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Kunsttherapeutisches Experiment: Diabetes & Gefühle

  • Marion

    Rang: Gast
    am 23.06.2010 11:56:37
    Liebe ForenteilnehmerInnen,

    „Gefühle beeinflussen den Diabetes“ – eine hinlänglich bekannte Aussage und Tatsache. Je stärker die Gefühle sind –bewusst oder unbewusst- umso höher ist die Wahrscheinlichkeit von Blutzuckerspitzen nach oben und unten.
    Eine lästige Gegebenheit, die die Gefühle nicht unbedingt verbessert und zusätzlich körperlich sehr anstrengend ist. Ich weiß wovon ich schreibe, ich selbst bin seit 32 Jahren Typ 1.

    Zum Experiment:
    Unter der Grundannahme: Diabetes ist auch eine psychosomatische Erkrankung, also von der Seele auf den Körper projiziert (viele weitere Faktoren spielen aber meist auch eine Rolle), stelle ich folgende Behauptung auf:

    „Mit Hilfe der Kunsttherapie und anderen körpernahen Therapieformen, die in der Psychosomatik ihren Einsatz finden, können von Gefühlen ausgelöste Blutzuckerentgleisungen in ihrem Ausmaß vermindert werden.“

    Für diese Annahme möchte ich im Rahmen meiner Diplomarbeit ein kunsttherapeutisches Experiment durchführen, das die Selbsterfahrung der Gefühle beinhaltet. Erkennen – Verstehen – Verändern/ Auflösen

    Dafür suche ich interessierte TeilnehmerInnen mit Diabetes mellitus Typ 1 aus dem Raum Düsseldorf, die Lust auf Kreativität und Selbsterfahrung haben.
    Der Umfang: 8 Gruppentermine, 1 x pro Woche, ca. 1,5 Stunden, Start: Mitte-Ende August 2010

    Sollte sich meine Annahme/ Behauptung nicht so bestätigen, haben die TeilnehmerInnen hier eine tolle Möglichkeit von einer kunsttherapeutischen Selbsterfahrung zu profitieren.

    Hier eine kurze Erläuterung zur Kunsttherapie:
    Eine Methode, bei der zum therapeutischen Gespräch/ Reflektion, eine dritte Variante hinzutritt: die Gestaltung von Bild, Skulptur oder Collage.
    Der Prozess des Gestaltens, das Betrachten der Arbeit und das Gespräch darüber sind die Elementaren Bestandteile dieser Methode. Hierbei geht es nicht um das Hineindeuten von Dingen, sondern um die Reflektion/Spiegelung.
    Jeder kann dabei sein, „schöne“ Kunstwerke sind nicht gefordert. Sie sind nicht verboten, aber in keiner Weise gefordert. Man könnte sagen, dass es hierbei um „Ausdrucksmalen“ geht, das trifft es eher. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist: Zeit für mich selbst!

    Für Feedback oder allgemeine Fragen bin ich dankbar.
    Wer gerne an dieser Selbsterfahrung teilnehmen möchte, kann sich bei mir per Email anmelden: skulpturen@noira.de

    Vielen lieben Dank für das geduldige Lesen.

    Herzliche Grüße

    Marion Behrendt
    44 Jahre, Pumpenträgerin
    Architektin
    Freie Künstlerin
    Psychotherapeutin (HPG)
  • Robert B.

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 10:06:17
    "...im Rahmen meiner Diplomarbeit..." ???

    Und an welchem Institut an welcher Hochschule soll das sein?

    Gruß, Robert von Robert B.
  • Marion

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 10:51:10
    @ Anonym
    Ja, es ist natürlich nicht möglich einen laufenden biochemischen Prozess mit Hilfe der Kunsttherapie zu stoppen. Mein Ansatz geht dahin, dass diese Prozesse in dem Ausmaß gar nicht erst in Gang kommen, weil ich durch die Selbsterfahrung u. U. Kenntnisse gewonnen habe, die mich mit speziellen Situationen anders umgehen lassen. Ob im Zuge einer Hypo oder in alltäglichen Situationen.
    Sie schreiben ja selbst ...Kreativität...kann Aggressionen abbauen helfen...

