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Gestörte Glukosetoleranz

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    am 09.03.2019 22:08:28 | IP (Hash): 422697666
    Auf seinem Weg durch den Körper liefert das Blut bei jeder Zelle ab, was sie braucht, u.a. auch Glukose. Und wenn das Blut dann auf dem Rückweg durch die Leber kommt, lädt die von allem wieder bis auf den Sollstand auf, also auch Glukose und Insulin.
    Wenn dieser Prozess gestört wird, z.B. durch mehr Cortison, wird mehr Glukose und mehr Insulin in den Umlauf gegeben, als im Umlauf zuvor von den Zellen abgenommen wurde und nun für das Nachladen bis auf den Sollwert gebraucht wird.

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    Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)
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    am 10.03.2019 08:37:36 | IP (Hash): 700457063
    Kirschen schrieb:
    Also meine Frage ist, gibt es irgendwas, mit dem man die Aufnahme des Zuckers aus dem Blut ins Gewebe verbessern kann? Das scheint mir ja mein Hauptproblem zu sein. Die genannten Ernährungstechniken dienen ja so wie ich es verstanden habe, dazu, dass der BZ nicht so stark ansteigt. Aber kann man auch den umgekehrten Effekt verbessern, dass der BZ schneller ins Zielgewebe kommt?

    Hallo Lupinchen,

    die Insulinresistenz ist nur ein Teil der Erklärung. Damit kannst du erklären, dass der BZ zu hoch ansteigt. zu hohen BZ erklären. Und nein, gegen Insulinresistenz gibt es keine Medikamente. Die lässt sich nur durch geeignete Ernährung und regelmäßige Bewegung ein wenig abbauen. Da bei dir vermutlich das Kortison die Ursache ist, sind deine Möglichkeiten sehr begrenzt, die Insulinresistenz zurück zu drehen.

    Mit zu hohem BZ kannst du aber noch nicht die unangenehmen Unterzuckerungsgefühle erklären, die dich 2...3 Stunden nach jedem Frühstück plagen. Dafür braucht es niedrigen BZ und der tritt bei dir offensichtlich 2...3 Stunden nach manchen Mahlzeiten auf. Ursache dafür ist vermutlich eine verspätete und dann überschießende Insulinantwort auf den hohen BZ. Du kannst dir unter dem Begriff "alimentäre Hypoglykämie" (oder alt und überholt: "reaktive Hypoglykämie") Informationen dazu raussuchen.

    Wenn das bei dir die Ursache ist, dann wäre die geeignete Gegenmaßnahme, den BZ nicht erst hoch ansteigen zu lassen und dafür hast du oben mehrere Vorschläge erhalten, die du ausprobieren kannst. Wenn bei dir etwas davon hilft, dann hast du dein Problem gelöst, ganz egal ob meine Vermutung richtig ist oder nicht. Falls nicht, dann musst du weiter nach einer Lösung suchen und kannst darauf hoffen, dass es aufhört, wenn du kein Kortison mehr nehmen musst.

    Alles Gute, Rainer

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    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 10.03.2019 08:38:14. Grund: .
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    am 10.03.2019 12:23:11 | IP (Hash): 1343920886
    Hallo Rainer,

    ganz lieben Dank für Deinen Beitrag.

    Es ist bei mir definitiv so, dass die Unterzuckerungssymptome vormittags DIREKT nach den Mahlzeiten auftreten, nicht erst nach 2-3 Stunden. Heute z. B. habe ich um 10.15 Uhr gefrühstückt und danach begann eine extreme Zitterigkeit, Kaltschweißigkeit und Muskelschwäche. Also es ist gefühlt so, dass die extreme Zitterigkeit und Kaltschweißigkeit erst NACH der Nahrungsaufnahme richtig anfängt. Ca. gegen 11.00 Uhr ließen die Symptome langsam nach. Gegenwärtig deutlich besser. Da oft auch Schwindel und Benommenheit dabei ist, ist das Ganze wirklich sehr unangenehm.

    Bei den Messungen in den letzten Tagen war der BZ 1 h nach dem Frühstück z. B. 155 oder 179.
    BZ-Messung heute 11.15 Uhr exakt 1 h nach dem Essen: 103. Werde morgen 1/2 h nach dem Frühstück messen, um herauszufinden, wie der BZ derzeit in dieser Extremsymptomatikphase ist.
    Um 11.45 Uhr habe ich wegen Hunger die 3/4 Banane gegessen, BZ 12.15 Uhr 124. Keine Kaltschweißigkeit und Zitterigkeit oder andere Symptome.

    Verrückt.

