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Spritzen bei Tisch

  • mämchen

    Rang: Gast
    am 22.01.2007 22:42:58
    Hallo, Cindy,
    nein, deine Fragen kommen mir überhaupt nicht komisch vor: du hast eine provozierende, uneinsichtige übergewichtige Schülerin ohne Manieren und versuchst, im Sinne von(Tisch-)manieren, Ästethik und gesunder Ernährung zu retten, was zu retten ist. Je mehr du sagst, desto bockiger wird sie, oder?
    Diabetes wird auf unterschiedliche Weise behandelt. Es gibt z. B. die sog. ct = Konventionelle Therapie mit starrem Spritz-Eß-Plan, also eine auf vorgegebene Broteinheiten abgestimmte Insulindosis zu festen Zeiten, ganz gut für Menschen mit gleichmäßigen Tagesabläufen, und, wohl wie bei deinem Zickchen, die ict = intensivierte Insulintherapie. Hier sieht die Einstellung so aus, dass man einen sog. BE-Faktor hat, die Anzahl der gewünschten zu essenden BE ermittelt u. mit dem Faktor multipliziert. Der Faktor kann zu den verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich hoch sein: morgens 2 IE pro BE, mittags 1,25 / 1 BE, abends 1,75 /1BE. Esse ich mittags 4 BE, spritze ich 5 Einheiten Insulin.
    GGf. kommt noch Korrekturinsulin hinzu, wenn der Wert zu hoch sein sollte, oder ich ziehe was ab, wenn der Bz eher niedrig ist. Oder, bei schnellem Insulin u. niedrigem Wert spritze ich nach der Mahlzeit.
    Es ist ein sehr komplexes Thema, deshalb wird Zickchen denken, du hast keine Ahnung u. sie hat (vermutlich) eine Schulung, also läßt sie sich von dir nichts sagen.
    Das Thema gesunde Ernährung gilt gleichermaßen für alle, und, wie mein Vorredner schrieb, wer zu viel ißt , wird fett, egal ob dm oder nicht. Aber jemand, der Insulin spritzt, hat es schwer abzunehmen. IInsulin ist ein Masthormon, verlangt immer wieder essen, wer ißt, spritzt, braucht essen...... Es bedarf eiserner Disziplin, lies hier im Forum mal die Hilfeschreie!
    Um noch mal auf die ict zu kommen: dadurch kann man wirklich sehr frei leben, aber die Verführung ist groß, schließlich kann man ja alles "abspritzen". Ich gönne mir auch gerne mal was, aber "die Dosis macht das Gift".
    Folgeschäden durch Insulin sind nicht zu erwarten, wenn man mal das angefutterte Gewicht außen vor läßt. Folgeschäden entstehen durch dauerhaft zu hohe Werte, in den Augen, Nieren, Füßen bis zur Erblindung, Dialyse, Amputation. Wenn sie noch so jung ist wäre eine gute Einstellung besonders wichtig, aber das geht über deine Belange hinaus.
    Ich finde es toll, was du dir für Gedanken machst und wünschte, mehr Lehrer hätten so viel Engagement.
    von mämchen
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 22.01.2007 23:42:58
    Hallo Cindy,
    hab mich auch auf den Text in "Ernährung" bezogen, aber du verstehst mich schon.
    Liebe Grüße! von mämchen
  • eva weichwald

    Rang: Gast
    am 23.01.2007 10:04:19
    Hallo Mämchen,

    vielen, vielen Dank für deine Ausführliche Antwort!!!

    Du hast genau verstanden um was es bei mir in der Klasse geht.

    Das Thema gesunde Ernährung und gute Tischsitten, bzw. Benehmen, werde ich nicht ad akta legen, darin hast du mich jetzt bestärkt.

    Ich werde mich noch etwas mehr informieren, damit meine Schülerin merkt, dass ich sehr wohl auch bescheid weiß.

    Das Thema Insulin und Abnehmen möchte ich noch genauer recherschieren, vielleicht macht es ja auch irgendwann "klick" bei meiner Schülerin.

    Dir alles alles liebe.

    Gibt es denn vielleicht ganz leicht verständliche Literatur in der man in kürze alles nachschlagen kann??
    Ich mein wie so eine Zusammenfassung des aller wichtigsten?

    Mir ist inzwischen klar geworden, dass das Thema sehr komplex ist, aber ich habe einfach nicht die Zeit um viele dicke Bücher nur über das Thema Diabetes zu lesen. Und jeden Sonderfall muss ich ja wohl auch nicht kennen, dazu sind die Ärzte da und letzendlich ist doch jeder diabetiker über kurz oder lang Fachmann/frau für sein Handycap.

    Grüßle Cindy
  • mämchen

    Rang: Gast
    am 23.01.2007 20:17:43
    Hallo, Cindy,
    danke für die netten Worte.
    Ja, du hast sehr höflich u. vorsichtig umschrieben, aber ich hab jahrelang Jugendgruppen geleitet, war auf div. Diab.-Schulungen, wo man mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen kommt, und jetzt hab ich einen Sohn von 20 u. eine Tochter von 14 Jahren, zum Glück beide gesund, aber durchaus auch mal eigensinnig, intolerant, provozierend.
    In den Schulungen wird einem vermittelt, dass man sich wg. des dm nicht schämen muss u. bspw. spritzen am Tisch eine Selbverständlichkeit ist. Tu ich auch, überall, kann man aber so oder auch so machen... Wo es da bei Zickchen fehlt, hat nichts mit dem Diabetes zu tun, denke ich. Du steckst da ganz schön in der Zwickmühle.
    Literatur, wie du sie suchst, kenne ich leider nicht, da Betroffene es einfach bis ins Detail wissen müssen. Aber du könntest hier mal gucken, da gibt es Infos für Einsteiger, Fortgeschrittene, Profis, Angehörige...

    http://www.forum.diabetesinfo.de/

    Mußt dich durchknabbern, vielleicht hilft es dir weiter.
    Du kannst mich auch gerne direkt anmailen, Adresse ist oben versteckt.