    @ Robert
    Ich studiere am Institut für Kunst und Kunsttherapie in Bochum, eine private Schule. Staatliche Schulen sind in dem Berufsfeld rar gesät (2 in Deutschland), die auch hauptsächlich künstlerisch orientiert sind. Meine Ausrichtung ist tiefenpsychologisch. Das Experiment oder auch Projekt organisiere ich selbst. Sollte sich meine Annahme ansatzweise bestätigen, möchte ich gerne gemeinsam mit einer Universitätsklinik ein Projekt in größerem Umfang starten.
    Ich bin sozusagen mein erster Beweis, doch ich bin nicht allgemeingültig und es liegt mir sehr viel daran...vielleicht können ja andere Betroffene auch davon profitieren. Es gehört allerdings ein gutes Stück Bereitschaft dazu, mit sich selbst reflektiert zu "arbeiten".

    Viele Grüße,
    Marion
  • peter

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 12:37:47
    es wäre nicht schlecht im interesse von allen,
    wenn der ausdruck -diplomarbeit- "nur" für eine wirkliche diplomarbeit verwand werden würde.
    das diplom so einer privaten schule ist nichts weiter als ein stück bedrucktes papier.
    damit kann man unwissenden imponieren, und damit werden laien oft abgezockt.
    zum glück gibt es inzwischen gerichturteile , daß man solche sachen nicht bezahlen braucht.
  • Meinung

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 13:48:42
    Zitat:Unter der Grundannahme: Diabetes ist auch eine psychosomatische Erkrankung, also von der Seele auf den Körper projiziert (viele weitere Faktoren spielen aber meist auch eine Rolle), stelle ich folgende Behauptung auf:

    „Mit Hilfe der Kunsttherapie und anderen körpernahen Therapieformen, die in der Psychosomatik ihren Einsatz finden, können von Gefühlen ausgelöste Blutzuckerentgleisungen in ihrem Ausmaß vermindert werden.“ Ende.

    Du wolltest ja ehrliche Meinungen hören....und bitte auch nicht böse sein. Ich meine, dass die Grundannahme bereits falsch ist und zu weit hergeholt.

    Wie definierst du denn "von Gefühlen ausgelöste"? Was meinst damit?

    Definier mal in dem Zusammenhang bitte das Wort "Gefühle".

    Gefühle, Stress und Co. setzen doch auch nur biochemische Prozesse in Gang.
  • peter1

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 13:59:07
    da diabetes t1 schon bei extrem jungen babys auftreten kann - damit die psychosomatische schiene ad absurdum geführt ist, lohnt es nicht darüber zu sinnieren.
    .
  • Marion

    Rang: Gast
    am 24.06.2010 18:50:15
    Ja, ich wollte Feedback und das ist auch gut so.

    Ich muss eingestehen, dass ich mich ein wenig missverständlich ausgedrückt habe, aber dafür ist es ja auch ein Forum :)) Vielen Dank also für die Schelte.

    Korrektur:
    Diabetes gehört in den Bereich der psychosomatischen Erkrankungen. Damit meine ich nicht unbedingt ursächlich (aber auch dazu gibt es durchaus Vertreter), sondern: Weil Gefühle (Psyche) nachweislich die Blutzuckerwerte im Körper (Soma) beeinflussen.

    Gefühle:
    Sie lösen den biochemischen Prozess aus. Insgesamt eine sehr sinnvolle "Einrichtung". Je weniger ich die Gefühle bemerke (unbewusste Gefühle), umso stärker der biochemische Prozess. Auf den Diabetes projiziert, rede ich von Blutzuckerwerten in extremen Ausmaßen, z.B. für mich persönlich vormals ab ca. 300 aufwärts oder auch abwärts - ohne technischen/ medizinischen Grund. Meistens aber aufwärts. In der Psychosomatik, die auch noch in verschiedene Formen (z. b. mit körperlichem/ mediz. Befund, ohne Befund, aufgrund einer körperlichen Erkrankung...) unterteilt, wird davon ausgegangen, dass sich nicht wahrgenommene Gefühle über den Körper mitteilen (es gibt etliche Studien und Literatur dazu), sozusagen als Symbol. Das ist dann der Ansatz. Wenn ich also meine Gefühle erkennen kann, vor allem die verdeckten/ unbewussten, kann ich anfangen, mit ihnen umzugehen.
    Ein Beispiel: Hat jemand Bluthochdruck ohne eine körperliche Begründung, steckt meist (nicht immer) eine verdeckte starke Wut oder Aggression auf irgend etwas oder irgend jemanden dahinter. Dann könnte erarbeitet werden, z. B. kunsttherapeutisch, woher diese Wut kommt, ob sie noch stimmt, kann sie "aufgelöst" werden...?