    Ich esse zum Frühstück seit Jahren immer dasselbe - 1 gr. Stück Emmentaler, Quinoa (heute nur 3 Eßl., kriegte nicht mehr runter) und 1 bis 1 1/2 Banane. Heute 1 1/4 Banane. Da ich Laktose- und Glutenunverträglichkeit habe, ist meine Ernährung ein bisschen ausgetüftelt, klappt aber - ohne das viele Kortison - sehr gut.

    Positiv und überraschend war heute morgen auch:
    Nüchtern-BZ um 7.00 Uhr 98,
    10.00 Uhr vor dem 2. Frühstück 95.

    Liegt es daran, dass ich gestern abend ordentlich Butter aufs Brot getan habe und um 7.00 Uhr Margarine aufs Knäckebrot... Dank Eurer Vorschläge...? Oder seit den letzten BZ-Messungen vor ein paar Tagen die Kortisondosis um 0,5 mg Prednisolon reduzieren konnte...?

    Die Antworten haben mir gezeigt, dass das Geschehen rund um Kortison und BZ sehr komplex ist.

    Hier habe ich etwas gefunden https://de.wikipedia.org/wiki/Insulinresistenz
    Am frühen Vormittag ist die Insulinresistenz am höchsten durch die nächtliche Ausschüttung von Insulinantagonisten (siehe Dawn-Phänomen).
    Cortisol (kann) als einer der Gegenspieler des Insulins dessen Wirksamkeit abschwächen.

    Hier auch: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-182012/nebenwirkung-diabetes/
    Glucocorticoide verschlechtern die Glucosetoleranz, indem sie die Verwertung von Glucose in peripheren Geweben wie der Muskulatur verringern (Tabelle 2). Gleichzeitig greifen sie in den hepatischen Stoffwechsel ein. Glucocorticoide hemmen in der Leber die Wirkung von Insulin und steigern damit die Gluconeogenese (2).
    Ihre Wirkung auf den Glucosestoffwechsel steigt mit zunehmender (peroraler) Dosis und Anwendungsdauer. Bei Prednison, Prednisolon oder Fluocortolon setzt die Insulinresistenz etwa vier Stunden nach der Applikation ein und hält bis zu zehn Stunden an.
    Wird eine Störung des Glucosestoffwechsels entdeckt, wird diese wie bei einem Typ-2-Diabetes behandelt. Die Grundlage bilden Ernährungsumstellung und vermehrte Bewegung. Zusätzlich erhalten die Patienten Metformin, wenn keine Kontraindikationen bestehen. Reicht diese Basistherapie nicht aus, kommen weitere orale AntiDiabetika oder Insulin hinzu.

    2.30 Uhr/3.00 Uhr werden bei mir 10 mg Prednison freigesetzt (nehme Lodotra). Um 7.00 Uhr kommen derzeit knapp 12 mg Prednisolon dazu.
    2.30/3.00 Uhr + 4 + 10 = 16.30/17.00 Uhr
    Das ist etwa die Zeit, ab der ich in den letzten Wochen mehr Hunger bekam und Essen konnte ohne Probleme.

    Hier etwas zu Betablockern:
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-182012/nebenwirkung-diabetes/
    Antihypertonika: Betablocker
    verschlechterte Glucoseverwertung in peripheren Geweben verstärkte Insulinresistenz der Leberzellen, gesteigerte hepatische Gluconeogenese

    Hier steht sogar, dass man bei gestörter Glukosetoleranz Betablocker meiden sollte: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinfarkt/article/431609/erfolg-therapie-gestoerter-glukose-toleranz.html

    Das würde dazu passen, dass die Symptome (Zitterigkeit, Kaltschweißigkeit, Muskelschwäche, Schwindel, Benommenheit am Vormittag) erst nach Beginn der Dauereinnahme des Betablockers richtig schlimm wurden. Den Betablocker nehme ich morgens um 7.00 Uhr.

    Tja. Werde weiter berichten. Danke für Eure Ideen und Anteilnahme!

    Gruß

    Lupilinchen/Kirschen

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    am 10.03.2019 12:38:45 | IP (Hash): 538564232
    In aller Regel haben Unterzuckersymptome ohne Unterzucker oder Abfallen des BZ auf Normalhöhe aus 200 und mehr mg/dl nichts mit Glukose/Zucker zu tun, sondern alles mit irgendwelchen anderen Ursachen, auf die man sich den Blick durch die Fokussierung auf den Zucker verstellt. So macht kurzzeitig absackender Blutdruck praktisch die gleichen Beschwerden. Und vielleicht findest Du zusammen mit Deinen Medis und ohne das Stichwort Blutzucker auch noch weitere Hinweise auf die Möglichkeit solcher Beschwerden? Systematische Selbstbeobachtung ist ja offenbar schon länger Dein Ding. Da wirst Du diesen Unterzucker-Fakes ganz bestimmt noch auf die richtige Spur kommen. Daumendrück :)