    Gib nicht auf, irgendwann wird deine Klasse wissen, was sie deinem Engagement verdankt.

    Liebe Grüße

    mämchen







  • friedi

    Rang: Gast
    am 25.01.2007 14:23:44
    Ich möchte Ihnen auch meine Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Spritzen am Tisch mitteilen.
    Ich bin 37 Jahre alt und seit einem Jahr spritzende Typ I Diabetikerin.
    Am Anfang ist einem das natürlich sehr unangenehm und ich habe anfänglich auch nur auf der Toilette gespritzt.
    Mit der Zeit (wahrscheinlich dann wenn man die Krankheit akzeptiert hat) ist es ein Teil von einem selbst. Mittlerweile spritze ich auch bei Tisch. Wenn man alles gut vorbereitet hat. (Nadel gewechselt, Pen griffbereit) und die entsprechende Kleidung anhat (T-shirt oder Pulli, den man nur leicht anheben muss) fällt das Spritzen niemanden auf. Ich könnte also nicht bestätigen, das mein Bauch dabei am Tisch liegt.
    Das Blutzuckermessen knapp vor dem Essen ist wichtig, damit man die entsprechende Insulindosis richtig berechnen kann. Im Restaurant messe isch schon meist bevor ich mich zu Tisch setzte. (da es etwas auffälliger ist als das Spritzen)
    Auch bei mir kommt es vor, dass ich während des Essens spritze., da ich im Vorfeld nicht immer weiß wieviel ich essen werde. Bei mehreren Gängen kann es sorgar vorkommen, dass ich zwischendurch spritze. Man kann ja nicht immer in vorhinein abschätzen wie groß die einzelnen Portionen sind.

    Im Falle eines Jugendlichen Typ I -Diabetikers ist die Pubertät sicher ein wesentliches Kriterium für das Verhalten. Viele Jugentliche neigen in der Pubertät dazu ihren Diabetes überhaupt nicht zu beachten, da sie wie alle Anderen leben wollen. Ich find es gut, dass Ihre Schülerin sich anscheinend doch damit auseinandersetzt. Das ihr Spritzverhalten im Moment nicht der Ettiket entspricht würde ich eventuell übersehen. Oder vielleicht mit Ihrem Einverständnis vor der ganzen Klasse thematisieren. So nach dem Motto - muss sein - ist nicht lustig - Hintergründe dazu - aber auch das Thema diskretes Spritzverhalten ansprechen. Wie empfinden das die anderen? So haben auch die anderen die Möglichkeit Fragen zu stellen und die Diabetikerin hat auch die Möglichkeit Ihre Sichtweise darzulegen und erfährt so nebensbei, wie ihr Spritzverhalten bei den Tischnachbarn so ankommt.
    Und zum Schluss, muss ich als Mutter von 2 Kindern noch anmerken, dass ich es auch sehr toll finde, wieviele Gedanken Sie sich um Ihre Schüler machen und wieviel Energie und Zeit Sie in das Thema investieren. Viel Glück noch mit Ihrer "Süßen"
  • Eva Maria Weichwald

    Rang: Gast
    am 25.01.2007 17:12:45
    vielen Dank für Ihre Antwort, und den Zuspruch.

    Ich glaube Ihnen, dass Ihr Bauch nicht auf dem Tisch liegt, ich habe das auch bei meiner Freundin nie bemerkt.

    Wie man oben schon sehen kann, geht es doch wirklich darum ob man eine Schau draus macht oder nicht.

    Das Thema ist für mich auf jeden Fall Unterrichtsthema und ich werde versuchen es wirklich aus allen Perspektiven zu behandeln.
    Nicht nur rein Ernährungsphysiologisch, sondern vor allem das Thema Akzeptanz und Sozialverhalten wird dabei eine große Rolle spielen.

    Ihnen wünsche ich, dass Sie lernen gut mit Ihrem "Freund" (dem Diabetes) klar zu kommen.

    Grüße Cindy
  • Claudia

    Rang: Gast
    am 28.01.2007 20:46:40
    Hallo Cindy!
    Ich möchte meine Aussage bzgl. Deiner Einstellung zu Diabetikern revidieren. Ich fühlte mich persönlich angegriffen, wahrscheinlich, weil ich selbst oft ein Problem mit meinem Diabetes habe. Ausserdem bin ich echt genervt von den Menschen(meine nicht Dich), die ihr theoretisches Fachwissen über Diabetes zum Besten geben, aber keine Ahnung vom Umgang damit haben. Denn das Wissen darüber zu haben ist eine Sache, aber tagtäglich damit zu leben, eine andere. Wenn man dann-wie ich momentan-ständigen unerklärlichen BZ-Schwankungen ausgesetzt ist, obwohl man sich alle Mühe gibt, ist man eben irgendwann genervt.
    Zu Deiner Schülerin: Ich vermute, dass Sie unabhängig von ihrem Diabetes noch einige andere Probleme hat, und ihre Krankheit dafür nutzt, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, was ihr scheinbar auch gelingt. Dadurch bekommt sie negative Aufmerksamkeit. Deshalb ist mein Gedanke, die Schülerin in ihren positiven Eigenschaften zu bestärken und ihr das Gefühl zu geben, dass sie, so wie sie eben ist, gut ist. Vieleicht lässt ihr Zurschaustellen mit dem Spritzen dann nach.
    Liebe Grüsse
    Claudia