Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Kann mich mit Diabetes nicht abfinden

  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 29.05.2007 17:50:28
    @Patritsch

    Gute und gesunde Einstellung. Hut ab. Ich bin ähnlich drauf.

    Noch zwei Anmerkungen:

    Als ich meinen D. vor 10 Jahren bekam, war es für mich nicht vorstellbar ohne vorherige Symptome zu unterzuckern. Merkst Du ja früh genug, war meine Devise. Jetzt, viele Jahre und viele viele Dutzend Hypos später sehe ich das etwas anders. Meistens kündigen sich die Hypos noch an. Manchmal leider nicht mehr. Und letzteres ist mir in den letzten 2 Jahren dreimal passiert. Einmal mit gaaanz großer Schow, ich erwachte damals in der Matrix.

    Und noch eines: Es gibt bei fast allen Diabetikern auch schlecht einstellbare Phasen oder einfach psychische Durchhängerphasen. Dann ist das alles sehr viel komplizierter, als Du Dir das jetzt vorstellen kannst. Ohne Dir nahe treten zu wollen: 2 Monate ist erst mal nix. Aber trotzdem Glückwunsch zum guten Start.

    Fuchs
  • Patritsch

    Rang: Gast
    am 30.05.2007 19:50:57
    Hi Fuchs,

    tja, da hast Du natürlich vollkommen recht: Zwei Monate sind mit einem halben Leben (und den damit verbundenen Veränderungen im Krankheitsverlauf) natürlich nicht zu vergleichen. Und auch ich kann ja nicht wissen, ob bei mir nicht irgendwann zwischendurch mal der große Katzenjammer kommt.

    Aber trotzdem denke ich: Diabetes lässt sich sehr leicht annehmen (z.B. im Vergleich zu einer Trigeminusneuralgie). Außerdem bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, das ist für mich der entscheidende Punkt. Es gibt ja keine Alternative zur Annahme einer Krankheit, außer Selbstmord natürlich - aber so schlimm finden wohl die wenigsten ihre "Zuckerharnruhr" (geiles Wort, oder?).

    Wer mit Situationen hadert, die sich nicht ändern lassen, macht sich ja nur selbst unglücklich. Aber die Menschen so sehr damit beschäftigt, etwas sein zu wollen, was sie nicht sind, dass sie gar nicht mehr erkennen können, was sie wirklich sind. Ein generelles Problem, wenn Du mich fragst. von Patritsch
  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 30.05.2007 21:00:29
    Ja, ja, oft werde ich mit großen Augen angesehen und man fragt mich, "woher der Zucker kommt". Das sind meistens die Leute, die von sich sagen, sie könnten sich niiiiieee im Leben spritzen.

    Ich sage dann immer: Einige Leute bekommen Infarkte oder Hodenkrebs, andere laufen vor den Bus. Und ich habe eben den Diabetes.

    Ich hatte i.ü. auch vor 10 Jahren bei Beginn Null Probleme mit der Diagnose und Null Probleme mit Pens oder Spritzen.

    Mein Leben hat sich nach der Diagnose zu 95% auch nicht geändert. Ab und zu trinke ich sogar einen über den Durst. Das ist sogar als Typ1 ohne Probleme möglich.

    Sag mal, wäre die Pumpe nix für Dich?

    Fuchs
  • anonymus

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 02:07:49
    was ist denn Zuckerharnruhr?
    woher kommt das wort?
  • Pia

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 10:42:51
    Hi Patritsch und Fuchs,

    das klingt wie Bilderbuch, was Ihr da schreibt. Und eine winzige Spur arrogant...sorry.

    Und auf jeden Fall habt Ihr damit Recht, dass in der Relation zu "Krankheiten", die die Lebensqualität wirklich negativ beeinflussen, Diabetes ein lauer Schnupfen ist. Ds trifft sicher auf Menschen zu, die noch nie krank waren und nun Diabetes als einzige Diagnose gestellt bekommen und dies dann als Mammutproblem ansehen.

    ABER:
    Es gibt ne Menge Diabetiker, bei denen Diabetes nicht die alleinige Krankheit ist, sondern meist haben die noch ne Menge andere am Hals. Schmerzpatienten z.B. , bei denen Schmerzen die Lebenskraft systematisch auffrisst. Und die vielen verschieden Faktoren kippen sich sich dann immer mal gegenseitig aus dem Gesamtkonzept. Siehe z.B. Cora.
    Und nicht jeder ist von Haus aus ein Positivdenker und Lebensbewältiger.
    Und auch DAS sollte man Menschen zugestehen. Natürlich mit dem Ziel, beizustehen, zu helfen, wenn man kann, damit DM dann in gesunden Relationen zu anderen Krankheiten bewertet wird..


    von Pia
  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 11:16:29
    @Pia

    Ist es "arrogant" wenn man gut oder sehr gut mit dem Diabetes leben kann und dies anderen mitteilt, um Hoffnung und Ansporn zu geben? Arrgogant wäre es m.E., wenn ich sage, dass alle anderen "doof" sind, die nicht so denken und nicht so handeln. Dass es auch schwierige Phasen gibt, habe ich i.ü. ja auch beschrieben. Und nicht jeder hat das Glück mit seiner Krankheit so "gut" zurecht zu kommen.

