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Typ 1 und Alkohol
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am 19.07.2019 06:36:24 | IP (Hash): 2073722290
Guten Morgen, hab mich jetzt mal hier angemeldet, da ich nicht weiß, wo ich meine Frage sonst stellen könnte..
Meine Schwiegermutter hat seit längerem durch Entfernung der Schilddrüse Typ 1 Diabetes. Seit knapp 10 Jahren vergräbt sie sich Zuhause zwecks zusätzlichen Herzproblemen. Nun sind seit gut einem Jahr häufiger Tage dabei, an denen ihr sehr schwindlig ist und sie hinfällt und sich den Kopf aufschlägt. Vorgestern erst wieder, diesmal aber die Treppe runter und eine riesige Platzwunde. Wir sind nun draufgekommen, dass sie anscheinend öfter Melissengeist zur "Beruhigung" trinkt. Krankenhaus sagte, der Blutwert lag bei 1,4 Promille und das schockierte uns alle sehr. Nun die eigentliche Frage:
Dass Alkohol den Spiegel senken kann, ist ja bekannt. Aber: Kann er bei ihr denn evtl auch mehr Promille "erzeugen"? Also, dass sie vielleicht gar nicht so viel getrunken hat, ihr Körper es aber anders aufnimmt? Es wäre ein riesiger Schock für uns alle, wenn sie eine heimliche Trinkerin wäre.. Entschuldigt den langen Text, aber ich musste es mir von der Seele schreiben. -
am 19.07.2019 09:38:02 | IP (Hash): 109105792
Melissengeist besteht zu 79%(! Nix Promille!) aus Alkohol. Da reicht ein normales Pinneken schon locker für den Pegel. Die Klosterfrauen haben bis heute fertiggebracht, dass ihr Feuerwasser als Medizin anerkannt wird und die User etwas für ihre Gesundheit tun. Aus der Zeit mit der Betreuung meiner Mutter, als ich mehr mit älteren betreuungsbedürftigen Menschen zu tun hatte, weiß ich, dass erschreckend viele davon eigentlich Alkis auf Melissengeist sind.
Du kannst das heimliches Trinken nennen, aber berücksichtige bitte, dass den meisten der Betroffenen die Feuerwasser-Stärke gar nicht bewusst ist und dass sie den Alkohol eher als ne Art Lösungsmittel-Zusatz verstehen, wie er in manchen tropfenweisen Medis ja vorkommt.
Nein, Diabetes macht keinen Alkohol.
Wer allerdings seinen Blutzucker nur mangelhaft steuert, also mal sehr hoch und zwei Stunden später wieder sehr niedrig, schafft mit sehr niedrig locker jede Menge an Gelegenheiten, schon ohne Alkohol zu stolpern. Und die Kombi aus Alkohol und solchen Unterzucker-Gelegenheiten passt natürlich super auf ne Treppe.
Die mangelhafte Steuerung des Blutzuckers liegt übrigens oft nicht an der unzulänglichen ärztlichen Einstellung, sondern daran, dass die Betroffenen sie nicht wirklich passend für sich umsetzen können oder wollen. So muss den KH/BE-Gehalt einer Portion abschätzen und mit seinem Faktor multiplizieren, wer sich selbst die passende Dosis für das Insulin zum Essen ausrechnet. Und wer stattdessen einen festen Spritzplan hat, muss sich an feste KH/BE-Mengen in seinen Mahlzeiten halten.
Sieht nach einigem an Herausforderung für Dich/Euch aus, Daumendrück!
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;) -
am 19.07.2019 11:28:52 | IP (Hash): 2073722290
Dankeschön für deine ausführliche Antwort 👍
Mir fällt es ja schon länger auf, dass sie manchmal "anders" ist. Hängendes Augenlid z.B. Aber ich hab es halt immer auf's Herz bzw Zucker geschoben. Vor Kurzem war aber Langzeit Ekg und da passt alles. Und auch der Zucker war meist um die 150 während ihrer Schwindelattacken. Und da wir das jetzt überrissen haben, scheint das letzte Puzzleteil endlich gefunden, denn nun ergibt halt alles plötzlich Sinn. Starke Stimmungsschwankungen ihrem Mann gegenüber ebenso. Als wäre sie da dann grad auf Entzug..
Das, warum ich hier eigentlich fragte, hatte ich oben gar nicht erwähnt.
Sie hatte auf der Treppe meinen 2 jährigen Sohn dabei und dieser stürzte dann ebenso. Gottseidank recht weit unten und ausser Beulen nix passiert.
Aber da ich jetzt eben weiß, dass der Melissengeist (2 leere Flaschen und 1 angebrochene gefunden) "Schuld" hat, ist mein Mitleid und Verständnis erheblichst gesunken, sondern eher in Wut umgeschwenkt..
Aber zumindest weiß ich jetzt, dass sie allein für diesen Promillegehalt verantwortlich war und nicht die Diabetes.. -
am 21.07.2019 19:18:52 | IP (Hash): 1512572215
Deine Wut auf die Mutter ist nicht gut. Wahrscheinlich ist ihr gar nicht bewusst, wieviel Alkohol sie da zu sich nimmt.
Ganze Generationen von Frauen haben mit Melissengeist ihren Alkoholpegel hoch gehalten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Meist wurde er ja noch auf einen Würfelzucker geträufelt, weil er da angeblich besser wirkt. Ja das tut er auch, denn Zucker vervielfältigt die Wirkung von Alkohol.
Versuche mit ihr zu reden und ihr die Zusammenhänge zu erklären. Vielleicht wirkt das ja.
Alles Gute!