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Ist eine Tabletteneinahme angezeigt?
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Manfred
Rang: Gastam 28.10.2008 09:12:52
Hallo liebe Leidensgenossen.
Bei einem Blutzuckertagesprofil beim Arzt waren meine Zuckerwerte einmal deutlich über 200.
Meine Langzeitblutwerte liegen bei 6,6.
Mein Arzt ist nun der Meinung ich solle Tabletten nehmen und hat sie mir auch verschrieben. Er hat mir ein Blutzuckermessgerät gegeben. Genommen habe ich noch keine, weil ich erst mal sehen wollte, ob die Werte weiter oben bleiben, wenn ich mich bewußter ernähre.
Meine Messungen liegen in den letzten Tagen bei folgenden Werten: 1. Reihe nüchtern, 2. Reihe nach dem Frühstück und folgende (jeweils ca. 1,5 Std danach) 3. Reihe Mittagessen und 4. Reihe nach dem Abendessen.
123 115 136 181
114 - 140 -
112 123 123 139
105 105 170 175
108 85 148 135
123 123 130 124
heute morgen
110 149
In einer Diabetikerzeitschrift habe ich gelesen, dass eine Therapie erst ab einem Langzeitprofil von 7.0 angezeigt wäre.
Ich muß noch anmerken, dass ich mich seit der Mitteilung meines Arztes bewußt ernähre. Vorher dem Arztbesuch habe ich schon mal "gesündigt" und süßes gegessen, damit ist Schluß.
Ich bin schlank und bewege mich ausreichend.
Nun meine Frage: Sind die obigen Werte so, dass eine Tabletteneinnahme anzuraten ist?
Mein Arzt meint, meine Bauchspeicheldrüse würde zuwenig Insulin produzieren.
Da ich nun etwas unsicher bin, bin ich für Eure Antworten dankbar.
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Jürgen
Rang: Gastam 28.10.2008 09:36:25
Die wichtigsten Treibmittel für den Blutzucker sind neben Zucker und Frucktzucker alle Lebensmittel, die Stärke enthalten, denn die ist verdauungstechnisch nichts anderes als Zucker. Mit der passenden Portionierung von Brot und Nudeln und Kartoffeln und Reis kann man den Anstieg des Blutzuckers schon deutlich begrenzen.
Den stoffwechselgesunden Rahmen kann man z.B. in dieser Grafik http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php sehr schön sehen. Dabei zeigt die obere blaue Kurve den guten gesunden Durchschnitt, während die braune darüber schon die Grenze zum Prädiabetes überschreitet und die braune darunter auch manchem völlig stoffwechselgesunden Menschen zeitweise schon Hypogefühle machen kann.
Ob Tabletten deine verbliebenen Inselzellen noch zur Ausgabe von ausreichend Insulin für einen gesunden Blutzucker-Verlauf antreiben können, kann nur ein Versuch zeigen. Aber wenn Du schlank bist, spricht der äußere Anschein schon dagegen, und ich würde Dir zum Besuch beim Diabetologen raten. von Jürgen -
Thomas
Rang: Gastam 28.10.2008 10:32:49
Danke für die Information.
Ich bin absoluter Neuling auf dem Gebiet und bitte um Nachsicht, wenn meine Fragen etwas naiv klingen.
Mein Hausarzt hat sich nach seiner Mitteilung auf Diabetes spezialisiert .
Frage: Wie läuft so ein Test ab und gibt es spezielle Diabetologen, oder ist das das was mein Hausarzt angibt zu sein?
Nach meiner Kenntnis bewirken die Tabletten eine erhöhte Insulinprodukiton der Bauchspeicheldrüse.
Nach einer Tabletteneinnahme von 5 bis 10 Jahren sollen die Langenhansschen Inseln "ausgebrannt" sein und überhaupt kein Insulin mehr produzieren.
Ich hab halt die Hoffnung dass mit radikaler Umstellung meiner Essgewohnheiten ein Blutzuckerspiegel erreicht werden kann, der noch unter "normal" fällt. Was meint Ihr zu meiner Überlegung?
Ich meine, wenn der Langzeitwert wieder sinkt (hoffentlich) sollte es schon noch gehen, oder?
Danke für Eure Antworten!
Gruß Thomas
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Jürgen
Rang: Gastam 28.10.2008 11:10:49
Moin Thomas,
was bei Dir in welchem Umfang funktioniert, kann aus der Ferne niemand sagen.