    So dann die Annahme meines Projektes:
    Weniger starke verdeckte Gefühle - weniger extremste Blutzuckerwerte

    Habe ich die Fragen halbwegs beantwortet in dem kurzen "Abriss" bei dem komplexen Thema?
    Ich hoffe dieses Mal ohne Missverständlichkeiten.
    Wirklich vielen lieben Dank für die Fragen, Kritiken und Meinungen, sie sind sehr hilfreich.

    Viel Grüße,
    Marion


    Am Rande:
    Zum Diplomthema:
    Ein Diplom ist eine (Abschluss)arbeit, bei der wissenschaftlich gearbeitet wird. Ob an einer staatlich zugelassenen Institution oder privat, hat nicht unbedingt etwas mit der Qualität der Arbeit und der Kompetenz des "Diplomanden" zu tun. Es ist mir aber überhaupt nicht wichtig, von "Diplom" zu schreiben, ab sofort nenn ich mein Projekt wissenschaftlich erarbeitete Abschlussarbeit :-)

    Zum Baby/ Kleinkind:
    Ganz allgemein: Jedes Baby, auch wenn noch so klein, hat Gefühle und auch ein Baby kann Stress haben
  • Astrid

    Rang: Gast
    am 25.06.2010 02:03:30
    Hallo Marion,...

    ...du hast deinen Therapie-Ansatz an dir ausprobiert und warst erfolgreich?
    Das äußert sich wie? Weniger Insulin?

    Also mein BZ ist wenig gefühlsmäßig beeinflußt. Ich merke das immer daran, daß ich mit meiner Einschätzung meines BZ meilenweit danebenliege, z.B. habe ich das Gefühl mein BZ geht nach oben, dabei bleibt er ganz konstant im Normbereich, oder umgekehrt.Kann da bei mir keine wirklichen Zusammenhänge finden.
    Bin seit 2 Jahren Typ 1.

    mfg von Astrid
  • Joa

    Rang: Gast
    am 25.06.2010 22:02:24
    Sehr geehrte Frau Behrendt,

    könnten Sie freundlicherweise klarstellen, auf welcher Grundlage sie berechtigt sind, die Berufsbezeichnung

    ----- Psychotherapeutin (HPG) ----

    zu verwenden?

    Nach § 1 Abs. 1 des Psychotherapeuten Gesetz (Psych-ThG) ist die Verwendung der Berufsbezeichnung:

    "Pychotherapeut"

    geschützt und nur in sehr engem Rahmen zulässig:

    | Die Bezeichnung "Psychotherapeut" oder
    | "Psychotherapeutin" darf von anderen Personen
    | als Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten
    | oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
    | nicht geführt werden."

    Ich denke, dass da auch das Bestehen einer Heilpraktikerprüfung nach dem Heilpraktikergesetz (HPG) nichts ändert.

    Mit freundlichem Gruß
    Joa

  • peter

    Rang: Gast
    am 26.06.2010 12:35:18
    die voraussetzung um diese "prüfung" zu machen ist -hauptschulabschluss- weiter nichts.
    es ist ein multiple choice test der beliebig oft wiederholt werden kann. und eigentlich nur den zweck hat, patienten mit "echten" krankheiten zu erkennen und dann zum "echten" arzt zu schicken.
    hp gelten auch mit erfolgreicher "prüfung" als medizinische laien, daher sind sie nicht bei unsinn zu belangen. - daher braucht man unsinn auch nicht zu bezahlen-(unerbringlichkeit einer leistung)
    -die jährlichen fragen/antworten der hp "prüfung" findet man regelmäßig im netz.-
    was gerne verschwiegen wird, hp gibt es erst seit der nazizeit, da die ärzte an der front gebraucht wurden. als der krieg vorbei war ist nur vergessen worden sie wieder abzuschaffen.(in der brd/a)
    woanders gibt es sowas nicht. - scharlatane schon. von peter
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 26.06.2010 14:07:47
    Moin Peter,

