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TIR - die neue Blutzucker-Messlatte?
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am 13.04.2019 13:04:09 | IP (Hash): 658874989
@Jürgen
Ich habe gerade mal ein bisschen in der "CGM- und Insulinpumpenfibel" von Thurm und Gehr (erschienen 2013) geblättert - hatte total verdrängt, dass die bei mir rumliegt.
Da wird schon ziemlich weitreichend auf das eingegangen, was du fordert. Also TIR und Analysebeispiele, wenn die Range verlassen wird... aber auch auf Mittelwert, Standardabweichung und Schwankungsverhalten...
Und dann habe ich auch noch "CGM interpretieren" von Thomas, Kolassa, von Sengbusch und Danne (2017) gefunden. Auch da wird beschrieben, wie man mit den CGM-Daten entsprechend umgeht...
Beide Bücher sind im Kirchheim Verlag erschienen und ich vermute, dass die Inhalte auch Einfluss auf das "SPECTRUM" Schulungsprogramm aus dem Kirchheim Verlag hatten...
wobei man da natürlich auch bedenken muss, dass es für den typischen Durchschnittspatienten was bringen muss... da kann man dann nicht zuviel erwarten, fürchte ich.
Ich kenne das SPECTRUM-Programm nicht, da ich als vorherige Selbstzahlerin keine CGM-Schulung machen musste, aber so schlecht ist die Schulungssituation wahrscheinlich gar nicht.
Man muss aber auch an solchen Schulungen teilnehmen (und evtl. auch was dafür bezahlen), oder die Bücher halt selber lesen...
Das gleiche gilt aber auch für die fortgeschrittenen Schulungen für Typ1er:
Da geht es dann nicht mehr um Dinge wie KH-Schätzen, Spritztechniken, Blutzuckermessen und so`n Zeug... sondern um die interessanteren Aspekte - schwierige Lebensmittel, Alkohol, Gummibärchenorgien, Parties, Festivals, Verliebt sein, Sex, Liebeskummer, Stress, Angst, ... und all die anderen Dinge, die das Leben so mitbringt und den Blutzucker durcheinander würfeln können. Das ganze mit dem Ziel, ein Leben ohne große Einschränkungen zu führen. Das sind dann aber auch nicht ein paar 90 Minuten-Termine... Bei mir waren das Veranstaltungen mit 5-6 Stunden an 5 aufeinander folgenden Tagen... die sich aber gelohnt haben :)
Ich vermute mal, dass es sowas auch heute noch gibt...
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Michael74
Rang: Gastam 13.04.2019 14:56:19 | IP (Hash): 626136507
Gut am tir., ist einfach, dass es zur reklasdifizierung des hba1c auch in der Diagnose führt und dies ist ein gutes Zeichen für die fehldiagnose. Einfach ein dickes Danke an die Forscher
Auch wenn sich die Ideen und Vorschläge meinerseits sehr professionell und logisch anhören, ersetzen sie nicht den Gang zum Doktor, um sich dies bestätigen zu lassen; sie dienen nur einer ersten Beratung. -
am 13.04.2019 15:57:54 | IP (Hash): 1934843262
@Heike
Seit gut 40-50 Jahren weiß die Diabetologie um den recht eng begrenzten Range bei gesunden Menschen und seit spätestens Anfang der 90ger Jahre mit den beiden großen Studien zu T1 und T2, dass für’s Vermindern und nach Möglichkeit Vermeiden von Folgeschäden wichtig ist, dem in der alltäglichen Behandlung möglichst viele von 24 Stunden möglichst nahe zu kommen.
Aber der wichtigste Aspekt aller Anleitungen und vor allem Schulungen ist der der Befolgung = Compliance. Alle Diabetologen wissen, dass Messen+Spritzen+Essen das Gelbe vom Ei NUR als Antwort auf die Frage ist: Was machen die meisten Betroffenen in den meisten Fällen?
Für weniger weite postprandiale Schwankungen wäre Messen nach dem Essen sehr viel nützlicher, aber a) wann? und b) wer denkt dann da noch dran? und wer von den Drandenkern richtet sich dann auch noch in ner irgendwann folgenden ähnlichen Situation danach?
Aber der zweitwichtigste Aspekt aller Anleitungen und Schulungen ist das mehr oder weniger gemeinsame Austesten der jeweils persönlich am besten passenden Faktoren. Wenn die Betroffene super mit der Fachkraft mitmacht, kann sie das anschließend auch selber, wenn sich ihre Faktoren z.B. mit der Regel ändern. Wenn der Betroffene gar nicht mitmacht, kann die Einstellung nur vorgegeben werden, und dann muss er sich halt alle paar Wochen bis Monate neu einstellen lassen. Und klar, dass sone Einstellung weit=hoch genug gefasst sein muss, dass der Eingestellte nicht alle paar Tage mit ner fiesen Hypo in der Praxis anruft.
