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Angst um meinen Dad!
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Lulu
Rang: Gastam 27.05.2008 09:06:26
Hallo, liebe Anonym
ich habe ganz spontan gedacht, dass Du Dich jetzt, wo Dein Papa im Krankenhaus liegt einfach mal zu ihm setzt und ihm sagst, wie sehr du ihn brauchst, wie sehr du ihn lieb hast, und wie schlimm es wäre, wenn er nicht mehr da ist. Und das sag ihm nicht nur einmal sondern immer wieder.
Wenn das nichts in seinem Herzen bewegt, wird es wohl nix mit der Einsicht in seine Lage bei ihm.
Dann kann ihm niemand helfen, auch du nicht, so schlimm das ist.
Aber ich hoffe mal, deine Worte erreichen ihn!
Alles gute für dich und deinen Papa wünscht
Lulu -
Jürgen
Rang: Gastam 27.05.2008 11:22:15
Moin Steffi,
Dein Engagement ist toll. Trotzdem kann Dir hier niemand Deine Frage beantworten, jedenfalls nicht so, wie Du's gefühlsmäßig gerne haben würdest.
Schau, Dein Vater hat LKW-Fahren gelernt und kann seine Kiste zuverlässig sicher durch den dicksten Verkehr bringen. So zuverlässig seinen eigenen Blutzucker fahren ist sehr viel einfacher.
Nur fängt das Kreuz schon damit an, dass es für den Blutzucker kaum vernünftige Fahrschulen gibt. Denn die übliche Blutzuckereinstellung ist ähnlich, als wollte man Deinen Vater auf eine Tour einstellen und als müsste er dann für jede andere Tour, oder wenn sich am Weg was nennenswert ändert, erst einmal zur neuen Einstellung in die Fahrschule.
Er müsste sich seine zuverlässige Blutzucker-Steuerung also in jedem Falle selbst anknobeln. Der beste Arzt könnte ihm dabei nur Hilfestellung leisten und noch schöner wäre für ihn wohl ein Kollege, der's schon drauf hat. Von einem Fernfahrer, der seinen Blutzucker wie gesund steuern konnte, hab ich nämlich vor Jahren meinen zu steuern gelernt. Nicht indem ich seins direkt nachgemacht hätte, sondern indem ich zuerst einmal die Bewegungen meines Blutzuckers nach jedem Essen beobachtet habe.
Dabei sieht man dann nämlich nicht nur das Ergebnis vor dem nächsten Essen, sondern wie dieses Ergebnis zustande kommt. Und da fiel mir dann selbst auf, was ich vorher nicht geglaubt hätte, nämlich dass eine Einheit Insulin manchmal nur wie eine halbe und unter anderen Umständen wie zwei oder sogar mehr wirkt. Und mit dem Beobachten lernte ich, schon vorab immer passender einzuschätzen, welche Insulinwirkung ich in einer Situation jeweils zu erwarten hatte. So ähnlich wie Dein Vater aus seinen Beobachtungen/Erfahrungen gelernt hat, seinen LKW bei den verschiedensten Straßen- und Verkehrszuständen passend zu fahren und zu bremsen und zum Stehen zu bringen. Wenn er so eingestellt wäre, dass er bei 50 km/h immer nur mit dem selben Druck für die selbe Zeit aufs Bremspedal treten würde, würde er wahrscheinlich keinen halben Tag ohne Unfall überstehen. Aber son Quatsch macht er ja nicht, sondern er passt sein Fahr- und Bremsverhalten immer an die jeweilige Situation an. Um nichts anderes geht es eben auch bei der Blutzucker-Steuerung - dabei sogar mit dem Vorteil, dass man da keine blöden Ochsen und dummen Kühe und sonstiges Getier berücksichtigen muss, das seine Führerscheine aus ner Tombola hat ;-)
Du verstehst hoffentlich: Den eigenen Blutzucker zuverlässig einigermaßen gesund und so steuern, dass man nicht zeitweise fahruntüchtig wird oder gar umkippt, ist keine Hexerei. Allerdings muss man's selbst machen. Das kann einem niemand abnehmen, so wie ja auch niemand anderes wirklich Deine Asthmageschichte alltäglich für Dich regeln kann. Und ich kenne leider kein Selbstmach-Virus, mit dem Du Deinen Vater dazu impfen könntest :-(
Dabei kann ich Dir Deinen Frust gut nachfühlen. Während ich meinen Blutzucker seit Jahren meistens gesund fahre, habe ich in meinem Familienkreis mehrere liebe Menschen, die sich mit keinen noch so guten Worten dazu bringen lassen wollen, ihren Blutzucker im gesunden Rahmen zu halten. Und in den zwei ersten Fällen hat mich lange Zeit extrem belastet, dass es mir nicht gelingen wollte, sie zu bekehren. Aber schließlich hab ich halt akzeptiert, was sich nicht ändern lässt:
Diese Menschen sind für sich selbst verantwortlich, und mein Ding ist, sie so anzunehmen und wert und lieb zu haben, wie sie sind. Klar kann und muss ich auf Möglichkeiten aufmerksam machen, wenn ich welche sehe, aber nutzen können sie die nur selbst. Und ich kann dabei nur in dem Maß Hilfestellung leisten, in dem ich dazu eingeladen werde.
