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Brauche Rat
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am 03.08.2020 18:54:00 | IP (Hash): 1654253661
Hallo zusammen.
Ich habe seit März 2020 die Diagnose Diabetes Typ2.
Anfangs lief alles blendend, bereits nach 4 Wochen war ich super eingestellt und der hba1c-Wert sank bereits innerhalb der ersten 3 Monate von 12,3 auf 5,9.
Die BE-Faktoren für morgens, mittags und abends lagen bei:
1,7 - 1,2 - 1,5 bei einer Kohlenhydratverteilung von 40g - 60g und 40g.
An dieser KH- Menge und Verteilung hat sich bis heute auch nichts geändert.
Aktuell liegen meine Faktoren bei: 3,0 - 3,4 - 2,8, Tendenz steigend.
Habe regelmäßig einen 2h-Wert im 7er Brreich. Erhöhe ich den Faktor am folgenden Tag um 0,1 passiert rein gar nichts, ich bleibe stets über 7. Zur nächsten Mahlzeit liegt der Nüchternwert zwar wieder zwischen 5 und 6; was ich jedoch eher dem Basalinsulin zuschreibe!
Meine Insuline sind Novorapid und Tresiba.
Weiß jemand Rat?
Kreft
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am 03.08.2020 21:14:57 | IP (Hash): 1865568734
Willkommen in der Runde!
Ungewöhnlich für Typ 2 ist der Start mit ICT praktisch mit der Diagnose. Gab es dafür einen besonderen Grund?
Die zügige Verbesserung des vom alltäglichen BZ-Verlauf und in der Folge vom HBA1c bis fast in den gesunden Bereich wird mit dem Beginn einer wirksamen Behandlung meistens beobachtet.
Und ebenso wird meistens beobachtet, wie der Insulinbedarf bei der normalen Menge an KHs munter ansteigt. BE-Faktoren von 5-10 kommen häufig vor und oft auch noch deutlich höhere. Dazu kommt dann meistens auch die Erhöhung des Basalinsulins, so dass viele 2er 200 und noch sehr viel mehr Einheiten insgesamt pro Tag spritzen.
Klar geht es auch anders, sehr viel anders. Aber es kann natürlich auch sein, dass Dein Arzt den sofortigen Insulinstart wie Typ 1 deswegen gewählt hat, weil Du Vorerkrankungen hast, die andere Behandlungsmöglichkeiten ausschließen. Könnte das sein?
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. Für bis wann gesund und ab wann Prä- oder Diabetes gibt es keine organisch "harten" Fakten.
ALLE Grenzwerte befinden sich in dem Bereich, der für eine ordentliche Diabetes-Behandlung nach DDG als gut bis sehr gut und symptomfrei gilt.
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am 03.08.2020 22:18:23 | IP (Hash): 1654253661
Hallo Jürgen.
Danke für Deine rasche Antwort!
Mit einem Wert von 27 mmol wollte der Arzt mich erst einmal mit Insulin auf vernünftige Werte bringen. Das fiel alles nur auf weil ich seit ca. 3 Wochen täglich 9 Liter Wasser trank und mein Hausarzt daraufhin meinen Blutzucker testete.
Typ 2 sei am wahrscheinlichsten, auch, da keine Antikörper vorhanden ...
Und die Basalrate erhöhe ich auch nebenher, das ist richtig.
Also im Prinzip läuft ja alles gewöhnlich ... wenn auch nicht wirklich befriedigend
Sport mache ich auch, bringt aber nichts hinsichtlich der Resistenz.
Kreft
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am 03.08.2020 23:04:48 | IP (Hash): 2076481817
Hallo Kreft,
zu allererst, wer behauptet, dass ein 2-Stunden-Wert von 7 zu hoch ist?? Der ist perfekt!
Wenn du was isst und dafür spritzt, wirkt dieses Insulin Novorapid 3-4 Stunden.
Heißt, du kannst nach Ende dieser 3-4 Stunden erst sicher sagen, ob die Dosis gepasst hat.
Weil es ist ganz normal, dass erstmal der Blutzucker steigt, da du ja was isst. Aber das Insulin wirkt ja nicht auf Knopfdruck und innerhalb weniger Minuten, darum dauert es bis wieder der Ausgangswert erreicht wird.
Ich habe gerade erst gelernt, vom Ausgangswert darf der Blutzucker 1,5 Stunden nach dem Essen um 60-80mg/dl (Achtung andere Einheit!) angestiegen sein. Das sind in in deiner Blutzuckereinheit 3,3-4,4 mmol/l.
Und wenn ich dich so höre, vor dem Essen 5 mmol/l nach 2 Stunden 7 mmol/l dann passt das erstmal.
Du schreibst ja selbst, dass du vor der nächsten Mahlzeit deinen Ausgangswert wieder erreicht hast. Dafür ist nicht das Basalinsulin Tresiba zuständig, sondern dessen Aufgabe ist es, deinen Blutzucker stabil zu halten. Hättest du viel zu wenig gespritzt und wärst bspw. nach der Boluswirkdauer 4 Stunden nach der Mahlzeit bei 7 mmol/l bleibst du dort auch. Das Basalinsulin senkt diesen Wert nicht ab. Sondern schaut, dass der Wert stabil bleibt.
Zudem ist mir aufgefallen, dass deine Faktoren untypisch verteilt sind. I.d.R. hat man Morgens den höchsten Faktor, mittag den niedrigsten und Abends einen zw. morgens und mittags Faktor.
Ich würde wirklich mal austesten mit abgewogenen Essen, wo du jeweils mit deinen momentanen Faktoren nach 4 Stunden bist und dann schauen, ob du was ändern musst. Ggf. spritzt du momentan auch zu viel Insulin.