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    am 10.03.2019 12:50:16 | IP (Hash): 1343920886
    Ja. Ich habe mich mal auf die Wirkung des Kortisons konzentriert. Denn ohne das viele Kortison hatte ich die Probleme ja nicht. Und da habe ich zwei Hauptaussagen gefunden:

    Glucocorticoide verschlechtern die Glucosetoleranz, indem sie die Verwertung von Glucose in peripheren Geweben wie der Muskulatur verringern (könnte meine Unterzuckersymptome erklären),
    Glucocorticoide hemmen in der Leber die Wirkung von Insulin und steigern damit die Gluconeogenese (könnte meine erhöhten BZ-Werte erklären).
    Dazu kommen die ebensolchen Nebenwirkungen des Betablockers.

    Ich habe übrigens Lupus, wie mein Name schon erahnen lässt, und wenn man bei dieser Krankheit nicht selber nachdenkt, ist man hoffnungslos aufgeschmissen ;-) Weil sich leider auch Ärzte nur in seltenen Fällen damit auskennen...

    Einen schönen Sonntag und danke nochmal für die vielen tollen Beiträge!

    Bearbeitet von User am 10.03.2019 13:05:04. Grund: Inhaltliche Ergänzung
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    am 10.03.2019 13:06:14 | IP (Hash): 538564232
    Kirschen schrieb:
    Glucocorticoide verschlechtern die Glucosetoleranz, indem sie die Verwertung von Glucose in peripheren Geweben wie der Muskulatur verringern (könnte meine Unterzuckersymptome erklären)


    Du meinst, dass in den Zellen dann nicht genug ankommt. Das ist mit der Bezeichnung allerdings nicht gemeint, sondern damit ist gemeint, dass schon mal beobachtet wurde, alledings wenig systematisch, wie die Zielzellen nur halb so viel Glukose wie gesund gespeichert halten. Für ihre volle Funktion ist das immer noch mehr als genug. Also eigentlich ein bisschen sehr irreführend, diese Wortbilder.

    Tatsächlich treten die Beschwerden bei Unterzucker wg der unzulänglichen Versorgung der Schaltzentralen mit Glukose auf, als von Hirn und Nerven, und die brauchen für ihre Glukose-Versorgung alle kein Insulin und für ihren Notdienst auch nur herzlich wenig Glukose. Um 20-30mg/dl reichen dafür locker, wobei dann schon vorübergehend das Licht ausgehen kann.

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    am 10.03.2019 13:14:38 | IP (Hash): 1343920886
    Dazu kann ich sagen: Wenn es extrem ist, ist mir auch schwindelig und benommen. Das sind eindeutig ZNS-Symptome.
    Wenn es etwas abgemildert ist, bin ich nur zittrig, kaltschweißig, Muskelschwäche.

    Über das Gehirn hatte ich auch schon nachgedacht.

    Gruß
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    am 10.03.2019 15:53:22 | IP (Hash): 1594700496
    Habe vor einigen Jahren mal für 2 Wochen 50mg Prednisolon am Tag genommen und dabei eigendlich immer leichte „Hyposymtome“ bei Blutzuckerwerten um die 100mg/dl ohne große Schwankungen gehabt. War aber während der Zeit krankgeschrieben, so dass ich damit ganz gut umgehen konnte.
    Wenn man dann noch bedenkt, dass bei Werte unter 50mg/dl vom Körper auch Cortisol im Rahmen der Gegenregulation ausgeschüttet wird und die Symtome von Kortison so ähnlich waren, würde ich zumindest bei mir davon ausgehen, dass Prednisolon Symtome wie eine Hypo verursacht.
    Bearbeitet von User am 10.03.2019 20:24:21. Grund: Korrektur Prednisolon
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    am 10.03.2019 18:49:33 | IP (Hash): 1343920886
    Ja, interessant. Danke für die Rückmeldung!

    Gruß

    Lupilinchen
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    am 11.03.2019 22:51:18 | IP (Hash): 1343920886
    Wollte berichten - wollte heute während der ersten halben Stunde nach dem Frühstück BZ messen - die Symptome fielen aber aus. Es war keine Zitterigkeit, Kaltschweißigkeit und Muskelschwäche vorhanden. Gestern war die Phase schon kürzer gewesen als in den vorhergehenden Wochen. Liegt es an der Butter/Margarine, die ich jetzt reichlich überall draufschmiere? Dem etwas reduzierten Kortison? Am Fett hatte ich wegen der Kortisondauertherapie wegen mögl. Gewichtszunahme immer gespart und nie Butter oder Margarine verwendet. Auf jeden Fall schon mal positive Entwicklung, Danke nochmal für die Tipps!