Wenn Du mit solchen Tabletten eine längere Perspektive hättest, würde ich an Deinem Dok zweifeln, weil sich dann Dein jetztiger Zustand über mehrere Jahre von ihm völlig unbemerkt entwickelt hätte - es sei denn, Du hättest seit 5 Jahren gerade erst wieder mal die erste Blutprobe bei ihm gelassen.
Wenn sich Dein Blutzucker erst im Rahmen des letzten Jahres vom unauffällig gesunden zum diabetischen gewandelt hat, hast Du mit diesen Tabletten wahrscheinlich nicht mehr als ein halbes Jahr, und damit hätte ich dann auch wieder Zweifel an Deinem Dok. Aber das wären MEINE Zweifel.
Mit einer wie auch immer gearteten im Ergebnis sehr guten Behandlung bewegt sich Dein Blutzucker mehr als 12 Stunden zwischen 100 und 80 mit Tendenz zu 80 und nach dem Essen zu keiner Zeit über 140.
Das würde unter 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Essen bedeuten. Mit einer guten wird der Bewegungsrahmen für den Blutzucker insgesamt um 20 mg/dl weiter.
An Deiner Stelle würde ich mal 14 Tage probieren, die gute allein mit meiner Futterauswahl hin zu kriegen. Dazu noch ein Tipp, der funktioniert, wenn Du diese Möglichkeit noch hast: Wenn Du 1 Stunde nach einem Essen z.B. 180 misst, solltest Du am nächsten Tag direkt nach dem selben Essen eine halbe Stunde Bewegung ansetzen und danach nur noch deutlich weniger als 140 messen können.
Daumendrück, Jürgen -
Anaonym
Rang: Gastam 28.10.2008 11:31:15
Hallo Jürgen,
mein Arzt hat das schon vor 5 Jahren festgestellt, aber ich habe das dann ignoriert....was ich gemacht habe ist, ich fahre seither jeden Tag Fahrrad . Morgens und abends ca. 1 Std zur Arbeit und zurück, habe auch 12 kg abenommen.
Dachte, damit ist der Blutzucker erledigt...
Heute morgen war der Test also nach dem Fahrradfahren.
Aber den Mist krieg ich wohl nicht mehr los...
Gruß Thomas
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Jürgen
Rang: Gastam 28.10.2008 12:43:49
Moin Thomas,
dann musst Du den Schwarzen Peter schon behalten, auch wenn Du ihn nicht ganz zu vertreten hast. Denn die Idee, dass Diabetes von zu viel Gewicht und zu wenig Bewegung käme, ist zwar ein verbreiteter schwachsinniger Mythos, der aber selbst unter Ärzten gerne genommen wird.
Wo Du allerdings jetzt schon mal dabei bist, würde ich nun an Deiner Stelle Nagel mit Kopf versuchen. Denn gerade im Hinblick auf Deine längeren Radwege ist die recht unspezifische Tablettenwirkung suboptimal. Man kann schlecht absehen, für welche Zeit nach dem Einwerfen die Dinger den Blutzucker in welchem Maße senken. Denn das hängt ja nicht nur von den Tabletten ab, sondern auch von der jeweiligen Laune Deiner Inselzellen.
Deswegen würde ich statt der Tabletten Insulin nehmen wollen, zumal Du ja nach der Ansicht Deines Doks früher oder später eh dazu über gehen musst. Dann macht das sofort vor allem auch deswegen mehr Sinn, weil Du dir damit die Rest-Funktion Deiner eigenen Insulinproduktion und ihre bequeme Pufferfunktion länger erhältst. Damit hast Du nämlich beim Dosieren fürs Spritzen einen deutlich größeren Spielraum, weil eben bei etwas zu wenig Deine eigene Produktion dazu gibt und bei etwas zu viel Deine eigene Produktion ganz auf Null fährt.
Was immer Du machst, Du kennst den gesunden Blutzuckerrahmen. Und wenn Du noch 10 und mehr Jahre unbeschwert von diabetischen Folgen erleben willst, lass Dir einfach keine größeren Abweichungen davon verschwätzen.
Daumendrück, Jürgen
Wenn Du's zuerst mit den Tabletten versuchen willst, beobachte einfach in Halbstundenschritten nach dem Schlucken Deinen Blutzucker.