Hast du einen Pen fürs Novorapid mit 0,5 Schritten? Weil sonst ist klar, dass dich die Erhöhungen von 0,1 überhaupt nichts bringen kann. Etliche ändern die Faktoren in 0,5 Schritten.
Zu deinem steigenden Bedarf und deiner Resistenz, ich selbst bin kein Typ2er, aber ich weiß, dass etliche Typ2er trotz Insulin und auch Typ1er mit zusätzlicher Insulinresistenz und hohen benötigten Insulinmengen bestimmte Tabletten verschrieben bekommen, wie Metformin. Das soll gegen die Resistenz wirken, damit der Insulinbedarf sinkt.
Vllt redest du dort nochmal mit deinem Arzt, ob zusätzlich orale AntiDiabetika sinnvoll sind.
LG -
am 04.08.2020 09:30:32 | IP (Hash): 1861569474
Zur Möglichkeit der Weiterbehandlung praktisch wie Typ 1 hat July Dir schon geschrieben.
Dann mal hier zur Möglichkeit der Remission bei Typ 2 https://www.ncl.ac.uk/magres/research/diabetes/reversal/ : Damit ist das Zurückdrehen des BZ in den vollkommen gesunden Bereich gemeint und das stabile Halten in diesem Zustand über Jahre und vielleicht sogar ein langes Leben lang, und zwar völlig ohne Medis.
In GB gibt es dazu die DiRECT Studie, in der Typ 2 Neudiagnosen gewürfelt einmal der konventionellen Einstiegsbehandlung zugeteilt werden und einmal der Remission nach Prof. Taylor.
Nur wenige Typ 2 kommen nicht zur vollständigen Remission und brauchen weiterhin Medis. Aber sie brauchen dann halt sehr viel weniger davon, als normal in der Folge der normalen Behandlung.
So hab ich z.B. mit meinem etwa 30 Jahre alten Typ 2 mit ner kleinen Gewaltkur nach Taylor meinen Insulinbedarf noch mal gut halbiert.
Nach Taylor ist Fett in Leber und Pankreas dafür verantwortlich, dass die Leber immer mehr Glukose in den Blutkreislauf lässt, als gebraucht wird und dass der Pankreas immer weniger passend dazu Insulin ausgibt. Medis zum gezielten Fettabbau gibt es nicht, aber schon eine Woche mit 600 kcal pro Tag baut aus der Leber so viel Fett ab, dass die dann mit dem Unterschreiten einer sehr individuellen Schwelle meistens von einem Tag auf den anderen morgens wieder normal wenig Glukose ausgibt. Und nach 6-8 Wochen so einer Leberfasten-Kur ist dann auch der Pankreas entfettet und gibt das Insulin auch wieder völlig passend aus.
Damit ist dann die gesunde Glukose-Automatik wiederhergestellt, aber mit einem kleinen Haken: Wer dann einfach wieder zum normalen Essen wie vor der Leberentfettung zurückgeht, hat auch Fett und diabetische Fehlfunktion sehr schnell wieder zurück. Und weil das viele leckere Essen lockt, halten tatsächlich nur wenige die Remission über viele Jahre durch.
Für mich hat sich als Maßstab für’s Spurhalten zur Waage der BZ im völlig gesunden Rahmen mit in der Spitze um ne Stunde nach dem Essen für ein paar Minuten an max. 8 mmol/l bewährt.
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. Für bis wann gesund und ab wann Prä- oder Diabetes gibt es keine organisch "harten" Fakten.
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am 04.08.2020 11:33:17 | IP (Hash): 1654253661
Es gibt ja auch noch die Behandlung mit Metformin, welche wohl in Verbindung mit einem Basalinsulin, zur Behandlung von Typ 2, die Regel zu sein scheint. Sehe ich das richtig?
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am 04.08.2020 11:54:20 | IP (Hash): 1559311057
Ja, Metformin ist für die meisten T2er in jeder Kombination gut. Seine Hauptwirkung ist das Bremsen der falsch hohen Glukoseausgabe aus der Leber, was zu geringerem Insulinbedarf führt.
Du darfst aber keine Wunder davon erwarten, Metformin verbessert deine BZ-Führung nur ein wenig. Mit der Entfettungskur für Leber und BSD, wie sie Jürgen dir vorgeschlagen hat, könntest du das Übel bei der Wurzel packen und wahrscheinlich eine sehr große Wirkung erzielen. Allgemein kann man beobachten, je schneller der BZ-Anstieg vor der Diagnose erfolgt ist - bei dir war das vermutlich kurz und schnell - desto weiter lässt sich ein Typ2-Diabetes damit wieder zurück drehen. Aber Achtung: das kannst du nur mit Unterstützung durch deinen Arzt oder mit sehr viel Erfahrung alleine anfangen.
Alles Gute, Rainer
____
Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 04.08.2020 11:57:47. Grund: . -
am 04.08.2020 16:21:45 | IP (Hash): 1861569474
Leider gibt es in D bislang nur wenige Ärzte, die die Remission nach Taylor konstruktiv begleiten. Aber bei der Vorgeschichte sehe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, die sich nicht in eigener Regie meistern lassen:
Am einfachsten wäre, vom ersten Leberfastentag an auf alles Insulin verzichten. Dann gibt’s garantiert keine Hypo, und 600 kcal in Form von 3 über den Tag verteilten Bechern Optifast u.ä. sind keine KH-Bomben, die Riesenanstiege verursachen könnten.
Im Verlauf von 14 Tagen sollte auf jeden Fall eine positive Wirkung messbar sein, am besten natürlich der völlig gesunde Anfang der vollen Remission. Versuch macht kluch ;)
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