    stimmt schon, aber mit gaaaaaaanz wenigen Einschränkungen genau so für den Arzt. So haben wir mit unserem Diabetes weder einen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf eine bestimmte Behandlung, noch auf ein bestimmtes Behandlungsergebnis. So könnte ein Typ1 allenfalls nach wiederholter Keto gerichtlich durchsetzen, endlich von Tabletten auf Insulin umgestellt zu werden. Aber wenn der Dok für ihn einen HBA1c von 10 für völlig ok deklarierte, könnte er seine Anleitung zu besserem nicht gerichtlich durchsetzen, sondern nur - und ggf. mit einem anderen Arzt - selbst machen. Die DDG-Leitlinien haben absolut keine juristisch bindende Wirkung. Und mehr haben wir leider nicht :-(

    Bisdann, Jürgen
  • peter

    Rang: Gast
    am 26.06.2010 15:06:08
    natürlich gibt es auch unter ärzten tiefflieger,
    kann mir aber nicht vorstellen daß jemand der mit keto ins kh kommt ohne insulin wieder rauskommt.

    von peter
  • Marion

    Rang: Gast
    am 26.06.2010 20:07:40
    @ Astrid,

    alleine mit mir selbst, also im Selbstversuch, kann ich die Kunsttherapie natürlich nicht so effektiv nutzen, aber in der Gruppe bzw. mit jemdandem, der die Stunde anleitet.
    Das ist meine Erfahrung. Und ja, bei mir gibt es keine extremen Blutzuckerwerte mehr, es sei denn, die Technik hat versagt. Ich unterliege auch keinem Kontrollzwang, der mich 'zig Mal am Tag testen lässt, damit ich rechtzeitig ausgleichen kann, sondern ich handhabe das für mich auf meine richtige Weise, im Normalfall etwa 3-5/Tag.

    Dass nun weniger Insulinbedarf bei mir ist, kann ich nicht unbedingt feststellen, aber das ist auch nicht das Ziel, sondern ein ausgewogenes, zufriedenes (medizinisch und seelische) Lebensdasein.

    Die Forschung zum Thema Diabetes und Psychologie ist derzeit ganz aktiv im Gange. Es wurde z. B. festgestellt, dass Diabetiker viel häufiger an Depressionen leiden als andere. So können auch spezielle Ängste, Zwänge, Burn out oder Essstörungen bei einem Diabetiker entstehen/ vorhanden sein. Ich vermute, dass das hier auch nicht unbedingt etwas neues ist.

    @ Joa
    danke für den Hinweis. Natürlich bin ich keine Diplom-Psychologin, sondern Heilpraktikerin für Psychotherapie. Mir wurde versichert, dass mit dem Zusatz HPG alles richtig sei. Ich werde das direkt beim Gesundheitsamt noch einmal nachfragen. Auf keinen Fall möchte ich mich mit falschen Federn schmücken und womöglich strafbar machen. Ich versuche eine Korrektur im Erstartikel.

    Gibt es eventuell noch weitere Fragen zum Thema oder auch Beanstandungen?

    Vielleicht noch ergänzt:
    Wer noch Interesse hat, verpflichtet sich natürlich nicht, wenn er/sie sich bei mir meldet. Vorraussetzung ist immer, ob die "Chemie" stimmt.. und das geht nur in einem persönlichen Kontakt, nicht per Mail usw.

    Viele Grüße,
    Marion

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 27.06.2010 09:50:22
    Moin Marion,

    ich finde Deinen Ansatz interessant, würde ihn aber zum einfacheren Verständnis weniger allgemein fassen und eindeutig auf die Bereiche eingrenzen, in denen die Psychologie und damit verwandte Ansätze schon allgemein und medizinisch anerkannt konstruktive Beiträge geleistet haben.

