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was ist Lifestyle-Diabetes?

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 28.07.2007 19:07:29
    Moinmoin,

    an der Basis des Lifestyle-Diabetes finden wir völlig unbestrittene und in der Medizin schulbuchmäßig bekannte organische Defekte:

    + Absterben der ersten Phase der gesund 2-phasigen Insulinantwort auf jeden Glukoseeintrag:
    Die Insulinausgabe setzt verspätet und mengenmäßig größer ein, als wenn beide Phasen gesund zusammen wirken würden. Ungeklärt ist, ob den Betazellen nur die passenden Signale fehlen, oder ob die Fähigkeit schwindet, das Insulin für die erste Phase gespeichert vorzuhalten.
    + Ausbleiben der Stimulation der Beta-Zellen bei Glukose im Verdauungstrakt:
    Das Einschalten der Insulinantwort erfolgt erst nach dem Übergang der Glukose ins Blut mit dem dadurch viel zu hohen BZ.
    + Ausbleiben der Bremssignale an die Alphazellen bei Glukose im Verdauungstrakt und stattdessen sogar zusätzliche Stimulation:
    Statt wie gesund die Alphazellen mit der ersten Glukose im Verdauungstrakt auszuschalten, werden die wohl mit dem Essen noch zusätzlich stimuliert, so dass nach dem Essen sogar eine deutlich erhöhte Glukagonproduktion gemessen werden kann. Und Glukagon treibt die Leber zur Zuckerausgabe und -produktion an, so dass dann nach dem Essen zusätzlich zur gegessenen auch noch die selbstgemachte Glukose den BZ antreibt. Ein guter Teil des Insulinmehrbedarfs, der gemeinhin als Insulinresistenz bezeichnet und den Betroffenen infolge Lifestyle vorgeworfen wird, ist allein darauf zurückführbar.

    Die Endokrinologie kennt diese Punkte schon so lange, dass sie als Grundwissen in ihren Schulbüchern stehen. Diese Defekte bestehen also völlig unbestritten schon längst, wenn zufällig auffälligere BZ-Bewegungen noch weit unterhalb der DM-Diagnose-Schwellen gemessen werden können. Und die Medizin hat bis heute keinen Schimmer bezüglich der möglichen Ursachen.
    Die Endokrinologie weiß auch, dass mit dem Jahre langen erhöhten Glukose- und Insulinumsatz ein intensiver Mastprozess verbunden ist und dass die Betroffenen praktisch übergewichtig sein müssen, wenn schließlich die alten Typ2-Diagnoseschwellen überschritten werden.

    Wenn es trotzdem der veröffentlichtlichten Meinung perfekt gelungen ist, den Betroffenen ihr Gewicht und eben ihren Lifestyle bei der Diagnose als ursächlich vorzuwerfen, so ganz einfach deswegen, weil mehr Bewegung und weniger Gewicht tatsächlich häufig und in jedem Progressionsstadium eine messbarere Verringerung der Krankheitsparameter bewirken, als manche gepriesene Medikation, und sich so gleichzeitig super tarnend über die medizinische Ratlosigkeit legen lassen.

    Bisdann, Jürgen
  • Christian

    Rang: Gast
    am 28.07.2007 23:23:59
    Das klingt sehr medizinisch.
    Ist es ÜBERHAUPT möglich, wenn ein Defekt vorliegt, diesen zu heilen ?



  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 28.07.2007 23:32:00
    nein von Jürgen
  • LisaO

    Rang: Gast
    am 29.07.2007 10:48:31
    Lieber Jürgen!
    Liebe Diabetikerinnen und Diabetiker!

    *grml* Aufmerksam habe ich Deinen Eintrag gelesen. Was aber genau die Botschaft ist, da musste ich schon zweimal und genauer lesen, zumal Du medizinische Fachausdrücke verwendet, die einem Laien wie mir nichts sagen.

    Also her mit dem Pschyrembel der zum Begriff ENDOKRINOLOGIE folgende Antwort weiß:
    LEHRE VON DER MORPHOLOGIE UND FUNKTION ENDOKRINER >(IN DAS BLUT ABSONDERNDER) >DRÜSEN UND VON DEN HORMONEN SOWIE DEREN REGELUNGS- UND WIRKUNSMECHANISMEN !!!!!!!!

    Offensichtlich wolltest Du uns mitteilen, dass die medizinische Forschung aus welchem Grund auch immer auf der Stelle tritt und folgende Antwort der Mediziner beim Patienten ankommt:

    Du hast Dich in den letzten Jahren bzw. ein Leben lang bis zur Diagnose DM II dementsprechend schlecht ernährt, Fett angesetzt und das ist nun die Strafe. Entweder nimmst du die verordneten Pillen oder du stellst deine Ernährungssituation um und bewegst dich mehr.

    *päng* !!!! Das sitzt und hört keiner gern. Auch ich nicht !!!

