und keinen hat's
    interessiert - nun sind die 2er %ual führend und
    es wiederholt sich, aber sofort brüllen alle
    "Zeter und Mordio". Wie schreibt ihr immer so
    schön: "Ignoriert die Dummschwätzer, dann lassen
    sie es von selbst...." Scheint aber nicht zu klappen,
    oder? Vielleicht passt aber auch:"Getroffene Hunde bellen" ?
  • Michael

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 14:23:19
    ja aber wenn man sich HIV einfängt hat man wohl wirklich selbst schuld oder?

    Was wurde denn über Typ 1 jahrelang falsch gesagt?

    Weil beityp 1 ist ja auch fast klar dass man ihn durch Bakterien und Viren bekommt die man sich irgendwo einfängt

    warum nicht also auch bei Typ 2? von Michael
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 04.12.2008 14:25:28
    Moin Tom,

    wenn die User mehr Info wollten, würden die Medien sie auch liefern. Auch da, wo ich mal nicht langstielig bin und nur kurz und knapp den Typ2 in seinen wichtigsten Punkten darstelle - einer davon hier oben - wird mir die Zusammenfassung in einem kurzen und prägnanten Satz nahe gelegt. Fass nur die letzten 3 Punkte in einem kurzen Satz zusammen, und Du hast die Betroffenen, die durch Essen und Bewegen ihren BZ gesund steuern können, bei essen selbstverständlich "gesund" und bei Bewegen selbstverständlich "mehr", oder?

    Bisdann, Jürgen