    So wirst Du allgemein Zustimmung erfahren, wenn ein wichtiges Ergebnis Deines Ansatzes die positivere Ausrichtung der Gefühlsalltage Deiner TeilnehmerInnen sein kann. Und dass so eine positivere Ausrichtung eine Vielzahl von Steuerabläufen im Organismus positiv beeinflussen kann, also z.B. die Steuerung der Ausgabe der Glukose, deren Speicherung (Glykogen), und Herstellung (Glukoneogenese) der Organismus ohne unser direkt bewusstes Zutun von außen irgendwie selbst verwaltet. Und dass Deine TeilnehmerInnen auf diese Weise z.B. eine messbare Glättung der Spitzen ihrer BZ-Kurven nach oben und unten erfahren können.

    Das Stück würde ich an Deiner Stelle zuerst einmal auf die sicheren Füße möglichst vieler nachvollziehbar belegter Teilnehmer-Erfahrungen stellen wollen. Und ich bin sicher, wenn dann jemand über so einen Kurs bei Dir schreiben würde, dass der Diabetes im Grunde eine psychosomatische Krankheit sei und das bei Dir in Deinen Kursen ja jeder sehen könne, würdest Du ihn ganz schnell aus dieser Veröffentlichkeitswelt zurück pfeifen wollen, die ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt, oft nicht einmal parallel zur tatsächlichen Wirklichkeit. Aber dass er Deinen Hinweis verstehen würde, dass Deine Kurse keinen organischen Defekt heilen können, wagte ich bei der mentalen Voreinstellung zu bezweifeln ;-)

    So sprechen heute wenige Veröffentlichungen mit echtem Neuigkeits-Gehalt oft eher für inhaltlichen Erkenntnisfortschritt, als eine sich häufende Vielzahl von sich scheinbar gegenseitig bestätigenden Veröffentlichungen, die sich häufig auf ernüchternd wenige und ernüchternd alte Quellen zurück verfolgen lassen. Und dazu passt, dass Zusammentreffen (Koinzidenz) gerne auf die ersten und sich dann womöglich schnell häufenden Blicke für die Ursache (Kausa) genommen wird. Und je häufiger Diabetes und Depressionen da auftauchen, desto intensiver muss daran ja ganz offenbar geforscht werden, oder?

    Schönen Sonntag, Jürgen
  • Meinung

    Rang: Gast
    am 30.06.2010 10:37:50
    Zitat:Es wurde z. B. festgestellt, dass Diabetiker viel häufiger an Depressionen leiden als andere. So können auch spezielle Ängste, Zwänge, Burn out oder Essstörungen bei einem Diabetiker entstehen/ vorhanden sein.Ende

    Das halte ich für eine These. WO steht das exakt?

    Ich gehe mit dir soweit, dass ich z.B., einen Unterschied mache, zwischen negativem und positivem Stress. Negativer Stress treibt -bei mir- den BZ nach oben.
    Um das zu vermeiden, steuere ich dagegen mit autogenem Trainung und Muskerelaxation nach Jacobsen.

    Kannst du bitte deinen Oberbegriff: Gefühle mal differenzieren mit ein paar konkreten Unterbegriffen?
    von Meinung
  • Marion

    Rang: Gast
    am 30.06.2010 15:25:43
    @ Jürgen

    Moin (kommt mir irgendwie bekannt vor) und vielen Dank für Deine hilfreichen erklärenden Worte. Ich fasse sie als ein Stück vermittelnd auf :)
    Mir ist tatsächlich auch schon aufgegangen, dass der Einstieg in dieses Thema hier etwas holprig war.
    Und natürlich sorgen für den Leser individuell befremdliche Behauptungen auch gerne einmal für "Zündstoff".

    @ Jürgen und @ Meinung
    Eine Studie (2009) der Universitätsklinik Dortmund/ Forschungsinstitut Bochum hat zu dem Ergebnis geführt, dass ein Diabetiker eher an Depressionen erkranken kann als ein Nicht-Diabetiker. Andere Kliniken, wie z. B. die Psychosomomatische Klinik der Universitätsklinik Düsseldorf oder die Medizinische Hochschule Hannover befassen sich mit psychologischen Aspekten im Zusammenhang mit Diabetikern. Weiter andere Kliniken ebenfalls. Die Forschungen gehen also voran.

