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Prädiabetes nach Schwangerschaftsdiabetes?
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am 20.02.2023 14:47:05 | IP (Hash): 1234286631
Hallo zusammen,
ich bin in diesem Forum hier neu und freue mich darauf, von eurer Erfahrung lernen zu können. Auch schreibe ich, weil ich mittlerweile sehr verzweifelt bin und mich alleingelassen fühle von den Ärzten.
Vor 3 Monaten habe ich meinen ersten Sohn entbunden. In der Schwangerschaft wurde bei mir ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert (Werte Ogtt: nüchtern 83/ 1h 183/ 2h 104). Vor Beginn der Schwangerschaft habe ich bei einer Größe von 1,83 82 Kilo gewogen. Um mein Baby und mich zu schützen, habe ich dann natürlich Vollgas gegeben, Ernährung auf kaum Kohlenhydrate (im Endeffekt war das sogar ketogen, was mir zu diesem Zeitpunkt nicht so bewusst war) umgestellt und sehr viel Sport gemacht. Natürlich war ich auch bei dem Kontrolltermin nach der Entbindung (nüchtern: 68/ nach 2 Stunden 168). Mir wurde gesagt, dass alles i.O. ist (Langzeitwert 5,2). Ich muss dazu sagen, dass ich aus Angst vor der Erkrankung in der Zeit kaum Kohlenhydrate gegessen habe und ich auch nicht wusste, dass ich Tage vor dem Test hätte welche essen müssen. Darüber hinaus mache ich weiterhin viel Sport (10.000 Schritte pro Tag, regelmäßig leichtes Krafttraining).
So nun mein Problem: wenn ich morgens aufwache, habe ich regelmäßig einen Nüchternwert von um die 100 (68 beim Diabetologen war sehr unrealistisch). Ich habe nach der Entbindung sofort sehr viel Gewicht verloren (war da aufgrund von einer falschen Einstellung der Schilddrüse jedoch auch in einer Überfunktion, diese liegt nun nicht mehr vor) und wiege nun 72 Kilo. Wenn ich jetzt mal "gesunde" Haferflocken esse, klettert mein Wert auf teilweise 180. Das schockiert mich so, weil ich versuche, maximal gesund zu leben. Mein Mann kritisiert mich (eine kleine Ehekrise), dass ich viel zu wenig Kohlenhydrate esse. Wenn ich jetzt aber mal mehr als 70 Gramm Kohlenhydrate pro Tag esse, liegt mein Nüchternwert sogar über 100. Das bringt mich irgendwie in einen Teufelskreis.
Sollte ich die Zähne zusammenbeißen und mehr Kohlenhydrate essen oder verschlimmere ich damit meinen vermutlich leicht prädiabetischen Zustand? Meine Angst ist so groß, da in der Schwangerschaft auch festgestellt wurde, dass ich nur eine funktionierende Niere habe (wie schön) und ich um die Folgeerkrankungen weiß.
Kann ich meinen Zustand wieder umkehren oder zumindest leicht verbessern und lange halten? Meine Ernährung versuche ich schon richtig zu kombinieren ("gute Kohlenhydrate" mit Protein und Fett kombinieren, nach dem Essen 20 Minuten spazieren, Apfelessig etc.).
Vielen Dank für eure Hilfe -
am 20.02.2023 15:35:27 | IP (Hash): 1579799714
Hallo Jana,
herzlichen Glückwunsch zum Söhnchen. 😊
So wie du es beschreibst, machst du alles richtig. Allerdings solltest du den Stress weglassen und dir nicht einreden lassen, dass du dich falsch ernährst. Nimm einfach alles ein bisschen lockerer, deine BZ-Werte erlauben dir das.
Zunächst musst du erst mal akzeptieren, dass du außerhalb der SS die BZ-Werte wesentlich weniger streng betrachten kannst. Während der SS sind die Vorgaben zum Schutz für das ungeborene Baby sehr streng. Als Erwachsene verträgst du eine ganze Menge mehr, ohne dass daraus gleich Probleme entstehen.