Daumendrück, Jürgen -
Tom
Rang: Gastam 27.05.2008 12:07:38
Hi Steffi,
also, ich denke, du solltest mal einen Gang herunter schrauben mit Deiner Angst und Fürsorge. Dein Vater ist ein erwachsener Mensch und ich glaube, dass er als Fernfahrer sich auch völlig anders ernähren muss als Jemand, der in einem Büro sitzt.
Er muss z.B. Dinge essen, die lange anhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er als Kraftfahrer während der Fahr Roussisch Roulette spielt. Warum vertraust Du ihm nicht? Ich habe in der Familie auch einen Fernfahrer, mit dem war ich mal unterwegs. Ich bin sehr erstaunt gewesen, was der Mann so gegessen hat in den wenigen Pausen. Ich bin mir auch sicher, dass dein Vater seinen BZ sehr wohl und gut abschätzen kann, während er fährt.
Aber eins muss ich Dir auch sagen. Wenn die Amputationen, die die Mutter deines Vaters erleiden musste, deinem Vater keine Angst vor Spätfolgen machen, dann wirst DU das auch nicht erreichen können. Hier wirst Du wohl sehr realistisch sein müssen.
Jürgen hat es genau beschrieben.
Ich will auch Klaus nicht verteidigen, aber er hat mit seiner ehrlichen Meinung einfach nur Recht gehabt, weil gern ein Klischee bedient wird, dass Diabetiker öfter Unfälle produzieren, weil sie sorglos mit ihrem Diabetes umgehen. Und die andere Seite der Medaille ist die, dass keiner seine Kinder auf einer Straße wissen will, auf der vielleicht ein unterzuckerter Diabetiker mit einem Auto unterwegs ist.
Du schreibst, wenn deine Mutter sich drum kümmert, klappt es. Was tut sie denn genau? Bereitet sie ihm Essen vorrätig für die Fahrten zu?
Liebe Steffi,
Ich versteh, wie ernst es dir ist, etwas zu bewegen. Aber ich befürchte, dass du mit gutem ins Gewissen reden nichts erreichen wirst. Du kennst deinen Vater am besten und wirst wissen, ob er begreifen kann, dass er die Person ist, die die Existenz der Familie sichert. Wenn du das nicht vermitteln kannst, kannst du VIELLEICHT zusammen mit deiner Mutter eine Strategie entwickeln. Eine Familienstrategie. Und manchmal hat man im gemeinsamen Gespräch vielleicht eine Idee, auf die man noch nicht bisher kam. Verteil Deine Sorgen auf mehrere Schultern. Und noch eine Frage: Auf wessen Meinung legt Dein Vater den größten Wert? Vielleicht gibt es noch einen besonderen Freund oder Arzt, Pfarrer. Den hol ins Boot. Dem vertrau dich an und bitte sie um Hilfe.
Ich wünsche dir gutes Gelingen.
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Sorry, Thomas, aber du bist einfach wieder mal nur persönlich beleidigend gewesen. DAS hilft Niemandem und schon gar nicht dem Klima dieses Forums. von Tom -
Steffi
Rang: Gastam 27.05.2008 15:51:21
Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für eure Mühe. Klar, bei meinem Dad hilft gutes zureden nichts. Aber ich weiß, dass er es nicht im Griff hat. Wenn Mama nicht zu Hause ist und er kocht, dann läuft das so: Er spritzt sich vorher Insulin, isst dann etwas, merkt, dass der Zucker zu hoch ist, spritzt wieder und kurz darauf muss er wieder etwas essen, weil er zu viel gespritzt hat. Er hat nie gelernt seine Medikamente richtig einzusetzen, das sagt er ja auch selber. Und weil jemand das Beispiel mit meinem Asthma gebracht hat: Vollkommen richtig, mir kann weder ein Arzt noch ein anderer Asthmatiker sagen, was ich in welcher Situation machen muss. Deswegen führe ich Tagebücher in denen alles aufgeschrieben wird: Beschwerden, Wetter, Besonderheiten, und Werte, was mir gut getan hat und was nicht. So hatte ich innerhalb von nur einem halben Jahr so viel Erfahrung, dass ich nur noch bei Beschwerden messen muss und meine Medikamente optimal anpassen kann. Er dagegen guckt halt, schreibt aber nichts auf. Ich dachte eigentlich, dass er das auch tun sollte, hab ich zumindest oft so gelesen.
Naja, aber ihr habt recht, ICH kann das wohl nicht ändern...
Vielen Dank
Steffi -
Tom
Rang: Gastam 28.05.2008 13:54:21
Liebe Steffi,
ich denke trotz deiner lieben Bemühungen wird dein Vater erst richtig wach werden, wenn er so richtig auf die Schnauze fällt. Vielleicht hat es ja mit diesem Aufenthalt in der Klinik gereicht. von Tom