Beispiel: Du schluckst bei 140, misst 30 Min weiter 140, 30 Minuten weiter 110, isst 1/2 Scheibe Brot, misst 30 Minuten weiter 110, isst noch 1/2 Scheibe Brot, misst 30 Minuten weiter 110, isst noch 1/2 Scheibe Brot, misst 30 Min weiter 140, misst 60 Minuten weiter 100, isst 1/2 Scheibe Brot, misst 60 Minuten weiter 100, isst nicht und misst 30 Minuten weiter wieder 100, dann ist die Wirkung zuende und Du hast mit Deinem Essen den Wirkverlauf praktisch abgebildet.
Wenn einer Deiner langen Radwege in die Wirkzeit fällt, kann passieren, dass Du doppelt so viel Brot essen musst, damit Du nicht auf 50 mg/dl zu weiche Knie entwickelst. -
Anaoymus
Rang: Gastam 28.10.2008 14:53:29
Hallo Jürgen,
danke für Deine Antwort. Ich werde meinen Zucker noch eine Woche ohne Tabletten beobachten und Deine Ratschläge mit dem Arzt besprechen.
Gruß Thomas -
Rainer
Rang: Gastam 28.10.2008 15:49:18
Hallo Thomas,
ich war in einer ähnlichen Situation wie du: Diabetes 2002 diagnostiziert mit NBZ 120 und OGTT-2h-Wert 250. Ich habe 6 Jahre ohne Tabletten alles mögliche probiert (von A kupunktur bis Z ink) und habe es wenigstens geschafft, dass in der Zeit keine große Verschlechterung aufgetreten ist.
Ab diesem Frühjahr habe ich low-carb für mich entdeckt und meine Ernährung konsequent auf den BZ-Verlauf umgestellt. Meine wichtigsten Tipps waren:
1. Buch und Internetseite www.bloodsugar101.com,
2. Jürgens Empfehlung 140/120/100 nach 1/2/3h.
Mit der Ernährungsumstellung und Unterstützung durch eine kleine Dosis Metformin (die Reihenfolge ist mir sehr wichtig) habe ich heute NBZ 85, BZ-Verläufe unter 140 und keine Angst mehr, dass sich der Diabetes mit der Zeit verschlimmern könnte. Meinen Speiseplan konnte ich auch wieder so gestalten, dass mir das Essen Spaß macht.
Ich glaube nicht, dass du den Weg mit deinem Doc besprechen kannst. Probiere es einfach aus und rede mit ihm über die Ergebnisse. Wenn du noch mehr Tipps benötigst, dann schicke mir einfach eine Mail.
Viel Erfolg, Rainer
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Rainer.
Rang: Gastam 28.10.2008 17:42:37
Noch etwas war für mich sehr wichtig und das kam auch von Jürgen:
- die fehlende Phase 1 der Insulinausschüttung.
Mit dieser Info kann man die BZ-Verläufe erst richtig verstehen und kann viel besser damit umgehen. Eigentlich gehört das an den Anfang von jedem Diabetes-Buch, aber die geben leider meistens nur gute Ratschläge zum Abnehmen und Bewegen.
Rainer von Rainer. -
Franziska
Rang: Gastam 30.10.2008 17:15:33
Hi,
wenn schon Tabletten, würde ich auf Sulfonylharnstoff verzichten wollen, aber es mit Sitagliptin probieren. Das ist zwar nur in Kombi mit Metformin zugelassen, evtl. aber auch als offlable in Mono, wenn der Arzt seine Therapiefreiheit nutzt.
Sitagliptin macht keine Hypos und auch sonst so gut wie keine NW, es steht sogar im Verdacht, die Funktion der Betazellen auf Dauer wieder zu verbessern.
Ich nehme es auch, bei mir hat sich eindeutig die Frühphase nach dem Essen verbessert, auch die Nüchtern-BZ sind gesunken. Ich vertrage es sehr gut.
Wenn Du privat versichert bist, dürfte die Verschreibung von Sitagliptin unprpblematisch sein, wenn nicht, entscheidet Deine Verhandlungskunst, ob Du es bekommst...
Zum Metformin: Ist auch nicht unbedingt das Schlechteste, auf jeden Fall besser als SH, wenn man es verträgt und es senkr auch ganz gut die Nüchternwerte, da es u.a. die Gluconeogenese hemmt und die Resistenz verbessert.
Und das ganze kombinieren mit Low Carb bzw. Slow Carb.
von Franziska