Dein oGTT wurde dadurch, dass du dich zuvor Low Carb ernährt hast, auf jeden Fall verfälscht. Wenn du die 3 Tage zuvor mindestens 150g KH gegessen hättest,(warum nur hat dir dein Arzt das vorher nicht gesagt,) dann hätte dein BZ nicht so stark überreagiert und du hättest bestimmt gesunde Werte in diesem Rahmen hier gehabt:
https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar
Bei deinen selbstgemessenen Nüchternwerten musst du beachten, dass die Handmessgeräte keine Präzisionsinstrumente sind und der tatsächliche BZ auch unter 100 sein kann. Außerdem beobachten manche, dass die Nüchternwerte bei einer Low Carb Ernährung etwas höher ausfallen. Bei mir akzeptiere ich Nüchternwerte um die 105mg/dl. Über deine gemessenen Werte um die 100 brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen. Den Anstieg bei Haferflocken musst du genauso sehen, wie den Anstig beim oGTT. Bei eine KH-reichen Mahlzeit zwischen dem LC, wird der BZ immer ein wenig überreagieren. Einzelne hohe Werte sind aber auch kein Problem. Das wird es erst, wenn du laufend hohe BZ-Werte produzieren würdest. Also bleibe ruhig, du kannst es dir bei deinen guten BZ-Werten leisten, selbst wenn sie nicht immer ganz perfekt sind.
Alles Gute für dich und dein Baby, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 20.02.2023 15:38:21. Grund: BBCodes -
am 20.02.2023 19:23:14 | IP (Hash): 137752814
Glückwunsch zum offenbar gelungenen Stapellauf und gesunden Kind!
Und zu ner echten Herausforderung! Denn jede weitere sachliche Beschäftigung mit dem Thema wird Dir deutlich sagen, dass es weder einen eindeutigen Auslöser noch einen eindeutigen Anfang vom Typ 2 gibt.
Im Grunde beginnt der schon da, wo der BZ noch im völlig gesunden Bereich bei sogenannt gesunder Ernährung immer höher ansteigt, was praktisch niemand mirtkriegt, irgendwann auch über den gesunden und dann auch über den prädiabetischen Bereich hinaus in den diabetischen und munter immer weiter - wenn frau ihn lässt. Nirgendwo in diesem Anstieg gibt es eine Art organischer Schwelle, wo man sagen könnte, hier beginnt Diabetes. Sondern die Größen für die Diagnose sind willkürlich von den entsprechenden medizinischen Fachgremien nach Akten-=Statistik-Lage gesetzt.
Bis zum deutlichen Übersteigen der Diagnoseschwelle(n) nimmt die Ärzteschaft da nix besonders ernst, außer dass sie zum Abnehmen rät. Rät, nicht anleitet, und erstaunlich häufig auch denen dazu rät, die gar nix abzunehmen haben.
Und auch darüber bis in den Bereich von HbA1c 8 wird häufig noch kein Grund zu ernsthaften Maßnahmen gesehen. Denn 7-8 ist der Bereich, den die Ärzteschaft mit den meisten Patienten mit Diabetes anstrebt. Richtig tun muss man aus deren Perspektive also erst dann was, wenn der BZ über diesen Rahmen hinaus ansteigt.
Du bist also noch weit entfernt von allem, was die Ärzte einstweilen als ernsthaft behandlungsbedürftig sehen. Wenn Du das ändern willst, brauchst Du wohl nur normal gesund zu essen und keine bewegungsintensiveren Tätigkeiten jeweils direkt nach den Mahlzeiten zu absolvieren ;(
Andersrum bist Du ja einstweilen mit Deinem Essen nach dem Messgerät mit Deinem BZ 24 Stunden im völlig gesunden Bereich. Wenn Du den nicht mutwillig mit Haferflocken und weiteren KHs verlässt.
Wenn also Dein BZ eine Diagnosegrenze ohne Schwangerschaft schon ärztlich bescheinigt überschritten hätte, würde man das jetzt vollständige Remission nennen. Also praktisch gesund mit/ohne (je nach Blickwinkel) Diabetes :)
Die gezielte Auswahl und Portionierung vom Essen und der (gezielte) Einsatz (von Anteilen) Deines alltäglichen Bewegungspensums sind das Verhalten, das bislang dafür ausreicht, Deinen BZ alltäglich im gesunden Rahmen zu halten.
Weitere Verhaltensmöglichkeiten und Hintergründe dazu findest Du im Buch "Der Glukose Trick". Da findest Du auch, dass größere BZ-Schwankungen mehrmals am Tag nicht erst mit Diabetes Beschwerden machen können, sondern auch in dem BZ-Rahmen, der als völlig gesund definiert ist. Und dass auch da die als vernünftige Behandlung die gilt, die möglichst wenig BZ-Schwankungen verursacht.
Mit ausreichend konsequentem Behandlungs-Verhalten kann wahrscheinlich gelingen, dass Du nie Medis für Deinen gesunden BZ brauchst.
Und was Dir schlimmstenfalls passieren kann, wenn Du doch Medi Hilfe brauchst, kannst Du an mir sehen: sowas wie gesund mit Diabetes und Insulin aus dem Pen.