    Der Doc sagt das selbstverständlich nicht so direkt, sondern eher schon auf die feine Art und mit ein paar medizinischen Fachbegriffen gespickt so dass wir das halbe nicht verstehen. Aber die Botschaft kam.

    Also was tun: Kopf in den Sand stecken, Pillen schlucken ????
    Keine Lösung!!! Also doch auf den ersten Ratschlag vom Doktor hören, der folgendes sagt: Gewicht reduzieren und mehr Bewegung.

    Ich tat es und der Erfolg gab mir und (………) recht !!!!

    In 6 Monaten 16 kg abgenommen, die Stecken in die Hand genommen und bin drauf losmarschiert, Süßigkeiten gestrichen, täglich rund 10 Broteinheiten zu mir genommen und es hat funktioniert. Vorigen Donnerstag war ich zum zweitenmal in der Diabetesambulanz im Krankenhaus. Alle meine Blutwerte sind traumhaft schön und meinen HBAC1 habe ich von 7 auf 5,7 runtergearbeitet ohne Medikamente sondern nur mit den empfohlenen Maßnahmen.

    Heute fühle ich mich als anderer Mensch, nicht nur meines Äußeren wegens, ich fühle mich einfach super alles geht leichter von der Hand und irgendwie habe ich das Gefühl etwas versäumt zu haben.

    Es war mir einfach ein Bedürfnis euch das mitzuteilen und verbleibe mit lieben Grüßen!

    LisaO

  • Haschi

    Rang: Gast
    am 29.07.2007 11:17:06
    Hallo Lisa,

    sehr schön dargestellt und für alle verständlich.

    Deine Erfahrung sollte wie die vieler Tausend anderer dazu beitragen, dass es bei immer mehr Menschen einfach mal "Klick" machen muss und die epidemiologischen Zuwachsraten des Metabolischen Syndroms bei zunehmend jüngeren Menschen sinken.

    von Haschi
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 29.07.2007 13:47:28
    Moin Lisa,

    ganz herzlichen Glückwunsch zu Deinem gewaltigen Aufraffen und Deinem bisherigen Erfolg! Und Daumendrück, dass Du das möglichst weiter so durchhältst!
    Wenige Betroffene schaffen und vor allem halten durch, ihren Alltag und ihre Ernährungsgewohnheiten so gründlich umzustellen.

    Auch Dir fehlt die 1.Phase der gesund 2phasigen Insulinantwort. Auch bei Dir wird weniger Signal an die Betazellen gegeben Insulin auszugeben, und weniger Signal an die Alphazellen, die Glukagonproduktion einzustellen, wenn Glukose in Deinem Verdauungstrakt zur Übergabe an den Blukreislauf aufbereitet wird. Ohne diese Defekte hättest Du bei normalem Essen keinen auffälligen BZ-Verlauf.
    Aber indem Du die verbliebene Organleistung mit einer vergleichsweise kleinen täglichen BE-Menge schonst und mit vergleichsweise großer täglicher Sportleistung unterstützt, schaffst Du auf Deinem noch niedrigen Defektstand (bei höherem zwangsläufig weniger) einen nahezu gesunden Ausgleich :-)

    Mit einem BZ-Verlauf regelhaft < 140 (auch von kurzen Spitzen darüber wird in einigen Veröffentlichungen eine lähmende bis vergiftende Wirkung der Glukose auf die Betazellen angenommen) wirst Du wahrscheinlich auch dem Abnehmen Deiner Betazell-Masse entgegenwirken, das langjährige Typ2-Karrieren kennzeichnet.

    Weiter so :-) Jürgen

    Endokrinologie = Fachbereich Innere Medizin, Diabetologie = noch immer nicht als eigenständig anerkannter Unterbereich der Endokrinologie
  • Rolf

    Rang: Gast
    am 07.08.2007 17:10:29
    Hallo, Lisa,

    toll, ist mir ähnlich gegangen, war früher so: Montags in den Flieger, Leihwagen Kundenbüro bis in die Nacht und dann noch zum Griechen ( Grosses Giros ) danach ins Hotel... Bis mein Doc gemeckert hat nach einer Rundumbeschau ( Hba1c bei 7,7, Nüchternzucker bei durchschnittlich 160 ) mich verwarnt hat. War danach zum Diadoc, habe dort allerlei über meinen Zustand, aber auch über Ernährung erfahren, habe mich dann erinnert, mit 16 mal in Niedersachsen über tausend Meter in der Bestenliste gewesen bin, habe das mir verschriebene Medikament Siofor 1000 abgesetzt, die Ernährung umgestellt ( trotzdem auch mal Torte ) und habe begonnen, wieder zu laufen. Habe in 8 Monaten 12 Kilo abgenommen, heute ist der Hba1c unter 6,5 und der Nüchternzucker zwischen 120 und 95.
    Es geht doch, aber nur, wenn man konsequent mit seinem Körper umgeht, ich zumindest möchte in meinem noch viele Jahre wohnen und so behandle ich ihn auch
    entsprechend

    Weiter so :-) Rolf