    Es gibt den Verein Diabetes & Psychologie e.V., der sich für Aufklärung, Forschung und Weiterbildung einsetzt und stark macht. (www.diabetes-psychologie.de)

    Hier ein paar konkrete "Gefühle"
    Angst vor Spritzen, vor Insulin, Angst vor Hypos, Angst vor Folgeschäden
    Zwänge: z. B. ständiges Kontrollieren der BZ-Werte
    Essstörungen: Bei jungen Frauen ohne Diabetes liegen die Auftretensraten bei 0,2%- 1% für Anorexie und 1-3% für Bulimie . Junge Diabetikerinnen haben andere Prozente: 1-7% (3% im Mittel) Anorexie und 1-34% (9% im Mittel) Bulimie (Quelle: 2002 Psycho-Diabetologie, Karin Lange, Axel Hirsch - beide Fachpsychologen Diabetes DDG)
    Burn out im Hinblick auf die Diabetes - ausgebrannt, z. B. keine Kraft mehr - Überforderung durch ständige Disziplin

    etwas allgemeiner:
    Was ist mit der Akzeptanz? Z.B. Ist der Diabetes akzeptiert, wenn ich alles technisch "perfekt" handhabe? Was sagt meine Seele, mein Gefühl dazu? Bin ich sauer, wütend oder frustriert darüber?

    Wie gehe ich in meinem Umfeld damit um und wie geht mein Umfeld mit mir um?

    Fragen nach der Eigenverantwortung?

    Wie steht es mit der Liebe und der Eigenliebe?
    Stehe ich zu mir und kann ich mich dem Leben hingeben, es voll und ganz genießen?
    Kann ich annehmen?
    .....


    Ist eigentlich jeder Diabetiker ein Perfektionist?

    Guter Hinweis von Dir, Meinung!
    Autogenes Training und Muskelentspannung ist übrigens sehr empfehlenswert - für alle :))

    Bin ich damit nun ein wenig konkreter gewesen?

    Herzliche Grüße,
    Marion
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 30.06.2010 19:26:52
    Moin Marion,

    wo 1 von 10 Piepels im Gesamtbevölkerungsdurchschnitt Diabetes hat, wenn Du den Schnitt ab 40 Jahren nimmst, eher schon 1 von 5, finde ich die Häufigkeit der Beschäftigung mit dieser chronischen Krankheit (Google Diabetes Depression 10.000.000 Ergebnisse) und Depressionen nicht besonders auffällig, wenn ich das etwa mit den 5.290.000 Ergebnissen für HIV und Depression vergleiche. Oder die 12.000.000 Ergebnisse für MS und Depression.

    Dein Einstieg hatte sich sehr danach gelesen, dass die Depression den Diabetes mache. - Selbstverständlich hat jede chronische Krankheit ihr Depressions-Potenzial. Dafür gibt der Diabetes reichlich Ansatz, ganz vornan das Todesurteil mit qualvoller Verzögerung, das die Diagnose fachoffiziell noch bis 1993 bedeutete. Und das nicht wirklich aufgehoben ist mit der Therapie- und Krankheits-Eskalation, die auch bei 100% Compliance heute noch die Regel ist. Nicht umsonst liegen Diabetiker bei Amputationen, PNP, Erblindungen, Nierenversagen und weiteren Fiesigkeiten ganz vorn, und eindeutig nicht nur die eindeutig schlecht eingestellten.