Angetrieben haben mich in den ersten Jahren meine einzige Niere und mein infolge Polio behinderte Fahrgestell: Diabetische Folgen konnte ich mir in beiden Bereichen nicht leisten.
Nach über 30 Jahren gesund mit Diabetes sehe ich meinen Typ 2 inzwischen längst als meinen besten Gesundheits-Coach. Denn ohne wäre ich ja nie zu der Gelegenheit gekommen, meinen BZ und damit viele weitere Prozesse in meinem Organismus alltäglich im völlig gesunden Bereich zu halten und außer eben Insulin keine Medis für meine gesunden Blutwerte zu brauchen :)
Apropos Baby: Die spezielle Latte in der Rückenlehne des Sessels neben dem Kinderbettchen fühle ich heute noch in der Erinnerung an manche Stunden meiner Nächte mit unserem ersten vor bald 50 Jahren! Der Kleine funktionierte wie ne umgekehrte Schlafpuppe: Wenn der auf meinem Schoß fest schlief und ich den ins Bett legte, gingen die Augen vollautomatisch sofort auf! Naja, und nicht nur die Augen ;)
Und wie ist das mit Deinen/Euren Nächten?
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7/24 mit wenigen Ausnahmen zwischen 60 und 140 mg/dl in der Form der blauen Kurve ( https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar ) sind für mich optimal. Trotzdem will ich gern respektieren, wenn andere anders für sich entscheiden. -
am 20.02.2023 20:16:19 | IP (Hash): 86612814
Jana123 schrieb:
Kann ich meinen Zustand wieder umkehren oder zumindest leicht verbessern und lange halten? Meine Ernährung versuche ich schon richtig zu kombinieren ("gute Kohlenhydrate" mit Protein und Fett kombinieren, nach dem Essen 20 Minuten spazieren, Apfelessig etc.).
Ich halte Deine Werte für vollkommen unproblematisch.
Solange Dein HbA1c unter 6% ist, dein BMI kleiner als 26 ist und Du täglich 10000 Schritte machst und Du Zuckerbomben (Süßigkeiten, Kuchen, zuckerhaltige Getränke) vermeidest, ist alles im grünen Bereich.
Das einzige, was mir noch einfiele, wäre, Spaziergänge wirklich flott (6km/h, Puls 130) durchzuführen.
Lg Hape
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am 21.02.2023 17:30:50 | IP (Hash): 1929738973
Hallo,
vielen Dank für die ganzen Rückmeldungen, dies ist wirklich lieb. Und ich weiß auch, dass mein "Leiden" im Vergleich zu dem von anderen Menschen nur minimal ist (besonders wenn man an den Typ 1 denkt).
Gleichzeitig wird mir auch bewusst, wie komplex das ganze Thema ist. Selbst von Ärzten höre ich nur, dass ich ja nicht fett sei und mir keine Sorgen machen müsse. Auch die Frauenärztin meinte, dass ich da überhaupt nicht der Typ für sei. Trotzdem versuche ich, maximal präventiv zu handeln (es gibt in meiner Familie Typ 2). Letztlich ist es ja eine Chance, dass ich durch die Schwangerschaft weiß, dass bei mir im Zuckerstoffwechsel nicht alles in Ordnung ist. Also bin ich meinem kleinen Söhnchen da sehr dankbar, auch wenn die Nächte oft sehr lang sind (dies wollte ich ja aber so ;-))
Mich beruhigt es auch, dass es andere Menschen gibt, die trotz einer Niere und Diabetes ein gutes Leben führen. Man bekommt ja manchmal schon Horrorvorstellungen.
Ich lese immer wieder, dass Haferentlastungstage der Hit zur Diabetesprävention sein sollen. Haben solche Fasttage wirklich eine so enorme Wirkung?
Ich wünsche allen einen schönen Abend
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am 21.02.2023 18:06:10 | IP (Hash): 793839653
Wenn Du als Suchbegriff hier Hafer eingibst, hast Du wenigstens für den Rest des Abends ausreichend Lesestoff ;)
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7/24 mit wenigen Ausnahmen zwischen 60 und 140 mg/dl in der Form der blauen Kurve ( https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar ) sind für mich optimal. Trotzdem will ich gern respektieren, wenn andere anders für sich entscheiden. -
am 21.02.2023 20:07:18 | IP (Hash): 245220411
Hallo Jana,
ich befinde mich in derselben Situation wie du. Leider ist meine Erfahrung genauso wie deine. Als schlanke Person wird Typ 2 von den Ärzten als unwahrscheinlich abgestempelt, auch wenn die eigenen Messreihen auf eine Störung des Glukosekreislaufs hinweisen.