    Ich selbst bin 100%tig davon überzeugt, dass die persönliche Einstellung zu einer Krankheit oder zu einer Behinderung enorm viel Einfluss auf den Verlauf der Krankheit und das eigene persönliche Wohlbefinden hat.

    Es gibt Leute ohne Hände und ohne Füße, die ein eigenbestimmtes Leben mit Familie, Arbeit, Freunden, Urlaub, allem Zipp und Zapp leben. Die in die Hände spucken und sagen, o.k., ich abe nur dieses eine Leben, da mache ich was draus. Das finde ich sehr bewundernswert.

    Und es gibt das andere Extrem. Das Nicht-akzeptieren können. Das Selbstmitleid. Das Zaudern. Wann werde ich endlich frühberentet? Solche Fälle kenne ich zur Genüge. Und sind sie dann endlich mit 30 frühberentet, dann jammern sie über Einsamkeit und das sich keiner kümmert.

    Die meisten Leute befinden sich wahrscheinlich in der Mitte. Ich selbst versuche mich möglichst weit am Extrem der Klarkommer zu orientieren.

    Das ist nicht arrogant, Pia, das ist pragmatisch.

    Fuchs
  • Pia

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 12:51:41
    Zitat: Ich selbst bin 100%tig davon überzeugt, dass die persönliche Einstellung zu einer Krankheit oder zu einer Behinderung enorm viel Einfluss auf den Verlauf der Krankheit und das eigene persönliche Wohlbefinden hat. Zitatende
    ------------
    Hier volle Zustimmung. Ich bin sicher, dass wir auch viel zu wenig und zu selten unsere Selbstheilungskräfte aktivieren.
    Man benötigt eine Lebensdevise, nach der man sich grundsätzlich ausrichtet.
    Wenn Jemand z.B. über meine Amputation geschockt ist, dann sage ich: Solange ich auf Grund einer Krankheit nicht von Fremdhilfe abhängig bin, ist es wurscht, wie die Krankheit heißt. Ich glaube, Unabhangigkeit, Schmerzfreiheit und Mobilität sind sehr wichtig. von Pia
  • Maria

    Rang: Gast
    am 31.05.2007 15:37:48
    Lieber Fuchs!
    Zitat:
    Es gibt Leute ohne Hände und ohne Füße, die ein eigenbestimmtes Leben mit Familie, Arbeit, Freunden, Urlaub, allem Zipp und Zapp leben. Die in die Hände spucken und sagen, o.k., ich abe nur dieses eine Leben, da mache ich was draus.


    Nicht böse sein: Aber wie spuckt man sich in die Hände, wenn man gar keine hat?
    In der Sache an sich stimme ich dir voll zu.
  • Cora

    Rang: Gast
    am 01.06.2007 03:58:06
    Hallo Fuchs,

    Du schreibst:
    " Ist es "arrogant" wenn man gut oder sehr gut mit dem Diabetes leben kann ..."

    So meinte es Pia nicht. Lies bitte noch mal richtig, was sie Dir geschrieben hat:

    "...das klingt wie Bilderbuch, was Ihr da schreibt. Und eine winzige Spur arrogant...sorry. "

    Pia hat nicht geschrieben, dass es arrogant ist, sondern dass es s o k l i n g t und das ist ein kleiner, feiner Unterschied. von Cora
  • Pia

    Rang: Gast
    am 01.06.2007 09:28:24
    Also langsam wirst du mir unheimlich, Cora,
    das war mir selbst nicht mal aufgefallen.
    Aber das zeigt davorn, dass du sehr feinfühlig und sensibel Zwischentöne wahrnimmst. Das ist eine seltene Gabe.
    Ich habe dir noch mal meine mailadresse hingeschrieben, vielleicht hast du ja Lust, zu schreiben. Ich würde mich sehr freuen, dich privat (per mail) kennenzulernen. Wenn du sagst, ach, nööö, das hier so im Forum, das ist für mich so alles erst mal OK, dann passt das auch. Ich drück dich aber einfach mal virtuell. von Pia