Ok, der Graph vom CGM zeigt mir meinen BZ-Verlauf mit ner Verzögerung von um 10-20 Minuten auf den Fingerpieks-BZ. Und der hat auf die Einverleibung, die ihn gesponsert hat, ne Verzögerung von um ner Stunde bis 2 oder vielleicht sogar 3.
Um die Möglichkeiten dieser tollen fortlaufenden Anzeige voll auszuschöpfen, muss ich also einmal permanent auf dem Schirm haben, was ich wann vorher gespritzt und gegessen habe, und dann muss mir das ja bei der nächsten ähnlichen Gelegenheit sofort schon zum Spritzen einfallen, damit ich da ggf. gleich passender dosieren kann.
Und da haben wir weitere mögliche Einflussgrößen wie Tageszeit und körperliche Aktivität und deren Dauer und Intensität noch gar nicht berücksichtigt.
Persönlich kann ich mich da engagiert reinfuchsen und als Teil meines alltägliches Mindjogging meinen BZ möglichst weitgehend in meinem Range von um 70 bis um 140mg/dl halten. Aber mir ist bis heute kein Konzept dafür eingefallen, wie sich dazu so einfach anleiten ließe, dass das wie Messen+Essen+Spritzen befolgt werden kann und dabei aber zu wesentlich mehr TIR führt.
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;) -
am 13.04.2019 16:24:08 | IP (Hash): 658874989
@Jürgen
Ich glaube diese einfache Anleitung wird es nicht geben...
Und solange viel zu viele Diabetiker alle 3 Monate zum Doc gehen, da ihre Tagebücher abgeben oder ihre Pumpe/CGMS auslesen lassen und sich Therapieänderungen "verordnen" lassen, und damit völlig zufrieden sind, wird der Markt für Schulungen, die mehr in die Tiefe gehen eher klein sein und gute Schulungen finden dann eher selten und nur an größeren Dia-Zentren statt...
Die große Masse ist entweder zu dumm oder hat keine Interesse oder beides...
Im letzten Jahrhundert musste ich übrigens noch regelmäßig Tagesprofile abgeben, die neben dem Nüchternwert, Schlafengeh-Wert und mindestens einem Nachtwert auch den Wert vor und 2 Stunden nach jeder Hauptmahlzeit enthielten. Aber mit einer Beschränkung von 4-6 Teststreifen pro Tag geht sowas natürlich nicht...
Bearbeitet von User am 13.04.2019 16:27:59. Grund: . -
am 13.04.2019 20:12:09 | IP (Hash): 1934843262
Nicht "kein Interesse" an umfassender Info, sondern für den Alltagsgebrauch kein Verständnis mehr für Zusammenhänge, die das Twitter-Format überschreiten. Und das ist rein sachlich ja auch gar nicht (mehr) nötig. Einfaches Beispiel:
Ich führe fortlaufend jeden Tag ausführlich und genau Buch mit 10 Tests oder CGM. Mache ich für 1 Jahr und hab dann so viel Datenmaterial, dass ich dann eigentlich für alle meine Eventualitäten die auf Anhieb super passende Lösung parat HÄTTE, wenn die Datenabteilung in meinem Kopf groß genug wäre, mir in dem Augenblick das Beispiel aufzurufen, wo ich die ähnliche Herausforderung schließlich nach mehrerem Rumprobieren brauchbar gelöst hatte.
Google hat so eine ausreichend große Abteilung. Mit meinen Daten von einem Jahr, also den BZ-Verläufen aus dem gekoppelten CMG und den entsprechenden physischen Bewegungsverläufen vom Bewegungssensor vom Smartphone und meinen Spritzeingaben und den Fotos von allem, was ich gegessen habe, zu den Zeiten, zu denen ich’s gegessen habe, könnte so ein Google-Programm immer sehr genau wenigstens für die nächsten 2 Stunden vorhersagen, wie mein BZ verlaufen wird, und mich so zu einer Zeit auf jede unerwünschte Abweichung von meinem beabsichtigten Rahmen aufmerksam machen, zu der ich die noch verhindern könnte.
Und klar könnte mir die App auch gleich aus der Menge meiner Protokolldaten die 2 Möglichkeiten zur Auswahl präsentieren, die bei mir zum Ausgleich bzw. Abwenden so einer Abweichung schon mal super funktioniert haben. Usw. usw…
Dazu brauchte es nur die App und nicht mal mehr ne Schulung. Und wenn der Dok dazu anmelden müsste und damit die fachlich qualifizierte Betreuung sichern würde, würde mein Besuch in der Praxis praktisch nur noch in Ausnahmefällen notwendig, etwa wenn die BZ-Daten auf eine akute neue Erkrankung hinweisen.
Vor dem Hintergrund, für den nichts mehr neu erfunden und entwickelt werden muss, halte ich den ganzen Schulungskram inzwischen eigentlich für völlig überflüssig, also auf Neudeutsch obsolet.
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)