    Dieses Lotto-Prinzip ist vielleicht einer der deprimierendsten Aspekte: Schon mit HBA1c um 7 haben gut 10 von 100 Betroffenen wenigstens 1 voll ausgebildete diabetische Fogekrankheit, und die Trefferquote steigt mit dem Dienstalter und dem HBA1c-Wert. Klar werden viele nicht getroffen, aber niemand kann mir garantieren, dass ich mit 7 oder 6 oder auch darunter nicht doch irgendwann meinen Gewinn ziehen muss :-(
    Tatsächlich ist dieses Lotto-Feeling für viele von uns wahrscheinlich das Sahnehäubchen auf jeder Therapie-Anstrengung von der Verzehr-Einschränkung bis zur passenden Medi-Einnahme für den möglichst gesunden BZ/HBA1c. Wobei der HBA1c-Wert dieses Lotto-Feeling de facto noch mächtig verstärkt. Denn er bildet die postprandialen BZ-Spitzen nur sehr mangelhaft ab, die längst vor allem bei Augen-, Herz-Kreislauf- und Nerven-Spezialisten im Ruf stehen, sie supergut mit Arbeit zu versorgen.

    Und dann kommt dazu noch das miese Gesamtgefühl, das vor allem bei älteren oral eingestellten Typ2 den Tag bestimmt, wenn die sich praktisch beständig bei 200mg/dl und mehr aufhalten. Dabei wird die großzügigere Einstellung mit dem Wohlerfühlen durch weniger Einschränkungen durch die Therapie begründet. "Oh wie schön, dass niemand weiß, dass ich Wohlerfühlen heiß," seh ich da das Depristilzchen munter hüpfen ;-(

    Bisdann, Jürgen
  • Joa

    Rang: Gast
    am 30.06.2010 23:47:48
    Hallo Marion,

    > Marion schrieb:

    > Wie steht es mit der Liebe und der Eigenliebe?
    > Stehe ich zu mir und kann ich mich dem Leben
    > hingeben, es voll und ganz genießen?
    > Kann ich annehmen?

    Wo wir dann bei der Idee sind, dass die Zellen die Süße des Lebens wegen fehlender Eigenliebe nicht annehmen können, oder so?

    Thorwald Dethlefsen, ick hör Dir trappsen. :-)))

    Es ist schon eine sehr buntgescheckte Mixtur, die du da kunsttherapeutisch zusammencollagierst.

    Gruß
    Joa
  • Marion

    Rang: Gast
    am 06.07.2010 18:53:47
    @ Jürgen
    Eine chronische Krankheit zu akzeptieren, damit zu leben und vernünftig mit umzugehen ist wahrscheinlich für jeden Betroffenen nicht ganz leicht.
    Dass es zu Depressionen kommen kann (deswegen) ist auch nicht neu. Aber das Erbebnis der Studie hinsichtlich Diabetes und Depressionen.
    Man gut, dass sich mit diesen Themen beschäftigt wird, um Abhilfe zu schaffen, bzw. Hilfestellung zu geben. Egal bei welcher Krankheit.
    Ich habe unter den chronischen Krankheiten den Diabetes herausgewählt, weil ich mich damit doch halbwegs auskenne. Das "Neue" daran ist, dass mir bisher noch kein Projekt bekannt ist, bei dem konkret eine kunsstherapeutische Begegnung stattfindet, schon gar nicht mit der Behauptung, die ich aufgestellt habe.

    Dass Du die Eingangsformulierung anders verstanden hast, finde ich interessant, da es tatsächlich auch Annahmen und Vermutungen in die Richtung gibt, dass Depressionen eventuell einen Diabetes verursachen können. Diese Überlegungen kann ich nun leider nicht personell zuordnen, aber Detlefsen oder Dahlke waren es nicht :)) Naja, und diese Diskussion passt dann auf alle Fälle in meine erste Behauptung, die ich aber später korrigiert habe, wie Du weißt.

    @ Joa
    traps.. traps.. auf diese Autoren hätte ich mich bezogen, wenn sie die einzigen wären, die diese Annahmen haben. Eigenliebe, Selbstwert sind in ganz vielen Fällen, ob Diabetes-Problem oder ohne Diabetes-Problem, der Knackpunkt.

    Ja, die Kunsttherapie ist sehr vielfältig und die Themen, die einen Menschen mit Diabetes berühren können, auch. Schema F halte ich da für wenig empfehlenswert.

    Noch zur Info:
    Ich habe übrigens mit dem hiesigen Gesundheitsamt noch einmal telefoniert, um die fraglichen Bezeichnungen der Heilpraktiker für Psychotherapie zu klären.
    Folgende mündliche/ telefonische Aussage:
    mit der Bezeichnung Psychotherapeut (HPG) macht sich ein Heilpraktiker für Psychotherapie nicht strafbar, er darf sich so nennen, das Gesundheitsamt hat nichts dagegen. Mundläufig ist HPG die Abkürzung für Heilpraktikergesetz. Mir wurde dann aber noch geraten, wenn ich ganz sicher gehen möchte, solle ich die richtige Abkürzung benutzen - HeilPrG. Strafbar mache ich mich nur, wenn ich gar keiner bin, mich aber so nenne.
    Da ich grundsätzlich verpflichtet bin, einen Klienten über den Unterschied zu einem "normalen" Psychotherapeuten aufzuklären, kann also niemand in die "Irre" geführt werden :)

    Viele Grüße,
    Marion

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 08.07.2010 09:00:02
    Moin Marion,

    dass es bislang noch keine Veröffentlichung zu einem kunsttherapeutischen Ansatz gibt, halte ich nicht für ungewöhnlich. Denn sooo viele Kunsttherapeuten wird es nicht geben, und denen werden Krankheitsfelder näher liegen, die in dem Zusammenhang schon populärer sind.

    Was die Medizin mit bestimmten Blutzucker-Höhen als Diabetes definiert hat, ist eine Teamleistung aus bisher identifizierten Mitspielern im Darm, in der Bauchspeicheldrüse, der Leber und den Nieren. Und es kann mit zunehmenden Erkenntnissen gut noch der eine oder andere weitere dazu kommen. Dieses Team ist so angelegt, dass Störungen bei einzelnen Mitspielern von den anderen instantan voll ausgeglichen werden, ebenso kleinere Defekte. Erst wenn ein Defekt sich so weit ausgewachsen hat, dass das übrige Team ihn nicht mehr ausgleichen kann, wird das nach außen hin mit dem höheren BZ sichtbar. Schon dann sind wir zeitlich so weit von den Anfängen des Defektes entfernt, dass ein Zurückverfolgen bis in den Bereich der ersten Störung mit Hinweisen auf den etwaigen Auslöser praktisch kaum möglich ist.

    Aber dann ist das ja noch lange kein Diabetes, sondern erst einmal ein medizinisch völlig verharmloster höherer BZ. Erst wenn der Betroffene mit einem BZ nüchtern aufsteht, den der gesunde Mensch nur für wenige Minuten in der Spitze nach dem Essen von viel KHs=Zucker erreicht, wird die so definierte Diagnosereife erreicht. Und die liegt wiederum um Monate bis Jahre entfernt von der ersten messbaren BZ-Auffälligkeit.

    Will sagen, in einer sooo unbestimmt unbekannten Vergangenheit einen Pflock setzen und daran den seelischen Ursprung des Diabetes verorten, womöglich noch mit der Süße des Lebens und der Liebe, mit der er sachlich höchst wenig zu tun hat, halte ich nach wie vor für vermessen. Zumal er dem möglichen Erfolg, den ich erwarten würde, wie ein unüberwindlicher Berg im Wege stehen müsste.
    Als möglichen und großartigen Erfolg würde ich jeden nennenswerten Beitrag sehen, den die Kunsttherapie dazu leisten könnte, dass Betroffene, die das von sich aus nicht schaffen, ihren Diabetes akzeptieren und sich aktiv daran machen, gesund mit ihm zu leben.

    gut schwitz, Jürgen
  • Marion

    Rang: Gast
    am 08.07.2010 20:13:09
    Hallo Jürgen,

    Zitat:
    > Als möglichen und großartigen Erfolg würde ich jeden nennenswerten Beitrag sehen, den die Kunsttherapie dazu leisten könnte, dass Betroffene, die das von sich aus nicht schaffen, ihren Diabetes akzeptieren und sich aktiv daran machen, gesund mit ihm zu leben.<

    Ja, das ist genau das, wovon ich rede. Allerdings mit ein paar kleinen Zusätzen :)), aber im Grunde geht es darum, nicht nur um die Akzeptanz allein, sondern auch um weitere Themen, wie z. B. die Ängste, Frust, soziale Aspekte.

    Bis bald,
    Marion